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Freitag, 31. Mai 2013

Cat Run









Cat Run
(Cat Run)
mit Paz Vega, Janet McTeer, Alphonso McAuley, Scott Mechlowicz, Christopher McDonald, Karel Roden, D.L. Hughley, Tony Curran, Michelle Lombardo, Radik Golokov, Branko Djuric, Gordan Kicic
Regie: John Stockwell
Drehbuch: Nick Ball / John Niven
Kamera: Jean-Francois Hensgens
Musik: Devin Powers
keine Jugendfreigabe
USA / 2011

Die Edelprostituierte Cat ist auf der Flucht nachdem sie Zeugin eines Mordes durch den korrupten US-Senator Krebb wurde. Erbarmungslos gejagt von der auf extreme Folterpraktiken spezialisierten Auftragskillerin Helen Bingham, den skrupellosen Handlangern des Senators und zwei dilettantischen Amateur-Detektiven ... entpuppen sich Letztere bald als ihre einzigen Verbündeten...

Donnerstag, 30. Mai 2013

Wild Beasts









Wild Beasts
(Wild Beasts - Belve feroci)
mit Lorraine De Selle, John Aldrich, Ugo Bologna, Louisa Lloyd, John Stacy, Enzo Pezzu, Monica Nickel, Stefania Pinna, Simonetta Pinna, Alessandra Svampa, Frederico Volocia, Alessandro Freyberger
Regie: Franco Prosperi
Drehbuch: Franco Prosperi
Kamera: Guglielmo Mancori
Musik: Daniele Patucchi
ungeprüft
Italien / 1984

Rupert Berner, Tierarzt im Zoo, wird von der Polizei zu Rate gezogen, als Tausende von Ratten Menschen angreifen. Kurz darauf drehen die Tiere im Zoo durch, viele können sich aus ihren Käfigen befreien. In der Stadt wimmelt es von Raubtieren, Elefanten und anderen wildgewordenen Bestien, die die Stadt verwüsten.


Franco Prosperis Tierhorror aus dem Jahr 1984 versetzt den Zuschauer durchaus in ziemlich zwiespältige Gefühle. Einerseits kommt man nicht daran vorbei, hier einen wirklich gelungenen Beitrag des Genres zu erkennen, bei dem andererseits Tierschützer auf die Barrikaden gehen dürften. Regt man sich ansonsten doch recht oft über den dargestellten Tier-Snuff in Kannibalen-Filmen auf, so stellt sich auch in vorliegender Geschichte die berechtigte Frage, ob diverse Passagen denn unbedingt nötig waren, um einen noch höheren Härtegrad zu erreichen, der zumindest so manchen Gorehound befriedigen dürfte. Wenn man den Film einmal ohne jegliche moralische Bedenken betrachtet, dann offenbart sich ein Szenario, das durchgehend spannend-und sehr interessant in Szene gesetzt wurde. Es ist schon ein wenig furchteinflössend, wenn man etliche ausgewachsene Raubkatzen durch eine nächtliche Metropole laufen sieht, denen dabei mehrere menschen zum Opfer fallen. Diese Szenen sind dann auch teilweise äußerst reißerisch-und vor allem blutig umgesetzt worden, so das der Film die Bezeichnung Tierhorror auch wirklich verdient. Alles wirkt sehr realistisch und man bekommt nicht unbedingt das Gefühl vermittelt, das es sich hier um einen reinen Fake handeln würde, was dann auch für die Kehrseite der Medaille nicht gerade unwesentlich erscheint.

Damit möchte ich die Szenen ansprechen, in denen Tiere über ihre Artgenossen herfallen, denn hier kommt dann letztendlich die Frage auf ob diese Passagen denn unbedingt nötig waren und die Geschichte nicht auch ohne sie ausgekommen wäre. Zwei Einstellungen fallen hier besonders ins Auge, zum einen wird eine Katze von unzähligen Ratten regelrecht zerfetzt und andererseits beziehe ich mich auf die Szenen in einem Schlachthof, als Rinder, Pferde und Schweine von Tigern und anderen Raubkatzen bestialisch getötet werden. Hier handelt es sich recht augenscheinlich um keine gestellten Bilder, denn so überzeugend wirkt kein Fake und gerade dadurch hinterlässt das Ganze doch einen äußerst schalen Beigeschmack, den man auch als Zuschauer die ganze Zeit über nicht mehr los wird. Nun beinhaltet "Wild Beasts" ja auch einen sozialkritischen Ansatz, wird doch insbesondere durch etliche verbale Äußerungen immer daraufhin gewiesen, das der mensch die Natur und ihre Schätze für sich ausbeutet und sich die natur eines Tages dafür rächen wird. So erhält das Geschehen dann auch eine leichte Note des Öko-Horrors, was von Prosperi anscheinend auch vollkommen beabsichtigt war.

Im Grunde genommen ist das ein durchaus löblicher Ansatz, zudem dieser ja auch eine Menge Wahrheit beinhaltet. Warum werden dann aber Tiere aufeinander gehetzt und töten sich gegenseitig, durch diesen Umstand wird doch der gelungene Ansatz gleich wieder zu nichte gemacht und die Ereignisse nehmen sich ihre eigentliche Stärke. Dies sind natürlich alles Argumente für Tierschützer um einen Film zu boykottieren und aus menschlicher Sicht kann man das sogar teilweise nachvollziehen. Dennoch sollte man dabei nicht vergessen, das dieses Werk auf seine Art und Weise ganz hervorragend funktioniert. Schiebt man die angesprochenen Passagen einmal zur Seite, dann bekommt man es nämlich mit einem erstklassigen Genre-Beitrag zu tun, der zwar durchaus einige moralische Bedenken aufwirft, aber vom reinen Unterhaltungswert in der obersten Liga anzusiedeln ist. Zum einen wurde die Story extrem spannend inzeniert und außerdem verfügt sie über eine grandios bedrohliche Grundstimmung, die einem phasenweise kalte Schauer über den Rücken jagt. Allein der Gedanke das ein solches Szenario theoretisch jederzeit passieren könnte, lässt einen regelrecht erschauern. Der Aspekt, das sich alles auch noch in einer deutschen Großstadt abspielt tut sein Übriges dazu, das man auf keinen fall in der haut der Menschen sein möchte, die hier den Tieren zum Opfer fallen. Was ein wenig unglaubwürdig erscheint ist der Einsatz der Rettungskräfte, denn obwohl sich unzählige Raubtiere frei in der Stadt bewegen sind die Straßen fast menschenleer und Einsatzkommandos bekommt man so gut wie gar nicht zu sehen. Wenn dann einmal ein kleiner Trupp auf wilde Bestien trifft, ist es insbesondere die Figur des Tierarztes Rupert Berner, die relativ wenig Glaubwürdigkeit ausstrahlt. Denn ist die Situation auch noch so gefährlich versucht der gute Mann doch ständig mit Tigern oder wild gewordenen Eisbären zu sprechen um sie zu besänftigen. das er den Tieren dabei auch körperlich extrem nahe kommt und sie sogar streichelt ist wohl nicht gerade eine äußerst authentische Darstellung des Verhaltens, wenn man sich wirklich in der hier gezeigten Lage befinden würde.

Wie dem aber auch sei, Franco Prosperi hat mit "Wild Beasts" auf jeden Fall einen sehr gelungenen Vertreter des Tierhorrors geschaffen, der jedoch phasenweise einen kontroversen Eindruck hinterlässt. Ein leicht sozialkritischer Ansatz wird leider nicht weiter herausgearbeitet, so das man in diesem Punkt mit zwiespältigen gefühlen zurückgelassen wird. Durch zwei meiner Meinung nach überflüssigen Passagen wird aber eher ungewollt wiederum die ganze Grausamkeit und Gleichgültigkeit der menschlichen Natur erkennbar, indem man Tiere in realen Szenen aufeinander loslässt, nur um einen noch höheren Härtegrad zu erzielen. Wenn man denn so will, haben sich die macher des Werkes so auch auf eine gewisse Art und Weise selbst bloßgestellt. Doch ganz egal wie man zu diesem Film stehen sollte, vom reinen Unterhaltungswert her ist er eine echte Granate, die jedoch auch durchaus nachdenklich stimmt. Freunde des Sub-Genres werden definitiv auf ihre Kosten kommen und eine Sichtung ganz bestimmt nicht bereuen.


Fazit:


Trotz allen Bedenken bekommt man es mit einem wirklich überzeugendem Genre--Beitrag zu tun, der aber auch auf die ein-oder andere Passage hätte verzichten können, ohne dabei an Klasse zu verlieren. Auf jeden Fall aber wird "Wild Beasts" die Meinungen in 2 Lager spalten, was hauptsächlich an den 2 genannten Sequenzen liegen wird die weiter oben erwähnt wurden. Harte und sehr kurzweilige Unterhaltung bekommt man definitiv geboten, wie man den Film dann letztendlich einstuft, bleibt einem jeden selbst überlassen.


8/10

Montag, 27. Mai 2013

Dead Set (Mini-Serie)









Dead Set
(Dead Set)
mit Jaime Winston, Andy Nyman, Riz Ahmed, Warren Brown, Liz May Brice, Beth Cordingly, Adam Deacon, Kevin Eldon, Kathleen McDermott, Davina McCall, Brian Belo, Cavan Clerkin, Raj Ghatak,
Regie: Yann Demange
Drehbuch: Charlie Brooker
Kamera: Tat Radcliffe
Musik: Dan Jones
keine Jugendfreigabe
Großbritannien / 2008

England: Während sich die Kandidaten der aktuellen "Big Brother" Staffel noch über Themen wie Essen, Klamotten und die sexuellen Ausschweifungen der letzten Nacht unterhalten, bricht im Königreich eine Seuche aus, die jeden Betroffenen in einen Zombie verwandelt. Dass die Untoten auch schon bald das Studio-Gelände überrennen, kriegen Angel, Grayson, Joplin, Veronica, Marky und Space erst mit, als die Produktionsassistentin Kelly sich in das "Big Brother" Haus flüchtet. Und dabei gleich ungewollt einen Zombie mitbringt, der Angel schwer verletzt.


Im Prinzip hat man als Zuschauer in den letzten Jahren ein wenig das Interesse an Zombiefilmen verloren, ist die Flut an Billig-Produktionen zu gewaltig und bietet zudem kaum etwas Neues, was das Sub-Genre auch nur annähernd mit frischen-und innovativen Ideen bereichern könnte. Ganz anders kommt da doch diese britische Mini-Serie daher, die sich an den heutigen TV-Gewohnheiten orientiert und sich thematisch am Reality-TV anlehnt. Hauptschauplatz des Geschehens ist nämlich der Big Brother Container, wird man hier doch mit der britischen Ausgabe der Shwow konfrontiert. Dieser Aspekt sorgt beim Betrachter schon einmal für eine sehr realistische Sichtweise der Dinge und phasenweise entsteht dabei sogar der Eindruck, das man in Echtzeit am Geschehen teilnimmt. Und so steht auch in den ersten Minuten der 5 Episoden umfassenden Serie die Entscheidungs-Show im Vordergrund, bei der ein Bewohner aus dem Haus gewählt werden soll. Man wird mit den Vorbereitungen im Sende-Zentrum konfrontiert und lernt vor allem den für die Show Verantwortlichen Patrick kennen, der einem von der ersten Sekunde an extrem unsympatisch erscheint. Mit ihm offenbart sich ein wahrer Kotzbrocken und Egoist, was auch im weiteren Verlauf des Szenarios nicht gerade unwesentlich erscheint. Denn insbesondere die Darstellung der einzelnen Figuren ist äußerst wichtig für den glaubwürdigen Anstrich dieses Formates, das ganz eindeutig den Weg eines George A. Romero einschlägt und die Geschichte mit sehr viel sozialkritischen Aspekten ausstattet.

Im Laufe der Zeit kristallisiert sich nämlich ganz eindeutig heraus, das die wenigen Überlebenden der Zombie-Seuche fast zwangsläufig zum Scheitern verurteilt sind und im Prinzip von Beginn an keine Chance haben, die Krisen-Situation zu überleben. Statt wie eine echte Gruppe zusammen zu stehen, kommen immer wieder die Befindlichkeiten diverser Einzel-Personen in den Vordergrund, was die menschliche Natur extrem gut zur Geltung bringt. Selbst in der aussichtslosesten Situation wird in etlichen Passagen über die banalsten Dinge diskuttiert, anstatt sich mit dem wirklichen Ernst der Lage auseinanderzusetzen und dabei einen Plan zu entwickeln, die vorherrschende Lage eventuell zu überleben. Das beste Beispiel für diesen Gesichtspunkt gibt die Figur der Pippa ab, die gerade das Haus verlassen musste. Nach Ausbruch der Seuche ist die junge Frau mit Patrick in einem Raum eingeschlossen und regt sich über die nichtigsten Dinge auf, anstatt die Bedrohung der Situation auch nur annähernd zu erkennen. Für manch einen mögen diese Einstellungen im ersten Moment sogar etwas lächerlich erscheinen, doch bringen sie ganz eindeutig zum Ausdruck, das persönliche Sichtweisen-und Befindlichkeiten selbst in der apokalyptischen Lage des Szenarios immer noch an erster Stelle stehen. Den Ernst der Ereignisse erkennen nur wenige Personen, doch selbst diese stehen immer noch sichtlich unter Schockwirkung Dessen, was sich außerhalb des Big Brother Hauses abspielt.

