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Montag, 9. September 2013

Blutdurst









Blutdurst
(Thirst)
mit Chantal Contouri, Shirley Cameron, Max Phipps, Henry Silva, Rod Mullinar, David Hemmings, Rosie Sturgess, Robert Thompson, Walter Pym, Amanda Muggleton, Lulu Pinkus, Chris Milne, Jacqui Gordon
Regie: Rod Hardy
Drehbuch: John Pinkney
Kamera: Vincent Monton
Musik: Brian May
juristisch geprüft
Australien / 1979

Die junge Kate Davis gerät unverschuldet in die teuflischen Fänge eines ominösen Vampir-Syndikats. Doch den überwiegend kultivierten Mitgliedern des Clans geht es keineswegs um das frische Blut der hübschen Kate. Sie sehen in ihr die letzte Nachfahrin der legendären Blutgräfin "Bathordy" und wollen sie daher für die Interessen ihres Clans gewinnen. Als sie sich weigert, wird sie in der gigantischen, als Forschungsklinik getarnten "Menschenfarm", in der unschuldigen Opfern auf industrielle Art das Blut entzogen wird, einer systematischen und ausgeklügelten Gehirnwäsche unterzogen. Mit letzter Kraft kann sie dem Wahnsinn entfliehen...doch sie kommt nicht weit...


Dunkle Schlösser, charismatische Blutsauger, eine düstere Atmosphäre, Holzpflöcke und ein silbernes Kreuz sind normalerweise die Zutaten für den klassischen Vampirfilm. Von all diesen Dingen sollte man sich schon vor der Ansicht dieses innovativen Horror-Thrillers aus Australien verabschieden, denn "Blutdurst" bedient sich der Thematik lediglich als Aufhänger für eine Geschichte der Neuzeit, die man schon fast als visionär bezeichnen kann. Regisseur Rod Hardy, der zuvor lediglich für diverse TV-Serien verantwortlich zeichnete, stellt mit vorliegendem Werk sein Spielfilm-Debüt vor und hat damit auch sogleich einen äußerst bemerkenswerten Genre-Beitrag abgeliefert. Im Mittelpunkt der Erzählung steht die hübsche Kate (Chantal Contouri), die anscheinend eine direkte Nachfahrin der berühmten Blutgräfin Bathordy ist und dieser Aspekt ruft eine Vereinigung von Menschen auf den Plan, die in einer Art Forschungsklinik regelrecht Vampire züchtet. So soll auch die junge Frau konditioniert werden, um den unweigerlichen Blutdurst in ihr wach zu rufen, wobei sich die Wahl der Mittel um dieses Ziel zu erreichen, äußerst vielfältig gestaltet. Von verbaler Überzeugungskraft bis hin zu einer echten Gehirnwäsche wird hier nichts ausgelassen, um die junge Kate zu überzeugen, so das sie selbst zu der Erkenntnis kommt, das in ihrem Inneren ein echter Blutsauger schlummert.

Das gesamte Szenario hinterlässt dabei einen fast schon stinknormalen Eindruck, beinhaltet aber auf der anderen Seite diverse Passagen, die der Geschichte schon einen leichten SCI/FI Einschlag verleihen. Dies kommt besonders immer dann wieder zur Geltung, wenn man sich innerhalb der "Menschenfarm" befindet und den etlichen Experimenten beiwohnt, die hier am Menschen vorgenommen werden um bestimmte ziele zu erreichen. Insbesondere die wie apathisch erscheinenden Blutopfer hinterlassen dabei einen geistesabwesenden Eindruck und wirken wie ferngesteuert. Kaum ansprechbar laufen die leblos wirkenden Körper durch die Anlage, kaum fähig einen klaren Gedanken zu fassen. Gelegentlich bekommt man sogar diverse Führungen durch die Einrichtung geboten und kann sich dabei des Gefühls nicht erwehren, das man sich auf einer Art Jahrmarkt befindet, auf dem die Zuschauer sensationelle Kreaturen begutachten. Es ist schon eine seltsame Menschen-Schau, die beim Zuschauer ein starkes Gefühl der Beklemmung hervorruft, das übrigens auch durchgehend die Grundstimmung des Szenarios bestimmt. Von der üblichen Vampir-Atmosphäre ist an dieser Stelle herzlich wenig zu verspüren, wobei dies keinesfalls als negativer Kritikpunkt aufzufassen ist, denn "Blutdurst" überzeugt durch seine ganz eigene-und extrem außergewöhnliche Stimmung, die dem Betrachter phasenweise kalte Schauer über den Rücken jagen kann und dabei ein starkes Unbehagen verursacht.

Vor allem in der zweiten Hälfte des Filmes treten visionsartige Passagen in den Vordergrund, denn nachdem sämtliche normale Mittel nicht bei Kate gefruchtet haben, um auch in ihr die Erkenntnis reifen zu lassen, das sie wirklich eine Nachfahrin der Blutgräfin ist, greift das Ärzte-Team zum Mittel der Gehirnwäsche. So wird die junge Frau immer wieder mit Situationen konfrontiert, in denen es auch für den Zuschauer nicht gerade leicht ist, die Grenze zwischen Vision und Realität zu ziehen. Gerade diese Einstellungen verleihen dem Ganzen etwas nahezu Fantastisches und werten das bis dahin schon äußerst gute Gesamtbild noch einmal zusätzlich auf. Hier weicht der Vampirfilm einem waschechten Psycho-Thriller und diese Gratwanderung macht das Geschehen noch einmal interessanter, als es bisher schon erschien. Man merkt also ganz eindeutig, das diese australische Produktion wohl einen der außergewöhnlichsten Genre-Beiträge überhaupt darstellt, denn in dieser Form hat wohl bisher noch niemand die vorliegende Thematik ins Bild gesetzt. Nun mag das eventuell nicht jeden Geschmack treffen, doch nimmt der Film von Rod Hardy schon eine absolute Ausnahmestellung ein.

Abschließend kann man also festhalten, das mit "Blutdurst" ein gänzlich ungewöhnlicher Vampirfilm vorliegt, der äußerst innovativ-und teilweise fast schon visionär gestaltet wurde. Auch für die Darsteller-Riege konnte man für diese mit 750.000 AUD budgetierte Produktion auch diverse bekannte Gesichter verpflichten, denn insbesondere mit David Hemmings oder auch Henry Silva sind bekannte Darsteller an Bord, die man auch aus etlichen italienischen Filmen her kennt. Ganz generell kann man sich über das dargebotene Schauspiel der Akteure keinesfalls beschweren, wobei vor allem Hauptdarstellerin Chantal Contouri durch Spielfreude und Überzeugungskraft glänzen kann. So ist die Verwandlung der jungen Frau in jeder einzelnen Nuance perfekt für den Zuschauer nachzuvollziehen und verursacht einem dabei schon so manch gepflegte Gänsehaut. Wer also einmal einen vollkommen abweichenden Beitrag zur Vampir-Thematik sehen möchte, ist mit diesem Film aller bestens bedient und bekommt außergewöhnliche Genre-Kost serviert.


Fazit:


Mit "Blutdurst" hat Rod Hardy ein wirklich beeindruckendes Langfilm-Debüt abgeliefert, das auch nach über drei Jahrzehnten immer wieder zu begeistern weiß. Das Werk hebt sich dabei durch seine innovativen Ideen sehr wohlwollend von üblichen Vampirfilmen ab und bietet ein Seh-Vergnügen, in dem eine Menge an Klasse steckt.


8/10

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