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Freitag, 30. Mai 2014

Mordlust









Mordlust
(The Killing Kind)
mit Ann Sothern, John Savage, Ruth Roman, Luana Anders, Cindy Williams, Sue Bernard, Marjorie Eaton, Peter Brocco, Helene Winston
Regie: Curtis Harrington
Drehbuch: Tony Crechales / George Edwards
Kamera: Mario Tosi
Musik: Andrew Belling
juristisch geprüft
USA / 1973

Zwei Jahre musste Terry Lambert (John Savage) einsitzen, weil seine Freunde ihn mitschleiften, als sie beschlossen, die junge Tina unter einem Pier zu vergewaltigen. Wieder auf freiem Fuß, kehrt er zu seiner Mutter Thelma (Ann Sothern) zurück, die jetzt eine Pension führt und zu der er seit seiner Pubertät ein sehr zweifelhaftes und sexuelles Verhältnis pflegt. Gleichzeitig wird Terry aber von der attraktiven Mieterin Lori (Cindy Williams) angeflirtet, was seine Mutter nicht gerade positiv einschätzt, weswegen sie dem Mädchen nur Schlechtes wünscht. Und dann ist da noch die Bibliothekarin Louise, die im Gegensatz zu Lori weiß, was Terry getan hat und darüber eigene Vergewaltigungs-Phantasien entwickelt hat. Doch alle sind zu sehr mit ihren Obsessionen beschäftigt, um zu bemerken, das Terry plötzlich wirklich mörderische Verhaltenszüge an den Tag legt...


Immer wieder stößt man eher zufällig auf unscheinbare Filme vergangener Tage, die sich nach der Sichtung doch als echte kleine Perlen zu erkennen geben. Es dürfte somit nicht übertrieben erscheinen, wenn man auch "Mordlust" von Regisseur Curtis Harrington in diese Kategorie einordnet, denn mit einem geschätzten Budget von gerade einmal 200.000 $ ist hier eine kleine, aber sehr feine Produktion entstanden, die dem Zuschauer zwar keine unbedingt spektakuläre, dafür aber recht intensive Thriller-Kost anbietet. Gleich bei der Eröffnungs-Sequenz wird man dabei mit der Tat konfrontiert, wegen der man den jungen Terry für 2 Jahre ins Gefängnis steckt und schon in dieser relativ kurz gehaltenen Einstellung gibt sich zu erkennen, das der junge Mann ganz augenscheinlich ein äußerst gestörtes Verhältnis zu den Damen der Schöpfung hat. Harrington macht sich nun die Arbeit einem die möglichen Gründe für diesen Umstand näher zu bringen und gleichzeitig ein Bild vom aufkommenden Hass zu zeichnen, der immer stärker in Terry aufsteigt. Um seine Motivlage einigermaßen einschätzen zu können muss man unbedingt einen Blick hinter die scheinbar heile Fassade in der Beziehung zu seiner Mutter wagen, zu der es den Mann nach seiner Entlassung aus dem Knast zieht. Ganz offensichtlich wird das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn nämlich von einem eher dunklen Geheimnis belastet, da Harrington an dieser Stelle zu keiner Zeit die Vermutung des Betrachters visuell oder verbal bestätigen lässt, andererseits aber äußerst geschickt den Verdacht des familiären Inzest aufkommen lässt, der im Prinzip die ganze Zeit über wie ein unsichtbares Damokles-Schwert über den Ereignissen hängt. Ohne während des gesamten Filmes eine Bestätigung dafür zu bekommen nimmt man diesen Punkt einfach mal als gegeben und kann so auch das vollkommen durchgeknallte Verhalten und die Taten von Terry nachvollziehen, der im wahrsten Sinne des Wortes nicht alle Latten am Zaun hat.

Allerdings kann man diesen Umstand auch den anderen Haupt-Charakteren des Werkes zuschreiben, denn sowohl die Mutter wie auch die neue und hübsche Mieterin, sowie auch die auf den ersten Blick bieder erscheinende Nachbarin werden hier ziemlich stark vom Wahnsinn getrieben, denn anders lassen sich diverse Verhaltensweisen und Abläufe nicht erklären. Hier gibt sich auch eine absolute Stärke der Geschichte zu erkennen, denn etliche Passagen hinterlassen schon den Eindruck eines außergewöhnlich skurrilen Szenarios und man fragt sich an manchen Stellen ganz unweigerlich, ob die Protagonisten sich allesamt auf einem schlechten Drogen-Trip befinden. Trotz des skurrilen Anstriches driftet der Film aber zu keiner Zeit ins Lächerliche ab, sondern lässt vielmehr diverse extrem bedrohliche Momente aufkommen. Zugegebenermaßen gestaltet sich das Ganze eher unspektakulär und man bekommt auch keinerlei visuelle Highlights geboten, dafür kann "Mordlust" jedoch mit einer gesunden Mischung aus inhaltlicher Tiefe und psychologischer Beleuchtung einer kranken Seele aufwarten, wodurch diese eher bescheidene Produktion auch eine Intensität an den Tag legt, die man ihr ehrlich gesagt gar nicht zugetraut hätte. Ein Grund dafür ist bestimmt auch das erstklassige Schauspiel von John Savage der als Terry eine beeindruckende Performance abliefert und sehr authentisch einen offenbar gestörten jungen Mann interpretiert.

Obwohl das Werk eigentlich ohne jegliche Höhepunkte auskommen muss, offenbart sich gerade in der Schlichtheit des Szenarios die größte Stärke. Bis auf die überzogen erscheinenden Verhaltensweisen-und Handlungen diverser Figuren besticht die Geschichte nämlich durch ihre Unauffälligkeit und lässt insbesondere dadurch an manchen Stellen schon fast subtile Horror-Elemente erkennen. Gleichzeitig entfaltet die Figur von Terry immer bedrohlichere Ausmaße und man wird das Gefühl nicht los, das es sich bei ihm um einen Vulkan handelt, dessen völliger Ausbruch kurz bevor steht. Dabei erscheint der Mann rein Äußerlich eher eher adrett und zeigt auch streckenweise recht sympathische Züge, doch hinter der Fassade scheint ein wildes Raubtier zu lauern das nur darauf wartet, wieder einmal zuzuschlagen. Seine Verachtung und der ganze Hass gegenüber dem weiblichen Geschlecht kommt mehr als einmal zum Vorschein und so manche Frau muss erst ihr Leben lassen, bevor ein schon tragisches Ende der Geschichte dem Ganzen Einhalt gebietet.

Meiner Meinung nach hat Curtis Harrington hier wirklich ganze Arbeit geleistet und schafft es fast spielerisch mit diversen Andeutungen, den Zuschauer in eine bestimmte Richtung zu lenken, ohne ihm jedoch eine wirkliche Bestätigung für mehrere Annahmen zu liefern. So ist dann auch die eigene Fantasie gefragt und das macht diesen kleinen, aber sehr feinen Thriller zu einer kaum beachteten Film-Perle, die eher unbeachtet ihr Dasein fristet. Letztendlich kann man nur eine dicke Empfehlung für dieses Werk aussprechen, das ohne große Kosten ein jederzeit spannendes-und sehr intensives Film-Erlebnis präsentiert, dem man definitiv eine Chance geben sollte.


Fazit:


Es müssen nicht immer die hoch budgetierten Filme sein die einem erstklassige Unterhaltung bieten. Manchmal reicht schon ein eher unscheinbarer Thriller voller Suspense und Spannung, in dem ein spielfreudiger Hauptdarsteller das Geschehen fast im Alleingang trägt. "Mordlust" ist auf jeden Fall ein solcher Film und erzählt eine Geschichte, die in erster Linie auf der psychologischen Schiene äußerst gut funktioniert.


7,5/10

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