Hier liegt auch die ganz große Stärke der Serie, niemand hat überhaupt Zeit gehabt, sich mit den Ereignissen auseinanderzusetzen, die wie aus heiterem Himmel über das Land hereingebrochen sind. Auch der Zuschauer bekommt keinerlei Informationen über den Ausbruch der Seuche, immer wieder eingeblendete Nachrichten berichten lediglich über Gewalt im Land. Über den Auslöser der Epidemie bekommt man jedoch keine näheren Einzelheiten geliefert, so das man sich auf dem gleichen Wissensstand mit den Protagonisten befindet. Dadurch wirkt das Ganze noch authentischer und man kann sich jederzeit in die Personen hineiversetzen die nicht wissen, wie es überhaupt weitergehen soll. Neben der sozialkritischen Note beinhaltet "Dead Set" aber auch sehenswerte Effekte und einen äußerst ansehnlichen Härtegrad. Einziges Manko ist hier die phasenweise etwas hektische Schnittfolge der einzelnen Szenen, die einen doch unwillkürlich an einen Film wie "28 Weeks later" erinnert. Einige Details sind dadurch nicht ganz zu erkennen, was aber letztendlich nur ein ganz kleiner Wermutstropfen in einer ansonsten richtig guten Geschichte ist. Realistischer wie in vorliegendem Fall kann man ein Zombie-Szenario kaum in Szene setzen, bei dem man durchgehend das Gefühl hat mitten im Geschehen zu sein. Stellenweise denkt man, das sich die Ereignisse gerade vor der eigenen Haustür abspielen könnten und ich kann mich an keinen einzigen Zombiefilm erinnern, bei dem der realistische Eindruck so dermaßen gegeben war, wie es bei "Dead Set" der Fall ist.

Auch die Laufzeit der Serie mit gerade einmal gut 140 Minuten ist absolut perfekt gewählt, so kann man sich das Format an einem einzigen Abend anschauen und es entstehen erst gar keine langatmigen Passagen, die das Seh-Vergnügen beeinträchtigen könnten. Regisseur Yann Demange hat hier das Sub-Genre wirklich mit frischem Blut versorgt, bekommt man doch wirklich erfrischende-und teils innovative Kost serviert, die man mit Ausnahme von der Serie "The Walking Dead" lange Jahre vermissen musste. Die immer gleichen Abläufe in den unzähligen Billig-Varianten des Zombiefilms haben doch in letzter Zeit für einige Ermüdungserscheinungen beim Zuschauer gesorgt. Mit "Dead Set" ist nun aber endlich eine Mini-Serie auf DVD erhältlich, die wirklich frischen Schwung ins Genre bringt und eine Variante anbietet, die man in dieser Form noch nicht gesehen hat. Es gibt sie also doch noch, die frischen-und innovativen Ideen gewisser Filmemacher, die eine als ausgelutscht bezeichnete Film-Kategorie mit neuen Impulsen versorgen können. Nicht nur eingefleischte Fans dürften ihre helle Freude an diesem Format haben, präsentiert sich doch von der Hinterhrund-Thematik eine Geschichte, die absolut perfekt in die heutige zeit passt und selbst Neueinsteiger begeistern dürfte.


Fazit:


Daumen hoch für unsere britischen Nachbarn, die mit "Dead Set" etwas frischen Wind in das erstarrte Zombie-Genre gebracht haben. Absolut spannende Unterhaltung, ein extrem realistischer Anstrich und perfekt agierende Darsteller sind der Grundstein dafür, das man vor diesem Format nur ehrfurchtsvoll seinen imaginären Hut ziehen kann.


9/10

Mit stählerner Faust









Mit stählerner Faust
(Death Warrant)
mit Jean-Claude Van Damme, Robert Guillaume, Cynthia Gibb, George Dickerson, Art LaFleur, Patrick Kilpatrick, Joshua John Miller, Hank Stein, Conrad Dunn, Jack Bannon, John Lantz, Hans Howes
Regie: Deran Sarafian
Drehbuch: David S. Goyer
Kamera: Russell Carpenter
Musik: Gary Chang
FSK 16
Kanada / USA / 1990

Nachdem er seinen Erzfeind, den Psychokiller "Sandman", dingfest gemacht hat, wird Burke als Undercovercop in ein Gefängnis geschleust, um dort eine rätselhafte Mordserie an Gefangenen aufzuklären. Erschwert wird seine Arbeit durch sadistische Wärter und Knastgangs, die Burke als Neuling an den Kragen wollen. Mit Hilfe neu gewonnener Freunde findet Burke heraus, das mit den Leichen ein schwunghafter Organhandel betrieben wird, an dem seine Auftraggeber beteiligt sind. Bevor der Fall restlos geklärt werden kann, muss Burke erst noch gegen den Sandman antreten, der in den Knast eingeliefert wird und Burkes Identität preisgibt.


Gerade nach den 3 Action-Krachern "Bloodsport", "Cyborg" und "Leon" waren die damaligen Erwartungen an vorliegend Film doch ziemlich hoch angesetzt, wodurch bei manch einem nach der Erstsichtung von "Mit stählerner Faust" doch ein wenig Ernüchterung eintrat. Bekommt man hier doch nicht ein reines Spektakel geboten, in dem ständig die Fäuste fliegen und die Geschichte fast ausschließlich aus Kampf-Choreografien besteht. Regisseur Deran Sarafian hat vielmehr darauf geachtet, dem Zuschauer eine recht ordentliche Geschichte zu präsentieren, in der die Gewalt-Passagen sehr gut über die gesamte Laufzeit verteilt sind. So artet dann auch das Szenario in keiner Phase in einen vollkommen sinnbefreiten Action-Klopper aus, sondern offenbart eine absolut sehenswerte Story, an der man sich erfreuen kann. Trotz weniger Schlägereien kann man Van Damme in Höchstform erleben, zudem erscheint er in der Rolle des Undercover-Cops auch sehr glaubwürdig. Ebenso verhält es sich auch mit den vorhandenen Action-Szenen, die bis auf den finalen Showdown erstaunlich realistisch erscheinen und nicht diesen übertriebenen Touch beinhalten, den man aus etlichen anderen Filmen des Belgiers her kennt.

So wird Van Damme hier auch nicht als der unverwundbare Held skizziert, bekommt er doch des Öfteren selbst ordentlich eingeschenkt und offenbart damit eine verletzbare Seite, die man bisher nicht unbedingt kannte. Das macht seine Figur im Film äußerst sympatisch, so das man sich als Betrachter gar nicht die Frage stellen muss, wem die eigenen Sympathien in vorliegender Story gelten. Nicht nur einmal hängt sein Leben an einem seidenen Faden und ohne Hilfe aus den Reihen der Häftlinge wäre es ihm sicher nicht möglich gewesen, seine Undercover-Mission erfolgreich abzuschließen. Man merkt schon nach einer relativ kurzen Zeitspanne, das es in diesem Gefängnis keinesfalls mit rechten Dingen zugeht, sterben doch mehrere Häftlinge auf sehr mysteriöse Art und Weise. Bis man jedoch den Hintergründen für die seltsamen Morde auf die Spur kommt vergeht eine geraume Weile, was zwangsläufig für ein hohes Maß an Spannung sorgt.

Umso unglaublicher erscheinen einem dann die Motive für die Taten, entpuppen sich diese doch als absolut menschen-verachtend. Auch der Aspekt, das hier eine richtige Organisation am Werke ist die zudem auch noch Hilfe von außerhalb des Gefängnisses bekommt hinterlässt einen bitteren Beigeschmack, denn ein solches Szenario könnte man sich auch ohne Weiteres im wahren Leben vorstellen. Und so ist "Mit stählerner Faust" meiner Meinung nach nicht nur ein handelsüblicher B-Actioner, sondern bietet auch rein inhaltlich eine Menge mehr, als man im ersten Moment eventuell erkennen kann. Lediglich zum Ende hin bewegt sich die Story dann ein wenig abseits der Realität, denn der finale Endkampf zwischen Van Damme und dem "Sandman" beinhaltet einige Szenen, die den insgesamt sehr guten Gesamteindruck ein wenig schmälert. Dies ist aber auch der einzige Punkt, an dem Deran Sarafian den von ihm eingeschlagenen Weg ein wenig verlässt und einem ansonsten sehr glaubwürdigen Knastfilm fast schon ein Ende angedeihen lässt, das sich im Bereich der Fantasie ansiedelt.

Insgesamt gesehen handelt es sich also um einen wirklich sehenswerten Film mit Van Damme, der nicht so mit teils übertriebener Action vollgestopft ist wie manch andere seiner Werke. Was im ersten Moment für eingefleischte Fans eher negativ erscheinen mag, ist meiner persönlichen Meinung nach viel eher als Stärke anzusehen und lässt einen zu einem sehr guten Gesamteindruck gelangen.


Fazit:


Etwas weniger Action, dafür aber eine bessere Geschichte, diese Mischung konnte mich voll überzeugen. Zumal es ja auch nicht so ist das man den belgischen Haudegen gar nicht in Aktion sieht, nur sind die entsprechenden Passagen halt gut über die gesamte Laufzeit von knapp 90 Minuten verteilt. Anschauen lohnt sich auf jeden Fall, denn kurzweilige Action-Unterhaltung ist auf jeden Fall vorprogrammiert.


7,5/10

Samstag, 25. Mai 2013

Die Fürsten der Dunkelheit









Die Fürsten der Dunkelheit
(Prince of Darkness)
mit Donald Pleasence, Jameson Parker, Victor Wong, Lisa Blount, Alice Cooper, Dennis Dun, Susan Blanchard, Anne Marie Howard, Ann Yen, Ken Wright, Dirk Blocker, Jessie Lawrence Ferguson
Regie: John Carpenter
Drehbuch: John Carpenter
Kamera: Gary B. Kibbe
Musik: John Carpenter / Alan Howarth
ungeprüft
USA / 1987

Plötzlich auftretende Veränderungen in der Umwelt und schreckliche Naturkatastrophen verheißen für all diejenigen, die die Zeichen deuten können, nichts Gutes: Die Wiederkehr Satans steht kurz bevor. In einer zerfallenen Kirche mitten in Los Angeles, gefangen in einem gläsernen Schrein, schlummert seit Jahrhunderten das Böse. Als Wissenschaftler diesem furchtbaren Geheimnis auf den Grund gehen wollen, erwacht die dämonische Kraft des uralten Anti-Gottes. Mit Hilfe eines Priesters versuchen sie verzweifelt, dem Bösen zu trotzen. Doch alle Anstrengungen sind vergebens. Nach und nach werden alle Beteiligten zu Zombies. Satan hat seine Fesseln abgelegt und bereitet mit rasender Wut alles vor, um seinem Vater, dem Anti-Gott, einen würdigen Empfang zu bereiten...


Der Name John Carpenter wird von den meisten Leuten ganz unweigerlich mit seinem Meisterwerk "Halloween - Die Nacht des Grauens" in Verbindung gebracht, wodurch viele andere absolut großartige Werke des Altmeisters schon fast eine Art Schatten-Dasein führen und relativ selten Erwähnung finden. Auch "Die Fürsten der Dunkelheit" kann man in diese Riege einordnen, denn obwohl der Film zumeist gute Kritiken erhält, denken die meisten Leute nicht sofort an ihn, wenn der Name Carpenter fällt. Dabei hätte es "Prince of Darkness" wie der Film im Original heißt dies auf jeden Fall verdient, präsentiert sich doch von der ersten Minute an ein Szenario im typischen Stil des Regisseurs, das durchgehend eine schon fast hypnotische Ausstrahlung auf den Betrachter ausübt. In erster Linie ist das sicherlich der religiösen Thematik zu verdanken, denn eine Geschichte die sich um den leibhaftigen Teufel dreht, übt wohl schon ihren ganz eigenen Reiz aus. Man kann sich sicherlich denken, das der gute John eine ganze Menge aus einer solchen Thematik herausholen kann und genau das ist hier auch der Fall. Von einer herrlich dichten-und jederzeit bedrohlichen Atmosphäre unterstützt, zieht einen die Story ganz automatisch in ihren Bann und sendet dabei eine solch ungeheure Faszination aus, das man sich dieser unmöglich entziehen kann.

Dramaturgisch ist die Geschichte erstklassig aufgebaut, wird man zu Beginn noch mit kleineren Andeutungen und Puzzle-Teilchen bedient, so ergeben sich mit zunehmender Laufzeit immer mehr die Zusammenhänge des Ganzen und rücken die okkulte Grundstimmung immer mehr in den Vordergrund. Dabei wurde es auch nicht versäumt, das Geschehen einmal mehr mit einer hervorragenden musikalischen Untermalung zu versehen, wie man es eigentlich generell von Carpenter gewohnt ist. Hinzu kommt der perfekt ausgewählte Schauplatz der alten Kirche, in der sich der Großteil der Ereignisse abspielt, denn gerade die düster gehaltenen unterirdischen Katakomben jagen einem so manch angenehmen Schauer über den Rücken. Damit aber nicht genug, ist hier auch eine absolut glänzend agierende Darsteller-Riege am Werk, die durch ihre überzeugenden Leistungen ein unverzichtbarer Anteil eines insgesamt hervorstechenden Gesamt-Eindruckes sind, den man fast schon zwangsläufig von diesem Film gewinnen muss.

Anders als sonst unterscheidet sich "Die Fürsten der Dunkelheit" aber auch ein wenig von anderen Werken des Regisseurs, ist hier doch für seine Verhältnisse ein recht ansehnlicher Härtegrad vorhanden. Nun verhält es sich zwar nicht so, das man sich auf ein SFX Spektakel einstellen müsste, aber es sind durchaus einige Passagen vorhanden, in denen es etwas blutiger zugeht. Doch auch in dieser Beziehung kann man sich auf Mr. Carpenter verlassen, hat er doch die genau richtige Mischung gefunden, um dem Zuschauer ohne übertriebene Gewaltdarstellungen ein sehr glaubhaftes Szenario zu präsentieren, das im Prinzip keinerlei Schwächen offenbart. Natürlich sollte man dabei nicht an den Realitäts-Gehalt der Geschichte an sich denken, da dieser sich wohl vielmehr im Reich der Fabeln-und Legenden bewegt. Für mich persönlich handelt es sich hier um eine der besten Arbeiten Carpenter's, dessen filmisches Schaffen nun nicht gerade wenige Klassiker hervorgebracht hat, unter denen vorliegender Film ganz bestimmt an der Spitze der Nahrungskette einzuordnen ist.

Auch nach über einem Viertel-Jahrhundert hat "Die Fürsten der Dunkelheit" rein gar nichts von seiner Faszination ausgeübt und so mancher Horrorfilm der Neuzeit könnte sich hier eine ganz dicke Scheibe abschneiden. Mit relativ geringen Mitteln wurde hier eine Geschichte ins Bild gesetzt, die beim Zuschauer die maximale Wirkung erzielt. Dabei ist es auch vollkommen egal wie oft man diesen Film schon gesehen hat, denn bei jeder neuerlichen Sichtung wird man von Beginn an von dieser einzigartigen Atmosphäre-und Faszination ergriffen, denn das Geschehen auf einen ausübt. Und so kann man nur immer wieder feststellen, das es sich hier um einen absoluten Genre-Klassiker handelt, der zwar eher selten als ein solcher betitelt wird, diese Bezeichnung jedoch aufgrund der vorhandenen Klasse auf jeden Fall mehr als verdient hat.


Fazit:


Natürlich mag ein jeder das anders sehen, aber "Die Fürsten der Dunkelheit" zählt meiner Meinung nach zu den 5 besten Filmen, die unter der Regie von John Carpenter entstanden sind. Ein stimmiges Szenario voller Tempo und einigen härteren Passagen, das gleichzeitig mit einer Grundstimmung versehen ist die ihresgleichen sucht. Die perfekte musikalische Untermalung, eine faszinierende Story und tolle Darsteller runden dann ein Film-Erlebnis ab, das man sich auch gern in regelmäßigen Abständen immer wieder zu Gemüte führt.


9/10

Donnerstag, 23. Mai 2013

Eden









Eden
(Eden)
mit Jamie Chung, Beau Bridges, Scott Mechlowicz, Matt O'Leary, Eddie Martinez, Ernie Joseph, Tantoo Cardinal, Tracey Fairaway, Russell Hodgkinson, Grace Arends, Naama Kates, Laura Kai Chen
Regie. Megan Griffiths
Drehbuch: Megan Griffiths / Chong Kim
Kamera: Sean Porter
Musik: Jeramy Koepping / Joshua Morrison
FSK 16
USA / 2012

Hyun Jae, Amerikanerin koreanischer Abstammung, ist eine ganz normale 17jährige mit Zahnspange und romantischen Träumen. Doch ihr Teenagerleben verwandelt sich in die Hölle auf Erden, als sie dem Schlepper eines Menschenhändlerrings zum Opfer fällt. Sie landet in einer ehemaligen Lagerhalle, wo Mädchen zwischen 15 und 19 für die Liebhaber ganz besonders frischen Fleisches bereit gehalten werden. Von jetzt ab heißt sie Eden und steht für Freier und Pornofilme zur Verfügung. Einen Fluchtversuch bezahlt sie fast mit dem Leben. Doch Eden ist stark und resigniert nicht. Langsam gewinnt sie das Vertrauen ihres Bewachers.


Zwangs-Prostitution und Menschenhandel sind immer wieder der Stoff für Filme, die den Zuschauer nicht unberührt lassen und mit "Eden" ist nun ein weiterer Beitrag erschienen, der einem das einmal mehr sehr eindringlich vor Augen führt. Die Geschichte basiert auf den Erlebnissen von Chong Kim, die sich jahrelang in den Fängen einer straff organisierten Organisation befunden hat, die mit dem Leid junger Frauen Profit gemacht hat. Regisseurin Megan Griffiths beweist bei ihrer zweiten abendfüllenden Regie-Arbeit ein feines Gespür für die Gefühlswelt ihrer Hauptfigur und präsentiert ein Szenario, das nicht durch übersteigerten Aktionismus verwässert wird. So bekommt man hier eine eher ruhig erzählte Story serviert, die lediglich durch etliche Andeutungen ein hohes Maß an Intensität freisetzt. "Eden" ist kein Film, der die Misshandlungen an den jungen Mädchen durch visuelle Härte in den Vordergrund rückt, vielmehr wird die Fantasie des Betrachters in Gang gesetzt, dem lediglich immer wieder eingestreute Andeutungen zur Verfügung stehen, um sich dann im eigenen Kopf das weitere Geschehen auszumalen. Für manch einen mag das nicht ausreichend erscheinen, um die ganze Brutalität der Thematik glaubhaft wiederzugeben, doch wenn man sich auf die Geschichte einlassen kann, dann bekommt man es mit einem wirklich herausragendem Film zu tun.

Irgenwie vermeint man zu spüren, das dieses Werk unter der Regie einer Frau entstanden ist, denn die Ereignisse werden einfühlsam beleuchtet und stellen insbesondere die Hauptfigur in den Fokus. Jamie Chung kann dabei in der Rolle der Eden jederzeit überzeugen und liefert eine absolut grandiose Performance ab. Doch auch die anderen Darsteller agieren wirklich hervorragend, so ist beispielsweise ein Beau Bridges als skrupelloser Menschenhändler eine wahre Augenweide. Über die wirklichen Hinterleute der Organisation wird man dafür im Unklaren gelassen, jedoch ist dieser Aspekt auch nicht wesentlich für dieses bewegende Drama, das einem unwillkürlich unter die Haut geht. Das Leben der Mädchen in Gefangenschaft wird zwar hauptsächlich nur angerissen, doch kann man sich die Erniedrigungen und Demütigungen sehr gut vorstellen, die die jungen Frauen über sich ergehen lassen müssen. Es muss ein physisches-und psychisches Martyrium sein und die Ausweglosigkeit der gegebenen Situation ist nur ansatzweise vorstellbar, wenn man sich nicht selbst in ihr befindet.

So kann man auch bei etlichen der Mädchen eine Art Selbstaufgabe erkennen, nach jahrelanger Gefangenschaft wirken sie abgestumpft und vollkommen hoffnungslos. So bekommt man eine Ansammlung gebrochener Seelen präsentiert, die sich mit ihrer Lage abgefunden haben und keinerlei Hoffnung haben, doch noch ihrem scheinbar unvermeidbaren Schicksal zu entgehen. Lediglich die junge Eden will sich nicht in ihr Schicksal fügen und lässt sämtliche Erniedrigungen über sich ergehen, um auf den entscheidenden Moment zu warten, der sie der ersehnten Freiheit ein Stück näher bringt. An dieser Stelle kann man auch äußerst gut die Charakter-Wandlung eines Teenagers erkennen, denn aus dem einst naiven Mädchen entwickelt sich eine trotz aller Demütigungen starke Frau die zudem gelernt hat, ihre Peiniger zu täuschen um dann später daraus ihren Vorteil zu ziehen. Was sich jetzt eventuell so leicht und spielerisch anhört, ist letztendlich ein beschwerlicher und schmerzhafter Weg, der zwar nicht durch visuelle Härte dafür jedoch durch das grandiose Schauspiel der Hauptdarstellerin erstklassig zum Ausdruck gebracht wird. Hier liegt auch die große Stärke dieses Filmes, der vollkommen ohne explizite Gewaltdarstellungen auskommt, aber dennoch mit der Wucht eines Keulenschlages auf den Zuschauer einwirkt.

Megan Griffiths hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet und zeigt damit ganz klar auf, das man die zu behandelnde Thematik auch ohne große Härte sehr intensiv in Szene setzen kann. "Eden" setzt dabei auf die Fantasie und die Vorstellungskraft des Betrachters, der die zumeist nur angedeuteten Dinge in seinem Kopf weiterspinnt und dabei eine ungeheure Brutalität freisetzt, die der Thematik jederzeit gerecht wird. Dadurch wirkt das Werk um Einiges intensiver, als wenn man die Story mit etlichen härteren Passagen angereichert hätte. Es entsteht ein Gesamtbild das jederzeit brutal auf einen einwirkt und einen sehr nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Gerade aufgrund seiner eher ruhigen Erzählweise entfacht der Film dabei eine ungeheure Wucht, die einen bis ins Mark trifft und geradezu erschüttert. Meiner persönlichen Meinung nach hätte man die immer aktuelle Thematik kaum besser in Szene setzen können, weshalb man Megan Griffiths auch nur zu ihrem erstklassigen Beitrag gratulieren kann.


Fazit:


Hart, erschütternd, aber auch extrem einfühlsam erzählt "Eden" eine Geschichte, die einen keinesfalls unberührt lässt. Durch die hervorragende Leistung seiner Hauptdarstellerin offenbart sich dem Betrachter ein jederzeit glaubhaftes Szenario, dessen dramatische Züge absolut erstklassig zu erkennen sind. Freunde niveauvoller Dramen sollten unbedingt einen Blick riskieren, denn eine Sichtung des Filmes erscheint allemal lohnenswert.


8,5/10

Dienstag, 21. Mai 2013

A little Bit Zombie









A Little Bit Zombie
(A Little Bit Zombie)
mit Kristopher Turner, Chrystal Lowe, Shawn Roberts, Kristen Hager, Stephen McHattie, Emilie Ullerup, George Buza, Robert Maillet, Neil Whitely, Spinne Allen, Rob Roy, Aldemo Ceti
Regie: Casey Walker
Drehbuch: Trevor Martin / Christopher Bond
Kamera: Kevin CW Wong
Musik: keine Information
FSK 16
Kanada / 2012

Hmmm, Gehirn - lecker!” Schon bei dem Gedanken an die graue Glibbermasse läuft Steve das Wasser im Mund zusammen. Ein gewaltiger, völlig unbeherrschbarer Appetit treibt den jungen Bräutigam um. Mit Craig, Sarah und seiner Verlobten Tina ist er für ein letztes freies Wochenende aufs Land gefahren, bevor die aufreibenden Vorbereitungen für die opulente Hochzeit losgehen. Steve ahnt nicht, dass ihn unterwegs eine kleine Mücke mit dem Zombievirus infiziert hat. Nun stellt sich bald die Frage, was schlimmer ist: Steves langsame Verwandlung in einen hirnhungrigen Untoten oder seine Braut Tina, die im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen geht, um ihre perfekte Hochzeit trotzdem zu bekommen. Denn die große Feier darf keinesfalls gefährdet werden - bloß weil der Bräutigam ein Gehirn schlürfender Zombie ist …


Regisseur hat sich bei seinem Langfilm-Debüt für eine Zombie-Komödie entschieden und zumindest teilweise kann man dem guten Mann auch einen gelungenen Erstling bescheinigen. Natürlich liegt das wie immer im Auge des jeweiligen Betrachters, denn insbesondere die Art des enthaltenen Humors wird sicherlich nicht jedem zusagen. Die Geschichte an sich ist schnell erzählt und mit der vorliegenden Inhaltsangabe auch vollkommen abgedeckt, zudem ist sie auch nicht sonderlich innovativ oder mit irgendwelchen Neuerungen angereichert, die man in dieser Form noch nicht gesehen hätte. Das hört sich jetzt im ersten Moment zwar eher negativ an, doch "A Little Bit Zombie" hat durchaus mehrere starke Momente und beinhaltet auch mehrere Passagen, in denen man herzlich ablachen kann. Dabei sollte jedoch ein Vorliebe für den etwas platteren Humor vorliegen, denn die meisten der witzigen Einlagen sind eher banaler Natur und wirken in den meisten Fällen auch ein wenig überzogen. Dafür gibt es jedoch einige Spontan-Einlagen die so überraschend kommen, das man sich ein Lachen schwerlich verkneifen kann und sich köstlich über die dadurch entstehende Situationskomik amüsiert.

Zum Großteil spielt sich das Geschehen in einer einsam gelegenen Hütte ab, in der die 4 Hauptfiguren einen Kurzurlaub verbringen wollen, bevor Steve seine Freundin Tina heiraten will. Als Zuschauer mag man sich das kaum vorstellen wollen, könnten die beiden doch charakterlich kaum unterschiedlicher sein. Die Zeichnung der beiden Figuren ist dabei absolut überzogen, was aber anscheinend vom Regisseur so gewollt wurde. Während Steve den viel zu verständnisvollen Bräutigam gibt, bekommt man mit Tina eine Nervensäge präsentiert, die selbst beim Betrachter des Öfteren Mordgedanken entstehen lässt. Ihre permanent hysterische Art tötet einem nämlich den letzten Nerv und so kommt es auch immer wieder zu verbalen-und körperlichen Auseinandersetzungen mit Steve's Schwester Sarah, die ihren Bruder vor einer großen Dummheit bewahren will. Bei all dem dadurch entstehenden Gezeter geht die Kern-Thematik des Filmes an manchen Stellen zu sehr in den Hintergrund, was das Seh-Vergnügen doch ein wenig beeinträchtigt.

Die größtenteils räumliche Eingrenzung des Geschehens sorgt teilweise für ein wenig Monotonie und auch die geringe Einbindung der beiden Zombie-Jäger in die Geschichte ist nicht unbedingt als Pluspunkt anzusehen, so wirkt das Ganze dann auch phasenweise arg konstruiert und irgendwie künstlich aufgesetzt. Darunter leidet auch der Erzählfluss der Story, streckenweise kommt es einem so vor als wenn etwas fehlen würde und der Rest seltsam zusammengestückelt wurde. Das mag jedoch auch daran liegen, das inhaltlich nicht sonderlich viel Substanz enthalten ist und das Geschehen irgendwie auf Länge getrimmt wurde. So kommt es einem jedenfalls vor, da immer wieder Sequenzen erscheinen, die den Eindruck von sinnlosen Ballast hinterlassen.

Insgesamt gesehen handelt es sich bei "A Little Bit Zombie" dennoch um eine Zombie-Komödie, die man sich gern einmal anschauen kann. Die eigenen Erwartungen sollte man jedoch nicht zu hoch ansetzen, denn höhere Ansprüche vermag das Werk nicht zu erfüllen. Ein paar witzige Momente und an einigen Stellen auftretende Situationskomik müssen ausreichen, denn ansonsten bekommt man doch eher Schmalkost geboten. Einen anhaltenden Eindruck wird der Film wohl eher nicht hinterlassen, doch für einen kurzweiligen Filmabend ist der Film jederzeit geeignet.


Fazit:


Mit Zombie-Komödien ist es immer so eine Sache, denn wird doch eigentlich jede neue Produktion mit "Shaun of the Dead" verglichen. Dem Vergleich standhalten kann dabei kaum ein Film und auch "A Little Bit Zombie" macht da keine Ausnahme. Irgendwie ist das Werk weder Fisch noch Fleisch, wodurch es dann auch im breiten Mittelfeld anzusiedeln ist.


6/10

Montag, 20. Mai 2013

Texas Chainsaw 3D









Texas Chainsaw 3D
(Texas Chainsaw 3D)
mit Alexandra Daddario, Dan Yeager, Trey Songz, Scott Eastwood, Tania Raymonde, Shaun Sipos, Keram Malicki-Sánchez, James MacDonald, Thom Barry, Paul Rae, Richard Riehle, Bill Moseley, Gunnar Hansen
Regie: John Luessenhop
Drehbuch: Adam Marcus / Debra Sullivan
Kamera: Anastas N. Michos
Musik: John Frizzell
keine Jugendfreigabe
USA / 2013

TEXAS CHAINSAW 3D führt die legendäre Geschichte der mörderischen Familie Sawyer fort, der damals so viele Menschen zum Opfer fielen. Jahrzehnte später und hundert Meilen von den grausigen Tatorten entfernt, erfährt die junge Heather, dass sie ein Anwesen in Texas von ihrer Großmutter, von der sie bislang nichts wusste, geerbt hat. Nachdem sie sich mit ihren Freunden auf den Weg gemacht hat, um ihre Wurzeln zu erkunden, findet sie heraus, dass sie die neue und einzige Besitzerin einer aufwendigen abgesonderten viktorianischen Villa ist. Was sie noch nicht weiß ist, dass tief unten im Keller ihres neuen Besitzes bereits etwas Grauenhaftes auf sie wartet ...


Schon im Vorfeld dieses Filmes lag es ziemlich offensichtlich auf der Hand, das "Texas Chainsaw 3D" die Meinungen der Fans in zwei Lager spalten würde und wenn man sich einmal die Meinungen im Netz anschaut, bekommt man äußerst schnell die Bestätigung dafür. Zeitlich etliche Jahre nach den grausamen Ereignissen des ersten Teils angesiedelt spinnt sich hier eine Geschichte, die für manch einen Liebhaber der Reihe etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen dürfte. Die ominöse Familie Sawyer gibt es nämlich nicht mehr, denn nur der Killer mit der Kettensäge hat ein Massaker überlebt, dem seine Familie zum Opfer fiel. Und so fehlt es vorliegendem Werk natürlich ein wenig an der herrlich kranken Atmosphäre, die durch die sadistische Sippe erzeugt wurde, was für manch einen sicherlich als negativer Kritikpunkt anzusehen ist. Zudem entpuppt sich die vorliegende Story als recht dünn und vorhersehbar, was meiner persönlichen Meinung nach jedoch nicht sonderlich ins Gewicht fällt, da das Szenario ansonsten vollkommen überzeugen kann.

Ganz generell sollte man bei Filmen dieser Art seine Erwartungen an eine ausgefeilte-und tiefer gehende Geschichte wohl etwas zurückschrauben, steht doch in erster Linie der reine Unterhaltungswert im Vordergrund. Und über diesen kann man sich nun wirklich nicht beschweren, denn Genre-Freunde kommen voll auf ihre Kosten. Das Werk ist mit einem sehr ansehnlichen Härtegrad ausgestattet, wobei man sich bei der Ansicht des vorliegenden Schnittberichtes ganz unweigerlich die Frage stellen muss, warum Deutschland nur mit der R-Rated Fassung des Filmes bedient wird. Wenn man sieht welche Härten das Szenario enthält, dann hätte man auch die gerade einmal knapp 5 Sekunden längere Unrated Version auf den Markt bringen können, denn diese kurze Zeitspanne macht den Kohl auch nicht wirklich fett. Doch auch so werden Gorehounds auf ihre Kosten kommen, denn Leatherface läuft einmal mehr zur absoluten Höchstform auf, wobei die Kamera bei den diversen Tötungen ordentlich drauf hält und so manch blutige-und äußerst derbe Szene in den Vordergrund rückt.

Eine Schwäche des Filmes sind bestimmt die eher blassen Charaktere, die jederzeit austauschbar erscheinen. Großartige Darstellungen sollte man nicht unbedingt erwarten, jedoch sind die gezeigten Leistungen absolut ausreichend, um das Geschehen relativ rund und stimmig erscheinen zu lassen. Nun gibt es nicht gerade wenige Leute, die insbesondere das Verhalten der Hauptfigur Heather im letzten Drittel der Geschichte bemängeln. Bei diesem Aspekt darf man wirklich geteilter Meinung sein, doch so abwegig wie viele das sehen ist es eigentlich gar nicht, auch wenn man es persönlich vielleicht nicht so ganz nachvollziehen kann. Die oft angesprochenen Logiklöcher konnte ich eigentlich nicht entdecken, auch wenn bestimmte Aspekte sicherlich genügend Gründe anbieten, um verschiedene Sichtweisen der Dinge zuzulassen. Und so kann man letztendlich durchaus von einem sehr gelungenen Horrorfilm sprechen, der wie ich finde äußerst gut in die Reihe um den Kettensägen-Killer hineinpasst. Schmutzig, derbe und herrlich blutig präsentiert sich ein Szenario, das jederzeit bestens zu unterhalten weiß und lediglich einige kleine Schwächen offenbart, die je nach Betrachtungsweise des Geschehens eventuell als negativ anzukreiden sind. An das Original kommt "Texas Chainsaw 3D" selbstverständlich nicht heran, dazu fehlt es allein schon an der wunderbar sadistischen Grundstimmung, die damals von der gesamten Familie Sawyer ausgegangen ist.

Regisseur John Luessenhop hat hier eine ganze Menge richtig gemacht und in erster Linie einen richtig harten Teil der Reihe auf den Weg gebracht. Dennoch wird der Film auch weiterhin die Meinungen der Fans in zwei Lager spalten, was Grund genug für diverse Diskussionen sein wird. Das die Story ein wenig ausgedünnt daher kommt, konnte man sicherlich im Vorfeld schon erahnen und für eine ausführliche Charakter-Beleuchtung der einzelnen Figuren ist das Geschehen auch nicht unbedingt ausgelegt, dafür werden jedoch die Freunde der härteren Gangart nahezu perfekt bedient und werden ihre helle Freude an diesem Werk haben. Mir persönlich hat "Texas Chainsaw 3D" äußerst gut gefallen, so das ich ohne Bedenken eine absolute Empfehlung aussprechen kann. Rein von der Härte her handelt es sich hier neben "TCM: The Beginning" sogar um den stärksten Teil der gesamten Reihe und dieser Punkt wird für viele ganz sicher nicht gerade unerheblich sein. Doch auch ansonsten ist der Film viel besser geraten, als manche Kritik im Netz es eventuell vermuten lässt.


Fazit:


Die Enttäuschung einiger Leute kann ich ehrlich gesagt nicht so ganz nachvollziehen, bietet dieser Film doch im Prinzip genau das, was man sich von ihm erwartet hat. Ein hartes-und kompromissloses Szenario, in dem man etliche sehr gut gemachte SFX zu sehen bekommt, eine temporeich erzählte Story und eine gelungene Atmosphäre, die jedoch nicht die kranken Züge des Originals erkennen lässt. Insgesamt gesehen ist das Geschehen recht stimmig und rund, wobei man diverse kleinere Schwächen jedoch nicht verleugnen kann.


8/10

Sonntag, 19. Mai 2013

Total Recall









Total Recall
(Total Recall)
mit Colin Farrell, Kate Beckinsale, Jessica Biehl, Bryan Cranston, Bokeem Woodbine, Bill Nighy, John Cho, Will Yun Lee, Milton Barnes, James McGowan, Natalie Lisinska, Michael Therriault, Stephen MacDonald
Regie: Len Wiseman
Drehbuch: Kurt Wimmer / Mark Bomback
Kamera: Paul Cameron
Musik: Harry Gregson-Williams
FSK 12
Kanada / Usa / 2012

Obwohl Fabrikarbeiter Douglas Quaid eine wunderschöne Frau hat, die er sehr liebt, klingt so ein Mind-Trip wie der perfekte Urlaub von seinem frustrierenden Alltag. Echte Erinnerungen aus dem Leben eines Superspions könnten genau das sein, was er braucht. Doch als die Programmierung schiefgeht, wird Quaid ein gejagter Mann. Von der Polizei verfolgt – die unter dem Kommando von Chancellor Cohaagen, dem Führer der freien Welt, steht – verbündet sich Quaid mit der Rebellin Melina, um den Chef der Untergrund-Widerstandskämpfer zu finden und Cohaagen zu stoppen. Der schmale Grat zwischen Fantasie und Wirklichkeit verschwimmt immer mehr, und das Schicksal seiner Welt droht aus dem Gleichgewicht zu geraten, als Quaid entdeckt, wer er wirklich ist, wen er wirklich liebt und was seine wahre Bestimmung ist.


In der heutigen Zeit gehört es ja mittlerweile fast schon zum guten Ton, das im Prinzip fast jedem einigermaßen erfolgreichen Film vergangener Zeiten eine Neuauflage zu teil wird. Nur selten können die Remakes dabei jedoch an die Klasse des Originals heranreichen und nicht anders verhält es sich bei diesem zeitlosen Klassiker, in dem Arnold Schwarzenegger 1990 die Hauptrolle spielte. Regisseur Len Wiseman (Underworld) folgt dabei den Gesetzen des Marktes und präsentiert ein aufgemotztes Action-SCI/FI Spektakel, das im Bezug auf Tempo und Action das Original sogar toppen kann, deswegen aber dennoch die weitaus schlechtere Variante darstellt. Das mag eventuell gerade die jüngere Generation etwas anders sehen, doch die Neuauflage ist dermaßen mit Action-Passagen vollgestopft, das sie an etlichen Stellen schon reichlich überladen erscheint. Ganz unweigerlich geht das dann auch auf Kosten der Geschichte, die zwar im Grunde genommen beibehalten wurde, aber doch einige wesentliche Änderungen beinhaltet. So fällt die Mars-Thematik hier vollkommen raus, man bekommt es mit einer totalitären britischen Union zu tun und anstelle vom Mars ist lediglich von der sogenannten Kolonie die Rede, die als Ziel für eine geplante Invasion herhalten muss. An diesem Punkt sind wir auch gleichzeitig bei der größten Schwäche dieses Filmes angelangt, denn war im Original der Mars noch der Hauptschauplatz des Geschehens, so wird die Kolonie viel eher unbeachtet in den Hintergrund gerückt und spielt im Grunde genommen eine vollkommen untergeordnete Rolle. Die wichtigsten Passagen des 90er Filmes wurden hier zwar übernommen, doch im Grunde genommen dreht sich das gesamte Szenario um eine endlos erscheinende Hetzjagd nach der Hauptfigur, hinter der sämtliche anderen Aspekte zurückstehen müssen.

Für manch einen mag das durchaus nachvollziehbar sein, ist es doch in der heutigen Zeit anscheinend enorm wichtig, den Zuschauer hauptsächlich mit Tempo und jeder Menge Action zu beglücken. Das es dabei äußerst oft zuviel des Guten ist scheint nur die wenigsten zu stören und wenn die Geschichte samt Atmosphäre viel an Klasse verliert, dann wird das zumeist einfach nur so hingenommen. Und so entfaltet sich dann auch in vorliegendem Fall ein Szenario, das zwar eine zugegebenermaßen schön düstere Grundstimmung verfügt und auch rein visuell ein echter Hingucker ist. Die rasante Erzählweise der Ereignisse ist auf jeden Fall äußerst unterhaltsam und mag zudem auch zeitgemäß erscheinen, doch einem direkten Vergleich mit dem Werk von Paul Verhoeven kann diese Neuauflage zu keiner Zeit standhalten. Dabei machen die Darsteller ihre Sache im Prinzip recht gut, ein Colin Farrell ist sichtlich bemüht, erscheint aber phasenweise dennoch wie ein Fremdkörper, der sich in den falschen Film verirrt hat. Es sind hauptsächlich die Damen der Schöpfung die hier einen sehr überzeugenden Eindruck hinterlassen, wobei Kate Beckinsale die gute Jessica Biehl noch bei weitem übertrumpft. Bei diesem Punkt ist man dann auch bei einer Neuerung angelangt, die man auf jeden Fall als gelungen ansehen kann, denn die Rolle von Quaid's Ehefrau (Beckinsale) reicht dieses Mal bis zum Ende der Story und endet nicht wie im Original schon mitten im Film.

Ganz generell bleiben die Charakter-Zeichnungen der Figuren ein wenig hinter den Erwartungen zurück und wirken manchmal sogar recht schwammig. Nun ist es ja nicht gerade so, das man im 90er Werk von ausgefeilten Skizzierungen reden könnte, aber gerade die Charaktere von Quaid und Melina erschienen dort weitaus greifbarer und machten es einem viel leichter, einen wirklichen Bezug zu ihnen herzustellen. Hier ist dies leider nicht der Fall, denn anstatt die Figuren mit etwas mehr Tiefe auszustatten, hat Wiseman mehr auf den Action-Gehalt seiner Version gesetzt. Zugegeben, man bekommt in dieser Beziehung eine ganze Menge geboten, aber an einigen Stellen treten schon diverse Ermüdungserscheinungen auf, da es des Guten zuviel ist. Wer also auf die reine Action steht wird sicherlich gut bedient, muss sich dann jedoch nicht wirklich wundern, das die Qualität der Story an sich ein wenig auf der Strecke bleibt. Auch wenn sich das jetzt alles eher negativ anhört, ist "Total Recall" alles andere als ein schlechter Film. Der reine Unterhaltungswert ist sogar ziemlich hoch angesiedelt, doch gerade weil man das Grund-Konzept der Geschichte beibehalten hat, fallen diverse Defizite ganz besonders auf.

Letztendlich handelt es sich um ein Remake das man sich ohne Bedenken gut anschauen kann. Im direkten Vergleich mit dem Original sind jedoch sehr deutliche Qualitäts-Einbußen zu verzeichnen, an denen man keinesfalls vorbeischauen kann. Positiv sind sicherlich der futuristische Look und die düstere Grundstimmung zu bewerten, zudem bekommt man es mit einer glänzend aufgelegten Kate Beckinsale zu tun, die das absolute Highlight dieser Neuauflage darstellt. Die negativen Aspekte ergeben sich aus den blassen Darstellungen von Farrell und Biehl sowie aus der Tatsache, das wichtige Aspekte aus der Original-Story fast schon sträflich vernachlässigt wurden oder gar nicht erst eingebaut wurden. So kann der Film dann auch auf keinen Fall gänzlich überzeugen und dürfte auch nicht den großartigen Gesamteindruck hinterlassen wie Verhoeven's Film, der ganz eindeutig die bessere Variante des Stoffes ist.


Fazit:


Sicherlich zeitgemäß aufgepeppt kann "Total Recall" keinesfalls an seine Original-Vorlage heranreichen. Dennoch handelt es sich immer noch um gelungenes Popcorn-Kino, das allerdings teilweise actionmäßig vollkommen überladen erscheint, wodurch die eigentliche Geschichte leiden muss. Für einen kurzweiligen Film-Abend bestens geeignet, aber zu mehr reicht es nicht wirklich, so das man doch lieber zur Version mit Arnie greifen sollte, wenn man mal wieder Lust auf die totale Erinnerung hat.


6/10

Freitag, 17. Mai 2013

Shadowguard









Shadowguard
(The Blood Bond)
mit Michael Biehn, Phoenix Chou, Simon Yam, Emma Pei, Jennifer Blanc, Dong Fu Lin, Xiao Keng Ye, Shi Ping Cao, Michael Chai, Mini Lee, Kenny Lo, Andrew Ng, Thomas Ho, Oliver Williams
Regie: Michael Biehn
Drehbuch: Michael Biehn / Nicholas Eriksson
Kamera: Ross W. Clarkson
Musik: Longan So
FSK 16
China / USA / 2010

Bagwun, ein weltbekannter spiritueller Führer trifft in der asiatischen Stadt Purma ein, um eine geistliche Rede für seine Anhänger zu halten. Begleitet wird er von einer Heer an Mönchen und Beratern. Auch seine persönliche Leibwächterin, Deva, eine bildhübsche eurasische Frau mit beeindruckenden kämpferischen Fähigkeiten begleitet ihn. Als Bagwun und seine Anhänger am Hotel ankommen, werden sie von Auftragskillern angegriffen. Schwer verletzt kommt Bagwan mit dem Leben davon, doch er braucht dringend binnen 12 Stunden eine Bluttransfusion um überleben zu können - seine Blutgruppe ist so selten das nur eine Handvoll Spender in Frage kommen. Deva macht sich auf den gefährlichen Weg durch das Rebellen Land und findet den letzten möglichen Spender, John Tremayne, ein verbitterter EX-Special Forces Soldat der vor langer Zeit den Krieg hinter sich gelassen hat. Doch die Vergangenheit holt Ihn wieder ein, und ein unerbittlicher Kampf um sein Blut bricht aus.

The Expendables Meets Rambo



Mit diesem Schriftzug auf dem deutschen DVD-Cover werden natürlich sofort Hoffnungen beim Zuschauer wach, das man es hier mit einem ordentlichen Action-Kracher zu tun bekommt. Ziemlich schnell stellt sich jedoch die Ernüchterung ein, denn "Shadowguard" kann in wirklich keiner Beziehung auch nur ansatzweise mit den oben genannten Filmen konkurrieren. Der Regie-Erstling von B-Movie Ikone Michael Biehn ist ehrlich gesagt sogar ein ziemlicher Reinfall, beinhaltet die laue Geschichte doch im Prinzip keinerlei Höhepunkte, die man lobenswert erwähnen könnte. Zum einen gibt die extrem ausgedünnte Rahmenhandlung so gut wie überhaupt nichts her und auch die Umsetzung des Ganzen erscheint einem doch eher dilletantisch und dröge, so das man auch sehr gut nachvollziehen kann, das Biehn sich im nachhinein von seinem eigenen Film distanziert haben soll.

Angeblich soll diesem Werk ein Budget von geschätzten 2.000.000 $ zu Grunde liegen, wobei man sich schon während der Sichtung die Frage stellt, wofür das Geld denn ausgegeben wurde. Es kann jedenfalls schwerlich für die schwach agierende Darsteller-Riege ausgegeben worden sein, denn das dargebotene Schauspiel spottet eigentlich jeder Beschreibung und ist nicht der Rede wert. Treffend erscheint lediglich ein einziger von Biehn ausgesprochener Satz zu sein, sagt er doch während einer Szene, das er schon bessere Tage gehabt hätte. Damit trifft er dann auch den Nagel genau auf den Kopf, passt er sich doch mit seiner Darstellung dem unglaublich schwachen Niveau der gesamten Inszenierung an.

Ein B-Actioner sollte doch zumindest unterhaltsam-und kurzweilig sein, doch selbst hier versagt "Shadowguard" fast auf der ganzen Linie. Nur selten bekommt man Passagen geboten, die einen ein wenig aus dem Dämmerzustand herausholen, der schon nach wenigen Minuten Spielzeit eintritt. Zu belanglos und dröge erscheint die ganze Chose und das Geschehen plätschert fast ganzzeitig vor sich hin, ohne dabei jegliche Substanz erkennen zu lassen. Lediglich einige Nahkämpfe der Hauptdarstellerin Phoenix Chou sorgen für ein wenig Unterhaltung, wobei selbst diese Passagen noch ziemlich bieder erscheinen. Michael Biehn hingegen wirkt ausgemergelt und gebrechlich, nichts ist mehr zu verspüren vom ansonsten immer drahtigen B-Movie Star vergangener Tage.

Und so ergibt sich dann insgesamt gesehen ein Gesamteindruck, der mit dem Begriff unterdurchschnittlich noch bestens bedient ist. "Shadowguard" ist nicht mehr als ein äußerst müder Vertreter des Genres, dem es an jeglicher Inspiration und Klasse mangelt. Eine vollkommen belanglose Geschichte, schlecht agierende Darsteller und das Fehlen jeglicher Spannung sind nicht unbedingt die Attribute, die ein Film dieser Art beinhalten sollte. Der reißerische Vergleich mit Genre-Größen wie "The Expendables" und "Rambo" ist nicht mehr als eine Marketing-Strategie, damit man diesen Film überhaupt einer bestimmten Zielgruppe schmackhaft machen kann, die jedoch im Endeffekt ebenso enttäuscht sein wird wie jeder andere, der sich dieses Werk angesehen hat.


Fazit:


So sehr ich den guten Michael Biehn auch schätze, mit dieser Regie-Arbeit hat er sich nun wirklich keinen Gefallen getan. Größtenteils wird man mit purer Langeweile konfrontiert, die sich nur in den seltensten Fällen durch einige nette Nahkämpfe ein wenig verdrängen lässt. Ansonsten aber erscheint der Film nicht wirklich lohnenswert, so das man sich seine Zeit viel besser mit anderen Dingen vertreiben kann.


3/10

Donnerstag, 16. Mai 2013

Off Balance - Der Tod wartet in Venedig









Off Balance - Der Tod wartet in Venedig
(Un Delitto poco comune)
mit Michael York, Edwige Fenech, Donald Pleasence, Mapi Galan, Fabio Sartor, Renato Cortesi, Antonella Ponziani, Carola Stagnaro, Daniele Brado, Caterina Boratto, Luis E. Ciannelli, Renata Del Pozzo
Regie: Ruggero Deodato
Drehbuch: Gianfranco Clerici / Vincenco Mannino
Kamera: Giorgio Di Battista
Musik: Pino Donaggio
ungeprüft
Italien / 1988

Der erfolgreiche Pianist Robert Domenici erfährt auf dem Höhepunkt seiner Karierre, daß er unter einer sehr seltenen, unheilbaren Krankheit leidet. Eine Gen-Störung, die sonst vorwiegend bei Kindern auftritt, hat zur Folge, daß er innerhalb kurzer Zeit altert. Gleichzeitig greift die Krankheit die Gehirnzellen an und führt zu Bewußtseinsveränderungen und unkontrolliertem, psychopathischem Verhalten. Domenici gibt seine Karriere auf und zieht sich vollkommen von seiner Umwelt - sogar von seiner Verlobten Helene - zurück. Als einige Verehrerinnen aus dem Umfeld Domenicis auf mysteriöse Weise ums Leben kommen, verdächtigt Inspektor Datti den Pianisten, kann ihm aber nichts nachweisen. Da erfährt Domenici, daß Helene ein Kind von ihm erwartet, daß seine Krankheit erben könnte...


Manche Filme muss man sich wirklich öfter anschauen, bis man einen gewissen Bezug zu ihnen herstellen kann und auch eine zumindest teilweise vorhandene Klasse in ihnen erkennt. Genau so verhält es sich mit diesem Spät-Giallo von Ruggerio Deodato (Cut and Run, Nackt und zerfleischt), der mit "Off Balance - Der Tod wartet in Venedig" einen Ausflug in ein für ihn eher unbekanntes Sub-Genre gewagt hat. Bei meiner ersten Sichtung vor einigen Jahren konnte mich das Werk nun wirklich nicht begeistern, was aber sicherlich auch im gewöhnungsbedürftigen Geschichts-Aufbau begründet ist, die für einen Gialli doch eher ungewöhnlich daherkommt. Baut sich doch in den meisten Fällen eine geheimnisvolle Mordserie auf und die Identität des Killers wird erst kurz vor dem Ende preisgegeben, so verhält es sich hier einmal vollkommen anders. Denn wer der ominöse Killer ist wird in dieser Story ziemlich schnell geklärt, nach spätestens einer halben Stunde liegen Motiv sowie auch die Identität des Mörders auf der Hand. Danach geht das Geschehen in eine fast vollkommen andere Richtung und serviert dem Zuschauer vielmehr ein menschliches Drama, das sich fast ausschließlich um die Hauptfigur des Filmes dreht.

Gerade dieser Aspekt löst bei vielen Fans ein Gefühl der Langeweile aus und ehrlich gesagt war das damals auch bei mir nicht anders. Aus der Sicht eines Giallo-Liebhabers auch durchaus verständlich, sollte man aber dennoch versuchen, Deodato's Film als das zu sehen was er nämlich letztendlich ist, ein durchaus gelungener Mix aus Giallo-und Drama, das aufgrund seiner Erzählweise lediglich ein wenig anders aufgebaut wurde. Ist man dazu in der Lage und kann die erste Enttäuschung unterdrücken, dann bekommt man einen im Prinzip wirklich gelungenen Beitrag zu sehen. Zwar ist der Film keineswegs im oberen Drittel anzusiedeln, doch er bietet durchgehend gute-und kurzweilige Unterhaltung. Insbesondere die ersten 30 Minuten sind dabei sogar richtig stark zu bewerten, baut sich hier doch innerhalb kürzester Zeit ein extrem guter Spannungsbogen auf und es entfaltet sich zudem eine äußerst dichte-und bedrohliche Grundstimmung. Die dabei gezeigten Morde fallen sogar ziemlich blutig aus und wurden außerdem sehr gut in Szene gesetzt.

Das dadurch die Erwartungen des Betrachters natürlich in die Höhe schnellen ist sicherlich nur zu verständlich und so kann man dann auch die Enttäuschung vieler Leute besser nachvollziehen, als Deodato nach nur 30 Minuten das Genre regelrecht auf den Kopf stellt. Hat man zwar bis zu diesem Zeitpunkt ganz bestimmt schon seine eigenen Vermutungen im Bezug auf den Täter hergestellt, so präsentiert ihn der Regisseur nun ganz offensichtlich mitten auf einem Silbertablett, was im ersten Moment ein Gefühl der Schock-Starre auslöst. Nun aber ist man selbst gefragt, sollte diesen ungewohnten Schritt ganz einfach akzeptieren und sich schlicht und ergreifend auf das folgende Geschehen einlassen. Nur so kann man diesem Werk den nötigen Respekt erweisen, den es bei genauerer Betrachtung auch durchaus verdient. In der Folgezeit wird man immer wieder mit einem Mann konfrontiert, der ohne jede Chance etwas dagegen zu unternehmen richtiggehend vor sich hin siecht und körperlich vollkommen zerfällt. Eine extrem seltene Krankheit bricht bei ihm aus und lässt ihn dabei in Windeseile altern, wobei der Verfall ziemlich gut ins Bild gerückt wurde. Seine Beweggründe für weitere Greueltaten sind ganz bestimmt nicht zu akzeptieren, dennoch entwickelt man ohne etwas dagegen tun zu können mitleid mit dem Mörder, was ganz sicher vom Regisseur auch durchaus beabsichtigt war. Es ist nämlich schon ein cleverer Schachzug von Deodato seine Geschichte so aufgebaut zu haben, was aufgrund der Kern-Thematik des Filmes auch gar nicht anders möglich war und so sieht man die Ereignisse von nun an eventuell auch aus einer ganz anderen Sichtweise.

Zuerst die brutal inszenierten Morde die fast schon zwangsweise eine Antipathie gegen den Mörder entstehen lassen den man dann ja auch recht schnell kennen lernt, um danach mit dessen grausamen Schicksal den Zuschauer in einen moralischen Konflikt zu stürzen, da man aus rein menschlicher Sicht durchaus Mitleid mit dem Mann empfindet, der im Prinzip auch nichts anderes ist als ein wehrloses Opfer. Dieser Gesichtspunkt war mir bei meiner ersten Sichtung überhaupt nicht aufgefallen, da die damalige Enttäuschung ganz einfach zu groß war. Mittlerweile kann ich mich jedoch sehr gut mit "Off Balance" anfreunden, was einerseits allein schon im Mitwirken der wie immer blendend aussehenden Edwige Fenech begründet ist, andererseits aber auch daran liegt, das der Film wirklich Qualität beinhaltet, die aber vielleicht erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist. Sicherlich wird das Werk nie zu meinen absoluten Lieblingen gehören, doch meine zur damaligen Zeit vernichtende Bewertung muss ich definitiv korrigieren.


Fazit:


Es gibt einige Filme des Sub-Genres, die durchaus nicht nach dem üblichen Strickmuster abgedreht wurden und sich in den meisten Fällen dennoch größter Beliebtheit erfreuen. Nur "Der Tod wartet in Venedig" erntet hauptsächlich schlechte Kritiken und wird mit Begriffen wie langweilig tituliert. Dabei hat der Film dies wirklich nicht verdient, auch wenn sein Regisseur mit einem vollkommen beabsichtigten Stilbruch so manch einen im ersten Moment völlig vor den Kopf schlägt. Deswegen ist gerade in vorliegendem Fall eine zweite Sichtung definitiv empfehlenswert, um dann auch zu einem möglichst objektiven Urteil zu kommen, das dem Geschehen auch gerecht wird.


6,5/10

Dienstag, 14. Mai 2013

Maniac (2012)









Maniac
(Maniac)
mit Elijah Wood, America Olivo, Nora Amezeder, Liane Balaban, Sammi Rotibi, Megan Duffy, Brian Ames, Sal Landi, Genevieve Alexandra, Akbar Kurtha, Jan Broberg, Morgane Slemp, Dan Hunter
Regie: Franck Khalfoun
Drehbuch: Alexandre Aja / Gregory Levasseur
Kamera: Maxime Alexandre
Musik: Rob
SPIO/JK
Frankreich / USA / 2012

Frank ist Besitzer eines Mannequin Ladens. Er lebt ein eher zurückhaltendes und verschlossenes Leben. Doch dies ändert sich, als die junge und hübsche Anna in sein Leben tritt. Für ihre neue Ausstellung wendet sie sich an Frank. Aus dem Treffen entwickelt sich eine Freundschaft. Doch der Schein trügt. Denn unter der Oberfläche verstärkt sich seine geheime Besessenheit. Je länger die Freundschaft anhält, desto heftiger tritt seine Manie zum Vorschein.


Aus dem Blickwinkel des Mörders


Das langersehnte Remake des Klassikers von William Lustig beinhaltet einige gravierende Neuerungen, die sicherlich teilweise recht gewöhnungsbedürftig und für manchen Fan des Originals nicht so leicht zu verdauen sind. Die gravierendste Änderung dürfte dabei bestimmt der Aspekt sein, das man die Geschichte fast ausschließlich aus der Sicht des Mörders sieht und gerade zu beginn des Geschehens braucht man einige Minuten, um sich an diesen Umstand zu gewöhnen. Manch einer mag sich eventuell gar nicht damit anfreunden können, fehlt hier doch fast gänzlich die körperliche Präsenz eines Joe Spinell, die beim Original doch eine der herausragenden Stärken darstellte. Elijah Wood hingegen ist immer nur in Passagen zu sehen wenn er sein eigenes Spiegelbild betrachtet, oder diverse Visionen und eingestreute Flashbacks das Geschehen bereichern. Nun mag es sicherlich Leute geben, die in diesem Punkt eine Schwäche der Neuauflage erkennen wollen, doch bei genauerer Betrachtung bezieht die Version von Franck Khalfoun gerade aus diesem Aspekt ihre volle Wucht und Stärke. Verhält es sich doch so, das je länger die Geschichte fortschreitet, man als Zuschauer immer mehr mit dem Täter verschmelzt und so fast schon eine Art von Symbiose mit dem offensichtlich psychopathisch veranlagten Frank eingeht. Ohne es eigentlich wirklich zu wollen, schlüpft man nämlich selbst in die Rolle des irren Frauenmörders und vermeint so mit der Zeit sogar den Angstschweiß der Opfer förmlich riechen zu können. Man sieht seine abscheulichen Taten aus einem vollkommen anderen Blickwinkel und muss dabei feststellen, das insbesondere dieser Aspekt eine so dermaßen hohe Intensität freisetzt, das es einen dabei fröstelt. Man kann es schon als absolut genialen Schachzug des Regisseurs ansehen diese Sichtweise gewählt zu haben, denn nur so kann "Maniac" seine volle Wucht und Stärke entfalten, die in praktisch jeder einzelnen Szene des Filmes zum tragen kommt.

Ansonsten wurde das Grundgerüst der Story beibehalten, das vollkommen gestörte Verhältnis zu Frauen wurde bei Frank ganz augenscheinlich durch ein ausgeprägtes Kindheits-Trauma ausgelöst, für das seine Mutter verantwortlich zeichnet. In immer wieder eingestreuten Rückblenden wird dem Betrachter dabei plausibel näher gebracht, wie sehr das Verhalten der Mutter die Seele eines Kindes zerstört haben muss. Dabei ist es hier absolut glänzend gelungen, die Grenzen zwischen Gegenwart, Visionen-und Rückblenden vollkommen fließend zu gestalten, so das sich phasenweise ein fast schon surreal Bilderrausch präsentiert, der den Betrachter regelrecht überschwemmt. Manch einem mag das an diversen Stellen vielleicht etwas wirr erscheinen, doch gerade durch diesen Eindruck kann man sich erst ein wunderbar plastisches Bild davon machen, wie es im Kopf der Hauptfigur aussehen muss. Klare Denkweisen sind nämlich so gut wie ausgeschlossen und wenn Frank einmal nicht von seiner Manie besessen ist reicht schon der kleinste Anlass, um diese wieder hervor zu rufen. Dies merkt man vor allem dann, wenn er darauf angesprochen wird ob er denn eine Freundin habe, löst diese Frage doch Migräne-artige Anfälle bei ihm aus, die er nur mit der Einnahme von Medikamenten bekämpfen kann. All diese Kleinigkeiten sind absolut notwendig, damit man sich überhaupt ansatzweise vorstellen kann, welch ungeheurer Druck auf dem Gehirn des jungen Mannes lasten muss, der immer wieder töten muss, um seine Leiden zumindest für eine gewisse Zeit zu lindern.

Elijah Wood in der Hauptrolle des Killers zu sehen, mag für viele Leute unvorstellbar sein und auch ich musste mich nach der damaligen Bekanntgabe der Besetzung erst einmal mit diesem Gedanken vertraut machen. Dem Schauspieler haftet nun einmal die Rolle des Frodo aus "Der Herr der Ringe" an und wie um alles in der Welt sollte der gute Mann mit dem Baby Face glaubhaft die Rolle des geisteskranken "Maniacs" spielen? Sein Schauspiel nun bis in das kleinste Detail zu bewerten fällt dabei nicht gerade leicht, denn aus den weiter oben angeführten Gründen ist er ja nicht allzu oft im Bild zu sehen. Dennoch liefert er eine wirklich gelungene Performance ab und auch rein optisch hat sich so Einiges geändert. Mit Bart-Ansatz und vor Wahnsinn flackernden Augen hat der Mime so gar nichts mehr von dem niedlichen Hobbit, der Mittelerde vor dem Untergang bewahrt hat. Aus dem Jüngling ist mittlerweile ein Mann geworden, der mit markanten Gesichtszügen ganz hervorragend in diese Rolle hineinpasst. An einer Stelle des Szenarios fällt das ganz besonders ins Auge, gibt es doch einen Mord auf dem Gelände eines Auto-Handels, der eben nicht aus den Augen des Mörders zu sehen ist. An dieser Stelle kann man Wood in voller körperlicher Präsenz bei der Arbeit beobachten, wie er eine junge Frau auf brutalste Art und Weise tötet. Als er ihr die Haare von der Kopfhaut abschneidet, ist für einen kurzen Moment der ganze Wahnsinn-und gleichzeitig die totale Befriedigung im Gesicht abzulesen, das einem hier ein eiskalter Schauer über den Rücken läuft.

Zum Abschluss sollte man auch keinesfalls den Härtegrad dieses Filmes außer acht lassen, da dieser es streckenweise wirklich in sich hat. Die Morde wurden teils richtig derbe in Szene gesetzt, so das auch die Freunde der etwas härteren Gangart voll auf ihre Kosten kommen werden. Dennoch artet die Neuauflage des Klassikers zu keiner Zeit in ein sinnloses Splatter-Gore Spektakel aus, wie man es in der heutigen Zeit ja oft genug serviert bekommt. Die vorhandenen Szenen sind vollkommen ausreichend und untermalen auf perfekte Weise die unglaubliche Intensität, die von der gesamten Geschichte ausgeht. Khalfoun hat sich also nicht dazu hinreißen lassen den Gesetzen des Marktes zu folgen und dabei explizite Gewaltdarstellungen in den totalen Fokus seiner Erzählung zu rücken. Denn auch wenn es stellenweise äußerst hart zur Sache geht, so steht doch die psychische Verfassung eines Mannes im Vordergrund, der an der vorherrschenden Einsamkeit in seinem Leben zu Grunde geht und dabei seine Befriedigung im Töten junger Frauen findet, die er stellvertretend für seine Mutter bestraft. Und so kann man im Endeffekt von einem mehr als gelungenen Remake sprechen, das man zwar vom Grundgerüst der Geschichte her mit dem Original vergleichen kann, aber ansonsten als absolut eigenständiger Film zu betrachten ist, der durch die vielen Neuerungen einen extrem nachhaltigen Eindruck hinterlässt.


Fazit:


Franck Khalfoun hat meiner persönlichen Meinung nach alles genau richtig gemacht und hat nicht den Fehler begangen, hier eine 1:1 Kopie zu präsentieren. Allein der Aspekt, das die Geschichte fast ausschließlich aus der Sicht des Mörders zu sehen ist, verleiht dem Werk einen Hauch von Genialität. Natürlich liegt es wie immer im Auge des jeweiligen Betrachters, doch "Maniac 2012" ist ein teilweise verstörendes, aber immer unglaublich intensives Film-Erlebnis, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Gelegentliche Schweißausbrüche inbegriffen, wurde einem Klassiker neues Leben eingehaucht und eben dieser verstörende Aspekt eingebaut, das man eigentlich durch die neue Betrachtungsweise selbst zum Täter wird. Welche Version nun die bessere ist lässt sich dabei schwerlich beantworten, haben doch bei Varianten unglaubliche Stärken, unterscheiden sich aber bis auf die Kern-Thematik ganz erheblich voneinander. Ich bin jedenfalls glücklich beide Filme in meinem Besitz zu haben un d kann nur eine unbedingte Empfehlung für diese grandiose Neuauflage aussprechen.


9/10

Montag, 13. Mai 2013

Tödliches Erbe









Tödliches Erbe
(L'Assassino ha le mane pulite)
mit Tom Drake, Femi Benussi, Virgilio Gazzolo, Ernesto Colli, Isarco Ravaioli, Andrea Fantasia, Ivo Garrani, Valeria Ciangottini, Giovanna Lenzi, Aurelio Marconi, Nicola Solari, Aldo Bruno
Regie: Vittorio Sindoni
Drehbuch: Aldo Bruno / Romario Migliorini / Vittorio Sindoni
Kamera: Ascenzio Rossi
Musik: Stefano Torossi
FSK 16
Italien / 1968

Ein unerwartetes Millionenerbe winkt drei Töchtern und einem zurückgebliebenen Adoptivsohn. Allerdings soll der Nachlass erst ausgezahlt werden, wenn der Letztere die Volljährigkeit erreicht. Diese Klausel gibt den kollektiv in Geldnöten steckenden Hinterbliebenen Zeit und Gelegenheit den Kreis anderer potentieller Erben so auszudünnen, dass am Ende vielleicht der ganze Kuchen bleibt.


Leider gibt es gerade im Sub-Genre des Giallos immer noch etliche Juwelen, die es bis zum heutigen Tag noch nicht auf eine deutschsprachige DVD geschafft haben. Durch die nun endlich erschienene Veröffentlichung der Koch Media Giallo Collection wurde dieser Zustand zumindest bei vorliegendem Werk von Vittorio Sindoni aus dem Jahre 1968 abgeändert und ich bin wirklich erstaunt, welch guter Genre-Vertreter einem bisher durch die Lappen gegangen ist. "Tödliches Erbe" ist nämlich ein in allen Belangen überzeugender Film, der wohl aber ganz eindeutig zu den eher wenig bekannten Vertretern seiner Art gehört. Zwar könnte man nun die hier behandelte Erbschafts-Thematik als alten Hut bezeichnen, da es doch etliche Krimis gibt die sich damit schon befasst haben, doch die Umsetzung des Ganzen kann sich wirklich sehen lassen und bietet dem Betrachter knapp 80 Minuten spannende-und interessante Filmkost.

Dieser Früh-Giallo setzt dabei nicht auf reißerisch ins Bild gesetzte Morde, so das man im Bezug auf Härte und blutige Passagen keine großen Erwartungen hegen sollte. Vielmehr präsentiert sich eine äußerst atmosphärische Geschichte, die ihre Stärken aus der gelungenen Dramaturgie ihrer Geschehnisse bezieht und die Suche nach dem Mörder nach einem simplen Ausschluss-Verfahren gestaltet. So ist es dann zwar nicht sonderlich schwer auf die Identität des Killers zu kommen, denn es werden immer wieder kleine Puzzle-Teilchen serviert, die einen schon recht frühzeitig auf die richtige Spur bringen können. Dennoch bietet die endgültige Auflösung doch noch einen kleinen Überraschungsmoment, den man nicht zwangsläufig vorhersehen konnte. Bis dahin jedoch wird man mit etlichen Verdächtigen konfrontiert, denn in dieser Geschichte bietet sich fast jeder Charakter als Tatverdächtiger an. Verbale Äußerungen und etliche Verhaltensweisen sollen den Zuschauer dabei fast regelmäßig auf falsche Fährten locken und in manchen Fällen gelingt das auch recht gut.

Sindoni versteht es dabei sehr gekonnt, einige Figuren zu offensichtlich in den Kreis der Verdächtigen zu rücken, um anderen wiederum eher subtil ein Motiv unterzujubeln. Für einen selbst bedeutet das ein herrliches Verwirrspiel und es fällt ziemlich schwer, sich eine festgelegte Meinung zu bilden, da immer wieder neue Verdachtsmomente in den Vordergrund rücken, die auf andere Personen hindeuten. Die Darsteller agieren dabei sehr gut und sind ein wesentlicher Bestandteil dafür, das dieses ineinander verschachtelte Rätse-Spiel auch funktioniert. Allerdings hätte man sich doch in der Rolle des minderjährigen Adoptivsohns einen rein optisch gesehen glaubwürdigeren Schauspieler wie Ernesto Colli gewünscht, der zur damaligen Zeit immerhin schon 28 Jahre alt war, was man ihm in diesem Film auch sehr deutlich ansieht. Das ist letztendlich aber nur ein kleiner doch sehr auffälliger Makel, denn das Schauspiel an sich gibt im Prinzip keinerlei Grund zur Beanstandung. Das kann man jedoch auch ganz generell auf die gesamte Inszenierung beziehen und auch wenn sich mit "Tödliches Erbe" vielleicht nicht eine der absoluten Genre-Größen präsentiert, so beinhaltet dieses Werk doch eine ganze Menge Klasse und Niveau, so das es umso erstaunlicher erscheint, das es sich um einen ziemlich unbekannten Vertreter seiner Art handelt.

Dieser Zustand wird sich durch die Veröffentlichung auf DVD hoffentlich ändern, denn dann würde dieser unterhaltsamen Geschichte endlich der Zuspruch zuteil, die sie meiner Meinung nach auf jeden Fall verdient hätte. Ohne größere Härten und literweise Kunstblut hat Vittorio Sindoni hier einen klassischen Giallo geschaffen, der mit den minimalistischsten Mitteln die maximale Wirkung erzielt. Das typische 60er Jahre Ambiente nimmt einen dabei mit auf eine Zeitreise in die Vergangenheit und insbesondere ältere Semester dürften hier nostalgische Gefühle entwickeln. Ganz besonders die Kleidung der damaligen zeit sorgt durch ihre Farbzusammenstellung manchmal für regelrechte Augenschmerzen, über die Inneneinrichtung von Wohnungen wollen wir gar nicht erst reden. Auch die Darstellung eines Tanz-Clubs und die teilweise skurril anmutenden Tanz-Bewegungen einiger Statisten sorgen für ein unglaublich authentisches Flair der damaligen Zeit, so das man insgesamt gesehen zu einem absolut überzeugenden Gesamteindruck gelangen sollte.


Fazit:


Mit "Tödliches Erbe" erschien nun endlich ein eher unbekannter Genre-Beitrag auf DVD, den man sich unbedingt anschauen sollte. Sicherlich nicht zu den absoluten Top-Giallos zu zählen, serviert einem der Film eine wunderbar umgesetzte Geschichte, die sämtliche Zutaten für ein spannendes Film-Erlebnis beinhaltet. Mich persönlich hat dieses Werk jedenfalls bestens unterhalten, so das ich ohne Weiteres eine dicke Empfehlung aussprechen kann.


8/10

Samstag, 11. Mai 2013

White Tiger









White Tiger - Die große Panzerschlacht
(Belyy tigr)
mit Aleksey Vertkov, Vitaliy Kishchenko, Valeriy Grishko, Dmitriy Bykovskiy-Romashov, Gerasim Arkhipov, Aleksandr Vakhov, Vitaliy Dordzhiev, Vladimir Ilin, Karl Kranzkowski, Christian Redl, Klaus Grünberg
Regie: Karen Shakhnazarov
Drehbuch: Aleksandr Borodyanskiy / Ilya Boyashov
Kamera: Aleksandr Kuznetsov
Musik: Yuriy Poteenko / Konstantin Shevelyov
FSK 16
Russland / 2012

Ostfront 1943: Ein geheimnisvoller deutscher Superpanzer macht der Roten Armee den Vormarsch auf Berlin schwer. Stark, wendig, treffsicher und schier unzerstörbar taucht er plötzlich auf, um nach dem Gefecht spurlos wieder zu verschwinden. Es ist, als ob die schwere Maschine sich in Luft auflösen würde. Nach einem verheerenden Angriff des Weißen Tigers, wie der Panzer genannt wird, finden Sanitäter ein kaum noch lebendiges Bündel aus verkohltem Fleisch. Doch Panzerfahrer Ivan Naydenov überlebt wie durch ein Wunder seine schweren Verbrennungen. Fortan kennt er nur noch ein Ziel: Er muss diesen Geisterpanzer finden und für immer zerstören ...


