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Dienstag, 2. September 2014

Die Passion Christi






Die Passion Christi
(The Passion of the Christ)
mit Jim Caviezel, Maia Morgenstern, Christo Jivkov, Francesco De Vito, Monica Bellucci, Mattia Sbragia, Toni Bertorelli, Luca Lionello, Hristo Shopov, Claudia Gerini, Fabio Sartor, Giacinto Ferro, Aleksander Mincer
Regie: Mel Gibson
Drehbuch: Benedict Fitzgerald / Mel Gibson
Kamera: Caleb Deschanel
Musik: John Debney
FSK 16
USA / 2004

Die letzten zwölf Stunden im Leben des Jesus von Nazareth - qualvolle Stunden, die ihren Ausgang nehmen mit der Verhaftung im Garten Gethsemane. Zunächst ist da der Verrat durch seinen Jünger Judas Ischariot; es folgen die schwierige Urteilsfindung, die Todesstrafe, ausgesprochen vom römischen Stadthalter Pontius Pilatus, sein Leidensweg von Jerusalem auf den Berg Golgatha und die abschließende Kreuzigung. Dazwischen: die Versuchung Satans, der Trost der Mutter. Dann erst, endlich: die Erlösung durch Gottvater.


Wohl nur wenige Filme haben in den letzten Jahren schon im Vorfeld ihres Erscheinens für so viel Wirbel gesorgt wie der 2004 erschienene "Die Passion Christi", in dem Regisseur Mel Gibson seine künstlerische Variante über die 12 letzten Stunden im Leben von Jesus von Nazareth zum Besten gibt. Handelt es sich doch hierbei um eine extrem drastische Darstellung der Leiden des Mannes der von seinem eigenen Volk an die Römer ausgeliefert wurde, um letztendlich von diesen gekreuzigt zu werden. Man muss sich nur einmal die unterschiedlichsten Kritiken zu diesem Werk anschauen um zu erkennen, das wohl nur eine geringere Anzahl von Filmen so dermaßen kontroverse Meinungen nach sich ziehen. Das bezieht sich wohl in erster Linie auf die explizit dargestellten Gewaltmomente mit denen die Geschichte angereichert ist und zugegebenermaßen kann man sich als Zuschauer durchaus die berechtigte Frage stellen, ob ein solch hoch angesiedelter Härtegrad unbedingt notwendig war, um die Leiden eines Menschen in Szene zu setzen und dabei diverse-und äußerst brachiale Stilmittel zu verwenden die den Zuschauer phasenweise recht sprachlos zurücklassen. Aus den ansonsten üblichen Bibel-Verfilmungen mit dieser Thematik ist man doch ansonsten eher ein weich gespültes Programm gewohnt und wird eher selten auch nur mit dem Ansatz visueller Härte konfrontiert. Gibson ist an dieser Stelle einen vollkommen anderen Weg gegangen und stellt die Leiden Christi mit einer Vehemenz dar, die einem durchgehend mächtig zu schaffen macht und sich unauslöschbar in das eigene Gehirn einbrennen. 

Das "Die Passion Christi" dabei von vielen Leuten sogar als Splatterfilm kategorisiert wird halte ich persönlich für stark übertrieben, denn trotz vieler wirklich unter die Haut gehender Passagen beschränkt man sich doch darauf, möglichst authentisch-und glaubwürdig eine Szenerie zu schaffen, wie sich die damaligen Ereignisse zugetragen haben könnten. Und ganz ehrlich gesagt erscheinen einem die hier ins Bild gesetzten Qualen-und Leiden eines Mannes doch auf jeden Fall nachvollziehbar und unterscheiden sich ganz erheblich von den ansonsten eher sauber wirkenden Filmen, die sich mit der Kreuzigung beschäftigen. Der einzige Aspekt der wirklich Fragen aufwirft ist derjenige, ob ein Mensch überhaupt die dargestellten Geißelungen und Folterungen körperlich ertragen könnte, ohne dabei schon vorzeitig sein Leben auszuhauchen. Es ist schwerlich nachzuvollziehen, das ein zutiefst geschundener Körper die hier in Szene gesetzten Qualen so lange aushalten kann und insbesondere die streckenweise regelrecht zelebrierten Schmerzen der Hauptperson sind wohl auch der größte Kritikpunkt vieler Leute, die in diesem Werk eine sinnlose Verrohung eines biblischen Themas sehen. Dabei glaube ich nicht wirklich, das man Gibson's Version lediglich auf seinen Härtegrad reduzieren sollte, der auch vielmehr dazu dient einen durchaus glaubwürdigen Eindruck über das echte Leiden Christi wieder zu geben. Unterstützt wird das Ganze durch einen immens wuchtigen Score von John Debney und einer rauen-und dreckigen Grundstimmung, die so vollkommen anders daher kommt als die meistens in den alten Hollywood-Filmen übliche-und viel zu glatte Atmosphäre.

