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Donnerstag, 30. Januar 2014

Die Klasse von 1984









Die Klasse von 1984
(Class of 1984)
mit Perry King, Merrie Lynn Ross, Timothy Van Patten, Roddy McDowall, Stefan Arngrim, Michael J. Fox, Keith Knight, Lisa Langlois, Neil Clifford, Al Waxman, Erin Flannery, David Gardner
Regie: Mark L. Lester
Drehbuch: Tom Holland / Mark L. Lester / John C.W. Saxton
Kamera: Albert J. Dunk
Musik: Lalo Schifrin
ungeprüft
USA / 1982

Musiklehrer Andrew Norris tritt seinen Unterricht an der Abraham-Lincoln-Highschool an, an der Raubüberfälle, Drogenhandel und Waffenschmuggel an der Tagesordnung sind. Der sechzehnjährige Stegman und seine fünfköpfige Punk-Bande regieren die Schule. Als ein Schüler an Drogen stirbt, will Norris Stegman das Handwerk legen. Er scheitert. Während er ein Schulkonzert dirigiert, überfallen die Punks sein Haus und vergewaltigen seine Frau. Norris nimmt blutige Rache und tötet sie alle.


Sicherlich gab es auch zur Entstehungszeit dieses Filmes schon ein ziemlich hohes Gewaltpotential an amerikanischen Schulen, doch gerade für uns Europäer stellte "Die Klasse von 1984" vielmehr eine düstere Zukunftsversion dar, die man im Prinzip nicht so recht glauben konnte. Ganz bewusst hat Action-Spezialist Mark L. Lester (Phantom Kommando) seine einfach gehaltene Geschichte sehr überspitzt dargestellt, was jedoch aus heutiger Sicht den eigentlichen Normalzustand an etlichen Schulen auf dem gesamten Globus darstellt. Doch ganz egal ob die hier gezeigten Ereignisse damals noch eher als Fiktion galten oder der Wahrheit schon sehr nahe kamen, der Film hat es von der ersten bis zur letzten Minute wirklich in sich und besticht dabei vor allem durch die absolut kompromisslose Art und Weise, wie Lester hier mit Themen wie unverhohlenem Hass und brutaler Gewalt umgeht. Dabei wird man von Beginn an in das actiongeladene Geschehen eingeführt, denn ein langsamer Aufbau der Story ist so gut wie gar nicht vorhanden. Unter der musikalischen Untermalung von Alice Cooper wird umgehend die Richtung festgelegt in die das Szenario tendiert und man wird mit einer High School konfrontiert, an der statt geregeltem Unterricht der absolute Kriegszustand herrscht. Dabei kann man diese Bezeichnung durchaus wörtlich nehmen, handelt es sich doch keineswegs um harmlose Raufereien unterschiedlicher Gruppen, stattdessen wird man mit Themen wie Rassenhass, expliziter Gewalt und Drogen konfrontiert.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht dabei die Punk-Gruppe um den sogenannten "Scharführer" Peter Stegman (Timothy Van Patten), der den Drogenhandel und die Prostitution fest im Griff zu haben scheint. Damit wir uns nicht falsch verstehen, wir sprechen hier von zumeist minderjährigen Schülern, von denen einige jedoch zumindest im Film einen älteren Eindruck hinterlassen, doch diese Halbstarken führen ein derart strenges-und durchorganisiertes Regiment auch außerhalb der Schule, das man es kaum für möglich halten will. Lester hat es meiner Meinung nach bewusst vermieden, auf die Motive und Hintergründe für die Gewalt und die kriminelle Energie einzugehen, vielmehr wird einem der Eindruck vermittelt, das die Jugendlichen einfach nichts Besseres zu tun haben, als Mitschüler und andere Personen zu unterdrücken wo es nur geht. Dies wird ganz besonders an der Figur von Stegman ziemlich deutlich, denn bei diesem Jungen hat man es im Prinzip mit dem Wolf im Schafspelz zu tun. Aus wohlhabendem Hause stammend mutiert er vor den Augen seiner Mutter zu einem harmlosen Teenager, der zudem auch noch mit einem sehr außergewöhnlichen musikalischen Talent ausgestattet ist, doch in der Schule und im Kreis seiner Gruppe entpuppt sich ein eiskalter Mensch, der im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen geht.

Die will der neue Lehrer Andrew Norris (Perry King) gerade zu Beginn nicht so recht glauben, kommt er doch voller Elan und Enthusiasmus an die Schule und wirkt hier auch sofort wie ein Fremdkörper. Witzig erscheint an dieser Stelle der Rest des Kollegiums, denn man braucht nur in die Gesichter der Lehrer zu schauen um zu merken, das jeder von ihnen schon längst die Hoffnung aufgegeben hat, noch einmal auf die ganz normale Art unterrichten zu können. Auch bei diesem Aspekt hat Lester eine bewusst provokative Passage eingebaut, in der man Roddy McDowall dabei beobachten kann, wie er durch Waffengewalt seine Schüler dazu zwingt, seinem Unterricht zu folgen. Was in diesem Moment zuerst einmal vollkommen überzogen erscheint, ist aber aufgrund der vorhergegangenen Ereignissen lediglich eine logische Schlussfolgerung und ergibt durchaus einen Sinn. Sehr interessant sind auch einmal mehr die Gesetze, die selbstverständlich auf der Seite der Schüler stehen. Obwohl im Prinzip jeder weiß wer für den absoluten Terror zuständig ist, sind den Behörden die Hände gebunden. Es sind die Lehrer die mit Sanktionen rechnen müssen, was bei den Handlungen der Schüler wie ein schlechter Witz erscheint.

Wie dem aber auch sei, "Die Klasse von 1984" zeigt ein düsteres und sehr atmosphärisch umgesetztes Szenario, in dem eskalierende Gewalt und vollkommen willkürlich entstehender Hass im Fokus der Ereignisse stehen. Was in der ersten Stunde des Filmes schon äußerst drastisch und hart in Szene gesetzt wurde, erreicht seinen absoluten Höhepunkt im letzten Drittel, denn zu diesem Zeitpunkt entlädt sich eine Gewaltspirale, die durch nichts und niemanden mehr aufzuhalten ist. Die dabei entstandenen Bilder gehen einem streckenweise wirklich unter die Haut und hinterlassen einen extrem bitteren Beigeschmack. Was damals noch wie eine nicht für möglich gehaltene Version der Zukunft gehalten wurde, ist ja mittlerweile an der normalen Tagesordnung, weshalb diese Mischung aus Actionfilm-und Drama auch aktueller denn je erscheint.


Fazit:


"Die Klasse von 1984" hat aus meiner Sicht etwas absolut visionäres an sich und ist seiner Zeit um Einiges voraus. Ohne jegliche Kompromisse stellt Lester die sinnlose Gewalt und brennenden Hass in den Mittelpunkt seiner Geschichte und hat dies zudem auch mit einigen expliziten Gewaltdarstellungen untermalt, die absolut perfekt in das raue Szenario hineinpassen. Auch heute noch handelt es sich hier um ein äußerst sehenswertes Stück Film, das einen zudem auch sehr nachdenklich stimmt.


9/10

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