Follower

Montag, 11. August 2014

Der blinde Fleck - Täter, Einzeltäter, Attentäter?






Der blinde Fleck - Täter, Einzeltäter, Attentäter?
(Der blinde Fleck - Täter, Einzeltäter, Attentäter?)
mit Benno Fürmann, Nicolette Krebitz, Heiner Lauterbach, Jörg Hartmann, August Zirner, Udo Wachtveitl, Miroslav Nemec, Isolde Barth, Anna Grisebach, Walter Hess, Michael Jäger, Simone Kabst, Tessa Mittelstaedt
Regie: Daniel Harrich
Drehbuch: Ulrich Chaussy / Daniel Harrich
Kamera: Tobias Corts / Walter Harrich
Musik: Ian Honeyman
FSK 12
Deutschland / 2013

Der BR-Reporter Ulrich Chaussey berichtete 1980 über das Oktoberfest-Attentat mit 13 Toten und mehr als 211 zum Teil schwer Verletzten. Im Zuge seiner akribischen Recherchen stößt er auf Ungereimtheiten und Lügen, auf eine Mauer des Schweigens von Justiz und Politik. Bald hegt er Zweifel an den offiziellen Ermittlungsergebnissen und vor allem an der Theorie des Einzeltäters. Die Suche nach der Wahrheit lässt ihn nicht mehr los, auch wenn durch seine Besessenheit fast die Ehe in Gefahr gerät. Die Fakten sind erschreckend.


Gut gemachte Polit-Dramen die auf einem wahren Fall beruhen beinhalten immer eine gewisse Brisanz. Auch im Fall von "Der blinde Fleck" verhält sich das keinesfalls anders und so bekommt man wieder einmal ein Stück deutscher Zeitgeschichte präsentiert, bei dem die Ermittlungen nach den Bombenanschlag auf das Münchner Oktoberfest von 1980 im Mittelpunkt stehen. Dabei thematisiert der Film nicht den Anschlag an sich, sondern vielmehr die sogenannten Ermittlungen der Behörden, die wohl ganz augenscheinlich von größter Manipulation durchzogen waren. Daniel Harrich baut seine Story auf den Recherchen des BR-Mitarbeiters Ulrich Chaussy auf, der auch gleichzeitig mit für das Drehbuch verantwortlich zeichnet. Bis in die heutige Zeit ist der Fall nie restlos aufgeklärt worden und so offenbart sich dem Zuschauer hier ein Szenario, das förmlich ein Paradebeispiel dafür liefert, wie auf dem Rücken normaler Bürger die große Politik gemacht wird und dabei offen liegende Fakten ganz einfach unter den Tisch gekehrt werden.

Wirkliche Antworten kann die Geschichte natürlich nicht liefern und so wird man stattdessen mit jeder Menge Einzelheiten konfrontiert, die alle zusammen genommen schon einen handfesten Skandal ergeben. Schnell wird der Betrachter dabei in eine ganze bestimmte Richtung gelenkt und mit einem angeblichen Einzeltäter bedient. Relativ schnell wird jedoch klar, das bei den vorliegenden Indizien davon überhaupt keine Rede sein kann und mit zunehmender Laufzeit kristallisiert sich heraus, das unzählige Beweise mit voller Absicht regelrecht ignoriert wurden. Auch der Grund dafür wird angedeutet, stehen doch die Bundestagswahlen vor der Tür und eine genaue Untersuchung der Vorfälle könnten den Wahlsieg des damaligen bayrischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauss gefährden. Also wird kurzerhand auf die gröbste Art und Weise manipuliert und selbst gewisse Teile der Presse scheinen an diesem politischen Komplott beteiligt zu sein. Diese Fakten bekommt man allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt geliefert und auch die wahren Hintergründe des Ganzen bleiben letztendlich der Interpretation des Zuschauers überlassen, doch das die rechte Szene hier im Mittelpunkt der Ereignisse steht, kommt immer stärker zum Vorschein.

Es ist schon unglaublich wenn man sieht, wie an den Tag geförderte Beweise der Hauptfigur Chaussy einfach ignoriert werden, in dem der politische Machtapparat seine ganze Stärke ausspielt und den Angehörigen der Opfer die Wahrheit vorenthalten wird. An diesem Punkt möchte man ehrlich gesagt gar nicht so genau wissen, was sich hinter den Mauern der Macht so alles abspielt, von der der ganz normale Bürger noch nicht einmal den Ansatz einer Ahnung hat. Benno Führmann kann in der Rolle des Ulrich Chaussy absolut überzeugen und verkörpert mit sehr viel darstellerischer Kraft einen Mann der sein eigenes Privatleben gefährdet, da er sich regelrecht in die Recherchen verbeißt. Sich selbst der Gefahr aussetzend geht er mit dem größten Eifer daran, die wahren Hintergründe des Anschlages aufzudecken, muss aber zum Ende hin erkennen, das er ganz offensichtlich keine Chance gegen den übermächtigen Regierungsapparat hat. Auch als er im Jahr 2006 durch die neuen Möglichkeiten der DNA Analyse den Fall noch einmal neu aufrollen will, werden ihm wieder Steine zwischen die Beine geworfen, zudem sollen zuvor vorhandene Beweise auf einmal vernichtet worden sein.

"Der blinde Fleck" ist ein Film, in dem man definitiv keinerlei Action oder jede Menge Tempo erwähnen sollte. Das Werk besteht in der Hauptsache aus Dialogen, doch diese liefern einem einen recht guten Einblick in eine politische Verschwörung, denn anders kann man das Gesehene schwerlich beschreiben. Ohne Rücksicht auf Angehörige und die Ehre der Toten werden hier Ermittlungen manipuliert und den Bürgern unter Mithilfe der Presse angebliche Tatsachen verkauft, die im Prinzip jeder normal denkende Mensch logisch entkräften könnte. Das die falschen Fakten aber anscheinend trotzdem von den meisten Menschen einfach akzeptiert werden zeigt meiner persönlichen Meinung nach eindeutig, das diese einfach nur von den richtigen Personen ausgesprochen werden müssen, um ihre ganze manipulative Kraft entfalten zu können. 


Fazit:


Lösungen und eine durch Fakten untermauerte Wahrheit bietet "Der blinde Fleck" zwar nicht, aber der Film zeigt ganz eindeutig die Umrisse einer politischen Manipulation, die einen als Zuschauer unglaublich nachdenklich stimmt. Gute Darsteller und eine jederzeit stimmige Inszenierung sorgen dabei dafür, das die Geschichte von der ersten bis zur letzten Minute interessante und auch spannende Filmkost bietet.


8/10

Keine Kommentare: