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Freitag, 14. Februar 2014

Un Bianco vestito per Mariale









Un Bianco vestito per Marialé
(Un Bianco vestito per Marialé)
mit Ida Galli, Ivan Rassimov, Luigi Pistilli, Pilar Velázquez, Ezio Marano, Giancarlo Bonuglia, Gianni Dei, Bruno Boschett, Franco Calogero, Gengher Gatti, Edilio Kim, Carla Mancini, Shawn Robinson
Regie: Romano Scavolini
Drehbuch: Remigio Del Grosso / Giuseppe Mangione
Kamera: Romano Scavolini
Musik: Fiorenzo Carpi / Bruno Nicolai
ungeprüft
Italien / 1972

Als Kind muss Marialé gar Schreckliches erleben: Ihr Vater erwischt ihre Mutter inflagranti bei einem außerehelichen Techtelmechtel und reicht darauf per Schusswaffe die Scheidung ein. Jahre später ist aus der traumatisierten kleinen Marialé eine erwachsene Frau geworden. Fast ohne Kontakt zur Außenwelt verbringt sie ihr Leben im düsteren Schloss ihres argwöhnischen Ehemannes. Eines Tages jedoch beschließt Marialé, einige Freunde übers Wochenende einzuladen. Doch als die dekadente Party sich in eine zügellose Orgie verwandelt, geschieht der erste grausame Mord. Und das ist nur der Auftakt zu einem scharlachroten Blutbad von epischer Eleganz...


Schon die Anfangssequenz dieses großartigen Filmes deutet eindeutig darauf hin, das der Zuschauer es mit einem Werk voller Ästhetik und kraftvollen Bildern zu tun bekommt. Gleichzeitig erkennt man nach einer relativ kurzen Zeitspanne, das "Un Bianco vestito per Marialé" von Romano Scavolini nicht zu den ansonsten üblichen Vertretern des italienischen Giallis zu zählen ist, sondern viel eher eine kleine Ausnahmestellung einnimmt. Dies ergibt sich schon allein durch die Erzählweise der hier dargestellten Ereignisse, denn die eigentliche Mordserie die bei dieser Art Film immer im Vordergrund steht, nimmt hier eher eine beiläufige Rolle ein und startet auch erst, nachdem schon gut zwei Drittel der Geschichte erzählt wurden. Zeitlich beginnt das Szenario mit einer in der Vergangenheit angesiedelten Passage, in der einem das grausame Erlebnis der kleinen Mariale näher gebracht wird die hilflos mit ansehen muss, wie ihr Vater zuerst seine Ehefrau und deren Geliebten und danach sich selbst erschießt. Auf diesem traumatischen Erlebnis baut sich dann auch die gesamte Story auf, wobei die wichtigen Zusammenhänge des Ganzen erst mit mit der Zeit immer klarer in den Vordergrund treten. Nun handelt es sich hier nicht um den typischen Giallo, in dem die Suche nach der Identität des Killers und dessen Motivlage im Fokus stehen, denn schon beim durchlesen der Inhaltsangabe kann der geneigte Fan durchaus erkennen, auf welche Lösung das Ganze am Ende hinausläuft, doch dieser Aspekt ist auch längst nicht das Wichtigste in dieser extrem gelungenen Genre-Mixtur.

Bevor sich nämlich die eigentlichen Thriller-Elemente so richtig zu erkennen geben vergeht eine geraume Zeit, in der sich dem Betrachter ein teils bizarres Geschehen präsentiert, das in erster Linie durch seine fantastischen Bilder überzeugt. Der Schauplatz des abgelegenen Schlosses vermittelt einem dabei einen Hauch von Gothic-Flair, das im Zusammenspiel mit einer ausartenden Orgie eine Grundstimmung vermittelt, die man nur schwerlich in Worte fassen kann. Auch die vollkommen verschiedenen Charaktere der anwesenden Gruppe geben einem zunächst einige Rätsel auf, kann man diese doch nur schwerlich einordnen. Obwohl eigentlich alle miteinander bekannt-und scheinbar sogar befreundet sind, kommt es untereinander zu immer stärkeren Spannungen und mit zunehmender Laufzeit kann man regelrecht spüren, das sich innerhalb der Gruppe nahendes Unheil ankündigt. Als dieses dann auch in Erscheinung tritt nehmen die Ereignisse ihren Lauf und es entwickelt sich eine Gewaltspirale, die anscheinend durch nichts mehr aufzuhalten ist. Die zu Beginn noch fröhliche und ausufernde Stimmung weicht dem nackten Entsetzen, als einer nach dem anderen auf brutalste Art und Weise das Zeitliche segnet, bis es am Ende zu einem unvermeidlichen Showdown kommt, der zwar keineswegs überraschend, aber absolut passend einen mehr als stimmigen Gesamteindruck abrundet, der sich mit der Zeit ergeben hat.

Eine ganz große Stärke dieses außergewöhnlichen Genre-Beitrags ist sicherlich der hervorragende Cast, in dem insbesondere Ida Galli und Ivan Rassimov absolut glänzen können. Nun wäre es jedoch ungerecht nur diese beiden grandios agierenden Darsteller zu würdigen, denn die gesamte Darsteller-Riege überzeugt durch sehr viel Spielfreude und Ausdruckskraft, so das man das Schauspiel ganz generell als absolut hervorragend bezeichnen kann. Ein weiteres Plus ist dann ganz eindeutig der brillante Score der Geschichte, denn die musikalische Untermalung von Fiorenzo Carpi und Bruno Nicolai ist eine Labsal für die Ohren und ist in sämtlichen Passagen des Filmes nahezu perfekt ausgewählt, um die jeweiligen Einstellungen hervorzuheben. So ergibt sich dann auch eine brillante Gesamt-Komposition, die "Un Bianco vestito per Marialé" eine Ausnahmestellung im Sub-Genre verleiht und ihn von etlichen anderen Vertretern wohlwollend abhebt. Hauptsächlich verantwortlich ist dafür der aufkommende Bilderrausch in den der Betrachter größtenteils sogartig hinein gezogen wird, denn es ist doch so gut wie unmöglich, sich dessen faszinierender Kraft zu entziehen. Die unglaublich ästhetischen Aufnahmen in Verbindung mit dem herausragenden Schauspiel der Akteure versetzen einen dabei fast schon in einen ekstatischen Zustand, den man erst viel später wieder ablegen kann.

Und so ist "Un Bianco vestito per Marialé" alles andere als ein handelsüblicher Genre-Vertreter, sondern vielmehr ein grandioses Kunstwerk, an dem man sich regelrecht berauschen kann. Die Veröffentlichung von Camera Obscura ist dabei als absolut gelungen zu bezeichnen, liegt diese Filmperle doch in bestechender Bildqualität vor und beinhaltet zudem auch noch absolut lohnenswerte Extras, so das letztendlich ein Gesamtpaket vorliegt, das jedem Liebhaber das Herz im Leibe höher schlagen lässt. Im Gegensatz zu etlichen anderen Genre-Vertretern wird hier ein eher ungewöhnlicher Weg gegangen, was aber keinesfalls als negative Kritik aufzufassen ist, sondern die Ausnahmestellung dieser brillanten Veröffentlichung noch einmal zusätzlich hervorhebt. Romano Scavolini hat hier wirklich ein Fest für Augen und Ohren geschaffen das meiner persönlichen Meinung nach ohne Weiteres als zeitloser Klassiker des Cinema Italiano bezeichnet werden muss und jederzeit zu einer neuerlichen Sichtung einlädt. Einziger kleiner Wermutstropfen ist eventuell der Aspekt, das dieses Werk nur in italienischer Sprache mit deutschen und englischen Untertiteln vorliegt, doch diesen Punkt nimmt man bei der vorhandenen Klasse sehr gern in Kauf.


Fazit:


"Un Bianco vestito per Marialé" erzählt eine Geschichte, die den Zuschauer in einen wahren Rausch der Gefühle versetzt, der durch brillant agierende Darsteller, kräftige Bilder und einen äußerst stimmigen Score noch zusätzlich unterstützt wird. Es ist unmöglich sich der Faszination des Filmes zu entziehen, der sich doch so wohlwollend von anderen Giallis abhebt und ein nahezu perfektes Film-Erlebnis darbietet, das man sich in regelmäßigen Abständen immer wieder gern anschaut.


9/10

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