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Sonntag, 19. Mai 2013

Total Recall









Total Recall
(Total Recall)
mit Colin Farrell, Kate Beckinsale, Jessica Biehl, Bryan Cranston, Bokeem Woodbine, Bill Nighy, John Cho, Will Yun Lee, Milton Barnes, James McGowan, Natalie Lisinska, Michael Therriault, Stephen MacDonald
Regie: Len Wiseman
Drehbuch: Kurt Wimmer / Mark Bomback
Kamera: Paul Cameron
Musik: Harry Gregson-Williams
FSK 12
Kanada / Usa / 2012

Obwohl Fabrikarbeiter Douglas Quaid eine wunderschöne Frau hat, die er sehr liebt, klingt so ein Mind-Trip wie der perfekte Urlaub von seinem frustrierenden Alltag. Echte Erinnerungen aus dem Leben eines Superspions könnten genau das sein, was er braucht. Doch als die Programmierung schiefgeht, wird Quaid ein gejagter Mann. Von der Polizei verfolgt – die unter dem Kommando von Chancellor Cohaagen, dem Führer der freien Welt, steht – verbündet sich Quaid mit der Rebellin Melina, um den Chef der Untergrund-Widerstandskämpfer zu finden und Cohaagen zu stoppen. Der schmale Grat zwischen Fantasie und Wirklichkeit verschwimmt immer mehr, und das Schicksal seiner Welt droht aus dem Gleichgewicht zu geraten, als Quaid entdeckt, wer er wirklich ist, wen er wirklich liebt und was seine wahre Bestimmung ist.


In der heutigen Zeit gehört es ja mittlerweile fast schon zum guten Ton, das im Prinzip fast jedem einigermaßen erfolgreichen Film vergangener Zeiten eine Neuauflage zu teil wird. Nur selten können die Remakes dabei jedoch an die Klasse des Originals heranreichen und nicht anders verhält es sich bei diesem zeitlosen Klassiker, in dem Arnold Schwarzenegger 1990 die Hauptrolle spielte. Regisseur Len Wiseman (Underworld) folgt dabei den Gesetzen des Marktes und präsentiert ein aufgemotztes Action-SCI/FI Spektakel, das im Bezug auf Tempo und Action das Original sogar toppen kann, deswegen aber dennoch die weitaus schlechtere Variante darstellt. Das mag eventuell gerade die jüngere Generation etwas anders sehen, doch die Neuauflage ist dermaßen mit Action-Passagen vollgestopft, das sie an etlichen Stellen schon reichlich überladen erscheint. Ganz unweigerlich geht das dann auch auf Kosten der Geschichte, die zwar im Grunde genommen beibehalten wurde, aber doch einige wesentliche Änderungen beinhaltet. So fällt die Mars-Thematik hier vollkommen raus, man bekommt es mit einer totalitären britischen Union zu tun und anstelle vom Mars ist lediglich von der sogenannten Kolonie die Rede, die als Ziel für eine geplante Invasion herhalten muss. An diesem Punkt sind wir auch gleichzeitig bei der größten Schwäche dieses Filmes angelangt, denn war im Original der Mars noch der Hauptschauplatz des Geschehens, so wird die Kolonie viel eher unbeachtet in den Hintergrund gerückt und spielt im Grunde genommen eine vollkommen untergeordnete Rolle. Die wichtigsten Passagen des 90er Filmes wurden hier zwar übernommen, doch im Grunde genommen dreht sich das gesamte Szenario um eine endlos erscheinende Hetzjagd nach der Hauptfigur, hinter der sämtliche anderen Aspekte zurückstehen müssen.

Für manch einen mag das durchaus nachvollziehbar sein, ist es doch in der heutigen Zeit anscheinend enorm wichtig, den Zuschauer hauptsächlich mit Tempo und jeder Menge Action zu beglücken. Das es dabei äußerst oft zuviel des Guten ist scheint nur die wenigsten zu stören und wenn die Geschichte samt Atmosphäre viel an Klasse verliert, dann wird das zumeist einfach nur so hingenommen. Und so entfaltet sich dann auch in vorliegendem Fall ein Szenario, das zwar eine zugegebenermaßen schön düstere Grundstimmung verfügt und auch rein visuell ein echter Hingucker ist. Die rasante Erzählweise der Ereignisse ist auf jeden Fall äußerst unterhaltsam und mag zudem auch zeitgemäß erscheinen, doch einem direkten Vergleich mit dem Werk von Paul Verhoeven kann diese Neuauflage zu keiner Zeit standhalten. Dabei machen die Darsteller ihre Sache im Prinzip recht gut, ein Colin Farrell ist sichtlich bemüht, erscheint aber phasenweise dennoch wie ein Fremdkörper, der sich in den falschen Film verirrt hat. Es sind hauptsächlich die Damen der Schöpfung die hier einen sehr überzeugenden Eindruck hinterlassen, wobei Kate Beckinsale die gute Jessica Biehl noch bei weitem übertrumpft. Bei diesem Punkt ist man dann auch bei einer Neuerung angelangt, die man auf jeden Fall als gelungen ansehen kann, denn die Rolle von Quaid's Ehefrau (Beckinsale) reicht dieses Mal bis zum Ende der Story und endet nicht wie im Original schon mitten im Film.

Ganz generell bleiben die Charakter-Zeichnungen der Figuren ein wenig hinter den Erwartungen zurück und wirken manchmal sogar recht schwammig. Nun ist es ja nicht gerade so, das man im 90er Werk von ausgefeilten Skizzierungen reden könnte, aber gerade die Charaktere von Quaid und Melina erschienen dort weitaus greifbarer und machten es einem viel leichter, einen wirklichen Bezug zu ihnen herzustellen. Hier ist dies leider nicht der Fall, denn anstatt die Figuren mit etwas mehr Tiefe auszustatten, hat Wiseman mehr auf den Action-Gehalt seiner Version gesetzt. Zugegeben, man bekommt in dieser Beziehung eine ganze Menge geboten, aber an einigen Stellen treten schon diverse Ermüdungserscheinungen auf, da es des Guten zuviel ist. Wer also auf die reine Action steht wird sicherlich gut bedient, muss sich dann jedoch nicht wirklich wundern, das die Qualität der Story an sich ein wenig auf der Strecke bleibt. Auch wenn sich das jetzt alles eher negativ anhört, ist "Total Recall" alles andere als ein schlechter Film. Der reine Unterhaltungswert ist sogar ziemlich hoch angesiedelt, doch gerade weil man das Grund-Konzept der Geschichte beibehalten hat, fallen diverse Defizite ganz besonders auf.

Letztendlich handelt es sich um ein Remake das man sich ohne Bedenken gut anschauen kann. Im direkten Vergleich mit dem Original sind jedoch sehr deutliche Qualitäts-Einbußen zu verzeichnen, an denen man keinesfalls vorbeischauen kann. Positiv sind sicherlich der futuristische Look und die düstere Grundstimmung zu bewerten, zudem bekommt man es mit einer glänzend aufgelegten Kate Beckinsale zu tun, die das absolute Highlight dieser Neuauflage darstellt. Die negativen Aspekte ergeben sich aus den blassen Darstellungen von Farrell und Biehl sowie aus der Tatsache, das wichtige Aspekte aus der Original-Story fast schon sträflich vernachlässigt wurden oder gar nicht erst eingebaut wurden. So kann der Film dann auch auf keinen Fall gänzlich überzeugen und dürfte auch nicht den großartigen Gesamteindruck hinterlassen wie Verhoeven's Film, der ganz eindeutig die bessere Variante des Stoffes ist.


Fazit:


Sicherlich zeitgemäß aufgepeppt kann "Total Recall" keinesfalls an seine Original-Vorlage heranreichen. Dennoch handelt es sich immer noch um gelungenes Popcorn-Kino, das allerdings teilweise actionmäßig vollkommen überladen erscheint, wodurch die eigentliche Geschichte leiden muss. Für einen kurzweiligen Film-Abend bestens geeignet, aber zu mehr reicht es nicht wirklich, so das man doch lieber zur Version mit Arnie greifen sollte, wenn man mal wieder Lust auf die totale Erinnerung hat.


6/10

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