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Mittwoch, 30. Januar 2013

Never Sleep Again 2: I am Nancy









Never Sleep Again 2: I am Nancy
(I am Nancy)
mit Heather Langenkamp, Robert Englund, Wes Craven, Adam A. Park, Shawn Lecrone, Tom Kircher
Regie: Arlene Marechal
Musik: Matthew Ian Cohen
Dokumentation
FSK 16
USA / 2010

"Never Sleep Again 2: I am Nancy" behandelt Heather Langenkamps einzigartige Erfahrung mit den "Nightmare on Elm Street"-Filmen. Die Darstellerin des Mädchens Nancy Thompson, das mehrere alptraumhafte Begegnungen gegen Freddy Krüger antrat, fragt sich: "Warum Freddymania und nicht Nancymania?" Nachdem sie den Freddy-Krüger-Wahn, den sprunghaften Anstieg der Horrorfangemeinde und das Phänomen von acht "Nightmare on Elm Street"-Filmen persönlich miterlebt hat, denkt sie über die Wichtigkeit von Helden in dieser Zeit der Monster-Liebhaber nach. Bereite dich vor, in Nancys Rolle zu schlüpfen und denke in einer vollkommen neuen Weise an die "Elm Street".


Nachdem die grandiose Dokumentation "Never Sleep Again" eigentlich alles Wissenswerte über die "Nightmare on Elm Street" Reihe offenbart hat, dreht sich in vorliegender Doku alles um die Figur der Nancy und ihren Stellenwert bei den Fans. Dabei bekommt der Zuschauer so gut wie keine Film-Ausschnitte der Kult-Reihe geboten, sondern begibt sich mit der Darstellerin Heather Langenkamp auf die Reise zu diversen Horrorfilm-Veranstaltungen, auf denen etliche Fans ihre Meinung zum Stellenwert der Nancy abgeben. Ziemlich schnell merkt man dabei, das diese äußerst wichtige Figur im Prinzip eher ein sogenanntes Schattendasein führt und lediglich im Hintergrund der Kultfigur Freddy Krueger steht. Dies äußert sich nicht nur in den etlichen Befragungen diverser Menschen, sondern hauptsächlich im Merchandise-Bereich, in dem es unendlich viele Artikel zum Thema Freddy gibt, aber eigentlich überhaupt nichts zu der taffen Teenagerin, die dem Albtraum-Mörder immer wieder die Stirn geboten hat.

Der Zuschauer bekommt dabei einen sehr guten Eindruck über die Beliebtheit der jungen Frau, die zwar oft von vielen Fans erwähnt wird, aber im Gegensatz zum unglaublich beliebten Horror-Bösewicht eher stiefmütterlich an die Seite geschoben wird. Zu übermächtig ist die Präsenz eines Robert Englunds, der hier übrigens auch oft genug zu Wort kommt, als das der Figur der Nancy Thompson die Beachtung zukommen würde, die sie eigentlich verdient hat. Es ist aber schön zu sehen, das Langenkamp diesen Aspekt mit dem nötigen Humor hinnimmt und keinesfalls gekränkt wirkt. Erstaunlicherweise ist sogar eher das Gegenteil der Fall, sie akzeptiert diese Tatsache einfach und freut sich über jeden einzelnen Fan, der wirkliches Interesse an ihrer Person offenbart.

In etlichen Gesprächen mit Fans, Robert Englund und auch Wes Craven wird dann die Gewichtung ihrer Rolle dargestellt und es ist schon ziemlich erstaunlich, welche Gedanken insbesondere Wes Craven zu dieser Thematik beiträgt. So kristallisiert sich dann auch immer mehr heraus, wie unglaublich wichtig die Figur für die gesamte Film-Reihe war und es präsentieren sich Sichtweisen auf den Charakter, die man selbst eventuell noch nie berücksichtigt hat. Auch ganz normale Leute geben durch ihre persönlichen Gedanken Dinge preis, die eine ganz klare Aufwertung der Nancy im Gesamtbild darstellen und diese Figur als absolut unverzichtbar für den Erfolg der Filme erscheinen lassen. Vor allem bezieht sich das auf den genialen Erstling von Craven, der auch im Mittelpunkt der ganzen Gespräche steht und in dem man bei der nächsten Sichtung die Rolle von Frau Langenkamp eventuell aus einem ganz anderen Blickwinkel sieht.

"I am Nancy" darf man auf keinen Fall mit "Never Sleep Again" vergleichen, darüber sollte man sich von Beginn an im Klaren sein. Hier handelt es sich ausschließlich um eine 70-Minütige Doku, in der es einzig und allein um den Stellenwert der weiblichen Hauptfigur geht. Dennoch handelt es sich um durchaus interessante Informationen und gerade die Meinung der Fan-Base dürfte für manch einen eine kleine Überraschung darstellen. Für Liebhaber der Reihe absolutes Pflichtprogramm und gleichzeitig eine lohnenswerte Ergänzung zur zuvor erschienenen Doku, die auch bei Ascot Elite erschienen ist.


Fazit:


"I am Nancy" spiegelt kurz und knackig den Stellenwert einer tragenden Figur wieder und beinhaltet lohnenswerte Informationen, um ein Gesamtwerk zu ergänzen, das man nur als grandios bezeichnen kann. Kein echter "Nightmare-Fan" sollte diese DVD an sich vorbeiziehen lassen und mit ihr seine Sammlung vervollständigen.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 70 Minuten


6/10

Tanz der Dämonen









Tanz der Dämonen
Devil Wind)
mit Eric Larson, Francine Lapensee, Rufus Norris, Jack Vogel, Stephen Quadros, Mark David Fritsche, Sherry Leigh, Bobby Johnston, Lynn Clark, Richard Gabai, Mia M. Ruiz, Kym Santelle, Stella Kastner
Regie: Charles Philip Moore
Drehbuch: Charles Philip Moore
Kamera: Thomas L. Callaway
Musik: Bruce Wallenstein
ungeprüft
USA / 1990

Eine Gruppe von Jugendlichen trifft auf ein einsames Farmhaus, welches vor etlichen Jahren Schauplatz eines Kampfes zwischen einer Hexe und Dämonen war. Doch das Böse wird neu geweckt, wodurch die Gäste durch den sogenannten Dämonenwind bei der Hütte festgehalten werden. Als die Nacht einbricht, kommen die Dämonen, um sich einen nach dem anderen zu holen. Der Grausamkeit der Kreaturen sind keine Grenzen gesetzt.


Filme, in denen es sich thematisch um Dämonen dreht haben immer ihren ganz besonderen Reiz und ziemlich oft werden die beiden "Demoni-Teile" von Lamberto Bava als Referenz angeführt. Nun sollte man jedoch bei vorliegendem US-Beitrag von Charles Philip Moore nicht mit zu hohen Erwartungen an die Geschichte herangehen, denn obwohl die Thematik wie erwähnt in die gleiche Richtung tendiert, sind qualitätsmäßig doch einige Abstriche zu den italienischen Vertretern zu machen. Das bezieht sich in erster Linie auf den vorhandenen Härtegrad und die damit auch verbundene Aktivität der Dämonen, denn bis es hier einmal richtig zur Sache geht vergeht doch eine geraume Zeit und mehr als die Hälfte des Filmes ist schon vorbei. Bis dahin muss man sich mit einer etwas zu lang gestalteten Einführung in die Ereignisse zufrieden geben, die doch einige Längen aufzuweisen hat und in einigen Momenten nicht gerade für extreme Spannung sorgt. So wird man phasenweise vielmehr mit spät-pubertären Auseinandersetzungen von einigen Protagonisten konfrontiert, die man sich auch durchaus hätte sparen können. Auch die Einführung der einzelnen Charaktere erfolgt eher oberflächlich und es fällt nicht unbedingt leicht, einen wirklichen Bezug zu den blassen Figuren zu finden.

In dieser Phase der Story zehrt man im Prinzip lediglich von der meiner Meinung nach gelungenen Grundstimmung die man dem Szenario verpasst hat und die sich auch wie ein roter Faden konstant zu erkennen gibt. Wer dann jedoch im zweiten Teil auf jede Mange blutige Action hofft, wird sich im Endeffekt eher mit einer kleinen Enttäuschung zufrieden geben müssen, denn in dieser Beziehung hält sich "Tanz der Dämonen doch recht bedeckt. Der Film offenbart dabei nur einige wenige blutigere Passagen, weswegen einen die Indizierung dieses Titels auch ein wenig verwundert. Gerade wenn man an die beiden "Demoni-Teile" denkt, herrscht hier doch ein ganz erheblicher Unterschied, was die harten Szenen betrifft. Charles Philip Moore kocht hier ganz eindeutig auf Sparflamme, was man jedoch nicht zwangsläufig als negative Kritik auslegen sollte, denn in seiner Gesamtheit ist "Tanz der Dämonen" ein größtenteils unterhaltsamer Film, der zudem rein atmosphärisch vollkommen überzeugen kann.

Etwas störend erscheinen viel eher die doch maximal durchschnittlichen Schauspieler, die in ihrer Performance doch extrem limitiert erscheinen. In nicht gerade wenigen Momenten hinterlassen die Darstellungen sogar ziemlich theatralische Züge, Vieles wirkt seltsam aufgesetzt und künstlich, was gleichzeitig auch auf die vorhandenen Effekte zu übertragen ist. Diese kommen dem Zuschauer schon etwas arg naiv vor, verleihen dem Geschehen andererseits einen ganz eigenen Charme und verleihen dem Szenario irgendetwas Knuffiges. Wirklich gestört hat mich ehrlich gesagt die deutsche Synchronisation, bei der man sich ganz offensichtlich nicht sehr viel mühe gegeben hat und auch nicht gerade die besten Sprecher verpflichten konnte. Die dabei entstandenen Dialoge treiben einem schon so manchen Schmunzler auf die Lippen und sorgen für einen phasenweise unfreiwillig komischen Anstrich, der teilweise vollkommen fehl am Platz wirkt. Man merkt also, das hier längst nicht alles richtig gemacht wurde, dennoch hat mit der Film insgesamt gesehen nette Unterhaltung geboten, wobei man die eigenen Ansprüche von Beginn an nicht zu hoch ansetzen sollte, können diese doch keinesfalls erfüllt werden.

Letztendlich handelt es sich bei "Tanz der Dämonen" um einen Horrorfilm, den ich leicht über dem normalen Durchschnitt ansiedeln würde. Sicherlich alles andere als ein Genre-Highlight, erscheint das Szenario allein schon in atmosphärischer Hinsicht als absolut lohnenswert. Größere Härten oder gar richtig derbe Sequenzen hat der Film definitiv nicht zu bieten und wer sein Hauptaugenmerk gerade auf diesen Aspekt legt, ist bei den Werken von lamberto Bava auf jeden Fall weitaus besser aufgehoben. Ansonsten kann man sich dieses Werk durchaus mal anschauen, auf einen äußerst nachhaltigen Eindruck der Ereignisse sollte man dabei jedoch nicht unbedingt hoffen, denn dafür beinhaltet die Geschichte doch zu viele Defizite.


Fazit:


Wer Dämonen-Filme mag kann durchaus mal einen Blick riskieren, sollte sich aber nicht zuviel von dieser amerikanischen Produktion versprechen. Eine gute Grundstimmung, ein wenig Action und etwas Härte im zweiten Teil der Geschichte müssen ausreichen, hinzu kommen mittelmäßige Schauspieler und eine nicht unbedingt tolle deutsche Synchronisation, was im Endeffekt einen bessere Bewertung verhindert.


6/10

Montag, 28. Januar 2013

The Riffs III - Die Ratten von Manhattan









The Riffs III - Die Ratten von Manhattan
(Rats - Notte di terrore)
mit Ottaviano Dell'Acqua, Geretta Geretta, Massimo Vanni, Gianni Franco, Ann-Gisel Glass, Jean-Christophe Bretigniere, Fausto Lombardi, Henry Luciani, Cindy Leadbetter, Christian Fremont, Moune Duvivier
Regie: Bruno Mattei /
Drehbuch: Claudio Fragasso / Bruno Mattei
Kamera: Franco Delli Colli / Henry Frogers
Musik: Luigi Ceccarelli
FSK 18
Frankreich / Italien / 1984

New York 2025: Die Stadt ist durch einen Atomkrieg verwüstet, nur eine Handvoll Rocker hat die Katastrophe überlebt. Bei der Untersuchung eines geheimnisvollen Labors werden sie das Opfer bösartiger Ratten, die ihre Opfer regelrecht zerfleischen...


So kurz und knapp wie die Inhaltsangabe gestaltet sich auch die extrem ausgedünnte Rahmenhandlung dieses Films, der als inoffizieller dritter Teil der "The Riffs-Reihe" deklariert wird. Dabei gibt es im Prinzip überhaupt keine inhaltlichen Zusammenhänge und lediglich einige verbale Andeutungen der wenigen Rocker aus einer Gruppe Überlebender lassen erkennen, das es sich wohl um ehemalige Mitglieder der "Riffs" handelt. Ansonsten aber handelt es sich eher um einen eigenständigen Film, der auch nicht einmal annähernd an die beiden extrem unterhaltsamen Filme von Castellari herankommt. Dieses Mal führte Bruno Mattei Regie und hat ein Szenario entworfen, das sich zeitlich gesehen gut 35 Jahre nach den beiden Vorgängern ansiedelt. Mittlerweile hat ein Atomkrieg die Erde verwüstet und der Fokus des Geschehens richtet sich auf eine Handvoll Überlebender, die in einem Labor nach Überlebensmöglichkeiten suchen.

Dort treffen sie auf unzählige Ratten und die possierlichen Nager entpuppen sich mit der Zeit als ungemein angriffslustig. Nun könnte man das Werk eigentlich als recht netten Ratten-Horrorfilm bezeichnen der vollkommen abweichend von Teil 1 & 2 seine ganz eigene Geschichte erzählt, doch selbst aus dieser Sichtweise heraus kann "The Riffs III" nur teilweise einen überzeugenden Eindruck hinterlassen. Rein atmosphärisch gesehen kann man hier trotz eines räumlich sehr begrenzten Schauplatzes einige Pluspunkte sammeln, doch das war es dann im Prinzip auch schon mit den wirklich positiven Gesichtspunkten. In Sachen Action-und Spannung weist das Werk nämlich ganz erhebliche Defizite auf und offenbart mit zunehmender laufzeit auch so manche Länge, die man ganz bestimmt hätte vermeiden können. Und rein inhaltlich braucht man sich gar keine Gedanken zu machen, denn die Story würde wohl gerade einmal ausreichen, um einen halben Bierdeckel zu füllen.

All das könnte man aber sogar noch verschmerzen, doch das Schauspiel der Akteure ist es dann letztendlich, das einem so richtig die Suppe verhagelt. Das man in einem Film dieser Art keinen neuen Oscar-Anwärter finden wird, dürfte dabei von Beginn an feststehen und auch tiefer gehende Charakter-Beleuchtungen oder gar interessante Dialoge sollte man nicht unbedingt erwarten. Was man dann aber von der Darsteller-Riege geboten bekommt, ist nicht nur einfach unterhalb des normalen Durchschnitts angesiedelt, sondern geht einem mit der Zeit ganz mächtig auf die Nerven. Wenn es sich nun lediglich um teilweise zum Vorschein kommendes Overacting handeln würde könnte man diesem ja noch mit einem gewissen Schmunzeln gegenüber treten, doch das Schauspiel ist phasenweise so schlecht, das einem das Lachen im halse stecken bleibt. Ganz besonders die weiblichen Mitglieder der Gruppe treten wie hämmernde Zahnschmerzen in Erscheinung und ihr ständiges-und vollkommen künstliches Gekreische lässt mehrmals den Wunsch in einem aufkommen, die Stop-Taste des DVD Players zu betätigen, um die Qual zu beenden. Aber auch die Männer sind nicht untätig und bestechen insbesondere durch sogenannte Hahnenkämpfe, in denen sie völlig aus der Spur geraten und sich theaterreife Szenen liefern, die vollkommen überzogen und künstlich erscheinen.

Das zieht sich dann auch wie ein roter faden durch den gesamten Film und am Ende ist man doch ziemlich froh darüber, wenn das Grauen endlich ein Ende hat. Bis auf einige ganz nette Ansätze hat das Werk von Mattei herzlich wenig zu bieten und sollte auf keinen fall im gleichen Atemzug wie Castellari's Teile genannt werden, denn diese Ehre hat sich "The Riffs III" keinesfalls verdient. Aus Gründen der Komplettierung kann man den Film durchaus in der Sammlung haben, ob es jedoch zu mehrmaliger Sichtung ausreicht, muss ein jeder für sich selbst entscheiden, denn der Qualitäts-Abfall zu den beiden vorherigen Filmen ist doch immens. Gleichzeitig eröffnet sich auch nur ein bedingter Unterhaltungswert, so das man letztendlich nur zu einem unterdurchschnittlichen Gesamteindruck gelangt und keinesfalls eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen kann.


Fazit:


Schlechte Darsteller, sinnlose Dialoge, kaum Spannung und eine nicht gerade substanzielle Story sind nicht unbedingt Qualitäts-Merkmale für einen Film. "The Riffs III - Die Ratten von Manhattan" beinhaltet leider jede einzelne dieser Zutaten und ist aus diesem Grund nicht zu den Werken zu zählen, die man unbedingt gesehen haben muss.


4/10

Sonntag, 27. Januar 2013

The Riffs II - Flucht aus der Bronx









The Riffs II - Flucht aus der Bronx
(Fuga dal Bronx)
mit Mark Gregory, Henry Silva, Valeria D'Obici, Giancarlo Prete, Paolo Malco, Ennio Girolami, Antonio Sabato, Andrea Coppola, Massimo Vanni, Moana Pozzi, Maurizio Fardo
Regie: Enzo G.Castellari
Drehbuch: Tito Carpi
Kamera: Blasco Giurato
Musik: Francesco De Masi
FSK 18
Italien / 1982

Bronx 1990: Hier herrscht das Chaos. Im Kampf um die Vorherrschaft auf den Strassen gibt es kein Erbarmen. Dem Stadtgouvaneur ist das gesetzlose Treiben schon lange ein Dorn im Auge. Aus gutem Grund: Er ist Teilhaber einer Baufirma, die in der Bronx ein modernes Geschäftsviertel plant. Doch dafür müssen zunächst fast alle alten Gebäude abgerissen werden. Das ruft die Riffs auf den Plan. Sie wollen mit aller Macht verhindern, dass die Bronx zum Freizeitzentrum der Reichen wird, und erklären dem Baukonzern und der Stadt den Kampf.


Mit dieser Fortsetzung schlägt Enzo G. Castellari die gleiche Richtung ein, die er schon in "The Riffs - Die Gewalt sind wir" vorgegeben hat. Im Prinzip wurden lediglich einige Figuren die in Teil 1 ihr Leben verloren haben durch neue ersetzt, doch ansonsten handelt es sich fast um die gleiche Geschichte, die sich mit diversen kleinen Änderungen wiederholt. Dieses Mal soll die gesamte Bronx abgerissen werden, um der Stadt New York ein luxuriöseres Gesicht zu verpassen, wobei auf die Bewohner des heruntergekommenen Stadtteils keinerlei Rücksicht genommen wird. Offiziell werden die Menschen umgesiedelt und dieser Begriff hatte schon zu Zeiten der Nazis in Deutschland einen mehr als faden Beigeschmack. Auch hier wird vielmehr mit Flammenwerfern gearbeitet als das man ernsthaft versuchen würde, den Bewohnern eine neue Heimat zukommen zu lassen. Das ruft dann unweigerlich die Verbliebenen der ehemals starken Gangs auf den Plan, die durch die Entführung des Präsidenten der Manhattan Cooperation ein Umdenken erzwingen wollen.

Das die skrupellosen Geschäftemacher sich aber nicht einschüchtern lassen sondern zu ihren ganz eigenen Mitteln greifen um die Situation zu bereinigen, müssen die zahlenmäßig stark unterlegenen Rebellen sehr bald feststellen. Die ungleiche Jagd in den unterirdischen Katakomben der baufälligen Bronx gestaltet sich dabei äußerst tempo-und actionreich, es wird geballert was das Zeug hält und unzählige Explosionen werten das stattfindende Spektakel noch zusätzlich auf. Einige Szenen entbehren dabei nicht einer gewissen und unfreiwilligen Komik, denn es ist schon amüsant anzuschauen, wenn eine Handgranate eine weitaus größere Wirkung erzielt als eine Panzerfaust. Doch sind es insbesondere diese nicht ganz logisch erscheinenden Momentaufnahmen, die diesem Film seinen ganz eigenen Charme verleihen, dem man sich beim besten Willen nicht entziehen kann.

So ist es auch einmal mehr Mark Gregory, der irgendwie steif und gekünstelt agiert, dem Geschehen aber dadurch seinen ganz persönlichen Stempel aufdrückt. Die imaginären Rasierklingen in den Achselhöhlen lassen immer wieder den Eindruck entstehen, das der gute Mann vor Kraft kaum noch gehen kann. In seinen Kampfeinsätzen stellt er sich dann aber eher stoffelig an und kann sich nur mit viel Glück aus brenzligen Situationen befreien. Ganz generell ist beim dargebrachten Schauspiel eine gewisse Theatralik schwerlich zu übersehen, was jedoch im Gegensatz zu anderen Filmen keinesfalls eine negative Kritik darstellt. Es sind doch in der Hauptsache die vielen kleinen Unzulänglichkeiten, die diesen Teil wie auch den Vorgänger bei den Fans so dermaßen beliebt machen. Für einen verhältnismäßige billigen B-Movie beinhaltet nämlich auch "The Riffs II - Flucht aus der Bronx diese einzigartig unterhaltsame Mischung aus Action, ein Wenig SCI/FI und Endzeitfilm, die man sich immer wieder sehr gut anschauen kann.

Zwar muss man hier leider auf Vic Morrow verzichten, doch mit Henry Silva hat man einen erstklassigen Ersatz für die Rolle des unsympathischen Bösewichtes gefunden, eine Rolle die der tolle Schauspieler ja schon oft genug gespielt hat. Und so gibt es einmal mehr einen harten und verzweifelten Kampf für Trash und seine Mitstreiter, der etliche Menschenleben fordert und dem Zuschauer ein wahres Action-Feuerwerk offenbart, an dem man seine helle Freude hat.


Fazit:


Meiner persönlichen Meinung nach steht dieser zweite Teil seinem Vorgänger in nichts nach und bietet einmal mehr herrlich trashiges Genrekino aus Italien, das ganzzeitig erstklassige-und extrem kurzweilige Unterhaltung bietet. Viele kleine Mankos die man in anderen Werken wohl eher negativ beurteilen würde, verleihen diesem Film ungeahnte Stärken und lassen den Betrachter in Verzückung geraten.


8/10

Samstag, 26. Januar 2013

The Riffs - Die Gewalt sind wir









The Riffs - Die Gewalt sind wir
(1990 i guerrieri del Bronx)
mit Mark Gregory, Stefania Girolami, Fred Williamson, Vic Morrow, John Sinclair, Christopher Connelly, George Eastman, Ennio Girolami, Massimo Vanni, Betty Dessy, Angelo Ragusa
Regie: Enzo G.Castellari
Drehbuch: Elisa Briganti / Enzo G. Castellari
Kamera: Sergio Salvati
Musik: Walter Rizzati
FSK 18
Italien / 1982

Die Bronx, eine höllische Steinwüste mitten in New York. Hier regiert das Gesetz der Strasse. Die Banden der Riffs, Scavengers und Tigers kontrollieren das Stadtgebiet. Die Polizei ist machtlos und hat das gesamte Viertel zum Sperrgebiet erklärt. Ann, die Tochter des Präsidenten der Manhattan Cooperation, hat das Leben in der High Society satt und sucht Unterschlupf bei Trash, dem Anführer der Riffs. Schließlich kommt es zwischen den Gangs zum Krieg um das Mädchen. Das New Yorker Police-Departement hat zudem seinen besten Mann, Hammer, entsandt, um Anne aus der Bronx zurückzuholen...


Nun könnte man es sich recht leicht machen und das Werk von Enzo G. Castellari lediglich als trashige Italo-Variante eines Bandenfilms abstempeln, doch mit dieser Einschätzung würde man "The Riffs - Die Gewalt sind wir" nicht annähernd gerecht werden. Dieser billig erscheinende B-Movie bietet nämlich eine herrliche Kombination aus Action, Endzeit-und SCI/FI Feeling, die streckenweise an einen Film wie "Die Klapperschlange" erinnert, was sich jedoch keinesfalls auf die Geschichte an sich bezieht. Diese fällt dann im Prinzip auch ziemlich spärlich aus, was aber überhaupt nichts am sehr hoch angesiedelten Unterhaltungswert der Ereignisse ändert. Schauplatz des Ganzen ist die New Yorker Bronx die ausschließlich von verschiedenen Banden regiert wird und die sich rein visuell wie eine echte Trümmerlandschaft darstellt. Während des gesamten Geschehens bekommt man eigentlich nicht ein intaktes Haus zu Gesicht, sondern lediglich Ruinen, die nur noch auf die berühmte Abrissbirne warten.

Und so spielt sich das Bandenleben auch hauptsächlich unter der Erde ab, denn hier haben die verschiedensten Gangs ihren Unterschlupf gefunden und alle fallen hauptsächlich durch herrliche Kostüme auf, von denen manche schon etwas fast futuristisches an sich haben. Dieser Eindruck bezieht sich aber auch auf die Sturmtruppen der Manhattan Cooperation, die in teils skurrilen Outfits die Tochter ihres Präsidenten zurückholen wollen, die sich in den baufälligen Stadtteil begeben hat, um Abstand zu den dubiosen Machenschaften ihres Vaters zu bekommen. Nach schon relativ kurzer Zeit entwickelt sich eine waghalsige Jagd durch die unterirdischen Katakomben, die zudem auch noch herrlich actionreich in Szene gesetzt wurde. Wilde Schießereien, etliche Explosionen und einige Nahkämpfe sorgen an dieser Stelle für genügend Abwechslung und steigern den Unterhaltungswert des Ganzen in ungeahnte Höhen.

