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Freitag, 7. März 2014

Antisocial









Antisocial
(Antisocial)
mit Michelle Mylett, Cody Ray Thompson, Adam Christie, Ana Alic, Romaine Waite, Ry Barrett, Eitan Shalmon, Laurel Brandes, Kate Vokral, Charlie Hamilton, Colin Murphy, Kirill Belousov, Leepy Hajra
Regie: Cody Calahan
Drehbuch: Chad Archibald / Cody Calahan
Kamera: Jeff Maher
Musik: Steph Copeland
keine Jugendfreigabe
Kanada / 2013

Es sollte eine ausgelassene Neujahrsparty werden. Doch es endet in einem Albtraum aus Blut und Tod. Während fünf Freunde sich auf die Party des Jahres vorbereiten, versinkt die Welt plötzlich im Chaos. Rasend schnell breitet sich ein Virus aus, der die Menschen in mörderische Amokläufer verwandelt. Jeder könnte der Nächste sein – niemand ist sicher! Auch nicht die fünf Freunde, die sich schutzsuchend im Haus verbarrikadieren. Bald kristallisiert sich der Übertragungsweg des Virus heraus: Es sind die sozialen Netzwerke!


Im ersten Moment dürfte man beim lesen der Inhaltsangabe dieses Filmes nicht unbedingt vom Hocker rutschen, denn das die Menschheit von einem Virus befallen wird und sich die Personen in rasende Bestien verwandeln, dürfte längst keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorlocken. Der erste Eindruck täuscht hier aber durchaus, denn Cody Calahan hat seine erste Regiearbeit zwar generell mit den üblichen Zutaten versehen, lässt die Ereignisse aber dennoch in einem anderen Licht erscheinen. Bleibt man zunächst einmal im Dunkeln über die Ursache des plötzlichen Ausbruchs und kann sich eigentlich nur darüber wundern warum das Virus so dermaßen schnell um sich greift, so werden dem Zuschauer mit zunehmender Laufzeit immer mehr Indizien serviert, die in eine ganz bestimmte Richtung abzielen. Zuerst einmal verwirft man allerdings die eigenen Vermutungen, erscheint die im eigenen Kopf entstehende Idee doch viel zu abwegig und absurd. Doch ganz egal, wie hanebüchen einem die Intension des Regisseurs auch erscheinen mag, die Umsetzung der Geschichte hat eine solch faszinierende Ausstrahlung, das man jede einzelne Einstellung dieses kleinen, aber sehr fiesen Horrorfilmes regelrecht aufsaugt. Wenn ansonsten immer diverse Krankheiten oder Bakterien in anderen Genre-Vertretern die Menschen verwandeln und zu rasenden Bestien machen, ist in diesem Fall eine der größten Errungenschaften der Neuzeit dafür verantwortlich, das die Erde ganz offenbar dem Untergang geweiht ist.

Zum größten Teil beschert Calahan dem Betrachter ein intensives Kammerspiel mit fünf Protagonisten, denn der Schauplatz eines Großteils des Geschehens spielt sich lediglich in dem Haus ab, in dem eine Gruppe von Freunden eine Party steigen lassen wollen. Über die Zustände außerhalb des Gebäudes wird man in erster Linie nur durch Nachrichten informiert, die über die immer stärker ansteigende Gewalt in den Straßen berichten. Durch diese Sichtweise der Dinge entsteht eine äußerst ausgeprägte Beklemmung, die auch vor einem selbst nicht halt macht und wie eine zentnerschwere Last auf die Schultern legt. Gelegentliche Versuche einiger Infizierter in das Haus einzubrechen verstärken dieses Gefühl immens und obwohl es sich um einen räumlich extrem begrenzten Schauplatz handelt, entfaltet sich eine waschechte Weltuntergangsstimmung, die einem kalte Schauer über den Rücken jagt. Das sich der ausgebrochene Virus natürlich auch im Haus bemerkbar macht kann sich ein jeder denken und wenn man erst einmal den Auslöser für das apokalyptische Szenario kennt, erscheint dieser Umstand auch absolut logisch. Die zuvor schon entstandene klaustrophobische Note des Ganzen verstärkt sich nun umso mehr und die Gefahr für die Eingeschlossenen nimmt nun auch konkrete Konturen an. An dieser Stelle muss man dem Regie-Neuling Calahan mal ein großes Kompliment machen, denn ganz egal ob man seine Grundidee als innovativ oder aber absurd ansieht, der gute Mann hat seiner Geschichte einen dramaturgischen Spannungsaufbau verliehen, der sich wirklich sehen lassen kann.

