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Donnerstag, 10. Juli 2014

Memory Effect







Memory Effect - Verloren in einer anderen Dimension
(Extracted)
mit Sasha Roiz, Jenny Mollen, Dominic Bogart, Richard Riehle, Nick Jameson, Rodney Eastman, Frank Ashmore, Brad Culver, Ty Simpkins, Sara Tomko, Augie Duke, Mattie Grace Campos, Bernhard Forcher
Regie: Nir Paniry
Drehbuch: Nir Paniry / Gabriel Cowan
Kamera: Mark Putnam
Musik: Tim Ziesmer
FSK 16
USA / 2012

Mit einer revolutionären Technologie kann der Wissenschaftler Tom in die Gedankenwelt anderer Menschen eintauchen. Vor allem die Verbrechensbekämpfung erhofft sich davon Revolutionäres und lässt es auf den Versuch ankommen: Nun soll Tom in den Verstand eines Junkies eindringen und herausfinden, ob man es mit einem Mörder zu tun hat. Zunächst verläuft das Experiment nach Plan. Doch dann reißt die Verbindung ab. Und Tom muss ausgerechnet im Gehirn eines Drogenabhängigen um sein Überleben kämpfen.


Hier trifft "Source Code" auf "Total Recall"


So steht es auf der Rückseite des deutschen DVD-Covers und in vorliegendem Fall handelt es sich dabei um einen Vergleich, den man aufgrund etlicher Anlehnungen durchaus nachvollziehen kann. "Memory Effect" bietet ganz sicher nicht das typische Hollywood Hochglanz-Kino, vielmehr ist es Regieneuling Nir Paniry gelungen mit verhältnismäßig bescheidenen Mitteln ein Spielfilmdebüt hinzulegen, das sich in jeder Beziehung sehen lassen kann. Was anderen Kollegen während ihrer gesamten Schaffenszeit nicht gelingt ist hier scheinbar locker entstanden, nämlich ein äußerst guter Science Fiction Film, der eine ungemein interessante Geschichte spannend und atmosphärisch erzählt. Dabei greift man nicht auf pompöse Effekte oder andere technische Spielereien zurück, sondern lässt ganz einfach die gut durchdachte Geschichte für sich selbst sprechen, die den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute in ihren Bann zieht. In den ersten Minuten gestaltet sich die Erzählung dabei ein wenig sprunghaft, wird man doch mit einem ständigen Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart konfrontiert, was in der Einführung zunächst für leichte Verwirrung beim Betrachter sorgen könnte, die sich allerdings schon nach wenigen Minuten in Luft auflöst. Die Idee, mittels einer Maschine in die Gedanken und Erinnerungen eines anderen Menschen einzudringen ist ebenso faszinierend wie auch beängstigend, steht dabei doch auch immer wieder der Begriff Kontrolle im Vordergrund, den der Regisseur hier auch mehrmals sehr gut zum Ausdruck bringt, denn zu Beginn sträubt sich Hauptfigur Alex noch, seine Maschine dem Justizapparat zur Verfügung zu stellen, um damit in die Erinnerungen eines mutmaßlichen Mörders einzudringen.

Als dann auch noch eine fatale Panne passiert, ist der gute Alex in einer anderen Dimension gefangen und kann nicht mehr aus seinem Gefängnis heraus, das sich im Kopf des erwähnten Mannes befindet. In der Folge beziehen die Abläufe einen Großteil ihrer Spannung aus den zu Beginn erfolglosen Versuchen von Alex, in irgendeiner Art und Weise eine Möglichkeit zu finden, wieder in sein reales Leben zurückzukehren, was sich aber ganz augenscheinlich als nahezu hoffnungslos herausstellt. Paniry ist es extrem gut gelungen die Spannungsschraube stetig immer fester anzuziehen und dabei nicht mit Lösungsversuchen aufzuwarten, die vollkommen an den Haaren herbeigezogen sind. Vielmehr werden Lösungen geboten, die aufgrund der Abläufe auch vollkommen logisch erscheinen und das ist eine der ganz großen Stärken der Geschichte, die wirklich von Anfang bis zum Ende gut durchdacht ist. So legt "Memory Effect" dann auch eine erstaunlich hohe Qualität an den Tag, die durch das Schauspiel der eher unbekannten Akteure noch zusätzlich herausgekehrt wird. Keinerlei Theatralik und schon gar keine ungelenk erscheinenden Darstellungen, sondern durch die Bank glaubwürdige Performances sind ein weiteres positives Aushängeschild in einem Film, der einen hervorragenden Gesamteindruck hinterlässt.

Neben der Hauptfigur steht der mutmaßliche Mörder im Mittelpunkt des Geschehens und aus seinen Erinnerungen heraus kristallisiert sich ein weiterer Spannungsmoment heraus, da während der Ereignisse immer mehr der Verdacht aufkommt, das der gute Mann gar nicht für den Tod seiner Freundin verantwortlich ist. Auch in diesem Punkt wurde ganz hervorragende Arbeit geleistet, denn obwohl einige Minuten vor dem Ende das gesamte Geschehen lückenlos aufgeklärt erscheint, hat Paniry einen finalen Twist eingebaut, der das Ganze noch einmal in einem anderen Licht erscheinen lässt. Dadurch erhalten dann auch einige zuvor gezeigte kleinere Details eine vollkommen andere Gewichtung und es wird der Story ein tragischer Anteil beigefügt, der absolut perfekt in das gewonnene Gesamtbild hineinpasst. "Memory Effect" ist kein Film der durch Action-Passagen oder ein äußerst hohes Erzähltempo auf sich aufmerksam macht, es sind viel eher die eher stillen Momente, die diesem Werk etwas ganz Besonderes verleihen. Zudem merkt man immer mehr, das die Macher sich hier wirklich Gedanken um ihre Geschichte gemacht haben und nicht einfach auf die Schnelle ein lückenhaftes Drehbuch erstellt haben.

So geht man dann im Endeffekt auch mit der Gewissheit aus einer Story heraus, das man gerade eben einen wirklich in allen Belangen gelungenen Film gesehen hat und es bewahrheitet sich einmal mehr, das es manchmal gerade die bescheidenen Produktionen sind, die den größten Eindruck hinterlassen. Gleichzeitig überkommt den Zuschauer das Gefühl das hier wirklich ein Regisseur am Werke war der mit einem großen Talent und dem Gespür für das Wesentliche ausgestattet ist, so das man hoffentlich auch in der Zukunft noch eine Menge von Nir Paniry hören-und sehen wird. Wie dem aber auch sei, für "Memory Effect" kann man ohne Weiteres eine dicke Empfehlung an alle aussprechen, die einen sehr guten-und anspruchsvollen Science Fiction Film zu schätzen wissen, der ohne großes Getöse eine faszinierende Geschichte erzählt und einen bis zur letzten Einstellung fantastisch unterhält.


Fazit:


Schon zu diesem noch frühen Zeitpunkt kann man wohl ohne Übertreibung behaupten, das "Memory Effect" zu den absolut positiven Überraschungen zählt, die dieses Jahr auf DVD veröffentlicht wurden. Eine tolle Story, jede Menge Spannung und erstklassig agierende Akteure machen dieses Werk zu einem echten Erlebnis, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.


8/10

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