Auch die Leistungen der Schauspieler sind eine absolute Augenweide, wobei sich dieser Aspekt aber nicht unbedingt durch herausragendes Schauspiel zu erkennen gibt. Vielmehr sind es die phasenweise theatralisch wirkenden Momente, die den geneigten Fan in wahre Verzückung geraten lassen und stellvertretend steht hier der Name Mark Gregory, der in der Rolle des Anführers Trash eine größtenteils unfreiwillig komische Note einführt. Trotz seiner anschaulichen Figur erscheint der gute Mann immer ein wenig tuntig auf mich und ich kann seinen Charakter nie so richtig ernst nehmen. Hier handelt es sich nun aber keinesfalls um negative Kritik, denn gerade sein manchmal schon künstliches Auftreten ist meiner Meinung nach ein absoluter Höhepunkt dieses Filmes. Mit Vic Morrow hat man ihm dann auch den idealen Gegenpart verpasst, denn in der Rolle von Hammer liefert der Mann eine absolut überzeugende Performance ab und ist an Fiesheit-und Verschlagenheit kaum zu überbieten.

Alles zusammengenommen stellt "The Riffs - Die Gewalt sind wir" ein wunderbares Relikt der 80er Jahre dar und hat in Fan-Kreisen schon längst seinen wohlverdienten Kultstatus erreicht. Was sich für manche Leute vielleicht als billiges Filmchen darstellt, ist in Wahrheit eine skurrile Perle des italienischen Genrekinos, die in keiner gut sortierten Sammlung fehlen sollte.


Fazit:

Enzo G. Castellari hat hier wirklich einen Film geschaffen, der auch nach nunmehr über 3 Jahrzehnten rein gar nichts von seinem Liebreiz-und Charme verloren hat. Eine neuerliche Sichtung ist immer wieder lohnenswert, denn beste Unterhaltung ist definitiv vorprogrammiert, auch wenn es sich um kein filmisches Meisterwerk handelt.


8/10

Donnerstag, 24. Januar 2013

The Inkkeepers - Hotel des Schreckens









The Innkeepers - Hotel des Schreckens
(The Innkeepers)
mit Sara Paxton, Pat Healy, Alison Bartlett, Jake Ryan, Kelly McGillis, Lena Dunham, George Riddle, Brenda Cooney, John Speredakos, Sean Reid, Kurt Venghaus, Thomas Mahoney, Michael Martin
Regie: Ti West
Drehbuch: Ti West
Kamera: Eliot Rockett
Musik: Jeff Grace
keine Jugendfreigabe
USA / 2011

Am letzten Wochenende, bevor das Yankee Pedlar Inn geschlossen werden soll, beschließen die Angestellten Claire und Luke, Beweise für einen angeblichen Geisterspuk zu finden. Dabei lernen die Spätzwanziger einen der letzten Gäste des Hotels kennen, die in die Jahre gekommene Fernsehschauspielerin Leanne Rease-Jones, die offenbar das zweite Gesicht besitzt und dem Paar bereitwillig bei seinen Recherchen hilft. Mehr und mehr stellt sich heraus, dass Leanne über mehr verfügt als nur telepathische Fähigkeiten.


Gruselfilme mit der Haunted House Thematik gibt es wie Sand am Meer und so sollte man auch beim neuesten Werk von Ti West (The House of the Devil) keinesfalls erwarten, das man hier das Rad neu erfindet. Doch was der Regisseur hier auf die Beine gestellt hat, ist so ziemlich das Beste, was das Sub-Genre in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Dabei beginnt die Geschichte im Prinzip eher etwas belanglos und in den ersten gut 30 Minuten überkommt einen nicht unbedingt das Gefühl, das einen ein echter Grusler erwartet. Eine dezente Einführung der Charaktere und 2-3 kleine Schockmomente die aber nichts mit dem später aufkommenden Horror zu tun haben sorgen nicht gerade für eine hohe Erwartungshaltung beim Zuschauer. Und ehrlich gesagt ist das auch gut so, denn West versucht wohl vollkommen beabsichtigt einen etwas einzuschläfern, damit das Szenario danach seine volle Wirkung entfachen kann.

Genau dieser Fall tritt dann auch ein, denn nach der eher banalen Einführung in das Geschehen entfaltet sich immer mehr der subtile und unterschwellig auftretende Horror, der einmal mehr mit minimalstem Einsatz erzeugt wird, aber eine maximale Wirkung hinterlässt. Hat man schon während der Einführungs-Phase trotz mangelnder Ereignisse deutlich gespürt das etwas sehr Unheilvolles in der Luft liegt, so geht "The Innkeepers" nun so richtig in die Vollen. Ein herausragender dramaturgischer Spannungsaufbau und eine stetig dichter werdende Grundstimmung sorgen für das perfekte Grusel-Erlebnis, das einem immer mehr unter die haut kriecht und für so manche Gänsehaut Sorge trägt. Ob man es will oder nicht, man erliegt fast automatisch der von den Ereignissen ausgehenden Faszination und kann dabei nicht leugnen, das man phasenweise selbst ein Teil der Geschichte wird. Gezielt eingesetzte Schockmomente und herrlich bedrohliche Passagen erzeugen ein Gefühl, als wenn man selbst den Geheimnissen des alten Hotels auf den Grund gehen würde.

Wie schon bei "The House of the Devil" stellt Ti West einmal mehr unter Beweis, das man nicht immer Härte oder ein Effekt-Gewitter benötigt, um den Betrachter in einen wahren Bann zu ziehen. Die einfachsten Zutaten sind hier vollkommen ausreichend, um einen in den sogartigen Strudel der Ereignisse zu ziehen, aus dem es scheinbar kein Entrinnen gibt. Enorm wichtig für die Intensität des Geschehens sind jedoch auch die darstellerischen Leistungen und besonders die junge Sara Paxton in der Rolle der Claire liefert hier eine nahezu brillante Performance ab. Aber auch die in die Jahre gekommene Kelly McGillis kann mit einer überzeugenden Leistung aufwarten, so das sich einem authentische-und sehr glaubwürdige Leistungen offenbaren, die das von Haus aus schon gute Gesamtbild noch einmal zusätzlich aufwerten. West hat hier wirklich wieder eine echte Grusel-Granate auf den Weg gebracht die alles beinhaltet, was Filme dieser Art so absolut sehenswert macht.

Letztendlich ist die hohe Alterseinstufung für manch einen eventuell etwas irreführend, denn nicht wenige werden sicherlich einen harten Horrorfilm erwarten. Mit dieser Erwartungshaltung wäre man aber auf dem vollkommen falschen Dampfer, denn sonderliche Brutalitäten sind absolute Mangelware. Gorehounds werden also nicht auf ihre Kosten kommen, dafür dürften jedoch die Freunde des Haunted House Horrors regelrecht begeistert sein. "The Innkeepers" braucht sich meiner persönlichen Meinung nach auch hinter Klassikern des Genres nicht zu verstecken und wer ein Faible für den Gruselfilm hat, sollte sich dieses grandiose Werk auf keinen Fall durch die Lappen gehen lassen.


Fazit:


Schon "The House of the Devil" hat mir sehr gut gefallen und mit seinem neuesten Werk knüpft Ti West nahtlos an dessen Klasse und Niveau an. Ein Film-Erlebnis, das eine ungeheure Intensität entfacht und das man sich am besten in der Nacht anschauen sollte, da die herausragende Atmosphäre dann noch weitaus besser zur Geltung kommt.


8,5/10

Mittwoch, 23. Januar 2013

Verflucht zum töten









Verflucht zum Töten
(La Settima Donna)
mit Florinda Bolkan, Ray Lovelock, Flavio Andreini, Sherry Buchanan, Stefano Cedrati, Laura Tanziani, Laura Trotter, Karina Verlier, Luisa Maneri
Regie: Francesco Prosperi
Drehbuch: Ettore Sanzo / Romano Migliorini
Kamera: Christiano Pogany
Musik: Roberto Pregadio
ungeprüft
Italien / 1978

Nach einem Banküberfall suchen sich drei Gangster eine Bleibe, wo sie sich verstecken können, bis Gras über die Sache gewachsen ist. Dummerweise fällt die Wahl auf eine Villa, wo Schwester Christina mit einer Gruppe junger Mädchen gerade ein Theaterstück einstudiert. Schon nach kurzer Zeit eskaliert die Situation und eines der Mädchen wird von den Eindringlingen brutal vergewaltigt...


Nicht gerade selten wird dieses Werk von Francesco Prosperi mit Wes Craven's "The last House on the left" verglichen und rein inhaltlich gleichen sich beide Geschichten ziemlich stark. Dennoch sollte man bei dem Vergleich doch eher Aldo Lado's "Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien" als Referenz heranziehen, ähnelt das Werk dem Craven Klassiker weitaus mehr. Dennoch haben wir es hier mit einem herrlich sleazigen Vertreter des Rape and Revenge Filmes zu tun, der seine Stärken jedoch nicht unbedingt in expliziten Gewaltdarstellungen sucht, denn in dieser Beziehung hat sich der Regisseur doch etwas bedeckt gehalten, was kedoch keinesfalls als negative Kritik aufgefasst werden sollte. Die Story beinhaltet nämlich sehr wohl einen ziemlich hohen Härtegrad, nur das dieser sich zumeist im Kopf des Zuschauers abspielt, da die meisten Taten meistens nur angedeutet werden. So ist es dann auch weitgehend der eigenen Fantasie überlassen, sich mit den Demütigungen und Erniedrigungen der Frauen zu befassen, die hier von ganz offensichtlich sadistischen Verbrechern als Geiseln genommen wurden.

Die größte Stärke bezieht die geschichte aus dem herausragendem Schauspiel der beiden Haupt-Charaktere, denn sowohl Florinda Bolkan in der Rolle einer Nonne und Ray Lovelock als Teil des Verbrecher-Trios verleihen dem Ganzen dorch ihre brillante Performance einen persönlichen Stempel. Ganz besonders kristallisiert sich dabei der Part von Lovelock als wichtig heraus, scheint sich der gute Mann doch ganz erheblich von seinen beiden Kumpanen zu unterscheiden. Werden diese nämlich als äußerst primitiv und vulgär skizziert, so erscheint Aldo (Lovelock) vielmehr als gebildeter-und weltmännischer Typ, der sich aus dem Gröbsten heraushält. Innerhalb des Szenarios stellt sich dies jedoch als absoluter Trugschluss heraus und die Maske des smarten jungen Mannes fällt zum Ende hin gänzlich ab, so das man den eigentlichen Charakter erkennt. Ihm gegenüber steht mit F. Bolkan die Aufsichtsperson der jungen Mädchen, die gute Frau muss während der gesamten Laufzeit Etliches über sich ergehen lassen was bei der Ansicht des Geschehens umso härter erscheint, da es sich um eine Dienerin Gottes handelt. Aus diesem Aspekt bezieht das Szenario schon eine Menge Gewalt und zeigt gleichzeitig auf, das die Banditen vor überhaupt nichts Respekt haben, sondern sich an ihrem offen zur Schau getragenem Sadismus herrlich ergötzen können.

Francesco Prosperi ist es ganz hervorragend gelungen, seiner Geschichte trotz verhältnismäßig wenig visueller Härte eine extrem beklemmende Grundstimmung zu verleihen, die sich fast im Minutentakt immer stärker verdichtet und dem Betrachter regelrecht die Luft zum atmen nimmt. Das pefide Katz-und Maus Spiel nimmt immer intensivere Formen an und geht dabei auch nicht spurlos an einem selbst vorbei, macht sich doch ein phasenweise äußerst beklemmendes Gefühl breit, das man nicht so schnell wieder ablegen kann. Dabei wurde sorgsam darauf geachtet, das sich die Gewaltspirale kaum merklich immer weiterschraubt und man sich auf einmal in Geschehnissen befindet, die einen sehr bitteren nachgeschmack hinterlassen. Dabei ist es in erster Linie der Kontrast zwischen Tätern und Opfern, der hier extrem nachhaltig hängen bleibt, denn während sich die Bankräuber immer mehr in ihrem sadistischen Verhalten gefallen, nimmt die Angst bei den Mädchen immer konkretere Formen an. Auch an dieser Stelle muss man noch einmal das Schauspiel der Akteure besonders loben, denn auch wenn Lovelock und Bolkan ein wenig hervorstechen, so hinterlassen auch alle anderen Darsteller einen grandiosen Eindruck, was ganz automatisch zu einem authentischen Eindruck des Szenarios führt. Das sich die Geschehnisse am Ende vollkommen umdrehen, ist hier eine fast schon logische Schlussfolgerung und man selbst verspürt schon eine diebische Art der Befriedigung, wenn sich die Rollen der Protagonisten vertauschen. Wie sich dann letztendlich der finale Showdown entwickelt kann man sich wohl bildlich vorstellen, es kommt zu einer totalen Verschiebung der bisherigen Machtverhältnisse und der Entladung des Schmerzes und der aufgestauten Wut bei den Frauen sind keinerlei Grenzen mehr gesetzt.

Letztendlich handelt es sich bei Prosperi's Werk um einen exzellenten Vertreter des italienischen Kinos, der seine absoluten Highlights in der vorhandenen Atmosphäre und im exzellenten Schauspiel seiner Darsteller hat. Ganz bewust hat man anscheinend darauf verzichtet, die Geschichte mit überflüssiger Gewalt anzureichern und diese hat der Film auch überhaupt nicht nötig, um einen sehr überzeugenden Gesamteindruck zu hinterlassen. Es ist die Situation an sich, die hier immens brutal auf den Zuschauer einwirkt und die darstellerischen Leistungen tun ihr Übriges, um diesen Zustand noch zusätzlich hervorzuheben. Meiner Meinung nach wurde alles genau richtig gemacht, um hier einen äußerst sleazigen Thriller zu kreieren, der auch noch längst nach dem Abspann eine nachhaltige Wirkung bei einem selbst hinterlässt.