Der Titel des Filmes und die dazu gehörige Inhaltsangabe wecken schon im Vorfeld gewisse Erwartungen beim Zuschauer, der sich doch eigentlich auf ein actiongeladenes Szenario einstellt, in dem es richtig große Panzerschlachten zu sehen gibt. Aufgrund dieses Aspektes wird es dann wohl auch so sein, das sich bei vielen Leuten eher Ernüchterung einstellt, denn dieser auf einer Novelle von Ilya Boyashov basierende Film schlägt im Prinzip eine vollkommen andere Richtung des Kriegsfilmes ein, als man es zuerst vermutet. Sicherlich gewöhnungsbedürftig offenbart sich so eine Geschichte die streckenweise schon fast mystisch erscheint und insbesondere im Bezug auf die vorhandenen Dialoge philosophische Ansätze offenbart, die sich um die wahre Bedeutung des Krieges drehen. Etliche Passagen dieses Werkes sind mit einer starken Symbolhaftigkeit versehen und lassen extrem viel Spielraum für eigene Interpretationen des Geschehens, wodurch die Geschichte ganz bestimmt nicht jeden Geschmack treffen wird.

Statt etlichen Panzerschlachten bekommt man viel eher den Kampf zwischen einem Menschen und einer schier unbesiegbaren Maschine präsentiert, wobei schon die Einführung der Hauptfigur Naydenov etliche Fragen aufwirft. Der Panzerschütze wird nämlich in einem ausgebrannten Panzer gefunden und 90 % seines Körpers sind vollkommen verbrannt, was im Normalfall definitiv den Tod nach sich zieht. Nicht aber in vorliegendem Fall und um das Ganze noch weiter auf die Spitze zu treiben, verheilen die Wunden hier sogar noch in absoluter Rekordzeit. Manch einer mag sich nun fragen was dieser Quatsch soll, doch für die vorliegende Story ist dieser Punkt alles andere als unwesentlich, bezieht das Geschehen doch aus dieser Tatsache einen Großteil ihrer mystischen Züge. Der Gegenpart des Soldaten ist der sogenannte "White Tiger", ein deutscher Super-Panzer, um den sich die fantastischsten Legenden ranken. In der Folgezeit wird der Fokus dann auch ganz eindeutig auf die Jagd des Menschen nach der Maschine gelegt und nicht selten wird man als Betrachter an die Geschichte von "Moby Dick" erinnert, in der Captain Ahab der Obsession verfallen war, den gigantischen Wal zu töten.

Bis auf recht wenige Ausnahmen gestaltet sich "White Tiger" hauptsächlich voller Dialoge, die wirklichen Action-Passagen kann man sich dabei eher an einer Hand abzählen. Für viele mag dies ein eher negativer Kritikpunkt sein, doch meiner Meinung nach hat Karen Shakhnazarov gut daran getan, das Hauptaugenmerk auf die philosophischen Ansätze zu legen, die immer wieder in den Vordergrund treten. Von einem Panzergott ist die Rede und Hauptfigur Naydenov wird nach eigenen Aussagen von seinem eigenen Panzer gewarnt, wenn der Geister-Panzer "White Tiger" wieder erscheint. Diese übersinnliche Note in einem Kriegsfilm ist sicherlich nicht alltäglich, verleiht dem ganzen aber einen durchaus interessanten Anstrich und regt gleichzeitig auch zum nachdenken an. Dazu tragen auch die letzten Minuten des Filmes bei die für manch einen eher sehr verwirrend und eventuell auch überflüssig erscheinen, doch gerade das Gespräch am Ende zwischen Adolf Hitler und einem im Dunkeln sitzenden Mann lässt das gesamte Geschehen etwas klarer erscheinen und unterstreicht die mysteriöse Botschaft des Filmes. Der Krieg an sich und die symbolische Bedeutung des Ganzen werden einem dabei gut näher gebracht und man erkennt spätestens jetzt die Botschaft, die einem Karen Shakhnazarov mitteilen will.

Insgesamt gesehen handelt es sich bei "White Tiger" ganz sicher nicht um einen Kriegsfilm der handelsüblichen Art. Man kann es durchaus nachvollziehen, wenn viele Leute nicht viel mit der hier erzählten Geschichte anfangen können, die statt einem rasanten Kriegs-Geschehen doch viel eher mystische Andeutungen und philosophisch angehauchte Dialoge anbietet. Wie dem aber auch sei, eine Sichtung des Werkes ist auf jeden Fall lohnenswert, was allein schon in der Tatsache begründet ist das sich dieser Film so sehr von anderen Genre-Beiträgen abhebt. Meiner persönlichen Meinung nach tut er dies zudem in einer sehr wohlwollenden Art und Weise und lässt den Zuschauer das gesamte Szenario einmal aus einer vollkommen anderen Sichtweise betrachten.


Fazit:


Freunde actiongeladener Kriegsfilme werden wohl eher enttäuscht sein, denn bis auf wenige Ausnahmen hält sich der vorliegende Film in dieser Beziehung eher vornehm zurück. Wer jedoch seine Freude an einem äußerst gelungenem Genre-Mix hat und dabei auch einmal über das Gesehene nachdenken möchte, der wird an dieser Stelle bestens bedient und dürfte seine helle Freude an dieser russischen Produktion haben.


7/10

Freitag, 10. Mai 2013

The Frightened Woman









The Frightened Woman
(Femina ridens)
mit Philippe Leroy, Dagmar Lassander, Lorenza Guerrieri, Varo Soleri, Maria Cumani Quasimodo, Mirella Pamphili
Regie: Piero Schivazappa
Drehbuch: Paolo Levi / Piero Schivazappa / Giuseppe Zaccariello
Kamera: Carlo Achilli / Sante Achilli
Musik: Stelvio Cipriani
keine Jugendfreigabe
Italien / 1969

Dr. Sayer entführt die junge Maria in seine Villa, macht ihr Angst und erniedrigt sie. Dr. Sayer hat jedoch einen Grund für sein Handeln: Er fürchtet sich davor, dass Frauen künftig die Männer unterwerfen werden und sie biologisch überflüssig würden. Maria muss jetzt einen Ausweg finden, um das Martyrium zu überleben.


Warum dieser Film von Piero Schivazappa nun gerade in der Giallo Collectiion seine deutsche DVD-Premiere feiert wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben, handelt es sich doch vielmehr um ein Sex-Drama. Im Prinzip ist das aber auch vollkommen egal, offenbart sich doch eine wirklich erstklassig umgesetzte Geschichte, die den Zuschauer von Beginn an in ihren Bann zieht. Im Prinzip bekommt man ein Kammerspiel mit 2 Personen geliefert, was sich für manch einen im ersten Moment eventuell etwas langweilig anhören mag, doch nach der Sichtung dieses herausragenden Filmes müsste man eigentlich feststellen, das man es vielmehr mit einem wahren Juwel des italienischen Kinos zu tun hat. Geprägt wird das Geschehen ganz eindeutig von seinen beiden erstklassigen Hauptdarstellern Philippe Leroy und Dagmar Lassander, die sich einen grandios inszenierten Geschlechterkampf liefern, wie man ihn eher selten geboten bekommt. Leroy mimt dabei den scheinbar starken männlichen Part, während Frau Lassander das offenbar verängstigte Opfer zum Besten gibt, das sich in sein unvermeidbares Schicksal ergibt. Das hier jedoch kaum etwas so ist wie es im ersten Moment erscheint, wird mit zunehmender Laufzeit immer klarer und endet in einem finalen Showdown, wie man ihn kaum hätte besser inszenieren können. Der Begriff Showdown ist hier wirklich wörtlich zu nehmen, denn wenn sich die beiden Protagonisten am Ende im Pool gegenüberstehen, erinnert das doch ziemlich stark an ein Duell im wilden Westen, das nur einer der beiden überleben kann.

Bis dahin ist es jedoch ein weiter Weg, den man als Betrachter jedoch nur zu gern beschreitet. So sind die Rollen von Täter und Opfer am Beginn doch augenscheinlich ganz klar verteilt, durch ein traumatisches Erlebnis in der Kindheit leidet Dr. Sayer unter einem offensichtlichen Frauenhass, der in fast jeder Einstellung zum Vorschein kommt. Um seine perversen Neigungen zu stillen, entführt er die hübsche Maria und hält sie seitdem in seiner Villa als Sklavin, die schlimmste Demütigungen über sich ergehen lassen muss. So erscheint die Rollen-Verteilung vollkommen klar, doch merkt man recht schnell, das der Anschein in diesem Fall sehr trügerisch ist. Hinter der scheinbar starken Fassade des Mannes verstecken sich lediglich Angst und Unsicherheit, die Sayer durch sein dominantes Verhalten lediglich zu kaschieren versucht. Dazu trimmt er seinen Körper auf Ästhetik, um die perfekte Manneskraft darzustellen. Dies alles geschieht in seiner futuristisch eingerichteten Villa, die wie ein wahres Status-Symbol erscheint und optische Dominanz des Mannes nur noch mehr zum Ausdruck bringt. Doch mit der Zeit bröckelt die Fassade und es sind immer tiefere Risse zu erkennen. An dieser Stelle kommt dann Maria immer stärker ins Spiel, wobei der Begriff des Spiels ganz am Ende des Filmes erst seine gesamte Bedeutung zu erkennen gibt.

Das scheinbare Opfer dreht nun nämlich den Spieß um, wodurch langsam aber sicher die Rollen vertauscht werden, was absolut unübersehbar ist. In etlichen Gesprächen werden einem fast schon philosophische Ansätze im Bezug auf das Verhältnis zwischen Mann und Frau angeboten, wobei die enthaltenen Dialoge wirklich von herausragender Qualität sind. Es macht einfach Spaß dieses perfide Katz-und Maus Spiel zu beobachten, das sich zwischen den beiden entwickelt, ohne dabei jedoch zu ahnen, auf was das ganze Geschehen am Ende hinausläuft. Ist "The Frightened Woman" in seiner Gesamtheit schon ein absolut genialer Film, so setzen die letzten gut 15 Minuten dem Ganzen doch die absolute Krone auf. Eventuell für viele Zuschauer durchaus vorhersehbar wurde ich persönlich an der Stelle mit einem fantastischen Überraschungs-Effekt konfrontiert, den man meiner Meinung nach nicht unbedingt vorhersehen kann. Die bis dahin schon großartig inszenierte Geschichte toppt sich förmlich selbst und wartet mit einer grandiosen Schluss-Sequenz auf, die eine fantastische Wendung beinhaltet. So habe ich es jedenfalls empfunden, denn mit einem solchen Finale hatte ich wirklich nicht gerechnet.

Piero Schivazappa hat mit "The Frightened Woman" einen in allen Belangen nahezu perfekten Film geschaffen, in dem wirklich nichts dem Zufall überlassen wird. Perfekte Schauplätze, brillante Kulissen und 2 mehr als nur überzeugende Hauptdarsteller lassen hier ein Gesamtbild entstehen, das man letztendlich nur als herausragend bezeichnen kann. Was wie eine Herr-und Sklave Geschichte beginnt, entfaltet sich mit zunehmender Laufzeit zu einem fast philosophischen Geschlechterkampf, den man nicht besser hätte umsetzen können. Dabei wurde im Prinzip völlig auf das ansonsten übliche Sado-Maso Szenario verzichtet, stattdessen bekommt man es fast ausschließlich mit psychischen Spielchen zu tun. Wer dabei im Endeffekt wirklich die Oberhand behält und somit Macht über den anderen hat, ergibt sich jedoch erst in den letzten Minuten eines Filmes, den man unbedingt gesehen haben sollte. Und das auch aufgrund des sensationellen Soundtracks von Stelvio Cipriani, der die Faszination der Ereignisse noch einmal zusätzlich hervorhebt.


Fazit:


Auch wenn das Werk von Piero Schivazappa in einer Giallo Box vollkommen fehl am Platz erscheint, sollte man sich an dem Aspekt erfreuen, das es diesen überragenden Film nun endlich auch in Deutschland auf DVD gibt. Hier präsentiert sich nämlich ein wahrer filmischer Leckerbissen, in dem sämtliche Zutaten perfekt aufeinander abgestimmt sind. Und auch wenn manch einer vielleicht im ersten Moment ein wenig enttäuscht darüber sein mag das es sich um keinen Giallo handelt, dürfte im Endeffekt die Qualität des Filmes so überzeugend sein, das man zu einem sehr guten Gesamteindruck gelangt.


9/10