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Dienstag, 29. April 2014

Der Rattengott









Der Rattengott
(Izbavitelj)
mit Ivica Vidovic, Mirjana Majurec, Relja Basic, Fabijan Sovagovic, Ilija Ivezic, Branko Spoljar, Petar Dobric, Edo Perocevic, Ana Hercigonja, Zvonimir Ferencic, Boris Festini, Zdenka Trach, Mirko Boman
Regie: Krsto Papic
Drehbuch: Ivo Bresan / Krsto Papic / Zoran Tadic
Kamera: Ivica Rajkovic
Musik: Branislav Zivkovic
ungeprüft
Jugoslawien /1976

Nach dem Ersten Weltkrieg befindet sich die Welt in einer schweren Wirtschaftskrise. Ivan Gajski, der talentierte aber dennoch erfolglose Autor, verkauft auf dem Marktplatz seine letzten Bücher und lernt dort Sonja kennen, die hübsche Tochter des Professor Boskovic. Als Ivan seine Bleibe verliert sucht er als Nachtquartier die verlassene Zentralbank auf, in der sich nachts opulente Orgien der feinen Gesellschaft abspielen - so scheint es jedenfalls auf den ersten Blick. Was Ivan noch nicht weiß, die Gestalten erwecken nur den Anschein Menschen zu sein. Es sind Ratten, die die Welt untergraben und in den Abgrund stürzen wollen. Zusammen mit dem Professor versuchen sie die Invasion der Ratten aufzuhalten.


Das ehemalige Jugoslawien zählt nun nicht gerade zu den Ländern die für Horrorfilme bekannt sind. Umso schöner ist die Tatsache, das nun mit "Der Rattengott" endlich ein Werk auf DVD erschienen ist, das bisher lediglich in ganz wenigen Ländern auf VHS erhältlich war. Basierend auf der Novelle "Der Rattenfänger" von Alexander Grin erzählt Regisseur Krsto Papic eine wahrlich phantastische Geschichte über menschliche Ratten die nichts anderes im Sinn haben, als die Weltherrschaft zu übernehmen. Dabei lässt die Story durchaus Ähnlichkeiten zu Don Siegel's Klassiker "Die Dämonischen" erkennen, denn auch hier wird man mit äußerlich identischen Duplikaten von Menschen konfrontiert. Nun zeichnet sich das Werk zwar nicht unbedingt durch sonderlich viel Innovation aus und das Geschehen ist sogar in großen Teilen extrem vorhersehbar, doch mindert dieser Aspekt keinesfalls die Klasse eines Filmes, der in erster Linie von seiner erstklassigen Atmosphäre getragen wird. Diese ist nämlich durchgehend ziemlich düster gehalten und offenbart dem Zuschauer gleichzeitig ein Höchstmaß an Tristesse-und Trostlosigkeit, die allein schon durch die vorherrschende Wirtschaftskrise zum Ausdruck gebracht wird.

Gleichzeitig ist auch die Optik des Ganzen so gehalten, das einen ein starkes Gefühl der Beklemmung überfällt und wie ein bleierner Mantel auf die eigenen Schultern legt. Die Schauplätze erscheinen karg und kalt und diverse Lichtblicke in Form von Sonnenschein oder Ähnlichem sucht man vergebens. Dadurch erhält die Geschichte ihre ganz spezielle Grundstimmung die den Betrachter von der ersten Minute an in Beschlag nimmt und dabei eine fast schon deprimierende Wirkung hinterlässt. Diese Stimmung ist sicherlich als eine der ganz großen Stärken des Filmes anzusehen, der aber auch mit einer Darsteller-Riege aufwarten kann, die keinerlei Grund zur negativen Kritik bietet. Sämtliche Schauspieler liefern eine tolle Performance ab, wobei man Hauptdarsteller Ivica Vidovic dennoch besonders hervorheben sollte, der in der Rolle des Ivan Gajski eine beeindruckende-und absolut überzeugende Leistung abliefert. Diese beiden sehr positiven Aspekte der Geschichte trösten dann auch durchaus darüber hinweg, das sich durch die Vorhersehbarkeit der Ereignisse keine allzu große Spannung aufbaut, denn erfahrenen Genre-Fans wird es nicht sonderlich schwer fallen, die jeweiligen Abläufe vorher zu sehen. Mir persönlich hat das jedoch überhaupt nichts ausgemacht, denn "Der Rattengott" lebt nun einmal in erster Linie von seiner äußerst atmosphärischen Inszenierung und den guten Darstellern und hat in dieser Beziehung auch eine ganze Menge zu bieten.

Freunden des Tierhorrors hingegen wird nicht allzu viel geboten, denn bis auf einige eher kurze Momente hält sich die Geschichte bei diesem Aspekt eher vornehm zurück. Nur selten bekommt man die Kreuzungen aus Ratte und Mensch im Bild präsentiert und auch in Sachen Härte hält man sich sehr bedeckt. Aus heutiger Sicht erscheint deswegen auch vor allem die hohe Alterseinstufung wie ein mittelschwerer Witz, denn eine 16er Freigabe wäre an dieser Stelle mehr als ausreichend gewesen. Für den geneigten Gorehound erscheint dieses Werk also vollkommen ungeeignet, wobei Liebhaber der atmosphärischen Gruselkost umso mehr auf ihre Kosten kommen dürften. Für mich persönlich handelt es sich bei "Der Rattengott" um eine echte Perle des Genres und man kann es nur begrüßen, das dieser fantastische Film nun auch endlich auf DVD erschienen ist und zudem auch in einer wirklich guten Qualität vorliegt.

Krsto Papic hat hier einen Film geschaffen der ganz bestimmt nicht jeden Geschmack treffen wird. Gerade die jüngere Generation dürfte nur bedingt etwas mit dieser Geschichte anfangen können, in der Brutalität und unzählige SFX definitiv nicht vorhanden sind. Dafür präsentiert sich jedoch ein herrlich atmosphärischer Gruselfilm mit märchenhaften Zügen, der mit einer Lauflänge von gut 75 Minuten auch dafür Sorge trägt, das sich durchgehend unterhaltsame Filmkost offenbart, an der man seine helle Freude haben kann.


Fazit:


Es ist doch immer wieder erstaunlich auf welche echten Perlen man trifft, die einem bisher völlig unbekannt waren. "Der Rattengott" fällt ganz eindeutig in diese Kategorie und dürfte insbesondere für Liebhaber der etwas ruhigeren Horrorkost einen Blick wert sein. Ein bisher eher unbekanntes Juwel des Genres das jede Menge Qualität beinhaltet, auch wenn die Geschichte durchaus vorhersehbar daher kommt.


8/10

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