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Dienstag, 13. August 2013

Evil Dead (2013)








Evil Dead
(Evil Dead)
mit Jane Levy, Shiloh Fernandez, Lou Taylor Pucci, Jessica Lucas, Elizabeth Blackmore, Phoenix Connolly, Jim McLarty, Sian Davis, Stephen Butterworth, Karl Willetts, Randal Wilson, Rupert Degas, Bob Dorian
Regie: Fede Alvarez
Drehbuch: Fede Alvarez / Rodo Sayagues / Sam Raimi
Kamera: Aaron Morton
Musik: Roque Baños
SPIO/JK
USA / 2013

Fünf College-Twens ziehen sich in eine entlegene Waldhütte zurück. Dort wollen Eric, Olivia, Natalie und ihr Freund David die Drogensucht seiner Schwester Mia auskurieren. Als Eric im Keller ein uraltes Buch entdeckt und daraus Beschwörungsformeln zitiert, entfesselt er die Hölle auf Erden: Dämonen ergreifen Besitz von der labilen Mia, die daraufhin ihre Freunde attackiert. Von Hochwasser eingeschlossen, kämpft David um das Leben seiner Schwester, während sich die anderen in besessene Tote verwandeln.


Es ist ja schon seit einigen Jahren Gang und Gebe, das fast jedem älteren Horrorfilm eine zeitgemäß aufgepeppte Neuauflage zu teil wird, so das ein Remake des Sam Raimi Klassikers "Tanz der Teufel" fast schon überfällig war. Die Realisierung des Projektes übernahm der eher unbekannte Fede Alvarez, der bisher nur einige Kurzfilme in seiner Vita stehen hat und somit mit "Evil Dead" sein Langfilm-Debüt feiern konnte. Nun ergibt sich für den Zuschauer das kleine Problem, das man die neue Version des Stoffes ganz automatisch mit dem genialen Original vergleicht, das wohl unumstritten zu den absoluten Größen des Genres zu zählen ist. Diesem Vergleich kann die Version von Alvarez dann auch nur bedingt standhalten, wobei man aber der Fairness halber von Beginn an festhalten sollte, das es sich hier um einen sehr guten Horrorfilm handelt. Dennoch kann "Evil Dead" keinesfalls die gleiche Wirkung erzielen, wie es noch bei Raimi's Werk der Fall war, das dem Betrachter seinerzeit insbesondere psychisch stark zusetzen konnte. Diesen Aspekt vermisst man in der Neuauflage leider vollkommen, die zwar in Sachen Härte-und Blutgehalt eine ganze Menge zu bieten hat, den Zuschauer aber dennoch zu keiner Zeit wirklich in ihren Bann ziehen kann. Gerade die jüngere Generation mag das eventuell vollkommen anders sehen, ist die Inszenierung doch mit äußerst viel Tempo ausgestattet und kann zudem auch die Gelüste des geneigten Gorehounds durchaus befriedigen.

Die Defizite des Werkes liegen vielmehr in der Grundstimmung der Geschichte begründet, die zu keiner Zeit die Dichte des Originals erreichen kann. Zwar ist das Szenario herrlich dunkel-und düster gehalten, es will sich jedoch irgendwie nicht diese extrem beklemmende Atmosphäre entfalten, wie man sie aus dem 1981er Film her kennt. Die flüsternden Stimmen der Dämonen und generell die gesamte Geräuschkulisse sind in vorliegendem Film ganz eindeutig weitaus schwächer geraten, so das die Ereignisse eigentlich nie die gewünschte Wirkung erzielen können. Zudem sind es die eher austauschbaren Charaktere zu denen man nie einen wirklichen Bezug aufbauen kann, die das Seh-Vergnügen doch ein wenig trüben. Zwar liefern die Darsteller einen durchaus gelungenen Job ab, allerdings kann niemand von ihnen irgendwelche Sympathie-Punkte beim Betrachter einheimsen. War es im Original doch der charismatische Bruce Campbell, der in der Rolle von Ash einen wahren Kultstatus erlangen konnte, so kristallisiert sich hier keine einzige Person heraus, der man besondere Aufmerksamkeit schenken würde. So ist es dann wohl auch am ehesten zu begründen, das man die Ereignisse einfach hinnimmt und fast teilnahmslos mit ansieht, wie eine Person nach der anderen den Dämonen zum Opfer fällt. Das Szenario lässt einen also eher kalt und es will kein richtiger Funke entstehen, der auf einen überspringen könnte. Diese Stärke des Originals kommt hier überhaupt nicht zur Geltung, was den gesamten Film irgendwie seltsam kalt-und steril erscheinen lässt, was ich persönlich sehr schade finde.