Fazit:


"La Settima Donna" so der Original-Titel ist ein äußerst intensiver Rape and Revenge Beitrag, der auch ohne explizite Gewaltdarstellungen in jeder Hinsicht überzeugen kann. Eine spannende Geschichte, eine dichte -und beklemmende Grundstimmung, sowie grandios auftrumpfende Schauspieler machen dieses Werk zu einem wahren Film-Erlebnis, das man nicht so schnell vergessen wird.


8,5/10

Montag, 21. Januar 2013

Jersey Devil









Jersey Devil
(The Barrens)
mit Shawn Ashmore, Mia Kirshner, Stephen Moyer, Peter DeCunha, Erik Knudsen, Allie MacDonald, Athena Karkanis, Max Zopplin, Demore Barnes, Naomi Snieckus, J. LaRose, Chantelle Chung, David Keeley
Regie: Darren Lynn Bousman
Drehbuch: Darren Lynn Bousman
Kamera: Joseph White
Musik: Bobby Johnston
keine Jugendfreigabe
USA / 2012

Der "Jersey Devil": Viele Legenden ranken sich um die jahrhundertealte Kreatur, welche in den einsamen Wäldern New Jerseys ihre Opfer suchen und zerfleischen soll. Diese Märchen halten Richard allerdings nicht auf, in dieser Gegend mit seiner Familie einen Wochenend-Campingausflug zu unternehmen. Auch das Auftauchen von übel zugerichteten Tierkadavern hindert ihn nicht daran, immer tiefer in den Wald vorzudringen. Doch schon bald wird die erste Leiche geborgen, und Richard scheint mehr über die vermeintliche Sagengestalt zu wissen, als er zugeben möchte ...


Komischerweise werden die neuen Filme von Darren Lynn Bousman von vielen Leuten immer etwas unterbewertet, was sicherlich ein wenig in der Tatsache begründet ist, das der gute Mann mit seinen 3 Regie-Arbeiten innerhalb der Saw-Reihe (Saw 2-4) die Messlatte in Sachen Härte teilweise ziemlich hoch gelegt hat. Kein Wunder also das viele ganz automatisch weiterhin harte und blutige Horrorfilme erwarten und nach der Sichtung der neuen Filme in dieser Beziehung doch eher enttäuscht sind. Das war schon bei "11-11-11 - Das Tor zur Hölle" so und auch beim vorliegenden "Jersey Devil" verhält es sich anscheinend nicht anders. Zugegebenermaßen könnte man aufgrund der Inhaltsangabe eventuell sogar ein spektakuläres-und blutiges Creature-Movie erwarten, aber die Geschichte entwickelt sich vielmehr in Richtung Psycho-Drama, das mit einigen etwas blutigeren Passagen angereichert wurde. So bekommt der Zuschauer einige verendete Tierkadaver und diverse menschliche Leichen präsentiert, doch die dazugehörigen taten werden zu keiner Zeit visuell in Szene gesetzt. Nun mag sich das eventuell etwas langweilig anhören, ist es aber ganz und gar nicht. Zuerst einmal präsentiert sich die Story in einem äußerst atmosphärischen Gewand, denn der Schauplatz des unglaublich großen Waldgebietes dient hier fast schon idealerweise für Gänsehaut und unheimliche Momente, die "Jersey Devil zur Genüge beinhaltet. Bousman ist es ganz vortrefflich gelungen, trotz fehlender expliziter Gewaltdarstellungen einen durchgehend konstanten Spannungsbogen zu erzeugen, der das Geschehen jederzeit sehr interessant erscheinen lässt.

Dabei wird man zu Beginn noch hauptsächlich mit Problemen innerhalb Richard's Familie konfrontiert, die auch im weiteren Verlauf immer wieder in den Vordergrund treten und für das Szenario auch nicht unerheblich sind. So ist nicht nur das Verhältnis seiner ältesten Tochter und der Stiefmutter mehr als problematisch, auch unter den Eheleuten sind die ständig auftretenden Spannungen nicht zu übersehen. Hauptsächlich steht der Charakter von Richard im Vordergrund, der von einem sehr spielfreudigen Shawn Ashmore äußerst gut dargestellt wird. Die Figur erscheint geheimnisvoll und in etliche Sequenzen sogar regelrecht unheimlich, was dem Gesamtbild insgesamt sehr gut zu Gesicht steht. Zudem scheint der gute Mann weitaus mehr über die Legende des "Jersey Devil" zu wisse, als er letztendlich zugeben möchte. Aus diesem Aspekt bezieht die Story dann auch den Hauptteil ihrer Stärke, weiß man doch bis kurz vor dem Ende nicht wirklich, wer für die etlichen Tötungen verantwortlich zeichnet. Ist es der anscheinend halluzinierende Richard, oder verbirgt sich ein anderer Täter hinter den abscheulichen Morden? Die dritte Möglichkeit wäre dann noch, das es sich hier keinesfalls um eine Legende handelt, sondern es die sagenhafte Kreatur wirklich gibt, die vor über 400 Jahren als dreizehntes Kind einer Hexe vollkommen deformiert zur Welt gekommen sein soll.

Diese Frage wird am Ende auch beantwortet, doch bis dahin wird der Zuschauer lediglich mit Andeutungen konfrontiert, wobei der Verdacht in eine ganz bestimmte Richtung gelenkt wird. Das sorgt ganz automatisch dafür, das die Konzentration des Betrachters durchgehend aufrecht erhalten wird, und die von den Ereignissen ausgehende Faszination tut ihr Übriges, um hier für etliche Gänsehaut-Momente zu sorgen. Das sich dabei der vorhandene Härtegrad in sehr überschaubaren Grenzen bewegt, hat mich persönlich gar nicht weiter gestört, denn dieser kleine, aber sehr feine Horror-Thriller hat seine Stärken an ganz anderen Stellen. So ist man auch die ganze Zeit über hin-und her gerissen, was die Identität des Mörders angeht, denn trotz der offensichtlichen Fokussierung auf eine bestimmte Person gibt es immer wieder andere Anzeichen, die einen ins Grübeln kommen lassen. An dieser Stelle ist dann auch das wirklich gelungene Schauspiel der Haupt-Charaktere hervorzuheben, die allesamt einen äußerst überzeugenden Eindruck hinterlassen und den Zuschauer lange Zeit darüber im Unklaren lassen, was hier nun Realität oder reine Einbildung ist.

Ganz wichtig ist auch noch der Punkt, das man vorliegende DVD nicht beim Einsetzen des Abspanns schon aus dem heimischen Player holt, da die Geschichte danach noch einige Minuten weitergeht. Gleichzeitig hat Bousman dem Geschehen auch noch einen Cliffhanger beigefügt der durchaus darauf hindeuten könnte, das hier mit einer Fortsetzung zu rechnen ist. Ich selbst fühlte mich bestens unterhalten und kann die eher negativen Kritiken zu diesem Horror-Thriller nicht so ganz nachvollziehen. Sicherlich handelt es sich nicht um eine Story, die etliche Neuerungen beinhaltet, denn ähnlich gelagerte Szenarien hat man schon oft genug gesehen. Dennoch bekommt man ein spannendes-und sehr atmosphärisches Gesamtpaket präsentiert, das auf jeden Fall kurzweilige Genre-Unterhaltung bietet, die man sich jederzeit gut anschauen kann.


Fazit:


"Jersey Devil" ist kein filmisches Meisterwerk, wird jedoch in meinen Augen zu Unrecht unterbewertet. Gute Schauspieler, sehr viel Spannung und eine herrlich dichte Grundstimmung sind vollkommen ausreichend, um an dieser Stelle von einem Genre-Vertreter zu sprechen, der sich über dem normalen Durchschnitt ansiedelt und kurzweilige Unterhaltung bietet.


7/10

Captain America (1990)









Captain America
Captain America)
mit Matt Salinger, Ronny Cox, Ned Beatty, Darren McGavin, Michael Nouri, Scott Paulin, Kim Gillingham, Melinda Dillon, Bill Mumy, Francesca Neri, Carla Cassola, Wayde Preston, Norbert Weisser,
Regie: Albert Pyun
Drehbuch: Joe Simon / Jack Kirby
Kamera: Philip Alan Waters
Musik: Barry Goldberg
FSK 16
USA / 1990

Es ist 1944. Steve Rogers ist verzweifelt,er hat den physichen Test zur Aufnahme in die Army nicht bestanden. Aus Verzweiflung meldet sich Steve freiwillig für das Experiment "Operation Re-Birth". Durch ein Serum werden seine Kräfte verhundertfacht. "CAPTAIN AMERICA" ist geboren! Er springt im Einsatz mit dem Fallschirm ins feindliche Gebiet ab. Sein Auftrag lautet die "tödlichen Raketen" zu zerstören. Doch womit er nicht gerechnet hat, ist sein Widersacher "The Red Skull".


Im Bezug auf die Figur des "Captain America" stellte diese Verfilmung eine absolute Premiere dar, denn bisher kannte ich weder die alten-noch die neue Verfilmung um den patriotischen Superhelden, der seine Abenteuer in einem Anzug bestreitet, der die Nationalfarben der US-Flagge aufweist. Und ehrlich gesagt hätte ich mir doch etwas mehr von diesem Werk erwartet, als es dann letztendlich anbietet. Sicherlich ist es wie immer Geschmackssache und es liegt im Auge des jeweiligen Betrachters, doch die hier erzählte Geschichte beinhaltet doch recht wenige Dinge, die man positiv hervorheben könnte. Das man bei einer Produktion aus dem Jahr 1990 nicht die heutigen Maßstäbe anlegen darf ist dabei vollkommen klar, man sollte also keinerlei tolle Effekte erwarten, doch hier entpuppt sich das Szenario als vollkommen unspektakulär und hinterlässt größtenteils sogar einen recht langweiligen Eindruck beim Zuschauer. Zuerst einmal präsentiert sich eine äußerst langatmige Story in der man viel zu wenig Informationen über die Haupfigur erhält, die dann auch noch von einem recht hölzern agierenden Matt Salinger dargestellt wird. Offenbaren sich ansonsten die Superhelden in etlichen Filmen zumeist als absolute Sympathieträger, so kann man das in vorliegendem Fall nicht unbedingt behaupten.

Es entwickelt sich eigentlich überhaupt kein Bezug zum Haupt-Charakter, was aber auch auf sämtliche anderen Figuren umzumünzen wäre. Das liegt hauptsächlich wohl in der Tatsache begründet, das die Ereignisse seltsam belanglos-und banal vor sich hin plätschern, ohne das sich dabei ein konstanter Spannungsaufbau erkennen lassen würde. Wenn nicht wenigstens ab und zu der kostümierte Protagonist auf der Bühne erscheinen würde, hätte man überhaupt nicht das Gefühl, sich in einem Superhelden-Film zu befinden. Doch selbst diese Auftritte sind ziemlich rar gesät, größtenteils erscheint Steve Rogers als ganz normaler Mensch, dessen Kräfte zudem auch alles andere als super sind. Dies kommt in den selten vorhandenen Action-Passagen äußerst eindrucksvoll zum Vorschein, denn bis auf einen kleinen Kampf am Anfang des Filmes und einem ebenso kleinen Handgemenge am Ende wird einem nicht sonderlich viel geboten. Sein Gegenspieler "Red Skull" ist dabei auch keineswegs das Gelbe vom Ei, doch hinterlässt diese Figur zumindest einen leicht bedrohlichen Eindruck, der jedoch auch viel zu selten zum Vorschein kommt. Die Story hält sich viel zu sehr mit Belanglosigkeiten auf, wobei insbesondere die romantische Ader von Rogers ständig im Mittelpunkt steht. Das zerfasert die von haus aus schon sehr dünne Story-Line nur noch mehr und wertet das Ganze auch nicht unbedingt auf.

Wenn man in der Inhaltsangabe liest, das sich die Kräfte des Mannes durch das Experiment verhundertfacht haben, so ist davon leider herzlich wenig zu sehen. Im Nahkampf mit seinem Gegner scheinbar hoffnungslos unterlegen scheint seine einzige Fähigkeit darin zu bestehen, seinen Schild einige Male zu schleudern, um so einige Gegner außer Gefecht zu setzen. Da man diese Szenen schon durchaus als Höhepunkt bezeichnen kann, mag man sich ziemlich deutlich auszumalen, das diese Produktion nicht gerade mit etlichen Highlights ausgestattet ist. Das ist sogar noch diplomatisch ausgedrückt, denn im Grunde genommen ist "Captain America" für mich persönlich die mit Abstand schwächste Comic-Verfilmung, die ich bisher gesehen habe. Regisseur Albert Pyun hat hier einen Film auf die Beine gestellt der im Prinzip alles das vermissen lässt, was man von einer Superhelden-Verfilmung eigentlich erwartet.

Im Endeffekt muss man diese Produktion nicht wirklich gesehen haben, obwohl sie ja anscheinend für einige Leute eine Art Kultstatus besitzt, der sich mir aber in keiner einzigen Szene offenbaren konnte. Es ist viel eher sehr mühsam, hier durchgehend am Ball zu bleiben und die DVD nicht frühzeitig aus dem Player zu holen. Der einzige Grund warum man es nicht macht ist die Hoffnung auf eine gewisse Steigerung des Unterhaltungswertes, die aber bis zum Ende nicht eintritt. Lediglich Leute mit Schlafstörungen dürften voll auf ihre Kosten kommen, denn wer bei so viel Langeweile nicht wohlig dahin dämmert, dem helfen auch keine Schlaftabletten, die hier in filmischer Form verabreicht werden.


Fazit:


Selbst wenn man mit ziemlich niedrigen Erwartungen an diesen Film herangeht, werden diese am Ende immer noch unterboten. Wunderdinge hatte ich sowieso nicht erwartet, aber doch immerhin eine Geschichte, die zumindest kurzweilig unterhalten kann und einige sehenswerte Kämpfe bietet. Bekommen habe ich ein Szenario, das ich mir auch jederzeit hätte sparen können und das phasenweise sogar für starke Ermüdungserscheinungen sorgt.


2/10

Samstag, 19. Januar 2013

The Raven - Prophet des Teufels









The Raven - Prophet des Teufels
(The Raven)
mit John Chusack, Luke Evans, Alice Eve, Brendan Gleeson, Kevin McNally, Oliver Jackson-Cohen, Jimmy Yull, Sam Hazeldine, Pam Ferris, Brendan Coyle, Adrian Rawlins, Aidan Feore, Dave Legeno
Regie: James McTeigue
Drehbuch: Ben Livingston / Hannah Shakespeare
Kamera: Danny Ruhlmann
Musik: Lucas Vidal
FSK 16
Spanien / USA / Ungarn / 2012

Baltimore, 1849. Eine brutale Mordserie erschüttert die Stadt und rückt einen ihrer bekanntesten Bürger wieder ins Licht der Öffentlichkeit. Edgar Allan Poe (John Cusack), einstmals gefeierter Autor düsterer und verstörender Erzählungen, ist gesellschaftlich in Ungnade gefallen und muss sich als Literaturkritiker durchschlagen. Bis Emmett Field (Luke Evans), Detective bei der Polizei von Baltimore, eine unheimliche Entdeckung macht, die Poe aus der Vergessenheit und in den Fokus seiner Ermittlungen holt: Ein psychopathischer Serienkiller benutzt Poes Werke als Inspiration für seine grausamen Morde, fordert den Schriftsteller und seinen brillanten Verstand zu einem teuflischen Spiel um Leben und Tod heraus. Jetzt muss Poe mit Detective Field zusammenarbeiten und wie seine berühmteste literarische Schöpfung, der analytisch ermittelnde Amateurdetektiv C. Auguste Dupin, Logik und Kombinationsfähigkeit einsetzen. Nur so kann er weitere Morde verhindern und den Killer fassen, dessen nächster Zug Poe an seiner empfindlichsten Stelle, seiner Liebe zur bezaubernden Emily (Alice Eve), trifft...


Mit dieser Verfilmung bietet Regisseur James McTeigue (V wie Vendetta) eine mögliche, aber dennoch fiktive Variante über die letzten Tage im Leben des berühmt-berüchtigten Schriftstellers Edgar Allen Poe und präsentiert dabei einen herrlichen Horror-Thriller. Allein die Kulissen des 19. Jahrhunderts versetzen den Zuschauer dabei in die genau richtige Stimmung für ein größtenteils schön düsteres Szenario, denn die Schauplätze hinterlassen einen äußerst authentischen Eindruck, um einem die damalige Zeit glaubhaft näher zu bringen. Von einer dichten Atmosphäre begleitet eröffnet sich ein Szenario das zwar in weiten Teilen sehr dialoglastig erscheint und seine Stärken nicht unbedingt in expliziten Gewaltdarstellungen sucht, dafür aber fast durchgehend für das nahezu perfekte Gänsehaut-Feeling beim Betrachter sorgt. Dennoch sind auch einige Passagen enthalten in denen man ein wenig Kunstblut serviert bekommt, wobei sich jedoch der vorhandene Härtegrad immer in einem überschaubaren Rahmen bewegt.

Nun bietet die Story zwar keine weltbewegenden Neuerungen, denn irgendwie hat man eine wie hier dargestellte Serienkiller-Story schon unzählige Male gesehen, aber dennoch entwickelt sich mit zunehmender Laufzeit eine konstant ansteigende Spannungskurve, die aber leider nicht auf einen absoluten Höhepunkt zusteuert. Zwar wird die Identität des Mörders bis kurz vor dem Ende weitesgehend im Dunkeln gehalten, aber ein echter Überraschungsmoment entsteht durch dessen Entlarvung eher nicht. So könnte man die vorliegende Geschichte dann auch durchaus als solide aber keinesfalls überdurchschnittlich abstempeln, wenn da nicht die sehr gelungene Darstellung eines John Chusack wäre. Der gute Mann liefert in der Rolle von Poe eine richtig starke Leistung ab und lässt sämtliche anderen Akteure vielmehr ein Schattendasein fristen. Zu omnipräsent erscheint die Figur des Schriftstellers, als das sich irgendein anderer Charakter wirklich entfalten könnte. So bleiben dann die anderen Figuren auch eher ein wenig blass, wobei das dargebotene Schauspiel aber immer noch recht ansehnlich ist. Manch einem mag das eventuell nicht gänzlich genügen, aber man kann sich wirklich an einem äußerst spielfreudigem Hauptdarsteller erfreuen, der einmal mehr eine gelungene Kostprobe seines Könnens abliefert.

Auch wenn "The Raven - Prophet des Teufels" ganz sicher kein Überflieger ist, weiß das Werk doch größtenteils einen überzeugenden Eindruck zu hinterlassen. Für Freunde des atmosphärischen Horror-Thrillers ist der Film jederzeit sehenswert, auch wenn sich das Geschehen nicht unbedingt als innovativ präsentiert. Dafür eröffnet sich ein insbesondere in visueller Hinsicht tolles Filmerlebnis, das durch seine teils kühle Optik an Filme wie "Sleepy Hollow" oder auch "From Hell" erinnert. Eine flüssige Erzählweise der Abläufe verhindert etwaige Längen und ein stark auftrumpfender John Chusack interpretiert durch erstklassige Mimik und Gestik absolut grandios die Person des Edgar Allen Poe. Es ist eine absolute Augenweide dem Mann bei seinem Schauspiel zuzusehen, das in keiner einzelnen Passage Schwächen erkennen lässt und so schon für sich allein genommen eine Sichtung des Werkes rechtfertigt.

Insgesamt gesehen hat McTeigue hier einen Film auf den Weg gebracht, den man ohne Übertreibung als gelungenen Genre-Beitrag ansehen kann. Auch ohne größere Überraschungsmomente und eine eher etwas unspektakuläre Umsetzung sind die Abläufe jederzeit interessant und lassen die Zeit wie im Flug vergehen. Und so würde ich "The Raven - Prophet des Teufels" letztendlich als einen Film einstufen, der sich etwas über dem normalen Durchschnitt ansiedelt und den man ohne Weiteres für eine Sichtung empfehlen kann.


Fazit:


Sicherlich kein Meisterwerk aber ein grundsolider Mix aus Horror-und Thriller, so präsentiert sich dieses Werk, das in erster Linie durch seine visuelle Stärke und eine herrlich dichte Grundstimmung ins Auge fällt. Mangelnde Innovation wird durch tolles Schauspiel des Hauptdarstellers ausgeglichen, so das es sich hier keinesfalls um verschwendete Lebenszeit handelt, das Anschauen lohn sich allemal.


6,5/10

Donnerstag, 17. Januar 2013

The Texas Chainsaw Massacre









Blutgericht in Texas
(The Texas Chainsaw Massacre)
mit Marilyn Burns, Allen Danziger, Paul A. Partain, William Vail, Teri McMinn, Edwin Neal, Jim Siedow, Gunnar Hansen, John Dugan, Robert Courtin, William Creamer, John Henry Faulk
Regie: Tobe Hooper
Drehbuch: Kim Henkel / Tobe Hooper
Kamera: Daniel Pearl
Musik: Wayne Bell / Tobe Hooper
Keine Jugendfreigabe
USA / 1974

Es beginnt wie ein idyllischer Sommerausflug. Die fünf gutgelaunten jungen Menschen in ihrem Auto ahnen noch nicht, daß dieser freundliche schöne Tag zum entsetzlichsten, schrecklichsten und letzten ihres Lebens wird. Als ihnen in einer einsamen Gegend das Benzin ausgeht - ganz in der Nähe eines alten Schlachthofes - nimmt ihr grauenvolles Schicksal seinen Lauf...


Es ist wohl keineswegs übertrieben zu behaupten, das selbst die kühnsten Optimisten, geschweige denn Tobe Hooper selbst jemals damit gerechnet hätten, das "The Texas Chainsaw Massacre" einmal als wegweisender Meilenstein eines ganzen Genres gelten würde. Die mit einem geschätzten Budget von gerade einmal 80.000 $ ausgestattete Low Budget Produktion hat jedoch nicht nur das Horror-Genre, sondern eine ganze Generation und unzählige Regisseure nachhaltig beeinflusst, wurde mit diesem Film doch die Mutter aller Terrorfilme geschaffen. Dabei sind es gar nicht explizite Gewaltdarstellungen, die diesem Werk zu seinem berühmt-berüchtigten Ruf verholfen haben, vielmehr ist es die wohl ziemlich einmalige Zensur-Geschichte in Deutschland, die erst jetzt endlich ein Ende gefunden hat. Ganz egal, wie oft man sich den Film auch anschaut, man kann wohl nie wirklich nachvollziehen, warum erst nach einigen Jahrzehnten endlich die Möglichkeit besteht, sich dieses Meisterwerk endlich ganz offiziell in einer ungeschnittenen deutschen Veröffentlichung anschauen zu dürfen. Dank dem Label Turbine kam es nun zu einer Veröffentlichung, die man nur als absolut brillant und dem Film würdig bezeichnen kann. Hier bleiben keinerlei Wünsche offen, das Package bietet haufenweise Extras, zudem liegt auch noch ein Booklet bei, das sich gänzlich mit der deutschen Zensur-Geschichte des Filmes befasst.

Diesen absoluten Kultfilm vollkommen synchronisiert und restauriert anzuschauen ist ein wahres Erlebnis, wobei die exzellente Bildqualität von einigen Leuten eventuell sogar als minimales Negativum angesehen werden könnte. Denn wenn man die Sache ganz genau nimmt, verliert die Geschichte durch das neu aufbearbeitete Bild ein klein wenig von ihrer extrem siffigen-und dreckigen Atmosphäre, die schon immer als größte Stärke anzusehen war. Wenn überhaupt, dann handelt es sich hierbei jedoch nur um einen wirklich kleinen Kritikpunkt auf extrem hohem Niveau. Trotz der mittlerweile fast 4 Jahrzehnte die "TCM" nunmehr auf dem Buckel hat, ist es immer wieder ein sensationelles Erlebnis, sich diesen Kult-Klassiker anzuschauen. Zwar beinhaltet der Story-Plot im Prinzip überhaupt keine derben Passagen, dennoch hinterlässt das Geschehen immer wieder eine fast schockierende Wirkung beim Zuschauer, die sich insbesondere durch die hoffnungslose Lage der Teenager zu erkennen gibt. Man kann sich ganz einfach erstklassig in die jeweiligen Situationen hineinversetzen und das absolut erstklassige Schauspiel von Hauptdarstellerin Marilyn Burns ist größtenteils dafür verantwortlich, das ein hohes Maß an Autenzithät-und Glaubwürdigkeit entsteht. Die Rolle der Sally scheint ihr wie auf den Leib geschneidert und die Darstellung von Panik und grenzenloser Angst könnte kaum glaubwürdiger dargestellt werden.

Meiner Meinung nach wird dies insbesondere in der Schluss-Szene des Filmes am besten ausgedrückt, denn wer einmal das vollkommen wirre-und dem Wahnsinn nahe Lachen der jungen Frau gehört hat nachdem sie Leatherface entkommen ist, der wird diese Passage sein Leben lang nicht mehr vergessen. In dieser einzelnen Einstellung offenbart sich der gesamte Horror-und Wahnsinn, der sich zuvor in gut 80 Minuten Laufzeit aufgebaut hat. Und hier liegt neben der herausragenden Atmosphäre auch die absolute Stärke dieses Meisterwerkes, denn ohne das Einfügen expliziter Gewaltdarstellungen schafft es die Geschichte fast spielend, allein vom psychischen Aspekt her eine immens hohe Intensität zu erzeugen, die auch am Zuschauer nicht spurlos vorübergeht. Gerade viele aus der jüngeren Generation bezeichnen den Film ja viel eher als langweilig-und uninteressant, jedoch sollte man bei solchen Aussagen wirklich nicht vergessen, wie wichtig "TCM" für das gesamte Horror-Genre war-und ist. Zudem wird von der psychischen Seite her Terror-Kino der allerbesten Güte geboten, man muss selbstverständlich auch die Fähigkeit besitzen, sich in die Lage der Protagonisten zu versetzen.