Dabei kommt die Erzählung in der ersten Stunde hauptsächlich über die psychische Schiene und verzichtet fast gänzlich auf explizite Gewaltdarstellungen. Dieser Umstand ändert sich im letzten Drittel des Filmes jedoch schlagartig, denn nun halten auch diverse blutige Einstellungen und ein sehenswerter Härtegrad Einzug in die Ereignisse. Einige Stellen fallen dabei richtiggehend derbe aus, so das einen der Umschwung phasenweise mit unglaublicher Wucht in die Eingeweide trifft. Es ist gerade diese gelungene Mischung aus psychischer-und visueller Härte, die an dieser Stelle für ein Höchstmaß an Intensität sorgt, wodurch Calahan ein ganz feines Händchen erkennen lässt wenn es darum geht, den Betrachter wirklich zu schocken. Sicherlich wird nicht jeder das so sehen und manch einer wird "Antisocial" eventuell gar nicht mögen, doch hinter dieser feinen kanadischen Produktion versteckt sich meiner persönlichen Meinung nach eine echte Genre-Perle, die an Fiesheit schwer zu überbieten ist. Zudem beinhaltet die Geschichte mit der Ursache für den Ausbruchs des Virus eine zwar nicht sonderlich glaubwürdige, aber in meinen Augen innovative Idee, die sich äußerst wohlwollend vom sonstigen Einheitsbrei abhebt.

Auch die eher unbekannten Darsteller liefern hier durch die Bank einen ordentlichen Job ab, ohne das man jedoch oscarreife Leistungen erwarten sollte. Zum Ende hin bekommt man zwar diverse nicht unbedingt logisch erscheinende Handlungsabläufe zu sehen, die aber wenn man sich mit der Idee des Regisseurs anfreunden kann durchaus einen Sinn ergeben. So wird beispielsweise kurz vor Schluss eine eventuelle Heilungsmethode in den Raum geworfen, die auch beim Zuschauer ein klein wenig Hoffnung auf ein gutes Ende schürt. Ein Happy End wäre aber absolut deplaciert gewesen und daran hat Gott sei Dank auch Mr. Calahan gedacht, so das "Antisocial" mit einem Showdown versehen wurde, den der Film auch wirklich verdient. Und so bleibt letztendlich ein Horrorfilm, der eine altbewährte Thematik einmal etwas aufpeppt und diverse Dinge nicht nach dem typischen 08/15 Modus erzählt. Zugegebenermaßen erscheinen die Erklärungen für den Ausbruch der Seuche jenseits der Realität angesiedelt, biten aber definitiv einmal etwas anderes, was mir ausgesprochen gut gefallen hat. Wer sich nicht damit anfreunden kann wird sicherlich enttäuscht sein, doch wer auch abwegigen Möglichkeiten offen gegenüber steht, der wird mit einer Geschichte belohnt, die auf jeden Fall eine frische Brise verströmt. Mir hat diese auf den ersten Blick eher unscheinbare Produktion äußerst gut gefallen und ich kann an dieser Stelle auch nur von einem echten Geheim-Tipp sprechen, der ganz bestimmt eine größere Fan-Base finden wird, als es ihm viele Leute zutrauen.


Fazit:


"Antisocial" bietet eine Menge an altbewährten Zutaten, fügt diesen aber eine vollkommen neue Note bei und bezieht daraus seinen ganz besonderen Reiz. Die Kombination aus intensivem Kamnmerspiel und fast schon brachialer Härte im letzten Drittel verfehlt das Geschehen keinesfalls die gewünschte Wirkung beim Betrachter, der hier durchgehend unter Strom und Anspannung steht


8/10

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