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Montag, 30. Dezember 2013

Zombie - Dawn of the Dead









Zombie
(Dawn of the Dead)
mit David Emge, Ken Foree, Scott H. Reiniger, Gaylen Ross, David Crawford, David Early, Richard France, Howard Smith, Daniel Dietrich, Fred Baker, James A. Baffico, Rod Stouffer, Jese Del Gre, John Rice, Randy Kovitz
Regie: George A. Romero
Drehbuch: George A. Romero
Kamera: Michael Gornick
Musik: Goblin
ungeprüft
Italien / USA / 1978

Eine unbekannte Seuche ist auf der ganzen Welt ausgebrochen. Die Wissenschaftler können nur Vermutungen anstellen und behaupten, der kürzlich auf die Erde abgestürzte Meteorit hätte die Erreger mitgebracht. Jedenfalls stehen die Toten wieder auf und versuchen, die noch Lebenden zu fressen. Die Polizisten Roger und Peter treffen sich nach einem Spezialeinsatz mit ihren Freunden Stephen und Francine, die zusammen einen Hubschrauber der örtlichen Sendeanstalt klauen. Nachdem die Vier lange Zeit über das überall schon verwüstete Land fliegen, entdecken sie ein riesiges in sich abgeriegeltes Einkaufszentrum. Sie landen auf dem Dach und verriegeln den ganzen Komplex, nachdem sie alle Zombies innerhalb der Geschäfte eliminiert haben. Jetzt haben sie sich praktisch ein Paradies geschaffen, in dem es an nichts fehlt. Leider hat auch eine gut bewaffnete Rockerbande ein Auge auf das Einkaufszentrum geworfen. Nachdem sie schließlich in das Gebäude eindringen, kommen auch die Zombies wieder herein und mit dem Paradies ist es vorbei. Nicht nur die Rocker, sondern auch Peter und Stephen werden Opfer der Kreaturen.


Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, kommen die Toten auf die Erde zurück


Bei dieser Aussage dürfte es sich wohl ganz eindeutig um eines der bekanntesten Filmzitate handeln, das insbesondere jedem Horror-Fan geläufig sein müsste. Gleichzeitig trifft das aber auch auf diesen zweiten Teil von George A. Romeros "Dead-Reihe" zu, der volle 10 Jahre nach dem Meisterwerk "Night of the Living Dead" erschien. Für nicht gerade wenige Leute handelt es sich hier um den besten Zombiefilm aller Zeiten, was sicherlich auch in seiner prägenden Wirkung für ein ganzes Genre begründet liegt. Revolutionierte das 68er Werk die Thematik der Untoten so setzte Romero hier noch einmal eine Schippe drauf, indem die Wiedergänger nicht nur als bedrohliche Angreifer auf die Lebenden dargestellt wurden, sondern das Szenario im Gegensatz zu früheren Filmen auch noch mit einem immensen Härtegrad ausgestattet wurden. Bisher wurden explizite Gewaltdarstellungen eher vermieden, Doch "Dawn of the Dead" schlug nun eine Richtungsänderung ein, die das Sub-Genre von nun an prägen sollte. Für den Zuschauer vollkommen neu musste man sich ab sofort mit von der Kamera eingefangenen Biss-Szenen auseinandersetzen und das Kunstblut floss in wahren Strömen, so das sich einem zur damaligen Zeit auch durchaus einmal der Magen umdrehen konnte. Aus heutiger Sicht mag das eher lächerlich erscheinen, gehört die visuelle Härte doch schon seit etlichen Jahren zum üblichen Standard, doch Ende der 70er Jahre beschritt man hier absolutes Neuland, das erst noch erschlossen werden musste. Romero gilt dabei nicht umsonst als Vater aller Zombies und ist vollkommen berechtigt als Visionär anzusehen, der mit seinen Werken das Horror-Genre revolutionierte.

