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Freitag, 16. Mai 2014

Das Landhaus der toten Seelen









Landhaus der toten Seelen
(Burnt Offerings)
mit Karen Black, Oliver Reed, Burgess Meredith, Eileen Heckart, Lee Montgomery, Dub Taylor, Bette Davis, Joseph Riley, Todd Turquand, Orin Cannon, Jim Myers, Anthony James
Regie: Dan Curtis
Drehbuch: Robert Marasco / William F. Nolan / Dan Curtis
Kamera: Jacques R. Marquette
Musik: Bob Cobert
ungeprüft
Italien / USA / 1976

Das Ehepaar Rolf (Karen Black, Oliver Reed) bezieht samt Sohn und Tante Elizabeth (Bette Davis) für den Sommer das Landhaus des recht seltsamen Ehepaars Allardyce. Das Haus ist recht günstig, einzige Auflage ist die Versorgung der alten Mrs. Allardyce im Dachzimmer des Hauses, die man jedoch nie zu Gesicht bekommt.Doch schon bald verwandelt sich die Idylle in einen Alptraum.Ben Rolf träumt von einem alptraumhaften Chauffeur, die Stimmung unter den Rolfs wird angespannt, Tante Elizabeth stirbt plötzlich und dann ertrinkt der Sohn beinahe im Swimming Pool. Als die Familie in Panik das Haus verlassen will, geschieht Unglaubliches...


Auf einem Roman von Robert Marasco basierend hat Regisseur Dan Curtis mit "Landhaus der toten Seelen" wohl einen der größten Grusel-Klassiker unserer Zeit geschaffen, der nun nach etlichen Jahren des Wartens auch endlich eine offizielle deutschsprachige Veröffentlichung erfahren hat. Nun sollte man sich an dieser Stelle aber nicht von dem deutschen Titel des Filmes in die Irre führen lassen, bekommt man doch während der gesamten Geschichte nicht eine einzige tote Seele in dem riesigen Anwesen zu sehen, das vielmehr selbst das Böse an sich verkörpert. Dabei unterscheidet sich das vorliegende Szenario auch in etlichen Dingen ganz wesentlich von anderen Vertretern des Haunted House Horrors, denn in vorliegendem Fall gibt es weder übernatürliche Phänomene zu begutachten, noch präsentieren sich irgendwelche Passagen, in denen man mit Effekt-Hascherei versucht, das Ganze künstlich spannender zu gestalten. Für manch einen mag sich das eventuell im ersten Moment ein wenig gewöhnungsbedürftig anhören, doch Curtis lässt den aufkommenden Horror äußerst subtil aufkommen, so das er einem auch nicht sofort offensichtlich ins Auge springt, so wie es in etlichen anderen Genre-Vertretern der Fall ist. Es gibt nicht gerade wenige Fans, die in diesem Aspekt eine der Schwächen dieses Werkes sehen, doch bei mir persönlich entstand vielmehr der gegenteilige Eindruck. Das Böse ist hier definitiv nicht wirklich auszumachen, man spürt lediglich schon nach einer relativ kurzen Zeitspanne, das man das Haus selbst für die Ereignisse verantwortlich machen muss, die sich in der Folge noch abspielen sollen.

Curtis lässt dabei den aufkommenden Horror durch seine Darsteller zum Ausdruck bringen, denn mit der Zeit stellt man bei den Protagonisten eine fulminante Charakter-Veränderung fest, die in erster Linie durch das Ehepaar Rolf (Black & Reed) ins Bild gesetzt wird. Während der Vater auf einmal aggressive Züge gegenüber seinem Sohn erkennen lässt und mit Tagträumen aus seiner Vergangenheit konfrontiert wird, scheint die Mutter immer mehr in den magischen Bann des Anwesens gezogen zu werden, das ganz offensichtlich eine hypnotische Wirkung auf sie hat. Im Hinterkopf des Betrachters manifestiert sich gleichzeitig noch die 85-Jährige Mutter der Vermieter, die angeblich nie aus ihrem Zimmer heraus kommt und so für einen auch durchgehend unsichtbar bleibt. Leise und schleichend kriecht einem der Horror immer mehr unter die Haut und das obwohl es sich hier um ein Szenario handelt, in dem im Prinzip gar nicht wirklich etwas passiert, das man für die Veränderungen im Wesen der Protagonisten verantwortlich machen könnte. Und gerade in diesem Punkt zeigt sich meiner Meinung nach das außerordentliche Feingefühl des Regisseurs, der mit den wenigsten Mitteln eine maximale Wirkung beim Zuschauer erreicht. Immer mehr wird man nämlich selbst in das ominöse-und mysteriöse Geschehen hinein gezogen und kann sich unmöglich gegen die sogartige Wirkung erwehren, die von den Geschehnissen ausgeht.

Nun werden einem während der Geschichte frappierende Ähnlichkeiten zu einem Film wie Stanley Kubrick's "Shining" ins Auge springen der auf einem Roman von Stephen King basiert und man könnte schnell zu der Vermutung gelangen, das hier streckenweise gnadenlos geklaut wurde. Doch damit würde man einem fatalen Irrtum erliegen, denn als "Landhaus der toten Seelen" erschien, hatte der Meister des Horrors seinen Roman noch gar nicht veröffentlicht. So müssten also eventuelle Plagiats-Vorwürfe wenn überhaupt in die Richtung von Mr. King abzielen, wobei dieser sich nie öffentlich zu den offensichtlichen Ähnlichkeiten geäußert hat. Wie dem aber auch sei, das Werk von Dan Curtis ist definitiv ein wunderbarer Klassiker im Bereich des Gruselfilms und beschert dem Betrachter im Prinzip durchgehend eine gepflegte Gänsehaut. Ganz bewusst wurde innerhalb der Story auf großen Aktionismus verzichtet, was aber auch rein gar nicht in das Szenario hinein gepasst hätte. Es sind vielmehr die ruhige-und bedächtige Erzählweise der Ereignisse sowie die herausragende Atmosphäre, die diesen Film ganz besonders auszeichnen. Umso wuchtiger trifft einen dann auch das gewählte Ende, bei dem Curtis durch lediglich ein-zwei kurze Einstellungen richtig zu schocken weiß. Zum einen nimmt der Horror ganz kurz eine echte Gestalt an und zum anderen bekommt man sogar ein wenig härte geboten, womit man eigentlich überhaupt nicht mehr rechnen konnte. An dieser Stelle erfährt das Geschehen dann auch die absolut perfekte Abrundung, denn besser hätte man den Showdown wahrlich nicht ins bild setzen können und das es sich hierbei ganz bestimmt um kein Happy End handelt, kann man sich auf jeden Fall denken.

Neben all den schon angesprochenen Stärken möchte ich auch die Darsteller nicht ganz unerwähnt lassen, von denen natürlich Karen Black und Oliver Reed ganz besonders ins Auge fallen. Denn beide warten hier mit einer erstklassigen Performance auf, wobei Karen Black bei mir persönlich den größten Eindruck hinterlassen hat. Spielt sie doch die gesamte Palette von der fürsorglichen Mutter bis hin zur scheinbar besessenen frau absolut fantastisch und ist so ein extrem wichtiger Bestandteil des Ganzen. Doch auch Oliver Reed erscheint spielfreudig und authentisch, so das es auch in dieser Beziehung keinerlei Grund zur Beanstandung gibt. In einer Nebenrolle kann man auch noch die große Bette Davis begutachten, deren Rolle allerdings so ausgelegt ist, das es sich vielmehr um nötige Staffage handelt, als das sie durch großartiges Können auftrumpfen könnte. Alles zusammen genommen bekommt man es also mit einem in allen Belangen herausragenden Vertreter seiner Art zu tun der in keiner Sammlung fehlen darf und nun auch endlich in einer sehr guten offiziellen Veröffentlichung mit deutscher Tonspur vorliegt. Freunde des Haunted House Horrors kommen an diesem Meisterwerk definitiv nicht vorbei, das auch in der heutigen zeit rein gar nichts von seinem Charme und der unglaublichen Faszination eingebüßt hat.


Fazit:


Eine tolle Geschichte, subtil aufkommender Horror, sehr gute Darsteller und eine nahezu grandios Grundstimmung sind die ganz großen Stärken eines Filmes, in dem nie eindringlich auf das vorherrschende Böse eingegangen wird. Für manch einen eventuell eine Schwäche, gibt sich an dieser Stelle jedoch viel eher das Highlight zu erkennen, bleibt doch auch der Betrachter die gesamte Laufzeit über im Ungewissen, ob sich der Horror auch noch in Form von Personen zu erkennen gibt. Für mich war es ein wahres Erlebnis diesen Film nach etlichen Jahren endlich einmal wieder zu sehen und dann auch noch in einer vorliegenden Qualität, über die man sich wirklich nicht beschweren kann.


10/10

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