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Samstag, 19. April 2014

Tulpa









Tulpa - Dämonen der Begierde
(Tulpa - Perdizioni mortali)
mit Claudia Gerini, Michela Cescon, Ivan Franek, Nuot Arquint, Laurence Belgrave, Yohann Chopin, Pierpaolo Lovino, Michele Placido, Giorgia Sinicorni, Crisula Stafida, Ennio Tozzi
Regie: Federico Zampaglione
Drehbuch: Federico Zampaglione / Dardano Sacchetti
Kamera: Giuseppe Maio
Musik: Andrea Moscianese / Federico Zampaglione / Francesco Zampaglione
ungeprüft
Italien / 2012

Lisa ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau, die ein Doppelleben führt. Tagsüber wird sie von Kollegen respektiert, in der Nacht hingegen sucht sie den Kick im Sexclub Tulpa. Dort kann sie ihre devoten Sexfantasien ausleben. Ihr Leben gerät aus den Fugen, als ihre Liebhaber nacheinander umgebracht werden. Wer ist der geheimnisvolle Killer? Seine Morde sind grausam und sadistisch! Während die Polizei ermittelt, gerät Lisa immer mehr in Lebensgefahr.


Der Begriff Tulpa bezeichnet in der Tibetischen Mythologie eine Manifestation von Gedanken, die durch reine Willenskraft entsteht.


Nachdem Andreas Marschall 2011 mit seinem Film "Masks" eine deutsche Version des Argento-Klassikers "Suspiria" auf den Markt brachte, erscheint nun mit "Tulpa" endlich einmal wieder ein Neo-Gialli aus italienischen Landen, für den Regisseur Federico Zampaglione (Shadow - In der Gewalt des Bösen) verantwortlich zeichnet. Neben der oben erwähnten mythologischen Bedeutung handelt es sich hier gleichzeitig um den Namen eines ominösen Sex-Clubs, in dem Hauptfigur Lisa ihren sexuellen Fantasien nachgeht. Hilflos muss sie feststellen, das mit der Zeit jeder ihrer vielen Sex-Partner und später auch ihre Arbeitskollegen von einem behandschuhten Mörder auf grausamste Art und Weise getötet werden, ohne jedoch auch nur den leisesten Schimmer zu haben, in welcher Beziehung all die Morde mit ihrer Person stehen. Zampaglione spielt größtenteils recht gekonnt mit sämtlichen Versatzstücken des italienischen Gialli, wobei er seinem Szenario gleichzeitig einen fast mystischen Touch verleiht und esoterische Einflüsse verwendet, so das sich streckenweise eine doch etwas gewöhnungsbedürftige Mischung ergibt, die ganz sicher nicht alle Geschmäcker treffen wird. Audiovisuell kann "Tulpa" durchgehend überzeugen, vor allem die gelungene Kameraarbeit von Giuseppe Maio sei an dieser Stelle besonders erwähnt, denn gekonnte Kamerafahrten erinnern phasenweise schon an den klassischen Gialli der 70er und 80er Jahre. Dennoch kann der Film keinesfalls an die Klasse und das Niveau der echten Genre-Größen heran reichen, denn dafür ist ganz einfach das Drehbuch ein wenig zu schwach geraten. So erscheint einem der Plot dann auch an diversen Stellen etwas zu unausgegoren und unrund, diverse Passagen hinterlassen sogar einen ziemlich inhaltsleeren Eindruck beim Zuschauer, den des Öfteren das Gefühl überkommt, das man einige inhaltliche Passagen einfach nicht eingefügt hat.

So entsteht dann auf die Story bezogen ein eher etwas zwiespältiger Eindruck, denn die doch etwas ausgedünnte Rahmenhandlung dient wirklich nicht unbedingt dazu in wahre Begeisterungsstürme auszubrechen. Dennoch entwickelt sich eigentlich von beginn an ein durchaus gekonnter Spannungsaufbau, zudem ist auch mit dem ersten Mord ein visuell grandioser Einstieg in die Geschichte gelungen, wird man doch sofort mit brachialer Gewalt konfrontiert, die natürlich auch gewisse Begehrlichkeiten beim Betrachter auf den Plan ruft. Größtenteils werden diese dann auch erfüllt, denn in Sachen Härte ist "Tulpa" nicht gerade zimperlich ausgestattet und es gibt so manch blutige-und derbe Momente, die auch die Freunde der etwas deftigeren Genrekost zufriedenstellen dürften. Dennoch ist der erste Mord auch sogleich das visuelle Highlight des Szenarios, das trotz einem sehr ansehnlichen Härtegrades keine weitere Steigerung erkennen lässt, in dieser Beziehung jedoch weitaus mehr zu bieten hat, als man es aus den ansonsten üblichen Vertretern dieser Filmart her kennt. Gerade bei diesem Aspekt ist dann wohl auch am deutlichsten zu erkennen das es sich um einen Gialli der Neuzeit handelt, sind die heutigen Maßstäbe für blutige Szenen und Härte viel höher festzumachen als in der Hochzeit des Cinema Italiano. Andere Elemente wie beispielsweise die erstklassige Ausleuchtung der jeweiligen Schauplätze, oder auch die gelungene Farbgestaltung des Ganzen lassen einen schon ein wenig wehmütig in Erinnerungen schwellen, denn in dieser Beziehung schlägt Zampaglione ganz eindeutig in die Kerbe des klassischen Genre-Filmes, auch wenn die Brillanz eines Mario Bava oder des frühen Argento's nicht erreicht werden kann.

Auf jeden Fall aber handelt es sich um einen absolut sehenswerten Film und gerade in der heutigen Zeit ist man ja als Fan des italienischen Kinos für jeden neuen Beitrag dankbar, der auch nur annähernd an die Klasse vergangener Zeiten anknüpfen kann. Stellenweise gelingt das in vorliegendem Fall auch sehr gut, nur will sich leider zu keiner Zeit die wirklich extrem dichte Atmosphäre zu erkennen geben, die man aus etlichen anderen Genre-Vertretern her kennt. Es fehlt einfach an den wirklich dichten Momenten in denen einem eine gepflegte Gänsehaut über den Rücken läuft, denn dafür mangelt es dem Geschehen zu oft an der dafür nötigen Grundstimmung. Trotzdem offenbaren sich genügend bedrohliche Situationen die vor allem immer dann in Erscheinung treten, wenn sich einmal mehr das drohende Unheil in Form des Mörders ankündigt, der bei der Wahl seiner Tötungsmethoden auch einigermaßen variabel vorgeht, so das sich dem Zuschauer eine gewisse Vielfalt offenbart. Die Auflösung der ganzen Chose entpuppt sich dann gewissermaßen typisch für dieses Sub-Genre, denn ohne größere Begründung und Erklärung ist die Identität des Killers dann zwar eine kleinere Überraschung, doch verhält es sich ebenso wie in unzähligen anderen Genre-Kollegen vielmehr so, das hier ein Mörder förmlich aus dem Hut gezaubert wird, auf den man im Leben nicht getippt hätte. Mangelnde Erklärungsversuche und generelle Fehler in der Logik einiger Abläufe trüben dann auch ein wenig das Film-Vergnügen, das sich aber trotz diverser Defizite durchaus noch oberhalb des normalen Durchschnitts ansiedelt.

Letztendlich ist Federico Zampaglione mit "Tulpa" ein absolut sehenswerter Neo-Gialli gelungen, der trotz einiger Mankos gute bis sehr gute Genrekost anbietet und so für Liebhaber dieser Film-Gattung jederzeit sehenswert erscheint. Trotzdem wird längst nicht jeder seine Freude an diesem stellenweise etwas bizarr erscheinenden Film haben, der zwar sämtliche notwendigen Zutaten beinhaltet, aber dennoch nicht auf ganzer Linie überzeugen kann. Die ganz großen Werke des italienischen Gialli werden definitiv nicht berührt und behalten so auf jeden Fall ihre Ausnahmestellung, doch gibt es auch unzählige weitaus schlechter Filme dieser Machart, die noch nicht einmal halb so gut gemacht sind wie "Tulpa". Natürlich kommt es auch in diesem Fall einmal mehr auf die persönliche Sichtweise der Dinge an, doch mich selbst hat der Film bis auf kleinere Schwächen richtig gut unterhalten, wobei ich mir im Prinzip lediglich eine etwas stimmigere Geschichte gewünscht hätte, denn so einige Logiklöcher hätte man sicherlich durchaus vermeiden können. Ansonsten aber handelt es sich insbesondere um einen sehr blutigen-und stellenweise derben Gialli, der durch einen guten und passenden Soundtrack untermalt wird.


Fazit:


In der heutigen Zeit der bluttriefenden-und übermäßig harten Horrorfilme ist es immer wieder schön, wenn dann doch einmal ein Regisseur den Mut aufbringt, einem fast in Vergessenheit geratenen Sub-Genre etwas frisches Blut zu verleihen. Und genau das hat Federico Zampaglione mit seinem Beitrag "Tulpa" auch getan, der zwar keinesfalls fehlerfrei, aber doch als überdurchschnittlich gute Filmkost daher kommt und Liebhabern des Genres eine Menge Freude bereiten dürfte.


7/10

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