Die Filme der heutigen Zeit sind ohne Frage weitaus brutaler gestaltet, beinhalten sie doch jede Menge brutaler Passagen, in denen auch jede Menge Blut fließt.Dieser Aspekt trifft ganz bestimmt den Geschmack des jüngeren Publikums, das einen Horrorfilm zumeist nach seinem visuellen Härtegrad beurteilt. Wenn man allerdings nicht ausschließlich auf manchmal schon stumpfsinnige Schlachte-Platten steht, dann kann man ganz einfach nicht an diesem Glanzstück des Terrorfilms vorbei, das seinen Kultstatus so sehr verdient hat wie es nur bei verhältnismäßig wenigen Filmen der Fall ist.


Fazit:


Ich hätte es kaum noch für möglich gehalten, das man diesen ehrwürdigen Klassiker auch bei uns in Deutschland ganz offiziell und ungeschnitten begutachten darf. Das Turbine dann auch noch eine so brillante-und würdige Veröffentlichung spendiert, kann man gar nicht genügend hervorheben. Hier wurde wirklich in allen belangen so liebevolle Arbeit geleistet, das man vor diesem Label nur ehrfurchtsvoll seinen Hut ziehen kann.


10/10

Montag, 14. Januar 2013

Dinner for One - Eine mörderische Party









Dinner for One - Eine mörderische Party
(The Perfect Host)
mit David Hyde Pierce, Clayne Crawford, Tyrees Allen, Cooper Barnes, Meghan Perry, Annie Campbell, Helen Reddy, Indira G. Wilson, George Cheung, Brooke Anderson, Amanda Payton, Joseph Will
Regie: Nick Tomnay
Drehbuch: Nick Tomnay / Krishna Jones
Kamera: John Brawley
Musik: John Swihart
FSK 16
USA / 2010

John Taylor hatte alles bis ins Detail geplant: Der Banküberfall sollte ohne Komplikationen ablaufen. Dennoch kam alles anders. Verletzt und von der Polizei gesucht befindet er sich auf der Flucht. Auf der Suche nach einem Ort zum Untertauchen verschafft sich John unter falschem Vorwand Zutritt ins Haus des unscheinbaren Warwick Wilsons. Dieser bereitet sich seinerseits gerade auf eine Dinner Party vor, die er an diesem Abend geben möchte. Als John beschließt Warwick als Geisel zu nehmen, kommt abermals alles anders als geplant. Warwick ist nämlich nicht dazu bereit, seine Dinner Party ausfallen zu lassen und John soll sein ganz "spezieller" Gast sein.


Der große Erfolg seines Kurzfilms "The Host" hat Regisseur Nick Tomnay dazu bewogen, eine abendfüllende Spielfilm-Version der Thematik zu kreieren, wofür ihm der Zuschauer durchaus dankbar sein darf. Offenbart sich hier doch eine herrliche Mixtur aus Thriller-und einer rabenschwarzen Komödie, die von der ersten bis zur letzten Einstellung extrem kurzweilige Unterhaltung bietet und einem dabei ein Szenario präsentiert, das man als absolut sehenswert bezeichnen kann. Dabei sind es in erster Linie die beiden erstklassig agierenden Haupt-Darsteller und die schwarz humorige Note der Geschichte die den Betrachter phasenweise in echte Verzückung versetzen, denn die Abläufe gestalten sich so wunderbar erfrischend, das es ganz einfach eine Wonne ist, dem größtenteils skurrilen Treiben beizuwohnen. Dabei beginnt alles wie in einem üblichen Thriller, nach einem misslungenem Banküberfall versucht der Täter John Taylor einen Unterschlupf zu finden, um sich dem Zugriff der Polizei zu entziehen und landet dabei beim auf den ersten Blick unscheinbaren Warwick Wilson. Zu dieser Zeit kann man kaum ahnen, das John damit geradewegs vom regen in die Traufe kommt und sich vollkommen unwissend in die Hände eines scheinbar psychopathischen Mannes begibt, der im in der Folgezeit die Hölle auf Erden bereitet.

Weiter sollte man auf den Inhalt nicht eingehen, da man anderen ansonsten die Vorfreude auf diesen außergewöhnlich guten Film nehmen würde. Es entwickelt sich nämlich ein perfides Katz-und Mausspiel zwischen den beiden Männern, das sich wohlwollend von anderen Szenarien abhebt. Zudem eröffnet das Geschehen auch etliche Wendungen-und Richtungsänderungen die man schwerlich vorsehen kann, so das bis wirklich zur letzten Minute ein konstanter Spannungsbogen vorherrscht, der auch keinerlei Einbrüche erkennen lässt. Für mich persönlich ist jedoch der vorhandene Humor die absolute Stärke dieses Filmes und wenn man es nicht besser wüsste, dann würde man auf jeden Fall von einer britischen Produktion ausgehen. Gespickt mit bissigem Wortwitz und nahezu brillanter Situationskomik macht sich nämlich diese rabenschwarze Note breit, die man ansonsten viel eher von den Briten gewohnt ist. Dabei treten immer wieder die skurrilsten Passagen in den Vordergrund, die einem so manchen Schmunzler abringen.

Das würde aber ohne die erstklassigen Darstellungen der Schauspieler gar nicht funktionieren und an dieser Stelle muss man ganz einfach David Hyde Pierce besonders hervorheben. Seine Performance des vollkommen durchgeknallten Psychopathen ist dermaßen brillant, das man streckenweise gar nicht mehr aus dem Lachen herauskommt. Seine Spielfreude sowie auch Mimik und Gestik sorgen für einen wahren Augenschmaus und lassen für sich allein schon eine Sichtung dieses Werkes lohnenswert erscheinen. Selbst ein gut aufspielender Clayne Crawford verblasst hier und fristet nicht mehr als ein Schattendasein, das durch die Omnipräsenz seines Gegenspielers entsteht. Was sich zwischen den beiden ungleichen Männern abspielt ist schon eine Augenweide und die insbesondere im letzten Filmdrittel zum Vorschein kommenden Wendungen innerhalb der Story setzen dem Ganzen dann noch die Krone auf. Es präsentiert sich so mancher Überraschungs-Effekt mit dem man nun wirklich nicht rechnen konnte und das wertet das gewonnene Gesamtbild noch einmal zusätzlich auf.

Und so kann man letztendlich nur von einem gänzlich überzeugendem Film sprechen, dessen größte Stärken ganz eindeutig im Schauspiel der Akteure und im erstklassigen Humor zu suchen sind. Nick Tomnay hat alles richtig gemacht und einen herzerfrischenden Genre-Mix auf die Beine gestellt, der auch durchaus höheren Ansprüchen genügen dürfte. Bissiger schwarzer Humor und fast schon groteske Situationskomik lassen die Zeit wie im Flug vergehen und sorgen für gut 90 Minuten erstklassige Unterhaltung, die man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.


Fazit:


"Dinner for One - Eine mörderische Party" ist ein echter Geheim-Tipp, den man sich auch gern mehrmals anschauen kann. Sei es auch nur, um sich immer wieder an der herausragenden Performance eines David Hyde Pierce zu erfreuen, der dem Szenario ganz unweigerlich seinen ganz persönlichen Stempel aufdrückt.


8/10

Sonntag, 13. Januar 2013

Alien Shock









Alien Shock
(Without Warning)
mit Jack Palance, Martin Landau, Tarah Nutter, Christopher S. Nelson, Cameron Mitchell, Neville Brand, Sue Ane Langdon, Ralph Meeker, Larry Storch, Lynn Theel, David Caruso, Kevin Peter Hall
Regie: Greydon Clark
Drehbuch: Lyn Freeman / Daniel Grudnik
Kamera: Dean Cundey
Musik: Dan Wyman
juristisch geprüft
USA / 1980

Ein abgelegener Landstrich in den USA: In der Nähe eines kleinen Waldsees verschwinden einige Menschen. Trotz eindringlicher Warnung wollen vier Jugendliche in dieser Gegend kampieren. Als zwei von Ihnen verschwinden, machen sich die beiden anderen auf die Suche. Sie finden Ihre Freunde grausam zugerichtet vor. Auf Ihrer Flucht werden die beiden von kleinen vampirartigen Wesen angegriffen. Doch die blutgierigen Bestien sind nur Vorboten von mächtigen Aliens. Joe Taylor, ein Vietnamveteran, stellt sich der ausserirdischen Bedrohung.


Einmal mehr bekommt man es hier mit einem wunderbaren Relikt der goldenen 80er Jahre zu tun, das man allerdings nicht zu ersnt nehmen sollte. Anstelle eines wirklich ernsten SCI/FI-Horror Beitrags präsentiert einem Regisseur Greydon Clark nämlich eine äußerst unterhaltsame Trash-Variante, wobei man jedoch nicht so genau weiß, ob die vorhandene Komik gewollt oder vielmehr unfreiwillig entstanden ist. Im Prinzip ist das aber auch vollkommen egal, denn bei diesem Szenario zählt einzig und allein der vorhandene Unterhaltungswert und dieser siedelt sich auf jeden Fall ziemlich hoch an. Schon die herrlich trashigen Effekte sind allemal lohnenswert, denn die kleinen fliegenden Teufelchen sind wenigstens noch handgemacht und bieten dabei einen Anblick, der einem oft genug ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Es ist insbesondere der naive Charme des gesamten Szenarios, der dieses Filmchen so liebenswert erscheinen lässt und einen schon fast mit nostalgischen Anflügen konfrontiert. Von der Geschichte an sich sollte man nicht zuviel erwarten, handelt es sich doch um eine handelsübliche Rahmenhandlung, die keinerlei inhaltliche Tiefe erkennen lässt.

Auch ausführliche Beleuchtungen der einzelnen Charaktere sucht man vergebens, zudem kann man im Prinzip zu keiner einzigen Figur eine wirkliche Beziehung aufbauen. Das ist aber auch gar nicht nötig, erfreut man sich doch stattdessen an den herrlich überzogenen Schauspielleistungen der meisten Akteure, von denen ein brillant auftrumpfender Martin Landau sich absolut in den Vordergrund spielt. Seine Performance ist Overacting vom Feinsten und er interpretiert den ehemaligen Berufssoldaten mit einer theatralischen Inbrunst, das es eine wahre Pracht ist. Hier handelt es sich auf jeden Fall um ein absolutes Highlight dieser Trash-Granate, die für Freunde dieser Filmart ein echtes Fest sein dürfte. Dabei offenbart das Geschehen auch durchaus bedrohliche Ansätze, die aber keinesfalls von den fliegenden Teufeln ausgeht, da diese possierlichen Dinger hauptsächlich auf die Lachmuskeln des Zuschauers abzielen.

Es ist vielmehr die absolut gelungene Grundstimmung des Filmes, die für einige bedrohliche Momente sorgt. Trotz der skurrilen Ereignisse entpuppt sich nämlich eine Atmosphäre, die auch jedem anderen Horrorfilm zur Ehre gereicht hätte. Unterstützt wird das Ganze durch den Aspekt, das sich der Großteil des Geschehens in der Nacht abspielt. Dennoch bleibt der Hauptbestandteil des Filmes der unfreiwillig komischen Note vorbehalten, die sich durch verschiedene Komponenten zu erkennen gibt. Da wären beispielsweise die manchmal schon strunzdummen Verhaltensweisen der Protagonisten oder aber auch die größtenteils sinnbefreiten Dialoge die hier zum Besten gegeben werden. Den Höhepunkt stellt dann jedoch das schweigsame Alien dar, das man erst wenige Minuten vor dem Ende das erste mal im Bild sehen kann. Visuell extrem naiv dargestellt, ist auch seine Eliminierung derart hanebüchen in Szene gesetzt worden, das man einige Lachtränen nur schwerlich unterdrücken kann. Manch einer wird das höchstwahrscheinlich vollkommen anders betrachten und "Alien Shock" eventuell als filmischen Müll abstempeln, wer jedoch ein Faible für absolut gelungenen Horror-Trash hat, wird hier bestens bedient.

Ob bewusst oder nicht, mit diesem Filmchen hat Greydon Clark eine kleine Perle der trashigen Unterhaltung auf dehn Weg gebracht, die auch nach nunmehr über drei Jahrzehnten rein gar nichts von ihrem Charme eingebüßt hat. Härten oder viel Blut sollte man allerdings nicht erwarten und die hohe Alterseinstufung erscheint einem wie ein schlechter Scherz, dafür bekommt man aber einen ordentlichen Angriff auf die Lachmuskeln serviert, den man nicht so schnell vergisst.


Fazit:


Eine tolle Atmosphäre, wunderbares Overacting der Darsteller und handgemachte Effekte verleihen dieser Produktion eine herrlich naive Note und machen sie dadurch nur umso sympathischer. Echten Horror sollte man zwar nicht unbedingt erwarten, dafür vergeht die Zeit aber dennoch wie im Flug und ehe man sich versehen hat, sind gut 90 Minuten voller Komik an einem vorbeigezogen.


