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Donnerstag, 31. Juli 2014

Symphony in Blood Red







Symphony in Blood Red
(Come una crisalide)
mit Sharon Alessandri, Nikol Brown, Federica Carpico, Tony Cimarosa, Michela Foresta, Fabio Giovannini, Anna Morosetti, Simona Oliverio, Matteo Pastore, Riccardo Serventi Longhi, Antonio Tentori, Gianluca Testa
Regie: Luigi Pastore
Drehbuch: Luigi Pastore / Antonio Tentori
Kamera: Tiziano Pancotti
Musik: Claudio Simonetti
keine Jugendfreigabe
Italien / 2010

Ein vom Tod besessener Geisteskranker tötet im Affekt seine Psychologin, die ihn wieder zurück in die Anstalt bringen wollte. Fortan therapiert er sich nun selbst, indem er seine Opfer beim Töten photographiert und gleichzeitig seine eigenen Gedanken beim Höhepunkt der Wahnsinnstaten beschreibt. Die Opfer selbst sucht sich der Psychopath nach einem komplexen Schema aus, dessen Ursprung seine krankhafte Ablehnung der Gesellschaft und die vielfältigen Widersprüche des Lebens sind. Als er eines Tages jedoch zufällig die schöne, aber schüchterne Lisa im Park trifft, wächst im Triebtäter die Illusion, dass Reinheit und Liebe in seinem Leben wieder eine Rolle spielen könnten ...


Der italienische Gialli feiert ja in den letzten Jahren durch einige Produktionen eine kleine Wiederauferstehung und Werke wie beispielsweise "Glam Gore", die deutsche Produktion "Masks" oder auch der kürzlich erschienene "Tulpa" hauchen dem Sub-Genre wieder neues Leben ein. Schon 2010 erschien mit vorliegendem "Symphony in Blood Red" ein weiterer Vertreter, der zwar prinzipiell mehr zum italienischen Horrorfilm tendiert, sich aber gleichzeitig auch der üblichen Mechanismen des Gialli bedient. Regisseur Luigi Pastore legte mit seinem Erstling eine Geschichte vor die sich ganz bestimmt nicht über die inhaltliche Tiefe definiert, handelt es sich doch vielmehr um eine notwendige Rahmenhandlung, die nicht unbedingt durch sehr viel Substanz ins Auge fällt. Der Zuschauer bekommt die handelsübliche Mordserie geboten und muss aber auch gleichzeitig feststellen, das sich dieses Werk relativ stark von den üblichen Genre-Vertretern abhebt. So steht beispielsweise die Identität des Mörders in keiner Phase des Geschehens im Mittelpunkt und auch die Opfer des Killers werden eher willkürlich ausgewählt, wobei zwischen den Geschlechtern keinerlei Unterschied gemacht wird. Pastore versucht vielmehr die Beweggründe seiner Hauptfigur in den Fokus zu rücken, wobei er durch immer wieder eingestreute Rückblenden in die Vergangenheit des Mannes die Motive präsentiert, die ganz offensichtlich für dessen psychopathisches Verhalten verantwortlich sind.

Gewalt und Missbrauch stehen dabei ganz eindeutig im Vordergrund und auch wenn man kein Verständnis für die begangenen Morde aufbringen kann, empfindet man doch ein wenig Mitleid mit einem Menschen, der durch die ihm zugefügten Leiden einen solch starken Mordtrieb entwickelt hat, das etliche Menschen auf brutalste Art und Weise ihr Leben verlieren. Nun verhält es sich so, das unter den Opfern durchaus Personen zu finden sind, die für die Leiden in der Kindheit des Killers verantwortlich sind, wohingegen andere vollkommen unbeteiligt sind. Manch einer mag darin etwaige Logiklöcher erkennen, doch kommt während der Geschichte mehr als einmal stark zum Ausdruck, das der Täter unter einer Art innerlichem Zwang steht und das unbedingte Verlangen verspürt, anderen Menschen das Leben zu nehmen. Bei diesem Aspekt wird hier auch eine richtig gute Charakter-Beleuchtung des Mörders vorgenommen und der Zuschauer bekommt einen tiefen Einblick in dessen Psyche. In gewisser Art und Weise wird die Geschichte sowieso aus den Augen des Killers gezeigt, so das diverse Ähnlichkeiten zu Alexandre Aja's "Maniac" zu erkennen sind. Das macht die Ereignisse noch um Einiges interessanter und lässt so auch gleichzeitig eine Intensität aufkommen, die wirklich nicht von schlechten Eltern ist. Das wird durch die enthaltene Voice-over Technik noch zusätzlich unterstützt, denn schließlich erzählt der Täter hier seine eigene Geschichte und verleiht dieser durch das Aufnehmen mit einer Video-Kamera einen fast schon dokumentarischen Anstrich, was die Abläufe für den Betrachter unglaublich realistisch erscheinen lässt.

