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Montag, 26. Mai 2014

Der Exorzist









Der Exorzist
(The Exorcist)
mit Ellen Burstyn, Max von Sydow, Lee J. Cobb, Kitty Winn, Jack MacGowran, Jason Miller, Linda Blair, William O'Malley, Barton Heyman, Peter Masterson, Rudolf Schündler, Gina Petrushka, Robert Symonds
Regie. William Friedkin
Drehbuch: William Peter Blatty
Kamera: Owen Roizman
Musik: Steve Boeddeker
FSK 16
USA / 1973

Gräßliche Dämonen haben von der 12jährigen Regan Besitz ergriffen. Zwei Jesuitenpater versuchen, das verunstaltete Mädchen durch Teufelsaustreibung zu retten.


Diese extrem knappe Inhaltsangabe könnte eventuell so manchen Zuschauer zu dem Irrglauben veranlassen, das es sich hier um einen Film mit relativ wenig Inhalt handelt, doch mit dieser Vermutung würde man definitiv einem Trugschluss erliegen. Es handelt sich doch vielmehr um einen der größten und besten Horror-Klassiker überhaupt, der gerade zur damaligen zeit weltweite Diskussionen auslöste. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von William Peter Blatty, der hier übrigens auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete, schuf Regisseur William Friedkin (French Connection, Cruising) wohl sein absolutes Meisterwerk, das auch noch in der heutigen Zeit insbesondere bei den Filmen mit Besessenheits-Thematik das absolute Maß aller Dinge darstellt. Dies liegt ganz einfach in der Tatsache begründet, das keiner der unzähligen späteren Vertreter diese unheilvolle Grundstimmung erzeugen konnte, die diesem Szenario zu Grunde liegt und den Zuschauer bei jeder neuerlichen Sichtung immer wieder aufs Neue in ihren fast hypnotischen Bann zieht. Nun kann man sich nach heutigen Maßstäben kaum noch vorstellen, das die Geschichte damals mit einer 18er Freigabe in den Kinos lief, doch die im Film enthaltenen Szenen sorgten definitiv dafür, das strenge Kontrollen an den Kinokassen den Einlass jüngerer Menschen verhindern sollten. Und ehrlich gesagt ist das durchaus nachvollziehbar, wobei man an dieser Stelle keinesfalls den Aspekt vernachlässigen sollte, das die vorhandene Thematik und insbesondere deren Umsetzung zur damaligen Zeit etwas Neues und absolut Schockierendes darstellte.

Es handelt sich hier ganz eindeutig um einen dieser Psycho-Schocker mit Horror-Anleihen, bei dem sich die erste Sichtung schon dermaßen in das Gedächtnis des Betrachters einbrennt, das man gewisse Passagen auf immer und ewig nicht vergessen wird. Sicherlich gibt es heute genügend Genre-Vertreter, die mit weitaus besseren Effekten aufwarten können, doch "Der Exorzist" verursacht ganz einfach durch sein überragendes Gesamtbild immer wieder dieses herrliche Gefühl des Erschauerns, wenn man das Szenario mit der religiösen Hintergrund-Thematik verfolgt. Gleichzeitig war das Werk auch der Startschuss für die damals blutjunge Linda Blair, die in der Rolle der 12-jährigen Regan eine nahezu brillante Performance an den Tag legt und somit den Grundstein für die folgende Karriere gelegt hat. Erst viel später wurde allerdings bekannt, das Regan in einigen Szenen aus Jugendschutzgründen von Eileen Dietz und nicht von Linda Blair gespielt wurde, was aus heutiger Sicht bei unendlich vielen in Horrorfilmen mitwirkenden Kindern kaum noch vorstellbar erscheint. Es sind insbesondere die Szenen in denen die Besessenheit zum Ausdruck kommt, die diesem Werk ganz unweigerlich den besonderen Stempel aufdrücken, denn die visuelle Umsetzung ist selbst aus heutiger Sicht immer noch fantastisch. Doch "Der Exorzist" definiert sich keineswegs nur auf diese Passagen, sondern zeigt seine Klasse auch im Schauspiel der Akteure. Der bekannteste Name auf der Besetzungsliste dürfte dabei sicherlich Max von Sydow sein, der hier den Part des eigentlichen Exorzisten spielt, doch die eigentlichen Hauptfiguren bekommt man mit Ellen Burstyn (Megan's Mutter) und Jason Miller (Pater Karras) präsentiert, wobei Letztgenannter in meinen Augen eine durchgehende Glanzleistung zum Besten gibt und der Geschichte damit seinen persönlichen Stempel aufdrückt. Zudem ist mit Lee J. Cobb noch ein sehr bekanntes Gesicht der alten Garde Hollywoods zu sehen, der als ermittelnder Polizist den mysteriösen Todesfällen auf den Grund gehen soll.

Friedkin schafft es hier fast schon spielerisch, die zu Beginn noch recht heitere-und fröhliche Stimmung auf einen Schlag kippen zu lassen und gerade dieser doch sehr abrupte Umschwung macht dem Zuschauer eine Weile lang etwas zu schaffen. Muss man sich doch erst einmal damit auseinandersetzen, das sich auf einmal eine zum Zerschneiden dichte Atmosphäre entfaltet, die fast im Minutentakt den zu Beginn eher subtilen Horror immer näher an die Stufe der totalen Eskalation heranführt, in der einen die Besessenheit des kleinen Mädchens förmlich anspringt. Der dramaturgische Aufbau der Geschichte hätte dabei nicht besser ausfallen können und es ist insbesondere die optische Veränderung von Megan, die einem so richtig unter die Haut geht. Aus dem hübschen Mädchen wird eine dämonische Fratze, die ihre Umwelt mit obszönen und vulgären Worten malträtiert, das einem Hören und sehen vergeht. Zu diesem Zeitpunkt kommen dann auch die Effekte des Filmes vollends zur Geltung und auch wenn diese nach heutigen Kriterien eventuell etwas angestaubt erscheinen mögen, stellen sie doch immer wieder ein absolutes Highlight dar. Bis es jedoch soweit ist vergeht eine geraume Zeit, die sich jedoch keinesfalls langatmig oder gar uninteressant gestalten würde. Man bekommt eine tiefer gehende Charakter-Beleuchtung von Pater Karras geboten, der bei diesem Fall in einen gewissen Zwiespalt gerät und die Ereignisse viel eher von der wissenschaftlichen Seite beleuchten will. Außerdem hat der gute Mann auch im Privatleben sein Bündel zu tragen und auch wenn dieser Neben-Erzählstrang nicht unbedingt zur eigentlichen Thematik gehört, ist er doch eine perfekte Ergänzung des glänzenden Gesamtbildes, das man von diesem Meilenstein des Genres erhält. Es ist nämlich genau diese extrem gute Mischung, die den Exorzisten zu einem zeitlosen Klassiker macht und ihm einen Platz in der "Hall of Fame" des Horrorfilmes sichert, denn kein anderes Werk mit gleicher oder ähnlicher Thematik verbindet so perfekt privates Leid, Tragödie, Drama-und Horror-Elemente miteinander und offenbart gleichzeitig einen so konstant gezogenen Spannungsbogen, wie es in "Der Exorzist" definitiv der Fall ist.

Und so kann man letztendlich immer nur wieder äußerst dankbar dafür sein, das William Friedkin mit seinem Werk einen prägenden-und maßgebenden Beitrag des Genres kreiert hat, der mehrere Generationen begeistert und dies wohl auch in der Zukunft noch tun wird. Oft kopiert doch nie erreicht zählt dieser Film also zu den absolut unverzichtbaren Größen der Filmwelt und versetzt den Betrachter nicht nur genrebezogen in Angst und Schrecken. Eine glänzend agierende Linda Blair und ein auch ansonsten gänzlich überzeugender Cast unterstreichen das perfekte Gesamturteil noch zusätzlich und die herausragende Grundstimmung der Geschichte tut ihr Übriges, damit man fast durchgehend mit einer gepflegten Gänsehaut überzogen wird, die sich auch nach 100 Sichtungen immer noch einstellt. "Der Exorzist" ist extrem bedrohlich-und phasenweise sehr düster, lässt aber auf der anderen Seite auch genügend Freiraum für zwischenmenschliche Töne und legt so eine Mixtur an den Tag, die man einfach nur als absolut fantastisch bezeichnen kann. Sollte es immer noch Menschen geben die diesen grandiosen Film noch nie gesehen haben, so sollte dieser Umstand schnellstmöglich geändert werden, da man ansonsten wirklich einen der größten und einprägsamsten Horror-Klassiker aller Zeiten an sich vorüber ziehen lässt.


Fazit:


Sicherlich wird es nicht ausschließlich so positive Sichtweisen dieses Meilensteines geben, doch in meinen Augen kann man hier nur die absolute Höchstnote vergeben, da Friedkin einen absolut perfekten Mix aus Psycho-Schocker und Horrorfilm geschaffen hat, der bei der vorhandenen Thematik immer noch seinesgleichen sucht und dabei sicher nicht so schnell fündig wird. "Der Exorzist" ist ein Film für die Ewigkeit und sollte auch in keiner gut sortierten Sammlung fehlen.


10/10

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