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Sonntag, 13. April 2014

Tödliches Spiel - Would you Rather?









Tödliches Spiel - Would You Rather?
(Would You Rather?)
mit Brittany Snow, Jeffrey Combs, Jonny Coyne, Lawrence Gilliard Jr., Enver Gjokaj, Sasha Grey, John Heard, Charlie Hofheimer, Logan Miller, June Squibb, Eddie Steeples, Robin Taylor, Robb Wells
Regie: David Guy Levy
Drehbuch: Steffen Schlachtenhaufen
Kamera: Steven Capitano Calitri
Musik: Daniel Hunt / Barði Jóhannsson
keine Jugendfreigabe
USA / 2012

"Would You Rather" ... ein im englischsprachigen Raum beliebtes Partyspiel, bei dem man zwischen zwei Optionen zu wählen hat. Die junge Iris (Brittany Snow, "Syrup") wird gebeten, an einer Variante des Spiels teilzunehmen. Falls sie gewinnt, winkt ihr die Übernahme der Kosten für die Behandlung ihres an Leukämie erkrankten Bruders Raleigh (Logan Miller, "Arthur und die Minimoys 2"). Das Angebot dazu bekommt sie von dem vermeintlichen Philanthropen Shepard Lambrick (Jeffrey Combs, "Der Re-Animator"). Doch der aristrokratische Gutmensch entpuppt sich als perverser Sadist. Denn seine Spielart von "Would You Rather" ist für die meisten der Teilnehmer tödlich. Das Schöne für ihn dabei: Er selber muss sich die Finger gar nicht schmutzig machen; das erledigen die Teilnehmer schon alleine...


Und wieder einmal bekommt der Zuschauer einen Film präsentiert, der einen mit den Grenzen der eigenen Moral und sehr zwiespältigen Eindrücken konfrontiert. Dabei beginnt die Geschichte von David Guy Levy vielmehr wie ein ruhig erzähltes Drama, bevor sich das Szenario immer mehr zu einem herrlich intensiven Terror-Filmchen entwickelt, in dem unverhohlener Sadismus und die Freude am Leid anderer Menschen im Mittelpunkt stehen. Verantwortlich dafür zeichnet der allseits beliebte "Re-Animator Jeffrey Combs, der hier 8 Menschen unter der Vorspielung falscher Tatsachen zu einer Art Wettbewerb einlädt, in dem der Sieger reich belohnt werden soll. Laut eigener Interpretation möchte er lediglich die Beteiligten an ihre eigenen Grenzen heran führen, doch relativ schnell wird dem Betrachter klar, das vielmehr die eigenen sadistischen Gelüste des Mannes befriedigt werden sollen, der sich am Leid der Beteiligten regelrecht ergötzt. Es entwickelt sich ein ziemlich perfides Spiel, in dem zugegebenermaßen sämtlichen Leuten immer eine Wahl gelassen wird, doch die Alternativen der Entscheidungsmöglichkeiten sind nicht gerade das, was einem die Wahl leichter gestaltet.

Und so entpuppt sich immer mehr ein brutales Folter-Szenario, das gar nicht einmal durch den visuellen Härtegrad unter die Haut geht, es entsteht viel eher ein immenser psychischer Druck, den man auch als Zuschauer förmlich spüren kann. Zwangsläufig stellt man sich während des Filmes immer wieder selbst die Frage, wie man in der gegebenen Situation handeln würde und das ist gar nicht einmal so leicht zu beantworten. So stellt David Guy Levy auch teilweise wirklich hervorragend die Veränderung der jeweiligen Charaktere in den Vordergrund, denn die zu Beginn noch vorhandenen moralischen Bedenken verflüchtigen sich immer mehr. Mit der Zeit müssen nämlich selbst die kühnsten Optimisten feststellen das man hier andere eliminieren muss, um sich zumindest die Option zu erhalten, eventuell lebend dieser Hölle zu entkommen. Nun ist "Tödliches Spiel" kein Film, der einen Spannungsbogen im üblichen Sinne erkennen lässt, denn die Ereignisse sind vorhersehbar und selbst der Sieger des sogenannten Spiels ist äußerst leicht auszumachen. Die Geschichte bezieht ihre eigentliche Stärke vielmehr aus der Situation an sich in der sich die Protagonisten befinden, denn die schier aussichtslose Lage lässt doch ein stark beklemmendes Gefühl entstehen, das den Betrachter wie eine zweite Haut ummantelt.

Erschwerend kommt auch noch der Aspekt hinzu, das einige der Figuren wirklich sehr sympathisch dargestellt werden, so das man nicht umhin kommt, das Geschehen auch emotional zu verfolgen. Große Überraschungsmomente sollte man allerdings nicht unbedingt erwarten, dafür wird man aber mit einem spielfreudigen Jeffrey Combs konfrontiert, der die Rolle des Sadisten nahezu perfekt ausfüllt. Auch der enthaltene Härtegrad kann sich durchaus sehen lassen, zwar handelt es sich keinesfalls um ein echtes SFX-Spektakel, doch selbst die zumeist nur stattfindende Andeutung von Brutalität reicht vollkommen aus, um einen mit einer gepflegten Gänsehaut zu überziehen. Wenn man dann am Ende der Meinung ist das die Ereignisse zumindest für eine Person gut ausgehen hat der Regisseur noch einmal einen kleinen, aber sehr fiesen Schlusspunkt gesetzt, der einen mit einem äußerst bitteren-und tragischen Nachgeschmack aus einer Geschichte entlässt, die insbesondere von der psychischen Komponente her ziemlich harten Stoff darstellt.

Letztendlich ist "Tödliches Spiel - Would You Rather?" sicherlich kein Film der das Rad des Genres neu erfindet, doch handelt es sich um einen teils makaberen Horror-Thriller, der etliche Elemente des Terrorfilmes enthält. Moralische Grundsätze werden durchgehend in Frage gestellt und der Kampf um das nackte Überleben steht ganz eindeutig im Vordergrund. So ergibt sich wieder einmal ein intensiver Einblick in die Abgründe der menschlichen Seele den eigenen Überlebenswillen mehr als eindrucksvoll zum Ausdruck bringt. Andererseits offenbart sich gleichzeitig die sadistische Freude diverser Menschen am Leid anderer und dieser Aspekt wird von Jeffrey Combs nahezu perfekt in Szene gesetzt. So bekommt man also im Endeffekt eine nicht unbedingt innovative, dafür aber ungemein intensive Geschichte präsentiert, die einen auch im Nachhinein noch längere Zeit beschäftigt, bevor man wieder zur üblichen Tagesordnung übergehen kann.


Fazit:


Mit seiner zweiten Regiearbeit liefert David Guy Levy nichts ab, was man nicht schon einmal so oder in ähnlicher Form gesehen hätte. Dennoch kann man sich der grausamen Faszination der Abläufe nur schwerlich entziehen und verfolgt nahezu gebannt die Entscheidungen der handelnden Protagonisten. dabei schwebt immer unterschwellig die Frage mit wie man sich selbst in der gegebenen Situation verhalten würde, wobei die Antwort darauf im Prinzip nicht sonderlich schwer ist. Denn wer würde schon sein eigenes Leben aufs Spiel setzen um eine fremde Person vor dem Tod zu bewahren?


7,5/10

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