Sicherlich hätte Pastore das vorhandene Potential noch intensiver ausschöpfen können, doch auch in vorliegender Form stellt "Symphony in Blood Red" eine nahezu brutale Charakter-Studie eines gequälten Menschen dar, der nur durch die Ermordung anderer Menschen von einem immensen Druck befreit werden kann, der zentnerschwer auf seiner Seele lastet. Eingefangen wurde das in teilweise grandiosen Bildern, die von einem genialen Score unterlegt sind. Das ist aber auch nicht weiter verwunderlich, zeichnet doch mit Claudio Simonetti der ehemalige Keyboarder der Band Goblin verantwortlich, was eigentlich jedem Fan ein absoluter Begriff sein dürfte. Es offenbart sich also insgesamt gesehen ein äußerst stimmiges Gesamtpaket, in dem auch ein relativ hoher Härtegrad zu erkennen ist, denn die meisten Kills sind doch ziemlich blutig-und derbe in Szene gesetzt wurde. Phasenweise ergibt sich sogar ein surreal erscheinender Bilderrausch, denn die ständigen Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit, sowie diverse Visionen sorgen größtenteils für einen visuellen Hochgenuss. Und so hat Pastore letztendlich ein audiovisuelles Gesamtpaket geschnürt das den Genre-Fan absolut begeistern kann und streckenweise sogar in regelrechte Verzückung versetzt. Da nimmt man dann auch gern einmal in Kauf, das die Story an sich nicht ganz so ausgefeilt daher kommt wie es sicherlich möglich gewesen wäre, denn die dezenten Abstriche sind definitiv zu verschmerzen.

Insgesamt gesehen handelt es sich hier um einen rundum gelungenen Regie-Erstling, der einen gelungenen Spagat zwischen Horrorfilm-und Gialli darstellt. Das liegt sicherlich auch in der Tatsache begründet, das Regieneuling Pastore auch schon mit den Größen des italienischen Films zusammengearbeitet hat, unter denen sich Namen wie Dario Argento oder auch Lucio Fulci zu finden sind. Betrachtet man vorliegenden Film nun einmal unter diesem Aspekt, dann dürfte wohl der Einfluss von Argento am stärksten zum tragen kommen und so kann man als Liebhaber des Genres nur inständig hoffen, das Luigi Pastore auch in Zukunft noch mit weiteren Werken auf sich aufmerksam machen kann. Nachdem "Symphony in Blood Red" ja zuerst lediglich über Österreich zu beziehen war, wird der Film nun noch einmal von Ascot Elite herausgebracht. Dabei wird es sowohl eine DVD, eine Blu-ray und auch ein schickes Mediabook geben, wobei mir Letzteres zur Ansicht vorlag. Neben dem Film auf DVD und mehreren Extras enthält das Mediabook auch noch eine Soundtrack-CD und ist mit einem informativen Booklet ausgestattet, so das eine Anschaffung dieser gelungenen Veröffentlichung auf jeden Fall empfehlenswert erscheint.


Fazit:


"Symphony in Blood Red" ist ein mehr als nur gelungener Neo-Gialli und bietet erstklassige Genre-Kost. Liebhaber dürften hier auf ihre Kosten kommen und auch wenn die Geschichte rein inhaltlich sicher kleinere Schwächen erkennen lässt, weiß das Werk in allen anderen Belangen gänzlich zu überzeugen. Wer also bisher noch nicht zugegriffen hat sollte dies auf jeden Fall nachholen, denn dieser Film wandert bestimmt nicht nur zur einmaligen Sichtung in den heimischen DVD-Player.


8/10

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