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Samstag, 8. März 2014

Das Schweigen der Lämmer









Das Schweigen der Lämmer
(The Silence of the Lambs)
mit Jodie Foster, Lawrence A. Bonney, Anthony Hopkins, Kasi Lemmons, Lawrence T. Wrentz, Scott Glenn, Anthony Heald, Frankie Faison, Don Brockett, Frank Seals Jr., Stuart Rudin, Ted Levine, Brooke Smith
Regie: Jonathan Demme
Drehbuch: Thomas Harris / Ted Tally
Kamera: Tak Fujimoto
Musik: Howard Shore
FSK 16
USA / 1991

Die junge FBI-Agentin Clarice Starling wird auf den inhaftierten Psychiater und Killer Hannibal Lecter angesetzt, der seine Opfer mitunter zu verspeisen pflegt. Er ist bereit, Hinweise auf den Serienkiller "Buffalo Bill" zu geben, wenn Clarice ihm die Geheimnisse ihrer Kindheit anvertraut. Die Lage spitzt sich dramatisch zu, als "Buffalo Bill", so genannt, weil er seine Opfer teilweise häutet, die Tochter einer Senatorin entführt. Zudem gelingt Lecter der spektakuläre Ausbruch aus dem Gefängnis. Während das FBI einer falschen Fährte Lecters folgt, trifft Clarice nach einem Hinweis von Lecter auf Buffalo Bill. In den finsteren Räumen seines Kellers kommt es zum entscheidenden Duell.


Es gibt genügend Klassiker in der großen Filmwelt, doch bei manch einem von ihnen kommt dieser erreichte Status doch eher vollkommen überraschend. Als 1991 Jonathan Demme's "Das Schweigen der Lämmer" erschien ahnte wohl noch niemand, das es sich hier um einen der besten Filme seiner Art handelt, denn nur selten bekommt man als Zuschauer einen Film mit Serienkiller-Thematik präsentiert, der so dermaßen nachhaltig im Gedächtnis bleibt, wie es in vorliegendem Szenario der Fall ist. Basierend auf der Romanvorlage von Thomas Harris offenbart sich hier die zweite Geschichte, in der es um den Psychater Hannibal Lecter geht, der auch als Hannibal der Kannibale bekannt ist. Der Erfolg des Werkes ist umso erstaunlicher, da Michael Mann's "Manhunter" seinerzeit ein finanzieller Flop war und recht wenig Anklang beim Publikum fand und dieser Umstand änderte sich auch erst, als mit der Neuauflage "Roter Drache" eine bessere filmische Umsetzung des ersten Teils präsentiert wurde. Den wohl größten Anteil am heutigen Kultstatus verdankt "Das Schweigen der Lämmer" sicherlich dem herausragenden Schauspiel seiner beiden Hauptdarsteller, denn mit Anthony Hopkins und Jodie Foster sind hier zwei brillant agierende Akteure am Werk, die dem Geschehen ganz eindeutig ihren persönlichen Stempel aufdrücken. So ist es dann auch in der Hauptsache die fast schon bizarre Beziehung die sich zwischen den beiden aufbaut, die den Betrachter absolut in ihren magischen Bann zieht. Einerseits die noch unsichere und in der Ausbildung steckende FBI-Agentin, der gegenüber mit dem kultivierten und hochintelligenten Psychater ein scheinbar intellektuell weit überlegener Gegner gegenüber steht, der auch durchaus dazu in der Lage ist, sein Gegenüber in seinem Sinne zu manipulieren. Aus diesem scheinbar psychisch ungleichen Duell bezieht der Film enorm viel Stärke und Kraft und die eigentliche Suche nach dem Serienkiller "Buffalo Bill" gerät phasenweise etwas in den Hintergrund.

