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Mittwoch, 7. Mai 2014

Horror Infernal









Feuertanz - Horror Infernal
(Inferno)
mit Leigh McCloskey, Irene Miracle, Eleonora Giorgi, Daria Nicolodi, Sacha Pitoëff, Alida Valli, Veronica Lazar, Gabriele Lavia, Feodor Chaliapin Jr., Leopoldo Mastelloni, Ania Pieroni, James Fleetwood, Rosario Rigutini
Regie: Dario Argento
Drehbuch: Dario Argento
Kamera: Romano Albani
Musik: Keith Emerson
ungeprüft
Italien / 1980

New York. Rose Elliot liest in einem Buch des Architekten E. Virelli, das er je ein Haus in Freiburg, Rom und New York gebaut habe, unwissend darüber, das diese drei Häuser von den sogenannten Drei Müttern, Hexen, eingenommen werden und diese dadurch zu den drei Toren zur Hölle werden. Rose befürchtet, das sie in dem New Yorker Haus lebt und sucht im Keller nach weiteren Anzeichen. Sie schreibt ihrem Bruder Mark, der in Rom Musik studiert, einen Brief, das er bitte kommen soll. Sara, Marks Freundin, liest diesen Brief und erkennt, das ihre Schule ebenfalls das Haus einer dieser Hexen ist. Diese Erkenntnis bekommt ihr schlecht. Als Marc dann in New York eintrifft, ahnt er nicht, welche Schrecken ihm noch bevorstehen...


Drei Jahre nach seinem Meisterwerk "Suspiria" lieferte Dario Argento mit "Feuertanz - Horror Infernal" 1980 den zweiten Teil seiner sogenannten "3 Mütter Trilogie" ab und bescherte damit einmal mehr einen absoluten Hochgenuss in Sachen Optik und Farbenspiel. Schauplatz des Geschehens ist dieses Mal größtenteils New York, wobei die Geschichte jedoch auch gewisse Passagen beinhaltet, die in der italienischen Hauptstadt Rom angesiedelt sind. Die dem Film zugrunde liegende Thematik dürfte jedem Fan klar sein, dreht sich doch alles um die zweite der Hexen-Schwestern, die der italienische Regisseur schon im Vorgänger thematisiert hat. Im Gegensatz zu dem extrem stimmigen und rundum gelungenem "Suspiria" beinhaltet "Horror Infernal" jedoch einen kleinen Makel, denn rein inhaltlich gesehen bekommt der Zuschauer eine Story präsentiert, die einem in diversen Momenten ein wenig unzusammenhängend erscheint, was sicherlich in der eher episodenartigen Erzählstruktur begründet ist. Es fällt teilweise gar nicht so leicht, hier wirkliche Zusammenhänge zu erkennen, da doch gewisse Personen ebenso schnell in das Geschehen hinein geworfen werden, wie sie auch wieder verschwinden. So beschränkt sich das Ganze also vielmehr auf eine recht dünne Rahmenhandlung, was manch einem ganz bestimmt ein echter Dorn im Auge ist. Andere hingegen werden eher großzügig über dieses Defizit hinwegsehen, offenbart sich doch ein Szenario, das an Bildgewalt und kräftigem Farbenspiel nur schwerlich zu überbieten ist. Ganz eindeutig sind hier auch die Einflüsse eines Mario Bava zu erkennen, der durch seine maßgebenden Inszenierungen als Ur-Vater der Farb-Kompositionen angesehen werden kann und an dem sich nicht nur Dario Argento bei der Gestaltung seiner Filme orientiert hat.

Und so entwickelt sich ziemlich schnell trotz der inhaltlichen Schwächen ein jederzeit spannendes Geschehen, das in allererster Linie audiovisuell ein wahres Meisterwerk ist. Die intensive Spiel mit den Farben und ein brillanter Score von Keith Emerson sorgen hier durchgehend für einen absoluten Augen-und Ohrenschmaus und dabei ist es gar nicht so leicht, nicht in totale Verzückung zu geraten. Zugegebenermaßen fällt es eingefleischten Fans des italienischen Films dabei eher schwer auch wirklich objektiv zu bleiben, doch wenn man einem solch intensiven Film-Erlebnis ausgesetzt ist das die Sinne regelrecht berauscht, dann kümmert man sich halt weniger um die teils doch offensichtlichen Schwächen. Andererseits verhält es sich aber keinesfalls so, als wenn "Horror Infernal" nun gar keine Handlung erkennen lassen würde, nur entsteht streckenweise fast schon der Eindruck, das man sich in einem Theaterstück befinden würde, das in mehrere vollkommen unterschiedliche Akte aufgeteilt wurde, denen es an einem wirklich erkennbaren Zusammenhang fehlt. An diesem Punkt sind auch die gerade in der ersten Hälfte stattfindenden Ortssprünge zwischen Rom und New York nicht sonderlich förderlich, zerfasert die Geschichte dadurch doch noch mehr und erscheint phasenweise lediglich als Aneinanderreihung loser Szenen, denen anscheinend ein Verbindungsstück fehlt.

Ehrlich gesagt wird einem das aber erst nach der Sichtung des Filmes und mit einigem zeitlichen Abstand so richtig bewusst, da man während der gut 107 Minuten Laufzeit viel zu sehr zu sehr unter dem Einfluss der ästhetischen Bilder steht, mit denen Argento den Betrachter im Prinzip durchgehend konfrontiert. In solchen Momenten ergibt man sich ganz einfach der fast schon hypnotischen Faszination eines echten Rausches, der durch die musikalische Untermalung des Ganzen auch noch absolut perfekt untermalt wird. Erst später wird einem dann so richtig klar, das beispielsweise diverse Figuren aus heiterem Himmel irgendwelche Handlungen ausführen, ohne das man überhaupt eine echte Erklärung dafür geboten bekommt. Doch mich persönlich stört dieser Aspekt auch im nachhinein nicht, zieht Argento einen doch durch seine virtuose Inszenierung wie in einen magischen Bann, aus dem es ganz augenscheinlich kein Entkommen gibt. Zudem taucht man immer tiefer in die nahezu einzigartige-und extrem dichte Atmosphäre ein, die sich fast im Minutentakt immer mehr zusammen zieht und dabei bedrohliche Züge erkennen lässt. Trotz inhaltlicher Schwächen verbreitet die Geschichte eine äußerst geheimnisvolle Aura, die einen selbst wie ein eng anliegender Mantel einhüllt und dabei phasenweise die Luft zum atmen nimmt. Die unheilvolle Präsenz des unbekannten Bösen liegt über die gesamte Spieldauer in der Luft und auch wenn man dieses Gefühl zunächst an keiner Person festmachen kann, ist es allein schon die bösartige-und mysteriöse Ausstrahlung des Szenarios, die einem wirklich zu schaffen macht.

Letztendlich wurde hier also ein fast perfekter Nachfolger und somit zweiter Teil der "3 Mütter Trilogie" geschaffen, der seinem Vorgänger lediglich inhaltlich ein klein wenig nachsteht. Visuell gesehen wird jedoch meiner persönlichen Meinung nach "Suspiria" fast noch getoppt, denn das wilde Farbenspiel ist hier doch absolut grandios. Mag die unkonventionelle Erzählweise der Abläufe auch längst nicht jedem gefallen, baut sich dennoch ein dramaturgisch erstklassiger Spannungsbogen auf, der sich auch bis zur letzten Einstellung aufrecht erhalten kann. Die einmalige-und extrem mysteriöse Grundstimmung, das herausragende Spiel mit den Farben und der brillante Soundtrack sind die perfekte Ergänzung, um "Horror Infernal" insgesamt gesehen ein hervorstechendes Gesamtzeugnis auszustellen, auch wenn viele Zuschauer das vollkommen anders sehen werden. Für mich liegt hier definitiv eines der allerbesten Werke von Dario Argento vor, der den geneigten Fan danach ja immerhin schlappe 27 Jahre hat zappeln lassen, bevor er die Trilogie doch noch vollendet hat. Wer diesen grandiosen und audiovisuell äußerst beeindruckenden Horrorfilm noch nicht kennen sollte muss diesen Zustand unbedingt ändern, da ihm ansonsten ein Highlight des Cinema Italiano durch die Lappen geht.


Fazit:


Wenn man alle Zutaten zusammen nimmt, kann "Horror Infernal" aufgrund der inhaltlichen Defizite nicht ganz an den Vorgänger heran reichen. Dennoch handelt es sich definitiv um ein berauschendes Meisterwerk, das durch den fantastischen Virtuosen Argento in der Blüte seines Schaffens kreiert wurde und im Laufe der Jahre rein gar nichts von seiner Faszination und Ausstrahlung eingebüßt hat.


9/10

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