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Sonntag, 6. Juli 2014

Pain







Pain
(Vile)
mit Eric Jay Beck, April Matson, Akeem Smith, Greg Cipes, Maya Hazen, Elisha Skorman, Heidi Mueller, Rob Kirkland, McKenzie Westmore, Ian Bohen, Stefanie Barboza, Maria Olsen, Maynard James Keenan, Mark Hengst
Regie: Taylor Sheridan
Drehbuch: Eric Jay Beck / Rob Kowsaluk
Kamera: Stewart Yost
Musik: keine Informationen
ungeprüft
USA / 2011

Es ist ein unvorstellbarer Albtraum: Eine zufällig zusammengewürfelte Gruppe von Leuten findet sich in einem hermetisch abgeriegelten Haus wieder. Keiner weiß, wieso sie eingeschlossen sind und wer dahinter steckt. Den eingeschlossenen wird nur mitgeteilt, dass die Freiheit einzig durch die Absolvierung eines unmenschlichen Experimentes erlangt werden kann. Von einem tödlichen Countdown unter Druck gesetzt müssen sich die Gefangenen gegenseitig schlimmste Schmerzen zufügen. Das Ziel ist, im Gehirn einen chemischen Prozess auszulösen, der nur durch Leid und Qualen erreicht werden kann…


Nachdem zumindest vorübergehend mit der "Saw-Reihe" das erfolgreichste Franchise im Bereich des Terror-und Folter Filmes auf Eis gelegt wurde, versuchen sich diverse andere Regisseure damit, dem Sub-Genre durch etliche Produktionen einige neue Impulse zu verleihen. Auch der vorliegende Regieerstling von Taylor Sheridan fällt in diese Sparte, wobei es sich allerdings um einen Film handelt, der vollkommen frei ist von neuen Impulsen und schon überhaupt keine Innovation beinhaltet, die man irgendwie positiv hervorheben könnte. Vielmehr bekommt der geneigte Gorehound ein Szenario offeriert, das selbst in seiner ungeschnittenen Version kaum nennenswerte visuelle Momente beinhaltet, denn anstatt hier mit derben Effekten zu schocken, präsentiert sich vielmehr ein Geschehen, das hauptsächlich über die psychische Schiene Schmerz beim Betrachter entstehen lässt. So fällt es mir dann auch ehrlich gesagt ein wenig schwer diverse andere Kritiken so richtig nachzuvollziehen, in denen von einem Beitrag voller Blut, Splatter-und Gore die Rede ist, denn in dieser Beziehung hält sich "Pain" doch eher sehr vornehm zurück. Ein paar herausgezogene Fingernägel, ein paar Arme für einige Sekunden im kochenden Wasser und einige Verbrennungen durch ein Bügeleisen sind doch im Prinzip die wenigen visuellen Highlights, wohingegen der Rest lediglich in Andeutungen zu sehen ist, so das hier letztendlich einmal mehr die Vorstellungskraft des Betrachters gefordert ist.

Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich mag die Filme in dieser Art, die einen immensen Härtegrad im Kopf entstehen lassen, ohne sich dabei zu sehr über die ins Bild gesetzte Härte zu definieren. Dann sollte man aber auch nicht durch falsche Beschreibungen andere in die Irre leiten, denn der echte Gorehound wird wohl vielmehr mit einer ziemlichen Enttäuschung aus diesem Werk herauskommen und sich ziemlich ärgern, so viel Geld für ein Mediabook bezahlt zu haben. Aber wie schon erwähnt, Sheridan bietet einem trotzdem solide Genre-Kost, auch wenn die Geschichte an sich ziemlich an den Haaren herbeigezogen erscheint. Zudem fasst man sich einmal mehr des Öfteren an den eigenen Kopf, wenn man diverse Handlungsweisen der einzelnen Figuren genauer betrachtet, denn logisch nachvollziehbare Dinge sollte man hier nicht unbedingt voraussetzen. Gleichzeitig glänzen die Akteure auch nicht unbedingt durch wirklich überzeugendes Schauspiel und die deutsche Synchronisation sorgt dafür, das diverse Charaktere sich wie Kermit der Frosch anhören. Nun sind das alles nicht gerade Dinge, die für eine Empfehlung von "Pain" sprechen, doch irgendwie schafft es das Szenario trotzdem, einen auf eine kaum zu definierende Art und Weise in seinen Bann zu ziehen. Vielleicht ist dies einfach nur darin begründet, das man ganz einfach sehen möchte ob irgend jemand der zugegebenermaßen bedrohlichen Lage entkommen kann, in der sich die Protagonisten befinden.

Gleichzeitig herrscht da aber auch von Beginn an dieses unbestimmte Gefühl vor, das zumindest eine Person aus der Gruppe nicht mit offenen Karten spielt und diverse Dinge verheimlicht. So ist es dann auch keine echte Überraschung, das die von Sheridan sicherlich als Überraschungsmoment geplante Wendung kurz vor dem Ende als ziemlicher Rohrkrepierer verendet, denn wenn man nicht ganz auf den Kopf gefallen ist und sich einigermaßen mit den Folterfilmen auskennt, dann wirkt das Finale viel eher als laues Lüftchen, als das man hier noch einmal einen wahren Knall-Bonbon serviert bekommen hätte. Man dürfte also merken, das es sich um einen eher recht durchwachsenen Beitrag handelt der sicherlich seine starken Momente hat, aber in der Hauptsache doch maximal im oberen Durchschnittsbereich anzusiedeln ist. Es gibt unzählige schlechtere Vertreter dieser Art, doch das von vielen leuten eventuell erwartete Highlight ist "Pain" mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht. Dafür fehlt es einfach auch an der nötigen visuellen Härte, den zumindest einige gorige Passagen hätten dem Gesamtbild bestimmt nicht sonderlich geschadet.

So aber wartet man gut 85 Minuten lang auf heiß ersehnte Höhepunkte, die sich letztendlich aber definitiv nicht zu erkennen geben. Und so bezieht der Film seine Stärke hauptsächlich aus der Vorstellung des Zuschauers und aus der extrem fiesen Ausgangssituation, in der sich die Akteure befinden. Bei manch einem kommt dann auch der wahre Charakter zumindest ansatzweise zum Vorschein, doch um einen wirklich nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen, fehlt es ganz deutlich an der nötigen Tiefe. Ganz wichtig ist eventuell noch der Aspekt, das man im Prinzip für keine einzige der Figuren wirkliche-und echte Sympathie aufbringen kann, was unweigerlich in der äußerst oberflächlichen Beleuchtung der Charaktere begründet ist. Selbst die durchaus vorhandenen Gut-Menschen wirken seltsam leblos und warten nicht unbedingt mit den schauspielerischen Leistungen auf, die diesen Eindruck positiv verändern könnten. Im Endeffekt bleibt so also ein Beitrag übrig den man sich ohne Weiteres zu Gemüte führen kann, jedoch sollte man keinesfalls darauf hoffen, das "Pain" mit sonderlich viel visueller Härte aufwartet, denn diese wird leider fast gänzlich nur angedeutet.


Fazit:


Ehrlich gesagt hätte ich mir zumindest ein wenig mehr von diesem Film erwartet, der in der in Deutschland erhältlichen Version sogar noch um über 8 Minuten erleichtert wurde. Nach Ansicht des Filmes fragt man sich allerdings nach dem "Warum", denn auch in der ungeschnittenen Variante wäre eine 18er Freigabe durchaus gerechtfertigt gewesen. Eventuell bin ich diesen Dingen gegenüber auch schon ein wenig abgestumpft, aber selbst der harmloseste Teil der "Saw-Reihe" ist weitaus härter gestaltet, als es hier der Fall ist.


6/10

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