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Samstag, 28. Juni 2014

Ein Zombie hing am Glockenseil







Ein Zombie hing am Glockenseil
(Paura nella città dei morti viventi)
mit Christopher George, Catriona MacColl, Carlo De Mejo, Antonella Interlenghi, Giovanni Lombardo Radice, Daniela Doria, Fabrizio Jovine, Luca Venantini, Michele Soavi, Venantino Venantini, Enzo D'Ausilio
Regie: Lucio Fulci
Drehbuch: Lucio Fulci / Dardano Sacchetti
Kamera: Sergio Salvati
Musik: Fabio Frizzi
ungeprüft
Italien / 1980

In der kleinen Stadt Dunwich begeht der Ortspfarrer auf dem verlassenen Friedhof Selbstmord. Seitdem hängt ein Fluch über dem Ort, man stellt fest, das einer alten Legende nach das Böse über die Stadt kommen wird, wenn ein Priester auf dem Friedhof Selbstmord begeht. Und tatsächlich gehen in der kleinen Stadt plötzlich seltsame Dinge vor sich. Zuerst fällt schwerer Regen, vermischt mit Asche, auf die Stadt hernieder. Dann sterben verschiedene Menschen eines grausamen Todes. In einer Gewitternacht erheben sich plötzlich die Toten aus ihren Gräbern und beginnen als unverwundbare Zombies die Einwohner der Stadt zu terrorisieren.


Lucio Fulci zählte ja nie zu den unumstrittenen Regisseuren und gerade im Bereich des Horrorfilmes hat der gute Mann auch so einige Rohrkrepierer hingelegt. Vorliegendes Werk dürfte da allerdings definitiv zu den Ausnahmen zählen, denn "Ein Zombie hing am Glockenseil" zählt bestimmt zu den besten italienischen Zombie-Beiträgen, die je das Licht der Welt erblickt haben. Anders als beispielsweise George A. Romero legt Fulci auch hier keinerlei Wert auf eine sozialkritische Note, sondern legt sein Hauptaugenmerk vielmehr auf eine Geschichte mit stark ausgeprägten mysteriösen Elementen und verleiht der ganzen Chose zudem noch einen wunderbar übernatürlichen Touch. Schauplatz der Ereignisse ist ein kleines Kaff namens Dunwich, in dem nach dem Selbstmord eines Pfarrers grausame Ereignisse ihren Lauf nehmen und die Toten Jagd auf die Lebenden machen. Die Erklärung für die Abläufe gestaltet sich dabei recht interessant, denn angeblich soll Dunwich einmal das antike Salem gewesen sein, in dem Hexen ihr Unwesen getrieben haben. Die dadurch entstehende Thematik offenbart teils sehr bedrohliche Grundzüge und es entfaltet sich von der ersten Minute an eine extrem dichte Atmosphäre, die als eine der ganz großen Stärken dieses Filmes auszumachen ist. Dies ist insbesondere in der Einführungsphase der Story zu erkennen, in der das Geschehen noch zwischen einer Großstadt und eben Dunwich hin-und her pendelt. Während man nämlich einerseits das typische Leben einer Metropole konfrontiert, so verdichtet sich doch die Grundstimmung der gesamten Chose zunehmend, wenn der Schauplatz wechselt. Man vermeint sofort eine übernatürliche Aura zu verspüren die von den Abläufen ausgeht und das drohende Unheil manifestiert sich auch immer mehr, als die ersten Toten wiederkehren und diverse Dorfbewohner auf grausamste Art und Weise töten.

Wer die Filme von Fulci kennt dürfte ganz genau wissen, das es hier in Sachen Härte nicht gerade zimperlich zur Sache geht. Der gute Mann war ja schließlich bekannt dafür, seinen Werken recht derbe-und brachiale Splatter-Gore Szenen einzuverleiben, die den Zuschauer richtiggehend schocken sollten. Natürlich ist das auch hier der Fall und so wird stellenweise ordentlich gematscht, wobei die berühmt-berüchtigte Bohrmaschinen-Einstellung wohl zum Besten gehört, was man je im Genre gesehen hat. Auch in der heutigen Zeit fiebert man dieser Einstellung richtig entgegen und zuckt jedes Mal aufs Neue zusammen. Doch auch die restlichen Passagen können sich immer noch sehen lassen, wobei der von Fulci gewohnte Ekelfaktor an mehreren Stellen keinesfalls fehlen darf. Dieser ergibt sich allein schon durch die Darstellung der Untoten, denn wie kaum anders zu erwarten greift der Italiener auch in diesem Fall auf schon teils verweste Gestalten zurück, wie man es auch schon in "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies" gesehen hat. Die teilweise zerfetzten Körper sorgen dabei immer wieder für eine angenehme Gänsehaut, was allerdings auf die gesamte Geschichte bezogen werden kann, die neben den zahlreichen harten Stellen auch gleichzeitig ein perfektes Grusel-Feeling an den Tag legt.

Die reißerische Art mit der Lucio Fulci seine Zombiefilme in Szene gesetzt hat findet ja längst nicht bei allen Fans des Genres Anklang, da immer wieder die angeblich so schwachen Drehbücher durch immense Härte überlagert werden sollen. Und zugegeben, zumeist beinhalten die Geschichten auch immer diverse Logiklöcher, was auch in vorliegendem Film nicht gänzlich von der Hand zu weisen ist. Dennoch erscheint die Handlung größtenteils schlüssig und vor allem ist der dramaturgische Spannungsaufbau des Gerüstes als absolut gelungen zu bezeichnen. Das sorgt durchgehend dafür, das man als Betrachter immer tiefer in den unheimlichen Sog hinein gezogen wird der von den Ereignissen ausgeht. Und auch wenn es nicht immer vollkommen logisch zur Sache geht, so überstrahlt doch die unheimliche Faszination des Szenarios diverse kleine Schwächen, über die man wirklich hinwegsehen kann. Wenn man ein wirkliches Mako ausmachen will, so sind es Teile der deutschen Synchronisation, denn einige Akteure wurden mit Stimmen ausgestattet, die überhaupt nicht zu ihnen passen. Ehrlich gesagt ist mir das bei meinen bisherigen Sichtungen nie sonderlich aufgefallen, doch dieses Mal habe ich das sogar als etwas störend empfunden, entsteht so doch eine unfreiwillig komische Beinote, die in dieser Geschichte absolut nichts verloren hat.

Zu den darstellerischen Leistungen der Schauspieler kann man nur sagen, das sie sich auf einem soliden Niveau bewegen, wobei man definitiv nichts Hervorstechendes erwarten sollte. Die Hauptdarsteller agieren routiniert und die in kleineren Nebenrollen auftretenden Leutchen kann man größtenteils vernachlässigen, wobei einige Figuren fast schon überflüssig erscheinen. Auch wenn sich gerade die letzten Sätze jetzt eher etwas negativ anhören, zählt "Ein Zombie hing am Glockenseil" zu meinen persönlichen All Time Favorites, was das Genre des Zombiefilmes betrifft. Selten hat mir ein Werk dieser Machart ein so stark ausgeprägtes Gefühl des Unwohlseins verpasst und mich gleichzeitig so sehr in seinen Bann gezogen, das mir kleinere Mankos absolut gar nichts ausmachen. Deswegen kann ich von meiner Seite aus auch bei diesem Film keinesfalls echte Objektivität walten lassen und komme so auch nach der unzähligsten Sichtung immer wieder zum gleichen Ergebnis. Fulci hat hier einen echten Meilenstein geschaffen, der auf keinen Fall aus dem Genre wegzudenken ist und immer wieder allerbeste Unterhaltung der spannenden-und derben Art anbietet.


Fazit:


Auch wenn etliche Leute es vollkommen anders sehen werden, liegt meiner Meinung nach mit Ein Zombie hing am Glockenseil" einer der besten Genre-Filme vor die jemals produziert wurden. Eine geheimnisvolle-und mysteriöse Geschichte, nervenzereißende Spannung und eine gigantisch bedrohliche Grundstimmung ergeben im Zusammenspiel mit einem nicht zu verachtenden Härtegrad die perfekte Mixtur, so das ich letztendlich nur eine Punktzahl vergeben kann.


10/10

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