Eine weitere herausragende Stärke der Geschichte ist ganz bestimmt Jim Caviezel, der in der Figur von Jesus eine wahre Glanzleistung abliefert. Wenn je der Schmerz und das Leid eines Mannes nahezu perfekt ins Bild gesetzt wurden, dann ist dies nämlich in vorliegender Story der Fall. Die Performance des Hauptdarstellers ist dabei so überzeugend das selbst der Betrachter vermeint, die zugefügten Schmerzen am eigenen leibe zu spüren, was im Prinzip die ganze Zeit über für ein extrem unbehagliches Gefühl Sorge trägt und einen dicken Kloß im Hals entstehen lässt. Lediglich einige Rückblenden in das Leben von Jesus sorgen für ein klein wenig Entspannung, ansonsten wird man eigentlich durchgehend mit einem von Härte durchzogenen Film konfrontiert, der einem merklich unter die Haut geht und dessen teils grausame Bilder wie eine zentnerschwere Last auf den eigenen Schultern liegen. An manchen Stellen möchte man am liebsten unter dem enormen Druck zusammenbrechen, zu intensiv und grausam erscheinen einem doch die kraftvollen Bilder, mit denen Gibson einer unzählige Male verfilmten Thematik in Sachen Härte neue Dimensionen verleiht und so auch ganz bewusst ein kontroverses Meisterwerk geschaffen hat, das seit jeher die Meinungen spaltet. Wie dem aber auch sei und ganz egal wie man zu diesem Werk stehen mag, auf jeden Fall kann man sich die hier gezeigten Abläufe viel eher vorstellen kann als die ansonsten doch geschönten Versionen die man immer wieder zu sehen bekommt.

Bei meiner ersten Sichtung vor mehreren Jahren konnte mich diese Version nicht so gänzlich überzeugen und vor allem die Tatsache das der Film in hebräischer Sprache vorliegt empfand ich damals als störend. Dieser Eindruck hat sich mittlerweile total geändert, denn gerade der Umstand untermalt den authentischen Eindruck dieser Geschichte, die viel mehr zu bieten hat als die zugegebenermaßen häufig vertretenen Härte-Passagen. Insgesamt gesehen handelt es sich nämlich um eine mögliche Version der letzten Stunden eines Mannes, die in der hier dargestellten Variante weitaus glaubwürdiger erscheint, als in etlichen "sauberen" Bibel-Filmen. Wenn man schon in so vielen Fällen immer wieder von den Leiden Christi spricht, dann gibt es wohl kaum eine andere filmische Umsetzung, die diese so eindrucksvoll und vehement zum Ausdruck bringt, wie es in "Die Passion Christi" definitiv der Fall ist. Gibson hat hier einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt das er nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Regisseur eine Menge auf dem Kasten hat. Dabei scheut er auch nicht davor zurück ein kontroverses Meisterwerk zu schaffen, das in vorliegendem Fall meiner persönlichen Meinung nach auf jeden Fall entstanden ist und das einen extrem nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis hinterlässt.


Fazit:


Ob man gläubig ist oder auch nicht, man sollte sich dieses eindrucksvolle Werk auf jeden Fall zumindest einmal anschauen, um sich auch selbst ein Bild davon zu machen. Für manche nur eine Ansammlung unnötiger Härte, stellt "Die Passion Christi" für viele andere Leute einen absoluten filmischen Hochgenuss dar, der zudem für kontroverse Diskussionen sorgt.


10/10

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