8/10 Trash-Granaten

Freitag, 11. Januar 2013

Thale - Ein dunkles Geheimnis









Thale - Ein dunkles Geheimnis
(Thale)
mit Silje Reinamo, Erlend Nervold, Jon Sigve Skard, Morten Andresen, Roland Astrand
Regie: Aleksander Nordaas
Drehbuch: Aleksander Nordaas
Kamera: Aleksander Nordaas
Musik: Raymond Enoksen / Geimund Simonsen
FSK 16
Norwegen / 2012

Die Tatortreiniger Leo und Elvis werden zu einer abgelegenen Waldhütte geschickt, wo sie sich um die Leiche des verstorbenen Besitzers kümmern sollen. Zufällig entdecken sie einen verborgenen Keller, vollgestopft mit seltsamen Skizzen und mysteriösen Tonbandaufnahmen. Das Stöbern findet ein abruptes Ende, als sie plötzlich von einer jungen Frau angegriffen werden, die sich hier versteckt hielt! Schnell finden die beiden heraus, dass die stumme Frau namens Thale für Jahrzehnte in diesem Keller vor der Außenwelt abgeschottet wurde! Nach und nach wird ihnen auch der Grund dafür klar. Doch jetzt steht die Kellertür weit offen, und es dauert nicht lang, bis ungebetene Gäste vor der Hütte auftauchen ...


Immer wieder kommen aus Skandinavien Filme zu uns, die zumeist gewöhnungsbedürftige Genre-Mixes darstellen und auch "Thale" macht hier keine Ausnahme. Dem Zuschauer präsentiert sich ein durchgehend mysteriöses Geschehen, das sich aus Thriller, Fantasy-und Mystery Elementen zusammensetzt und zum Ende hin auch noch dezente Horror-Anleihen erkennen lässt. Aleksander Nordaas hat bei seinem zweiten Film nicht nur die Regie geführt, gleichzeitig zeichnet er auch für Drehbuch und Kamera-Arbeit verantwortlich. Eventuell mag es an dieser Mehrfach-Belastung liegen, das sich der Film teilweise recht unentschlossen zeigt, denn die wirklich sehr guten Ansätze der Geschichte werden leider nicht konsequent ausgearbeitet. Vielmehr gestaltet sich das Szenario fast schon in der Form eines Kammerspiels, in dem zwar eine sehr gelungene Grundstimmung vorherrscht, das jedoch dafür mit einem eher durchwachsenen Spannungsaufbau daherkommt. Einzig und allein die Frage nach der Herkunft der jungen Thale sorgt dafür, das man durchgehend am Ball bleibt und das sehr ereignislose Szenario interessiert weiter verfolgt.

Es passiert nämlich nicht wirklich viel, gerade einmal die letzten Minuten sorgen für ein wenig Action, ansonsten gestaltet sich die Erzählweise sehr ruhig-und bedächtig. Das ist normalerweise auch keinesfalls negativ zu bewerten, aber in vorliegendem Fall geben sich diverse Längen zu erkennen, was bei einer Laufzeit von knapp über 70 Minuten eigentlich nicht vorkommen sollte. In Bruchstücken und durch diverse Flashbacks wird einem das mystische Rätsel um Thale etwas näher gebracht und die endgültige Lösung präsentiert sich erst wenige Minuten vor dem eher unspektakulären Ende. Man wird dabei mit einer weiteren nordischen Legende konfrontiert, die sich aber alles andere als spannend entpuppt, so das die Story im Prinzip keinerlei Überraschungsmomente parat hält, die das gewonnene Gesamtbild besonders aufwerten könnten. Der Höhepunkt des Ganzen sind eigentlich die beiden Hauptfiguren Leo und Elvis, denn hier handelt es sich ganz eindeutig um 2 Sympathieträger, die auch teilweise für einen ordentlichen Schuss Humor sorgen, der die Ereignisse dann doch ein wenig bereichert. Ansonsten ist es aber eher der normale Durchschnitt, wobei man sicherlich eine Menge mehr hätte herausholen können.

Eventuell wäre es sinnvoll gewesen, den Horror-Anteil des Geschehens ein wenig stärker hervorzuheben, denn die spärlich vorhandenen Elemente sind nicht mehr als extrem dezente Andeutungen. Stattdessen wird man aber mit manchmal endlos erscheinenden Flashbacks zugeschüttet, die sich zudem fast immer stark ähneln. Und so bleibt es leider nicht aus, das trotz einer sehr kurzen Laufzeit in manchen Passagen Langeweile auftritt, was nicht unbedingt als Qualitäts-Merkmal anzusehen ist. Dennoch ist "Thale - Ein dunkles Geheimnis" wahrlich kein schlechter Film und es wird bestimmt genügend Leute geben, die dieses Werk sogar richtig gut finden. Mir persönlich hat jedoch der echte Kick gefehlt, denn trotz der durchaus gelungenen Atmosphäre und den mystischen Anleihen will zu keiner Zeit ein wirklicher Funke überspringen und die Faszination der Geschichte bewegt sich doch in einem äußerst überschaubaren Rahmen.

Im Endeffekt wurde hier wieder einmal eine Menge an Potential verschenkt, den die Mixtur aus Mystik, Fantasy-und ein wenig Horror hätte etwas ganz Besonderes werden können. Vielleicht hat man auch etwas zu viel gewollt, was dem ganzen insgesamt gesehen aber eher geschadet hat. Zu unentschlossen und unausgegoren präsentieren sich die Geschehnisse, die zudem auch leider an fehlendem Aktionismus leiden. Trotzdem dürften viele Leute ihre Freude an dieser norwegischen Produktion haben, denn wer Filme wie "Troll Hunter" oder auch "Rare Exports" zu schätzen weiß, dürfte auch hier auf seine Kosten kommen.


Fazit:


Aleksander Nordaas hat mit "Thale" einen eher durchschnittlichen Mix auf den Weg gebracht, den man schwerlich einem bestimmten Genre zuordnen kann. Leider hat er es aber versäumt seiner Story die nötige Substanz zu verleihen, um für höhere Ansprüche zu genügen. Teilweise durchaus unterhaltsam und mit witzigem Humor versehen, entstehen aber auch immer wieder kleine Längen, die das Seh-Vergnügen deutlich beeinträchtigen.


6/10

Mittwoch, 9. Januar 2013

The Darkest Day - Story of a Tragedy










Amok - Columbine School Massacre
(April Showers)
mit Anna Adams, Dominic Arellano, Mark Arnold, Tom Arnold, Tyrone Beasley, Kelly Blatz, Brigette Chizek, Ben Chrystak, Paul R. Coate, Suzanne Deyo, Sean Durrie, Jenna Edwards, Lisa Hinz, Duncan Joyner
Regie: Andrew Robinson
Drehbuch: Andrew Robinson
Kamera: Yoshi Carroll / Miguel Cedillo / Aaron Platt
Musik: Dominik Rausch
FSK 16
USA / 2009

Es ist ein wahrgewordener Albtraum: ein Amoklauf an einer Schule! An einem ganz normalen Schultag verwandelt sich die Jefferson High in einen Ort des Schreckens, als plötzlich Schüsse durch die Korridore hallen. Schüler und Lehrer flüchten um ihr Leben. Doch für viele gibt es kein Entkommen und sie verlieren im Kugelhagel ihr Leben. Auch die anrückende Polizei kann nicht verhindern, dass am Ende des Tages nur Leid und Trauer zurückbleiben...


Filme, die sich der Thematik eines Amoklaufes an einer Schule bedienen haben immer ihren ganz besonderen Reiz, handelt es sich doch immer um ein Schreckens-Szenario, das auch in der Realität leider nur zu oft grausame Realität wird. Anders als beispielsweise im estnischen Film "Klass" wird dem Zuschauer hier nicht die Chronologie der Ereignisse gezeigt die zu dem Amoklauf führen, vielmehr beschäftigt sich das Werk von Regisseur Andrew Robinson mit Auswirkungen, unter denen die Überlebenden leiden müssen. So wird man dann auch gleich zu Beginn mit dem Amoklauf konfrontiert, wobei man keinesfalls auf explizite Gewaltdarstellungen hoffen sollte. Die hat der Film aber auch überhaupt nicht nötig, entfaltet das Szenario doch aus der Thematik an sich eine ungeheure Intensität, die sich ganz zwangsläufig auf einen selbst überträgt. Dabei ist es nahezu unmöglich, sich der grausamen Wirkung der Ereignisse zu entziehen, die sich wie eine zentnerschwere Last auf die eigenen Schultern legt. Denn obwohl es sich hier "nur" um einen Film handelt taucht man tief in das Geschehen ein und leidet förmlich mit den Protagonisten mit. Der entstehende Schockzustand ist förmlich zu spüren und man empfindet die ganze Zeit über ein extremes Gefühl der Beklemmung, das man unmöglich abstreifen kann.

Dies ist insbesondere der Erzählweise der Geschichte zu verdanken, die bis auf den rasanten Beginn eher ruhig daherkommt. Gerade darin liegt aber die große Stärke, offenbaren sich doch vor allem in den stillen Phasen des Szenarios äußerst emotionale Momente, in denen man ganz nahe bei den Überlebenden ist, die das tragische Ereignis auf die verschiedendsten Arten verarbeiten. An dieser Stelle ist das grandiose Schauspiel der Protagonisten zu erwähnen, die durch die Bank sehr glaubwürdige Performances an den Tag legen. Insbesondere Hauptdarsteller Kelly Blatz in der Rolle des Sean weiß hier sehr zu gefallen, seine Mimik und Gestik drücken doch den ganzen Schmerz aus, den die Ereignisse hinterlassen haben. Die Ohnmacht und die Fassungslosigkeit über das Geschehene kommen so stark zum Ausdruck, das die Geschichte in großen Teilen vielmehr wie ein schrecklicher Tatsachenbericht als wie ein Spielfilm erscheint. Es entsteht eine als grausam zu bezeichnende Faszination, die man fast unmöglich in Worte fassen kann, da sie einen schier sprachlos macht. Dazu zählt auch das die eigentlichen Beweggründe des Täters eher recht schwammig im Hintergrund gehalten werden, denn so ist der Amoklauf noch unverständlicher und hinterlässt einen extrem bitteren Beigeschmack. Die Ungläubigkeit über die Ereignisse vertieft sich mit der Zeit immer mehr und man selbst wird immer mehr zu einem Teil des Szenarios, das die unterschiedlichsten Emotionen in einem wachruft.

Betroffenheit, Unverständnis und eiskalte Wut steigen in einem auf und man fragt sich immer wieder was einen jungen Menschen zu einer Tat bewegen kann, die etliche Menschen in ein totales Unglück stürzt, aus dem es anscheinend kein Entrinnen gibt. Die Frage nach dem "Warum" hängt auch die gesamte Zeit über wie ein Damokles-Schwert über den Ereignissen, gibt es doch ganz einfach keine logischen Erklärungen für das Geschehene. Man kann einfach noch nicht einmal in Ansätzen eine gewisse Art von Verständnis für den Amokläufer aufbringen, dessen Beweggründe nicht weiter erläutert werden. Lediglich ein kurz eingespieltes Video lässt erkennen, das ein genereller Hass auf alle Menschen und die gesamte Welt dafür verantwortlich zeichnen, das der Täter einen bleibenden Eindruck hinterlassen wollte. Kam im 2007 erschienenen "Klass" noch so etwas wie menschliches Verständnis auf, so ist in vorliegendem Fall überhaupt nichts davon vorhanden, was dem Ganzen eine noch härtere Note verleiht. Ganz generell gibt es selbstverständlich gar keine Rechtfertigung für einen Amoklauf, doch wurden die Täter im estnischen Genre-Vertreter so lange gedemütigt bis sie sich nicht mehr anders zu helfen wussten, so fehlt hier doch jegliche Rechtfertigung, die das Ganze auch nur annähernd rechtfertigen könnte. Durch diesen Aspekt hämmert sich die Geschichte noch tiefer in das Gehirn des Betrachters und verstärkt das Unverständnis für die Motive um ein Vielfaches.

"Klass" und "April Showers" behandeln zwar die gleiche Thematik, legen ihr Hauptaugenmerk jedoch auf 2 vollkommen verschiedene Sichtweisen. Beide Filme sind auf ihre Art und Weise sehr eindringlich und konfrontieren einen mit Schmerz, Trauer und einer absolut schockierenden Wirkung. Während einmal eingehend die Ereignisse beleuchtet werden die zu einer schrecklichen Tat geführt haben, sind es in vorliegendem Fall die Nachwirkungen für die Überlebenden, die im zentralen Mittelpunkt stehen. Ausgezeichnetes Schauspiel und extrem emotionale Momente sorgen hier für ein Filmerlebnis, das man nicht so schnell verdauen kann. Zu realitätsnah werden die Ereignisse dargestellt, als das man nach der Sichtung des Werkes schnell zur normalen Tagesordnung übergehen könnte. Der Eindruck dieses Filmes hallt noch lange im Gedächtnis nach und hinterlässt einen fast ohnmächtigen Zustand beim Betrachter, aus dem man sich erst nach und nach befreien kann.


Fazit:


"The Darkest Day" behandelt ein Thema, das leider immer wieder zur grausamen Aktualität wird. Man kann einfach nicht begreifen, aus welchen Gründen auch immer ein junger Mensch sein eigenes Leben und das vieler anderer sinnlos wegwirft und dabei den Hinterbliebenen so viel Schmerz zufügt. Die Ohnmacht der Betroffenen wird hier erstklassig eingefangen und man kann den entstandenen Schockzustand förmlich spüren. Wie paralysiert verfolgt man die Ereignisse eines Filmes, der trotz seiner eher ruhigen Erzähl-Struktur wuchtig und kraftvoll daherkommt und letztendlich ein einziger Tiefschlag in die menschliche Seele ist.