Gelungen sind hingegen die diversen Abänderungen von der Original-Geschichte, wobei sich Alvarez aber weitesgehend an Raimi's Geschichte anlehnt. Einige neue Ansätze tun dem Ganzen gut, wobei man diverse Dinge weitaus näher hätte beleuchten können. So wird beispielsweise eine Menge an Potential bei der Beziehung zwischen Mia und ihrem Bruder David verschenkt, denn das sichtlich angespannte Verhältnis der beiden hätte durchaus einige Minuten mehr Laufzeit verdient gehabt. So aber werden Neuerungen leider nur oberflächlich angekratzt, wozu auch die zu Beginn kurz eingestreute Vorgeschichte zu zählen ist. Insbesondere aus diesem neuen Gesichtspunkt hätte man eine Menge mehr herausholen können, was für die Geschichte insgesamt ganz bestimmt sehr positiv-und interessant gewesen wäre. Doch dafür hat man sich mehr daran orientiert, dem Publikum ein recht blutiges Gemetzel zu präsentieren, was dann letztendlich auch vortrefflich gelungen ist. Doch ehrlich gesagt empfand ich das Original als weitaus härter, auch wenn die damals verwendeten Effekte aus heutiger Sicht eventuell etwas überholt erscheinen. Das Remake enthält insgesamt gesehen sicherlich mehr explizite Gewaldarstellungen, kann jedoch in seiner Gesamtheit keinesfalls die unglaubliche Härte vermitteln, die in der Originalversion durch das entstehende Kopf-Kino so brillant zur Geltung kam.

Letztendlich ist "Evil Dead" ein wirklich gelungener Horrorfilm, den man auch als durchaus würdiges Remake eines der größten Horror-Klassiker ansehen kann. In atmosphärischer Hinsicht muss man jedoch äußerst starke Abstriche in Kauf nehmen, was man sicherlich hätte vermeiden können. Es fehlt ganz einfach das Gefühl der Beklemmung, das Raimi seinerzeit so grandios in den Vordergrund rücken konnte. Etwas gewöhnungsbedürftig erscheint auch das hier gewählte Ende, das sich doch ziemlich von der Original-Story unterscheidet und somit nicht jedem gefallen dürfte. Ansonsten aber bekommt man einen harten-und blutigen Genre-Beitrag serviert, der insbesondere das jüngere Publikum begeistern dürfte. Jede Menge Tempo und etliche derbere Passagen sind aber dennoch kein Ersatz dafür, das hier ein steriler Eindruck zurückbleibt und man die Ereignisse eher teilnahmslos zur Kenntnis nimmt.


Fazit:


Mit "Evil Dead" hat Fede Alvarez ein ansehnliches Langfilm-Debüt präsentiert, das jedoch keinesfalls an die große Klasse des Originals herankommt. Zeitgemäß mit ordentlich Härte garniert hinterlässt das Remake einen überdurchschnittlichen Gesamteindruck, muss sich aber den Vorwurf gefallen lassen, vor allem in atmosphärischer Hinsicht augenscheinliche Defizite aufzuweisen, die man meiner Meinung nach hätte vermeiden können. Wenn man also die Wahl hat, sollte man jederzeit Raimi's Version den Vorzug geben, da dieses in seiner Gesamtheit ganz klar die Nase vorn hat.


7/10

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