Doch nun ist es längst nicht so, das der Film ausschließlich auf seinen teils äußerst brutalen Passagen aufgebaut wäre, er beinhaltet auch wie fast alle Werke des Regisseurs eine Menge Sozialkritik, die während des Geschehens mehr als nur einmal aufblitzt. So soll beispielsweise mit der Location des riesigen Einkaufszentrums angedeutet werden, das die Untoten sich anscheinend immer noch an alte Gewohnheiten erinnern, was einen wunderbar sarkastischen Seitenhieb auf die Konsum-Gesellschaft bedeutet. Mit solchen oder ähnlichen Spitzen ist das Werk reich garniert, was die Klasse des Szenarios meiner Meinung nach noch einmal zusätzlich unterstreicht. Ein weiteres sehr prägendes Merkmal ist der Soundtrack der Band Goblin, der absolut fantastisch zu den Ereignissen passt und die grandiose Story absolut perfekt abrundet. Romero hat es ganz exzellent verstanden, hier nicht eine reine Splatter-Gore Orgie zu kreieren, sind die entsprechenden Passagen zwar reichlich vorhanden aber dennoch sehr gut über die gesamte Laufzeit verteilt. Desweiteren beinhaltet der Film auch mehrere zugegebenermaßen äußerst dialoglastige Sequenzen, in denen der Zuschauer aber keineswegs mit ansonsten üblichen Floskeln oder belanglosen Dingen, sondern vielmehr mit größtenteils hochwertigen Wortwechseln konfrontiert wird. Es kommt aber auch auf die bevorzugte Fassung des Werkes an, denn "Dawn of the Dead" gibt es ja bekanntlicherweise in mehreren verschiedenen Schnittfassungen. Und damit meine ich nicht die etlichen gekürzten-und verstümmelten Fassungen, sondern den aus dem Kino bekannten Euro-Cut, den Romero Cut oder auch den ultimate Final Cut. Dies sind lediglich 3 Beispiele von mehreren und der bekannteste dürfte sicherlich der Euro-Cut sein, der auch gern als Argento Cut bezeichnet wird. Da nämlich Dario Argento selbst 250.000 $ in das Projekt investierte und auch die Filmmusik zur Verfügung stellte, durfte er im Gegenzug eine eigene Schnittfassung des Filmes in allen nicht - englischsprachigen Ländern (außer Lateinamerika) vermarkten, so das diese Version auch bei uns im Kino lief.

Jeder bevorzugt sicher seine eigene Lieblings-Version dieses Werkes, aber eine Sache haben wohl alle gemein, nämlich die herausragende Atmosphäre und die teils nervenzerreissende Spannung, die sich fast über die gesamte Laufzeit zu erkennen gibt. Dabei versteht es Romero fantastisch, die von Haus aus schon sehr bedrückende-und beklemmende Grundstimmung immer weiter zu verdichten. Hat man zu Beginn noch den Eindruck das die Situation unter Kontrolle gebracht werden könnte, so ändert sich dies mit der Zeit immer mehr. Dafür verantwortlich sind auch die hervorragenden Kamerafahrten und insbesondere die Bilder, die einem aus der Sicht der Haupt-Charaktere aus dem Hubschrauber gezeigt werden, in denen man dennoch nur erahnen kann, wie weit sich die Untoten-Schwemme schon ausgebreitet hat. In diesen Passagen werden auch immer wieder Szenen gezeigt, die auch jede Menge Sarkasmus in die Geschehnisse einfließen lassen. Gruppen von Jägern können auf der Jagd nach Zombies beobachtet werden, von denen so manch einer noch nicht einmal ansatzweise den Ernst der Lage erkannt hat. Viel eher wird das Gefühl vermittelt, das man sich auf einer sportlichen-und fröhlichen Menschjagd befindet deren Ausgang scheinbar offensichtlich auf der Hand liegt. Es ist hier ganz einfach das absolut überragende Gesamtbild der Geschichte, das diesen Film so wohlwollend von unzähligen anderen Zombie-Flicks abhebt, die man ganz besonders in der heutigen zeit vorgesetzt bekommt und die nicht einmal der Erwähnung wert sind.

Auch wenn nicht jeder "Dawn of the Dead" als besten Zombiefilm anerkennen mag, so hat sich diese Produktion definitiv ihren Platz in der "Hale of Fame" des Horror-Genres erarbeitet und auch redlich verdient. Ohne Romero und seine visionären Storys würde es die meisten anderen Genre-Vertreter höchstwahrscheinlich überhaupt nicht geben, hat der Regisseur doch erst dafür gesorgt, das diese Art von Film mittlerweile längst ein eigenes Sub-Genre bekleidet. Vielleicht sind die schlurfenden-und langsamen Untoten mit bläulicher Färbung nicht mehr ganz zeitgemäß und wurden schon längst durch rennende Menschenfresser ersetzt, doch sind sie definitiv dafür verantwortlich, das man auf eine gewaltige Masse von Zombiefilmen zurückgreifen kann, wobei nur die wenigsten sich als wirklich sehenswert entpuppen. Wie dem aber auch sei, auch nach mittlerweile fast vier Jahrzehnten handelt es sich hier ganz eindeutig um den Film, an dem sich alle anderen Genre-Kollegen messen müssen und gleichzeitig immer wieder daran scheitern, die Klasse und die Qualität dieses Meisterwerkes auch nur annähernd zu erreichen.


Fazit:


Der Ur-Vater der Untoten George A. Romero lässt hier nach seinem 10 Jahre zurückliegenden Zombie-Erstling die logische Weiterführung auf die Menschheit los und dieser Aspekt ist auch in den noch folgenden Filmen der Reihe immer wieder zu beobachten. Was viele Leute in den späteren Werken gern als dümmlich bezeichnen, ist eine langsam von statten gehende Weiterentwicklung der Wiedergänger, die mir persönlich ganz ausgezeichnet gefällt. Dennoch steht das 78er Werk auch trotz eines wirklich gelungenen Remakes einsam auf seinem Thron und wird auch niemals von der runter gestoßen werden.


10/10

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