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Donnerstag, 18. Juli 2013

Red Nights









Red Nights
(Les Nuits rouges du bourreau de jade)
mit Frédérique Bel, Carrie Ng, Carole Brana, Stephen Wong Cheung-Hing, Kotone Amamiya, Maria Chen, Jack Kao, Chi-Kui Fong, Leon Hill
Regie: Julien Carbon / Laurent Courtiaud
Drehbuch: Julien Carbon / Laurent Courtiaud
Kamera: Man-Ching Ng
Musik: Alex Cortés / Willie Cortés
keine Jugendfreigabe
Belgien / Frankreich / Hongkong / 2009

Schmerz und Lust, vereint in sadistischer Ekstase. Carrie, eine Kunstmäzenin aus Hongkong, möchte unbedingt eine geheimnisvolle Box besitzen, die einst dem ersten Kaiser von China gehörte. Ihr Inhalt: Ein tödliches Gift, das seinen Opfern sinnliche Grenzerfahrungen ermöglicht. Carrie spinnt ein sadistisches Netz um die aktuelle Besitzerin der Box, eine mysteriöse Französin namens Catherine, und reißt sie in eine Hölle aus sadomasochistischer Erotik und exzessiver Gewalt. Nur wer leidet, kann auch ultimative Sexualität verspüren.


Es ist schon ein beeindruckendes Regie-Debüt, das Julien Carbon und Laurent Courtiaud hier auf den Weg gebracht haben. Eine gelungene Mixtur aus Krimi, Thriller-und Erotik mit leichten Anleihen des asiatischen Cat III Filmes sorgt dabei für ein gelungenes Film-Erlebnis, das den Zuschauer auch noch nachhaltig beschäftigt. Ein Kritikpunkt könnte für viele Leute eventuell die stille-und bedächtige Erzählweise der Geschichte sein, die im Prinzip nicht sonderlich viel Tempo beinhaltet, aber gerade durch diesen Aspekt ihre volle Wirkung erzielen kann. Was wie ein stinknormaler Thriller beginnt, tendiert nach einer gewissen Zeit doch eher in eine Richtung, in der erotische Anspielungen und ein Hauch von SM im Mittelpunkt stehen, ohne das sich die Geschichte dabei über die Grenzen des Erträglichen hinaus bewegt. Dennoch beinhaltet das Geschehen auch einige wirklich blutige Szenen und einen sehenswerten Härtegrad, der dem Betrachter auch phasenweise unter die Haut geht.

Unterstützt wird das Ganze von größtenteils sehr farbenprächtigen Bildern, wobei das Farbenspiel einen stellenweise schon an den italienischen Genre-Film erinnert. An dieser Stelle ergibt sich aber auch gleichzeitig die vielleicht einzige kleine Schwäche des Szenarios, wurde doch stark darauf geachtet, die visuelle Seite der Geschichte in den Vordergrund zu rücken, wobei der Inhalt des Geschehens ein wenig auf der Strecke bleibt. Das soll jetzt zwar nicht bedeuten, das die Handlung nichts taugen würde, aber an diversen Stellen erscheint einem das Geschehen ein wenig unrund und es gibt ganz einfach zu wenig Hintergrund-Informationen, was den Gesamteindruck dann doch ein wenig trübt. Und dennoch strahlt der Film eine ganz eigene Faszination aus, der man sich beim besten Willen nicht entziehen kann, denn die befremdlich erscheinende Welt die man hier betritt, hinterlässt einen bleibenden Eindruck und regt gleichzeitig auch die Sinne des Betrachters an. Die dabei ausgehende Intensität des Ganzen verstärkt sich mit zunehmender Laufzeit immer mehr und man kann es auch nicht verhindern, das einem streckenweise kalte Schauer über den Rücken laufen.

Dies geschieht zumeist, wenn man mit der Hauptfigur Carrie Chan konfrontiert wird, denn diese Frau strahlt einerseits eine unglaubliche Kälte aus, was ihr aber gleichzeitig auch eine faszinierende Aura verleiht, die man kaum mit Worten beschreiben kann. So ist die gute Frau dann auch Dreh-und Angelpunkt der Ereignisse, setzt sie doch Himmel und Hölle in Bewegung, um irgendwie in den Besitz des ominösen Giftes zu kommen, damit sie ihre diabolischen Experimente an Menschen durchführen kann. Die dabei gezeigten Passagen gestalten sich ziemlich hart und wenn man sich dabei einmal in die Lage der Opfer versetzt, kann einen schon das kalte Grauen überkommen. Man kann sich selbst kaum vorstellen, welch diabolische Freude es manchen Menschen bereiten kann, wenn sie ihre sadistische Veranlagung an anderen ausprobieren können und dabei ein hohes Gefühl der Befriedigung verspüren. Darstellerisch wird das absolut exzellent ins Bild gerückt, denn sämtliche Akteure liefern hier absolut überzeugende Leistungen ab, die das Geschehen erschreckend realistisch erscheinen lassen.

Insgesamt gesehen ist "Red Nights" ein Film, der sicherlich nicht jeden Geschmack treffen wird, handelt es sich doch um einen zugegebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftigen Genre-Mix, der phasenweise nicht leicht zu verdauen ist. Wer jedoch seine Freude an etwas außergewöhnlichen Werken hat ist hier bestens aufgehoben, stellt der Film doch allein schon in visueller Hinsicht einen absoluten Leckerbissen dar.


Fazit:


"Red Nights" ist ganz bestimmt kein handelsüblicher Mainstreamer, bietet aber auf jeden Fall absolut sehenswerte Filmkost. Manchmal schwer verdaulich, aber mit einer unglaublichen Intensität ausgestattet schafft es das Geschehen fast schon spielend, den Zuschauer in eine bizarre Welt des Schmerzes zu entführen, die jedoch zu keiner Zeit die üblichen Grenzen überschreitet.


8/10

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