Jonathan Demme ist es allerdings hervorragend gelungen, die beiden Erzählstränge miteinander zu verbinden, so das sich letztendlich eine Story aufzeigt, die durchgehend extrem spannend-und unglaublich atmosphärisch erscheint. Dabei wurde auf das Einfügen expliziter Gewalt-Szenen im Prinzip gänzlich verzichtet und ähnlich wie in David Fincher's Meisterwerk "Sieben" beziehen die Abläufe ihre enorme Härte aus Andeutungen und Dialogen, in denen sich die Protagonisten über die Taten des Killers auslassen. Einmal mehr ist so die Vorstellungskraft des Zuschauers gefragt, der als einzige visuelle Härte einige der toten Opfer zu sehen bekommt, wobei die eigentlichen Taten sich nicht im Bild zu erkennen geben. Einzige Ausnahme ist hier eine Passage mit Anthony Hopkins, als er sich aus seiner Haft befreien kann und dabei seine beiden Wärter tötet. Aber auch hier sind lediglich brutale Ansätze zu erkennen und der Rest spielt sich ausschließlich in der eigenen Fantasie ab, wobei die die dabei entstehende-und äußerst intensive Wirkung keinesfalls unterschätzt werden sollte. Auch "Das Schweigen der Lämmer" ist definitiv zu den Filmen zu zählen, die trotz fehlender visueller härte unendlich brutal und intensiv erscheinen, wobei die Geschehnisse einem extrem unter die Haut fahren und dabei ein teils sogar verstörendes Gefühl hinterlassen. Demme ist es grandios gelungen, mit seiner Erzählweise der Ereignisse tief in die Psyche des Betrachters einzudringen und ihn fast schon zu einem Spielball der grausamen Geschehnisse zu machen, das einen immer tiefer in seinen Sog zieht. Dabei sind es insbesondere die Phasen in denen sich zwischen Starling und Lecter eine fast freundschaftliche Beziehung voller gegenseitigem Respekt entwickelt die einen mit Gänsehaut überziehen, denn irgendwie erscheint das Ganze aufgrund der vollkommen unterschiedlichen Charaktere schon fast makaber.

Doch auch die Suche nach dem Killer der seine Opfer häutet gestaltet sich jederzeit interessant und extrem spannend, wobei man an dieser Stelle auch einmal Ted Levine lobend erwähnen sollte, der in der Figur des offensichtlich gestörten Mörders eine absolut beeindruckende Performance an den Tag legt. Wenn überhaupt einer der Haupt-Charaktere ein wenig zu kurz kommt, dann ist es der FBI-Chef Jack Crawford, der zwar von Scott Glenn erstklassig dargestellt wird, aber leider etwas zu wenig Gewichtung im Gesamtwerk erhält und so nicht über den Status einer sehr gelungenen Nebenrolle hinauskommt. Hier handelt es sich aber lediglich um eine kleine Kritik in einem auf unglaublich hohem Niveau angesiedelten Film, der sämtliche vorhandenen Zutaten perfekt miteinander vermischt und so ein überragendes Gesamtwerk darstellt, das auch nach mehrmaliger Sichtung zu keiner Zeit etwas von seiner Faszination einbüßt. Von sämtlichen Filmen die sich mit der Figur des Hannibal Lecter befassen ist "das Schweigen der Lämmer" der mit Abstand stärkste Vertreter und meiner persönlichen Meinung nach als absolutes Meisterwerk anzusehen. Mit einer anderen Besetzung in den prägenden Rollen hätte dies wahrscheinlich ganz anders ausgesehen, doch eine spielfreudige-und brillante Jodie Foster sowie ein alles überragender Anthony Hopkins sorgen dafür, das man diesen Meilenstein des Thriller-Genres auf ewig im Gedächtnis hat.

Wo Michael Mann mit "Manhunter" fast schon kläglich scheiterte, setzt Jonathan Demme ein wahres Denkmal und sorgte gleichzeitig dafür, das durch die Präsenz eines Anthony Hopkins noch drei weitere Verfilmungen folgen sollten, von denen jedoch an anderer Stelle zu reden ist. Eher selten wird eine Filmfigur so sehr mit ihrem Darsteller verknüpft wie es in den Hannibal-Werken der Fall ist, worin sicherlich auch der Hauptgrund dafür zu suchen ist, das die Filme "Manhunter" und "Hannibal Rising" von vielen Fans nicht so wirklich angenommen wurden. Lecter ist nun einmal Hopkins oder auch umgekehrt und kein anderer Schauspieler ist dazu in der Lage, den kannibalistischen Psychater mit einer solchen Darstellungskraft und Inbrunst zu spielen. Das führt auch zwangsläufig dazu, das man diese Figur trotz ihrer begangenen Taten richtiggehend in sein Herz schließt, denn trotz der furchtbaren Veranlagung lässt sie auch jederzeit Witz, Charme und Kultiviertheit erkennen, was ihr beim Zuschauer unendlich viele Sympathiepunkte sichert. Und so nimmt Demme's Film vollkommen berechtigt seinen Platz unter den absoluten Größen des Genres ein, den ihm wohl so schnell auch niemand streitig machen wird.


Fazit:


Kaum visuelle Härte und dennoch ungemein brutal, so kann man wohl am besten die Wirkung dieses Meisterwerkes bezeichnen, das in erster Linie über die psychische Schiene beim Zuschauer ankommt. Herausragend agierende Darsteller, eine bizarre Beziehung zwischen FBI-Agentin und Serienkiller, sowie eine ungemein spannende Geschichte ergeben beim Betrachter einen Gesamteindruck, der schlicht und ergreifend als phänomenal zu bezeichnen ist.


10/10

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