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Montag, 1. Juli 2013

Modus Anomali









Modus Anomali - Gefangen im Wahnsinn
(Modus Anomali)
mit Rio Dewanto, Hannah Al Rashid, Aridh Tritama, Izzi Isman, Sadha Triyudha, Jose Gamo, Marsha Timothy, Surya Saputra
Regie: Joko Anwar
Drehbuch: Joko Anwar
Kamera: Gunnar Nimpuno
Musik: Bembi Gusti / Aghi Narottama / Gascaro Ramondo
keine Jugendfreigabe
Indonesien / 2012

Ein Mann erwacht in einem Erdloch im Wald und kann sich weder erinnern, wie er dort hin kam, noch, wer er überhaupt ist. Er stößt auf eine Hütte, in der eine Frauenleiche liegt, daneben ein Video, das ihre Ermordung zeigt, und auch noch zwei nunmehr verschwundene Kinder, nicht aber den dazu gehörigen Täter. Der Mann findet in seiner Hosentasche ein Foto der Familie und folgert daraus, der Vater zu sein. Wo aber sind jetzt seine Kinder? Und der Mörder? Der Mann geht auf eine verzweifelte Suche.




Mit einem Budget von gerade einmal 200.000$ kann man diesen indonesischen Horror-Thriller zu den absoluten Low Budget Produktionen zählen, wobei das keinesfalls als negative Kritik aufzufassen ist. Die spärliche Ausstattung des Szenarios ist in diesem Fall nämlich auch ein Grund dafür, das sich während der Laufzeit ein sehr intensives-und beklemmendes Gefühl beim Zuschauer breit macht, das man bis zum Ende der Geschichte nicht mehr los wird. Rein inhaltlich beinhaltet das Geschehen dabei nichts sonderlich Neues, es wird einem einmal mehr ein Protagonist ohne Erinnerung präsentiert, der sich im Laufe der Zeit durch immer mehr zum Vorschein kommende Puzzle-Teilchen an das erinnern kann, was ihm passiert ist. Nun hört sich das im ersten Moment sicherlich nicht sonderlich innovativ an und der Film scheint in den ersten 60 Minuten auch die übliche Richtung eines Backwood-Slashers einzuschlagen, doch der dann auftretende Plot-Twist der letzten Minuten verabreicht "Modus Anomali" eine Richtungsänderung, durch die sich die Geschichte wohlwollend von anderen Genre-Vertretern abhebt und dem Betrachter doch noch einige Überraschungs-Momente bietet, die man nicht vorhersehen konnte.

Phasenweise erscheint die Geschichte wie eine Art Kammerspiel in einem dichten Waldgebiet, was für einige Leute bestimmt etwas gewöhnungsbedürftig ist. Zudem ist die Erzählweise eher sehr ruhig gehalten und im Prinzip passiert auch nicht wirklich viel. Das mag sich nun eher etwas langweilig anhören, doch wenn man einmal von der Situation ausgeht in der sich die Hauptfigur befindet, entfaltet das Szenario dennoch eine äußerst beklemmende-und dichte Atmosphäre, so das man die ganze Zeit über unter einer gewissen Anspannung steht, da man nicht erahnen kann wie die ganzen Ereignisse zusammenhängen. Man steht auf dem gleichen Wissensstand wie die Hauptfigur und fiebert förmlich der Auflösung des ominösen Geschehens entgegen, auf das man sich keinen Reim machen kann. Nun könnte man aufgrund der hohen Alterseinstufung von einem harten-und blutigen Horror-Thriller ausgehen, doch im Bezug auf explizite Gewaltdarstellungen hält sich das Werk von Joko Anwar eher sehr bedeckt. Die Tötungen werden zumeist lediglich angedeutet und dennoch entfaltet sich ein ziemlich starker Härtegrad, der sich allerdings im Kopf des Betrachters abspielt.

Durch diesen Aspekt wird "Modus Anomali" die Meinungen der Horror-Fans sicherlich in zwei Lager spalten, denn während die einen den Film als langweilig einstufen, eröffnet sich für die anderen das nahezu perfekte Kopf-Kino, da sich die eigentliche Brutalität der Story fast ausschließlich in der Fantasie des Zuschauers abspielt. Dabei muss man jedoch auch dazu in der Lage sein, sich gänzlich auf die Ereignisse einzulassen, da sich nur über diesen Weg die ganze Intensität des Geschehens zu erkennen gibt. Gorehounds werden hier definitiv nicht auf ihre Kosten kommen, denn bis auf ganz wenige Ausnahmen offenbart die Story keinerlei visuelle Härte. Dafür bekommt man jedoch eine atmosphärisch absolut gelungene Low Budget-Inszenierung geboten, die einem das ein-oder andere Mal auch eine gepflegte Gänsehaut verpasst. Auch im darstellerischen Bereich wird man mit solider Kost bedient, wobei das Geschehen den Schauspielern auch keinerlei Glanzleistungen abverlangt, da die Ereignisse ganz einfach nicht dafür ausgerichtet sind.

Alles zusammengenommen kann man von einem sehr gelungenem Film ausgehen, der für sein extrem geringes Budget wirklich gut zu unterhalten weiß. Man sollte jedoch von Beginn an wissen, das hier keinerlei visuelle Brutalität zu erwarten ist, was man aufgrund der 18er Einstufung durchaus vermuten könnte. Vielmehr präsentiert sich eine ruhig erzählte Geschichte in der die brutalen Passagen lediglich angedeutet werden und es dann der Fantasie des Betrachters überlassen, ob man sich auf die Situation einlassen kann. Wenn dem so ist dann entfaltet sich ein ziemlich hoch angesiedelter Härtegrad im Kopf des Betrachters, der durch die Story-Wendung am Ende einen extrem bitteren Beigeschmack hinterlässt. Mir persönlich hat der Film sehr gut gefallen, denn ich mag ganz einfach diese Geschichten, bei denen sich ein Großteil des Geschehens im eigenen Kopf abspielt. Freunde von bluttriefenden Geschichten sollten allerdings genau überlegen ob "Modus Anomali" für sie geeignet ist, denn in dieser Beziehung kocht das Szenario auf absoluter Sparflamme.


Fazit:


"Modus Anomali" ist ein weiterer gelungener Beitrag aus dem asiatischen Raum, der nicht auf explizite Gewaltdarstellungen, sondern auf die Fantasie des Zuschauers ausgelegt ist. Wer dazu in der Lage ist sich in die Ausgangssituation der Hauptfigur hineinzuversetzen wird mit einem intensiven Film-Erlebnis belohnt, das durch seinen Plot-Twist am Ende einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Wer aber eher auf jede Menge Blut und Splatter-Passagen erpicht ist wird eher eine Enttäuschung erleben, denn in dieser Beziehung hält man sich äußerst bedeckt.


7/10

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