Follower

Sonntag, 2. Juni 2013

The Flowers of War









The Flowers of War
(Jen Ling Shi San Chai)
mit Christian Bale, Ni Ni, Xinyi Zhang, Tianyuan Huang, Xiting Han, Doudou Zhang, Dawei Tong, Atsurô Watabe, Kefan Cao, Yangchunzi Yuan, Jia Sun, Yuemin Li, Bai Xue, Takashi Yamanaka
Regie: Yimou Zhang
Drehbuch: Heng Liu / Geling Yan
Kamera: Xiaoding Zhao
Musik: Qigang Chen
FSK 12
China / 2011

Nanking 1937: Die Invasion japanischer Truppen stürzt die chinesische Hauptstadt in Chaos und Verderben. Eine Gruppe von Schülerinnen kann die relativ sicheren Mauern der Winchester Cathedral erreichen, wo sich die Mädchen im Keller verstecken. In der Kathedrale sucht auch der Amerikaner John Miller Zuflucht. 13 Prostituierte aus einem nahe gelegenen Bordell flüchten sich ebenfalls in die Kirche. Als die Japaner das Haus stürmen, entgehen die Schülerinnen nur durch Millers beherztes Eingreifen der Vergewaltigung. Miller, der sich anfangs nur für die Wein- und Geldvorräte des Konvents interessiert, wächst immer mehr in die Rolle des Beschützers hinein. Als allerdings die Schülerinnen zum „Vorsingen“ zu einer japanischen Feier abkommandiert werden, kann nur noch eine List ihr Leben retten. Statt der Mädchen gehen die Prostituierten, verkleidet in Schuluniformen, in den sicheren Tod.




Basierend auf der Novelle von Geling Yan erzählt "The Flowers of War" ein einfühlsames-und eindringliches Kriegs-Drama, das dem Zuschauer eine Menge an Tiefgang offenbart. Über die politische Korrektheit des Filmes kann man dabei sicherlich geteilter Meinung sein, entsteht doch schon nach wenigen Minuten der Eindruck einer ziemlich einseitigen Erzählweise des Stoffes, der sich mit den Ereignissen nach dem berüchtigten Massaker von Nanking im zweiten Weltkrieg beschäftigt. Es werden von den Japanern begangene Kriegsverbrechen angeprangert, deren Authenzität sicherlich fragwürdig erscheint, da die vorliegende Geschichte ganz eindeutig aus der chinesischen Sicht erzählt wird. Und so werden die japanischen Invasoren natürlich als herzlose-und brutale Menschen dargestellt die vergewaltigen und morden und dabei sämtliche Ansätze von Gewissen und Moral vermissen lassen. Es ist im Prinzip aber vollkommen egal wie sich die Ereignisse in Wirklichkeit zugetragen haben, denn hier geht es lediglich darum, dieses filmische Werk zu bewerten und das ist mehr als nur gelungen. Regisseur Yimou Zhang hat hier ein Szenario ins Bild gesetzt das einem von der ersten Minute an so richtig unter die Haut geht und eine äußerst gelungene Mixtur aus hartem Kriegsgeschehen und menschlichem Drama anbietet, das seine Spuren beim Zuschauer hinterlässt.

Steht im Mittelpunkt der Geschichte auch das Schicksal einiger Frauen, so werden immer wieder brutale Kampf-Passagen eingestreut, die einem ganz unweigerlich den Schrecken des Krieges vor Augen halten. Die entsprechenden Szenen sind dabei äußerst blutig und sehr realistisch ins Bild gesetzt worden, so das man sich als Betrachter auch extrem gut mit dem Geschehen auseinandersetzen kann. Hinzu kommt die menschliche Komponente, die trotz aller vorhandenen Härte ganz eindeutig im Vordergrund steht. Das Schicksal der Protagonisten kann einen hierbei nicht kalt lassen, zu grausam erscheint das Schicksal der Frauen, das ihnen ganz offensichtlich den sicheren Tod bescheren wird. Manch einem mögen die menschlichen Aspekte des Filmes ein wenig kitschig erscheinen und zugegebenermaßen wird an einigen Stellen auch ein wenig zu dick aufgetragen, doch insgesamt gesehen wirkt die Geschichte sehr stimmig und rund, so das man den stellenweise vorhandenen Pathos nicht als sonderlich übertrieben erachtet.

Die große Stärke des Werkes sind sicherlich die schauspielerischen Leistungen, wobei insbesondere ein glänzend aufgelegter Christian Bale ins Auge fällt, dem man die wahre Spielfreude in jeder Einstellung anmerkt. Gerade seine charakterliche Wandlung innerhalb der Story prägt den Gesamteindruck und drückt dem Film einen ganz persönlichen Stempel auf. In der Rolle des amerikanischen Bestatters geht es ihm zu Beginn doch lediglich darum die eigene Haut zu retten, bevor sich dann durch die grausamen Ereignisse eine Wandlung in ihm vollzieht, die jeglichen Egoismus verschwinden lässt. Ganz generell gibt es am dargebotenen Schauspiel nichts zu beanstanden, denn die gesamte Darsteller-Riege überzeugt durch tolle Performances, die den insgesamt schon sehr guten Gesamteindruck des Filmes noch einmal zusätzlich aufwerten. Und so kann man sich vortrefflich darüber streiten, ob die hier dargestellten Ereignisse sich auch wirklich so zugetragen haben, doch der Film an sich ist wirklich extrem gelungen. Die gefundene Kombination aus harten Kriegs-Sequenzen und gefühlsbetontem Drama sorgt für ein äußerst intensives Film-Erlebnis, das auch noch sehr nachhaltig im Gedächtnis des Betrachters haften bleibt.

"The Flowers of War" ist ein in jeder Beziehung intensives Kriegs-Drama, das sich im Bezug auf seine Qualität im oberen Drittel der Bewertungs-Skala ansiedelt. Authentische Kulissen, grandiose Darsteller und eine exzellente Kameraarbeit machen diesen Film zu einem wahren Erlebnis, das in erster Linie durch seinen emotionalen Tiefgang in Erinnerung bleibt. Darum sollte man sich auch nicht zu lange mit der Frage beschäftigen ob sich wirklich alles so zugetragen hat, sondern sich vielmehr von der Bildgewalt mitnehmen lassen, die einem hier über 130 Minuten lang präsentiert wird.


Fazit:


"The Flowers of War" ist sicherlich nicht perfekt und in wieweit die Ereignisse glaubhaft erscheinen muss ein jeder für sich selbst entscheiden. Auf jeden Fall aber handelt es sich um einen opulent in Szene gesetzten Blockbuster, der sich auch hinter diversen Hollywood-Produktionen nicht zu verstecken braucht. Mich persönlich hat diese Produktion absolut begeistert, so das ich nur eine unbedingte Empfehlung aussprechen kann.


8,5/10

Keine Kommentare: