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Freitag, 27. September 2013

Singapore Sling









Singapore Sling
(Singapore Sling)
mit Meredyth Herold, Panos Thanassoulis, Michele Valley
Regie: Nikos Nikolaidis
Drehbuch: Nikos Nikolaidis
Kamera: Aris Stavrou
Musik: keine Information
keine Jugendfreigabe
Griechenland / 1990

Er nennt sich Singapore Sling, einer dieser Typen, die ständig hoffnungslosen Fällen hinterherjagen, Fällen, die Frauennamen tragen und nirgendwohin führen. Seiner heißt Laura. Es ist Jahre her, dass er sie das letzte Mal gesehen hat. Obwohl er vermutet, dass das Mädchen schon lange tot ist, kann er nicht aufhören, nach ihr zu suchen. Eines Nachts erreicht er das Haus, verwundet und am Ende seiner Kräfte. Er hat nichts mehr zu verlieren. Es regnet. In der Dunkelheit stehen zwei Frauen um ein offenes Grab im Garten. Heute Nacht wird jemand sterben…


Das Label Bildstörung zeichnet sich ja gerade dadurch aus, das es außergewöhnliche Filme veröffentlicht. Die neueste VÖ "Singapore Sling" nimmt jedoch in der Reihe der bisher erschienenen Drop Outs noch einmal eine absolute Sonderstellung ein, denn eine Geschichte in der hier dargestellten Form gibt es wohl kein zweites Mal. Dabei fällt es wirklich nicht leicht, das Ausnahmewerk des griechischen Regisseurs Nikos Nikolaidis fair und objektiv zu bewerten, denn das Szenario wird die Meinungen ganz sicher extrem spalten. Wohl selten kommt es so sehr auf den persönlichen Geschmack des jeweiligen Betrachters an, denn die gezeigten Bilder rufen die unterschiedlichsten Gefühle in einem hervor. Rein optisch gesehen ist der Film ein absolutes Meisterwerk, die gediegene schwarz/weiß Inszenierung erinnert an den Film noir und das ist auch vollkommen beabsichtigt, stellt "Singapore Sling" doch eine Hommage an den 1944 erschienenen Film "Laura" von Otto Preminger dar. Der Film von Nikolaidis präsentiert dem Zuschauer jedoch eine Geschichte, die von der ersten Minute an ein bildgewaltiges Verwirrspiel darstellt, das selbst am Ende noch genügend Spielraum für eigene Interpretationen lässt. Genau an diesem Punkt beinhaltet das Werk auch seine größte Stärke, denn was hier mit lediglich 3 Schauspielern wie ein beklemmendes Kammerspiel in Szene gesetzt wurde, ist schwerlich zu durchschauen und strahlt dadurch eine unglaubliche Faszination aus. Man kann sich ehrlich gesagt nur sehr schwer einen Eindruck darüber verschaffen wie das Ganze zusammenhängt, wodurch ein extrem intensives Kopf-Kino in Gang gesetzt wird.

Dabei ist es insbesondere die äußerst beeindruckende Mischung aus Krimi, Sex, Folter-und stellenweise Komödie, die einen sehr nachhaltigen Eindruck beim Betrachter hinterlässt. Stellenweise tief-schwarzer Humor wechselt sich immer wieder mit teils ekligen Szenen ab, die einem den Magen umdrehen wollen. So kann man streckenweise nur äußerst schwer einen Sinn in den Ereignissen erkennen, ist aber definitiv nicht dazu in der Lage, seine Augen vom Geschehen abzuwenden. Zu sehr beeindruckt einen das Schauspiel der Darsteller, wobei die Rolle des Mannes durchaus zu vernachlässigen ist. Herausragend agiert hingegen Meredyth Herold in der Rolle der Tochter, denn ihre Performance ist einfach nur als brillant zu bezeichnen und trägt die gesamte Geschichte fast von allein. Wenn man sieht, wie vollkommen durchgeknallt die Darsteller agieren könnte man fast zu der Vermutung gelangen, das sie auch im realen Leben dem Wahnsinn nahe sind. Die Spielfreude und Autentizithät der Leistungen sind dermaßen intensiv, das man wie in einen magischen Bann gezogen wird, aus dem es kein Entrinnen gibt. Es fällt wirklich schwer diesen Film richtig einzuordnen, der wirklich jenseits jeglichen Mainstreams angesiedelt ist und ganz bestimmt nur eine bestimmte Zielgruppe ansprechen wird. Ist da einerseits die unglaubliche Faszination der beklemmenden schwarz/weiß Bilder und eine äußerst gelungene Kamera-Arbeit und auf der anderen Seite ein Szenario, das nur schwerlich einen wirklichen Sinn ergeben will.

