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Freitag, 18. Oktober 2013

Videodrome









Videodrome
(Videodrome)
mit James Woods, Sonja Smits, Deborah Harry, Peter Dvorsky, Leslie Carlson, Jack Creley, Lynne Gorman, Julie Khaner, Reiner Schwartz, David Bolt, Lally Cadeau, Henry Gomez, Harvey Chao, David Tsubouchi
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: David Cronenberg
Kamera: Mark Irwin
Musik: Howard Shore
ungeprüft
Kanada / 1983

Max Renn ist Teilhaber einer privaten Fernsehgesellschaft, die vor allem Pornos und Gewaltfilme ausstrahlt. Eines Tages stößt er auf eine neue Horror-Sex-Show: Videodrome. Er versucht, an die Hintermänner der Produktion heranzukommen. Dabei lernt er die Psychologin Nicki kennen, die ihm bei der Suche helfen will. Als die Bänder endlich in seinem Besitz sind, stellt Max entsetzt fest, das Videodrome bei ihm und allen anderen Zuschauern schreckliche Veränderungen verursacht. In diesem Alptraum fließen Wirklichkeit und das bunte Geflimmer auf dem Fersehschirm zu einer schrecklichen Einheit zusammen...


Die Filme von David Cronenberg haben sich schon immer durch eine ganz spezielle note ausgezeichnet, ist der kanadische Regisseur mit seinen Szenarien doch zumeist der eigentlichen Zeit voraus und verleiht seinen Werken fast immer einen futuristischen Touch. War dieser Aspekt schon in Filmen wie "Rabid", Shivers" oder auch "Scanners" zu beobachten, so kristallisiert er sich doch in "Videodrome" ganz besonders heraus. Nicht umsonst handelt es sich hier wohl um einen der besten Filme des Kanadiers und obwohl ich persönlich bei meiner damaligen Erstsichtung herzlich wenig mit der Story anfangen konnte, so sendet sie doch heutzutage einen umso größeren Reiz aus. Dabei handelt es sich zu Beginn noch um ein absolut normales Szenario, das zu Beginn keinerlei Indizien aufweist, das man in der Folge mit einem extrem gelungenem SCI/FI-Horrorfilm konfrontiert wird, der einem phasenweise das Blut in den Adern gefrieren lässt. Zugegebenermaßen wird die Geschichte nicht jeden Geschmack ansprechen, denn Cronenberg und seine Art des Horrors trifft längst nicht nur auf Gegenliebe bei den Genre-Fans. Das mag sicherlich auch darin begründet sein, das man hier keine stumpfe Splatter-Gore Orgie erwarten kann, handelt es sich doch vielmehr um größtenteils subtilen Horror, der mit mehreren sehenswerten-und recht derbe ausgefallenen Passagen angereichert wurde und zudem auch noch äußerst nachdenklich stimmt.

Der sogenannte Körper-Horror ist ja nun einmal das berühmte Steckenpferd des Regisseurs und wird in vorliegendem Fall hauptsächlich an Haupt-Charakter Max Renn (James Woods) exerziert, der durch seine Neugier-und der menschlichen Vorliebe für das Verbotene zum Spielball einer Organisation wird, die mit angeblichen Snuff-Videos seine Aufmerksamkeit erregt. Zu spät erkennt Renn das es sich um einen ausgeklügelten Plan handelt, in dem nichts dem Zufall überlassen wird und er lediglich ein Teilchen in einem großen Puzzle ist. Woods spielt hier absolut fantastisch auf und trägt sämtliche Geschehnisse fast im Alleingang. Die anderen Protagonisten wie beispielsweise Sängerin Deborah Harry (Blondie) kommen im Prinzip trotz solider Leistungen nicht über den Status der Nebenrolle hinaus und erscheinen so manchmal fast schon wie nötiges Beiwerk. Zu prägend und omnipräsent ist das Schauspiel von Woods, der insbesondere durch seine grandiose Mimik die Veränderungen des von ihm dargestellten Charakters absolut glaubwürdig zum Betrachter transportiert.

"Videodrome" war seinerzeit nicht gerade ein Kassenschlager beim Publikum, vielmehr kam das Werk aufgrund seiner unverhohlenen Gesellschaftskritik und seiner Vielschichtigkeit gar nicht gut an. Greift die Geschichte doch auch ganz unverhohlen die Sehgewohnheiten des Menschen an und verarbeitet diese in einer äußerst drastischen, aber künstlerisch exzellenten Art und Weise. Gerade wenn man sich einmal die Entwicklung des Horrorfilms von 1983 bis in die heutige Zeit anschaut muss man doch feststellen, das der Zuschauer mittlerweile fast ausschließlich durch einen immer stärker ansteigenden Härtegrad zu befriedigen ist. So kann man dieses Werk auch durchaus als futuristische Version der heutigen Sehgewohnheiten ansehen und in dieser Beziehung setzt Cronenberg mit diesem Meisterwerk absolute Maßstäbe. Natürlich wird die Thematik in diesem Fall extrem überspitzt dargestellt, entfaltet dadurch aber eine unglaublich starke Wirkung und regt auch durchaus zum Nachdenken an. Letztendlich ist es jedoch das Gesamtwerk, das hier eine unglaubliche Faszination ausstrahlt und auch den Betrachter selbst zu einem Teil der ominösen Ereignisse macht, mit denen sich die Hauptfigur auseinandersetzen muss, um am Ende erkennen zu müssen, das es auf jeden Fall besser gewesen wäre, wenn sie nie etwas von "Videodrome" gehört hätte.

Einerseits ein fantastischer-und künstlerisch äußerst gelungener Film, so prangert die Geschichte auch schonungslos diverse Gewohnheiten des Menschen an, die nicht unbedingt als positiv zu bezeichnen sind. Neugier, Sensationslust und die Freude an der Manipulation anderer stehen so im Vordergrund eines Szenarios, das einen sehr nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis hinterlässt. Visuell absolut brillant in Szene gesetzt, verstrahlt auch "Videodrome" diese ganz eigene sterile Kälte, die eigentlich fast alle Werke von Cronenberg beinhalten. Schon dadurch allein verspürt man durchgehend ein extremes Gefühl der Beklemmung, das den hier dargestellten Trip zwischen Realität und absolutem Wahnsinn die ganze Zeit über begleitet. Diesen Film sollte man keinesfalls einfach so nebenbei anschauen, erfordert er doch die gesamte Aufmerksamkeit des Zuschauers, damit man das Gesamtbild überhaupt auf sich wirken lassen kann.


Fazit:


David Cronenberg hat wirklich einige tolle Filme in seiner Vita stehen, doch der hier vorliegende ist ein kleines Meisterwerk. Sicherlich nicht für den breiten Mainstream geeignet, präsentiert sich ein fantastischer SCI/FI-Horrorfilm, der sich nicht nur durch explizite Gewaltdarstellungen definiert, sondern auch jede Menge kritische Ansätze in den Vordergrund rückt, über die jeder einmal nachdenken sollte.


9/10

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