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Sonntag, 11. Mai 2014

Des Teufels General









Des Teufels General
(Des Teufels General)
mit Curd Jürgens, Marianne Koch, Viktor de Kowa, Karl John, Eva Ingeborg Scholz, Harry Meyen, Bum Krüger, Paul Westermeier, Camilla Spira, Erica Balqué, Albert Lieven, Karl Ludwig Diehl, Beppo Brem, Werner Fuetterer
Regie: Helmut Käutner
Drehbuch: George Hurdalek / Helmut Käutner / Gyula Trebitsch / Carl Zuckmayer
Kamera: Albert Benitz
Musik: keine Information
FSK 12
Deutschland / 1955

Deutschland, Dezember 1941 - die Welt steht mitten im Krieg. Die deutschen Städte sind unzähligen Luftangriffen feindlicher Geschwader ausgesetzt, immer klarer wird erkennbar: Wer die Überlegenheit in der Luft besitzt, wird den Krieg gewinnen. Die SS versucht mit allen Mitteln der Gewalt den populären Luftwaffengeneral Harras (Curd Jürgens), der sich aus fliegerischer Besessenheit Hitlers Wehrmacht verschrieben hat, für ihre Ziele zu gewinnen. Harras erkennt, das er an einem grausamen Krieg und Unmenschlichkeit mitschuldig ist. Er sühnt sein Versagen, indem er durch seinen Tod einen Freund vor der SS rettet.


Nur 10 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges erschien mit "Des Teufels General" ein Stück deutscher Filmgeschichte, das auf einem Bühnenstück von Carl Zuckmayer basiert. Dabei handelt es sich um ein Kriegsdrama, das sich einmal sehr wohlwollend von den ansonsten üblichen Vertretern abhebt, steht hier doch einmal nicht der Krieg an sich im Mittelpunkt des Geschehens, das sich vielmehr mit dem Einzelschicksal des General Harras beschäftigt, der den Nazis aufgrund seiner eigenen Meinung zu den Dingen ein offensichtlicher Dorn im Auge ist. Dargestellt wird die Hauptfigur von keinem geringeren als Curd Jürgens, der aufgrund seiner grandiosen Schauspielkunst einer der wenigen deutschen Weltstars war, die diesen Titel auch wirklich beanspruchen können. Von der ersten Minute an wird dem Zuschauer hier klar, das er mit dem Haupt-Charakter eine Person vor sich hat, die mit ihren Ansichten keinesfalls hinter dem Berg hält. Regisseur Helmut Käutner rückt insbesondere diesen Aspekt immer wieder in den Vordergrund und Curd Jürgens verleiht dem Ganzen dann durch seine unnachahmliche Art und Weise eine ungeheure Intensität, die dem Betrachter so richtig unter die Haut geht. Was jedoch besonders positiv in dieser Geschichte auffällt ist die Tatsache, das während des gesamten Filmes einmal nicht diese unendlichen Schuldkomplexe zum Ausdruck kommen, die andere Werke fast immer beinhalten, "Des Teufels General" wartet viel eher mit gesundem Selbstbewusstsein und einer aus Filmen dieser Art kaum gekannten Fröhlichkeit auf, die phasenweise richtiggehend herzerfrischend daher kommt.

Dennoch gerät die Ernsthaftigkeit der Ereignisse zu keiner Zeit in den Hintergrund und vor allem die Manipulationsversuche der Nazis gegenüber Harras nehmen dabei einen großen Stellenwert ein. Versucht man doch durchgehend den guten Mann auf die sogenannte "richtige Seite" zu ziehen, da der General nicht der Partei angehört und immer noch der deutschen Wehrmacht dient. Die Sabotage-Verdächtigungen aufgrund etlicher im Einsatz abgestürzten Flugzeuge schürt das Feuer umso mehr und das die ganze Chose nicht mit einem Happy End aufwartet, versteht sich dabei fast von selbst. Obwohl hier im Prinzip das gesamte Werk vollends zu überzeugen weiß ist es doch in erster Linie der grandios agierende Curd Jürgens, der dieser Geschichte seinen ganz persönlichen Stempel aufdrückt. Seiner Omnipräsenz, Spielfreude und der unglaublich charismatischen Ausstrahlung ist es zu verdanken, das man als Zuschauer jede einzelne Szene förmlich in sich aufsaugt, da man ganz unweigerlich der Faszination dieses großartigen Werkes erliegt. Dabei sind auch sämtliche anderen Rollen absolut perfekt-und teilweise auch äußerst namhaft besetzt, versammeln sich doch einige der damaligen deutschen Top-Stars zu einem Stelldichein. Dennoch erscheinen die Akteure im Schatten des brillant aufspielenden Hauptdarstellers phasenweise lediglich wie nötige Staffage, doch diese Einschätzung würde der Klasse der jeweiligen Performances keinesfalls gerecht werden.

Dennoch fällt es nicht unbedingt leicht, neben einem so allgegenwärigen Haupt-Charakter noch jemanden zu finden den man besonders hervorheben könnte, denn Jürgens beherrscht die Szenerie mit einer Darstellung, die man einfach nur als absolut perfekt-und glaubwürdig bezeichnen kann. So bringt man dem General auch jede Menge Sympathiewerte entgegen, die durch seine zum Ende hin tragische Entscheidung fast ins Unermessliche steigen. Was von Käutner zudem absolut grandios in Szene gesetzt wurde ist der Aspekt, das prinzipiell durchgehend der Kontrast der verschiedenen Ansichten von Wehrmacht und den Nazis äußerst gut zur Geltung kommt, denn in etlichen Dialogen kommen die Unterschiede zwischen Vaterlands-Loyalität und der rein persönlichen Sicht der Dinge mehr als nur gut zum Ausdruck. Dabei entfaltet sich aber keinerlei Pathos oder Ähnliches, vielmehr offenbart sich eine durchaus glaubwürdige-und sehr authentische Sichtweise der damals vorherrschenden Situation, wobei die Ansichten der verschiedenen Gruppierungen extrem gut in den Mittelpunkt gerückt werden. Gleichzeitig bekommt man auch noch eine äußerst tief gehende Charakter-Beleuchtung der Hauptfigur geboten, die sämtliche Facetten anbietet und auch die kompromisslose Sturheit eines Menschen darlegt, der fest an seinen Prinzipien festhält.

Alles zusammengenommen ist "Des Teufels General" wohl ohne Übertreibung zu den echten Film-Klassikern zu zählen und definitiv ein Stück deutscher Filmgeschichte, an dem man keinesfalls vorbei kommt. Warum jedoch die von mir besprochene Version um einige Einstellungen erleichtert wurde ist mir persönlich schleierhaft, handelt es sich dabei doch gerade um Szenen, die dem Ganzen einen noch intensiveren Eindruck verleihen würden. Trotzdem geht es an dieser Stelle um nichts anderes als den Film an sich und diesen kann man eigentlich nur mit der absoluten Höchstnote bewerten. Bietet Käutner's Werk doch einmal ein Kriegsdrama der etwas anderen Art, das sich in erster Linie mit dem Einzelschicksal eines Mannes beschäftigt, der sich von niemandem seine Meinung vorschreiben lässt. Hier handelt es sich auf jeden Fall um ganz großes Kino und ein Curd Jürgens ist in einer seiner besten Rollen überhaupt zu sehen, die sicherlich kaum ein anderer so fantastisch interpretiert hätte.


Fazit:


Ganz egal ob knapp geschnitten oder nicht, der Film an sich ist ein grandioses Meisterwerk, das man sich auch in der heutigen Zeit immer wieder gern anschaut. Auch ohne eigentliches Kriegsgeschehen und großartige Action erreicht diese Geschichte eine unglaubliche Intensität und nimmt den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute für sich ein.


10/10

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