Hinzu kommen diverse wirklich ekelerregende Passagen, die aber trotz ihrer fast schon schockierenden Wirkung einen immer ästhetischen Eindruck hinterlassen. "Singapore Sling" ist somit ein teils verstörendes Werk, das vollgestopft ist mit Gegensätzen. Man muss das Gesehene auch erst einmal wirklich verarbeiten und sacken lassen, hinterlässt die gesamte Chose doch einen mehr als verwirrenden Eindruck. Gleichzeitig muss man auch das extrem beklemmende Gefühl loswerden, das die Geschehnisse bei einem hinterlassen. Dazu passend erscheint auch der Aspekt, das man das Szenario mit einem anhaltenden Dauerregen ausgestattet hat, was für die nötige Schwermut und Tristesse sorgt, um einen in die richtige Stimmung zu versetzen. Diese braucht man nämlich unbedingt, denn ansonsten fällt es eventuell wirklich schwer, die knapp 2 Stunden Laufzeit durchzuhalten. Diesen Film darf man keinesfalls mal so nebenbei laufen lassen, zudem sollte man sich schon im Vorfeld darauf einstellen, das eine Art filmisches Experiment auf einen zukommt, das man auf keinen Fall mit den ansonsten üblichen Maßstäben messen sollte, denn diese sind in vorliegendem Fall keinesfalls anwendbar.

"Singapore Sling" ist definitiv alles andere als leichte Kost und setzt dem Betrachter auch wirklich zu. Selten ist es mir so schwer gefallen die richtigen Worte für die Beschreibung eines Filmes zu finden, der definitiv einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Jedoch sollte man fairerweise anmerken, das es sich in vorliegendem Fall wohl eher um ein einmaliges Erlebnis handelt, jedenfalls könnte ich mir dieses streckenweise fast schon morbide Werk kein zweites Mal anschauen. Nikolaidis bedient hier die gesamte Gefühls-Palette des Zuschauers, zwischen absoluter Faszination und dem Gefühl angewidert zu sein bewegt man sich auf einem emotionalen Trip durch eine Geschichte, die man selbst gesehen haben muss, um die manigfaltigen Eindrücke zu spüren, die das Szenario hinterlässt. Und auch wenn ich selbst nie wieder zu der DVD greifen werde, kann ich die Veröffentlichung von Bildstörung nur wärmstens empfehlen, denn einmal mehr hat das Label ein Gesamtpaket geschnürt, das diesem grausam-schönen Film würdig ist. Freunde des außergewöhnlichen Filmes sollten definitiv zugreifen, aber von Beginn an wissen, das sie sich auf ein filmisches Experiment einlassen, das in vorliegender Form wohl absolut einzigartig sein dürfte.


Fazit:


Einmal mehr hat Bildstörung seinen Ruf eindrucksvoll untermauert, das man ganz spezielle-und auch einzigartige Werke veröffentlicht. Dabei sticht "Singapore Sling" in der Reihe der bisher veröffentlichten Werke noch einmal gesondert heraus, präsentiert sich doch eine Kombination, die man nicht alle Tage zu sehen bekommt. Selten war die Bewertung eines Filmes so sehr vom persönlichen Geschmack des Betrachters abhängig wie in diesem Fall, denn dieses schockierende Werk wird die Meinungen sicherlich extrem spalten.


8/10

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