8,5/10

Dienstag, 8. Januar 2013

Demolition Man









Demolition Man
(Demolition Man)
mit Sylvester Stallone, Wesley Snipes, Sandra Bullock, Nigel Hawthorne, Benjamin Bratt, Bob Gunton, Glenn Shadix, Denis Leary, Grand L. Bush, Pat Skipper, Steve Kahan, Paul Bollen
Regie: Marco Brambilla
Drehbuch: Peter M. Lenkov / Robert Reneau
Kamera: Alex Thomson
Musik: Elliot Goldenthal
FSK 16
USA / 1993

Nach einem letzten Duell werden der Cop John Spartan und sein Widersacher Simon Phoenix 1996 eingefroren. 36 Jahre später gelingt Phoenix die Flucht in eine mittlerweile befriedete Welt, in der es weder Gewalt noch Sex gibt. Nur eine Gruppe von Anarchisten sind ein Dorn im Auge von Präsident Cocteau: Phoenix soll sich dieses Problems annehmen. Beide haben nicht mit dem "Demolition Man" John Spartan gerechnet, der - einmal aufgetaut - nicht zu bremsen ist.


Wenn man sich auf die Suche nach einer fast perfekten Mischung aus Action-und Komödie begibt, dürfte man spätestens bei vorliegendem Film fündig werden, denn das Werk von Marco Brambilla dürfte in dieser Beziehung ganz oben angesiedelt sein. Trotz mittlerweise gut zwei Jahrzehnten auf dem Buckel bietet "Demolition Man" immer noch allerbeste Unterhaltung, die rein gar nichts von ihrem Reiz verloren hat. Mit Sylvester Stallone und Wesley Snipes sind zudem 2 absolute Ikonen der damaligen Zeit am Werk, die der Geschichte ihren ganz persönlichen Stempel aufdrücken und das Geschehen mit erstklassigen Action-Passagen und wunderbarem Humor bereichern. Brambilla ist es ganz hervorragend gelungen, das Gleichgewicht zwischen jeder Menge Action, teils skurriler Situationskomik und wunderbar schrägen Dialogen zu halten, so das man als Betrachter ein Filmerlebnis präsentiert bekommt, das nachhaltig im Gedächtnis hängen bleibt. Der leicht futuristische Anstrich der Ereignisse tut dann sein Übriges, um das von Haus aus schon tolle Gesamtbild noch zusätzlich aufzuwerten.

In erster Linie rummst es ganz gewaltig denn hier wurden weder Kosten noch Mühen gescheut, um ein actiongeladenes Szenario zu kreieren. Wirkliche Ruhepausen um einmal wirklich durchatmen zu können entstehen dabei recht selten, denn "Demolition Man" gestaltet sich dermaßen rasant-und temporeich, das man schon von einem wahren Spektakel sprechen kann. Snipes und Stallone gehen dabei so richtig in die Vollen und liefern sich dabei einen absolut gnadenlosen Schlagabstausch, den man lediglich als absolut brillant bezeichnen kann. Das Ganze ist dabei streckenweise äußerst witzig in Szene gesetzt worden, das man sich an diversen Stellen kaum vor lachen halten kann. Bei diesem Aspekt kommt dann insbesondere die junge Sandra Bullock ins Spiel, die durch ihre verbalen Aussetzer immer wieder die Lacher auf ihrer Seite hat. Die Geschichte erfährt dadurch einen ganz speziellen Charme, dem man sich beim besten Willen nicht verschließen kann. Dieser Film ist einfach absolut ansteckend, nur selten bekommt man eine solch gelungene Kombination aus Action-und Komödie geboten, die einen auch nach der x-sten Sichtung immer noch in wahre Begeisterung versetzt.

Gleichzeitig beinhaltet die Geschichte auch durchaus ernste Züge, schwingt doch ein ganz erheblicher Schuss Gesellschafts-Kritik mit, denn das scheinbar unendlich friedliche Leben in der harmonischen Zukunft zeigt ziemlich schnell eine 2-Klassen Gesellschaft. Während an der Oberfläche alles in strahlendem Glanz erblüht, leben etliche unzufriedene Menschen in der Kanalisation und fristen dort ein karges Dasein. Sie sträuben sich gegen sämtliche Bevormundung und Verbote, wobei sie die Herrschenden torpedieren wo sie nur können. Dabei handelt es sich jedoch nicht unbedingt um verbrecherische Aktivitäten, will man doch im Prinzip lediglich auf die vorherrschenden Misstände hinweise und ein Leben in absoluter Freiheit führen. Dieser von Brambilla im Prinzip ausgezeichnet herausgearbeitete Gesichtspunkt wird leider immer etwas unterschätzt, konzentriert man sich doch vielmehr auf das gebotene Action-Feuerwerk und den herrlichen Humor dieses grandiosen Filmes.

Letztendlich ist "Demolition Man" schon ein kleiner zeitloser Klassiker, an dem man sich immer wieder erfreuen kann. Extrem spielfreudige Darsteller, eine mehr als unterhaltsame Geschichte, erstklassiger Humor und Action bis zum Abwinken lassen einen hier nur zu einem hervorragendem Gesamteindruck gelangen, der eigentlich durch nichts getrübt wird. Vor allem ist es immer wieder ein Erlebnis, hier einen glänzend aufgelegten Wesley Snipes zu beobachten, von dem man ja mittlerweile leider nichts Gutes mehr zu sehen bekommt.


Fazit:


Auch fast 20 Jahre nach seinem Erscheinen hinterlässt der "Demolition Man" immer noch den gleichen Eindruck wie bei der Erstsichtung und ist immer wieder eine Sichtung wert. So und nur so muss eine wirklich gelungene Action/Komödie sein, denn von der ersten bis zur wirklich letzten Minute wird man mit herausragender Unterhaltung konfrontiert.


9/10

Montag, 7. Januar 2013

La Orca - Gefangen, geschändet, erniedrigt









La Orca - Gefangen, geschändet, erniedrigt
(La Orca)
mit Rena Niehaus, Gabriele Ferzetti, Flavio Bucci, Carmen Scarpitta, Bruno Corazzari, Piero Faggioni, Piero Palermini, Michele Placido, Miguel Bose, Otello Toso, Jacopo Tecchi, Enzo Consoli
Regie: Eriprando Visconti
Drehbuch: Roberto Gandus / Lisa Morpurgo
Kamera: Blasco Giurato
Musik: Federico Monti Arduini
ungeprüft
Italien / Spanien / 1976

Am helllichten Tag wird die junge Alice auf ihrem Weg zur Schule von drei Männern in ein Auto gezerrt und auf einen abgelegenen Bauernhof verbracht. Das Motiv der Entführer ist klar: Geld. Bange Tage werden zu Wochen, doch die Eltern des Mädchens scheinen zu keiner Zahlung bereit. Alice muss handeln, und ganz auf sich allein gestellt beginnt sie ein verführerisches Spiel mit ihrem Aufpasser Michele. Als die ersten Grenzen überschritten werden, eskaliert die Situation zu einem gefährlichen Tanz, an dessen Ende bittere Konsequenzen stehen...


Nun dürfte gerade der deutsche Titel "Gefangen, geschändet, erniedrigt" bei vielen Leuten die Hoffnung auf einen reißerischen Thriller wecken, in dem es vor expliziten Gewaltdarstellungen nur so wimmelt, doch der Film von Eriprando Visconti bietet im Prinzip genau das Gegenteil. Anstelle einer actiongeladenen-und temporeichen Geschichte präsentiert sich vielmer eine Art Kammerspiel, das mit minimalen Mitteln eine maximale Wirkung beim Zuschauer erzielt. Durch seine eher ruhige-und bedachte Erzähl-Struktur entfaltet "La Orca" ein unglaublich starkes Gefühl der Beklemmung, das sich allein durch die Situation aufbaut, in der sich die Hauptfigur Alice befindet. Dabei verzichtet der Regisseur vollkommen auf visuelle Gewalt und setzt vielmehr auf einen Schauplatz, der von Beginn an Tristesse-und Hoffnungslosigkeit ausstrahlt. In einem leerstehenden und abbruchreifen Haus wird die junge Frau von 3 Männern gefangen gehalten, wobei sich insbesondere zwischen ihr und ihrem Aufpasser Michele (Michele Placido) eine ganz besondere Beziehung entwickelt. Der junge Mann unterscheidet sich nämlich ganz gewaltig von seinen beiden Kumpanen, bei denen es sich ganz offensichtlich um Gewohnheits-Verbrecher handelt, denn Michele ist eher ein Typ, der lediglich aus akkuten Geldproblemen in diesen Entführungsfall geraten ist.

Der Großteil der Geschichte spielt sich in dem abbruchreifen Haus ab, wobei die beiden Hauptfiguren zumeist allein sind. Ziemlich schnell wird dem Betrachter klar, das sich zwischen den beiden etwas entwickeln wird, liegt doch die gante Zeit eine knisternde erotische Spannung über dem Geschehen, die sich nach einer gewissen Zeit auch entladen soll. Es ist jedoch keinesfalls so, das die junge Alice geschändet wird, denn sie vollzieht vollkommen freiwillig den Geschlechtsakt mit ihrem Bewacher, der dem Mädchen immer mehr verfällt. Gleichzeitig steht jedoch auch eine gewisse Erniedrigung im Raum, die sich immer wieder in den Szenen zu erkennen ist, in denen Michele die junge Frau unter strengster Bewachung auf die Toilette begleitet, um die Kontrolle über die Situation zu behalten. Selbst diese kleinen Passagen sind vollkommen ausreichend, um das Gefühl einer Demütigung zu suggerieren, ist Alice doch mit Handschellen gefesselt, so das Michele die üblichen Reinigungs-Arbeiten nach dem Toilettengang für sie übernehmen muss. Der Kontrast zwischen einer anscheinend aufkeimenden Liebesbeziehung und den erniedrigenden Szenen hinterlässt einen sehr zwiespältigen Eindruck beim Betrachter, den man phasenweise nur schwerlich einordnen kann. Entwickelt das Opfer hier wirklich echte Gefühle für ihren Bewacher, oder spielt sie ihm das alles nur vor, um ihn zum richtigen Zeitpunkt entscheidend zu manipulieren, damit sich eventuell eine Fluchtmöglichkeit bietet?

Das diese Frage durchaus ihre Berechtigung hat, wird einem ganz am Ende eindrucksvoll vor Augen geführt, denn die Konsequenzen der scheinbar aufkeimenden Freundschaft zwischen den beiden schlagen eine nahezu tragische Wendung ein. In der Zwischenzeit wird man jedoch mit einem grandiosen Kammerspiel konfrontiert, das sich fast ausschließlich auf die beiden Hauptfiguren bezieht. Die beiden anderen Entführer erscheinen eher sporadisch auf der Bildfläche und auch die Hintergründe über die Entführung bleiben eher im Dunkeln. In dieser Beziehung bekommt man lediglich einige kleine Brocken hingeworfen, die allerdings keine wirklichen Erklärungen über die Hintermänner des Ganzen offenbaren. Bis auf eher wenige Andeutungen wird dieser Aspekt der Geschichte fast gänzlich vernachlässigt, was ich persönlich aber sogar als Vorteil für das gewonnene Gesamtbild ansehe. Böse Zungen könnten nun behaupten, das die Szenerie dadurch etwas unvollständig erscheinen könnte und in gewisser Weise ist das wohl auch richtig, andererseits kann man sich aber ganz auf das Wesentliche konzentrieren und das ist nun einmal die außergewöhnliche Beziehung zwischen Alice und Michele.

Ganz generell ist hier das dargebotene Schauspiel zu loben, insbesondere Michele Placido und Rena Niehaus drücken diesem außergewöhnlichen Film ihren ganz persönlichen Stempel auf. Doch auch sämtliche anderen Rollen sind sehr gut besetzt, so das es bei diesem Punkt keinerlei Grund zur negativen Kritik gibt. "La Orca" ist sicherlich ein Werk das die Meinungen stark spalten wird und manch einer wird durch den deutschen Titel ganz bestimmt mit vollkommen falschen Erwartungen an dieses Werk herangehen. Wenn man sich jedoch auf das Geschehen und vor allem den tristen Schauplatz der Geschichte einlassen kann, wird man mit einem intensiven-und kraftvollen Szenario belohnt, das gänzlich ohne harte-und brutale Effekte auskommt und seine Kraft aus der Situation an sich bezieht, die absolut erstklassig ins Bild gesetzt wurde. Mit den bescheidendsten Mitteln wurde hier eine maximale Wirkung erzielt, so das sich letztendlich ein Film-Erlebnis präsentiert, das man unbedingt gesehen haben sollte.


Fazit:


Wenn man sich nicht vom deutschen Titel des Filmes in die irre führen lässt und sich auf ein eher ruhiges Kammerspiel einlassen kann, dann kann man mit "La Orca" überhaupt nichts falsch machen. Für mich persönlich handelt es sich um eine weitere Perle des italienischen Kinos, die dank Camera Obscura auch eine würdige DVD-Veröffentlichung erhalten hat.


8,5/10