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Samstag, 6. September 2014

RoboCop (2014)






RoboCop
(RoboCop)
mit Joel Kinnaman, Gary Oldman, Michael Keaton, Abbie Cornish, Jackie Earle Haley, Michael K. Williams, Jennifer Ehle, Jay Baruchel, Marianne Jean-Baptiste, Samuel L. Jackson, Aimee Garcia, Douglas Urbanski
Regie: José Padilha
Drehbuch: Joshua Zetumer / Edward Neumeier
Kamera: Lula Carvalho
Musik: Pedro Bromfman
FSK 12
USA / 2014

Im Jahr 2028 ist Amerikas Kriegsführung automatisiert, die Einführung von Kampfrobotern im nationalen Polizeieinsatz per Gesetz aber unmöglich gemacht. Das Dilemma, dass die Öffentlichkeit Maschinen misstraut, soll Murphy lösen, ein Cop, dessen Körper nach einem Anschlag fast völlig zerstört wurde. Dank Hightech-Maschinenteilen bleibt Murphy am Leben und soll als Robocop für Recht und Ordnung sorgen. Das tut er mit großer Effizienz, bis Emotionen seine Programmierung stören und das lukrative Geschäft eines Konzernchefs gefährden.


Und wieder einmal bestätigt es sich, das die Neuauflage eines filmischen Klassikers nicht immer die bessere Wahl sein muss, denn was einem José Padilha mit dem unter seiner Regie entstandenen "RoboCop" inszeniert hat, ist im Prinzip nur noch bedingt mit dem Genre-Klassiker von Paul Verhoeven zu vergleichen, der 1987 das Licht der Filmwelt erblickte. Über die Geschichte an sich muss man nicht viel sagen und das Grundgerüst des damaligen Werkes ist auch durchaus vorhanden, doch damit hat es sich dann auch schon, denn ansonsten hat dieser lahme Aufguss kaum noch etwas mit dem düsteren-und sozialkritischen Film von damals zu tun, der zudem auch in Sachen Härte eine ganze Menge mehr zu bieten hat als vorliegendes Szenario. Dabei ist diese Bezeichnung noch stark untertrieben, denn nach einem zugegebenermaßen ordentlichen Einstieg dümpelt das Ganze erst einmal eine geschlagene Stunde vor sich hin, bevor der Titelheld überhaupt einmal in Aktion zu sehen ist. Die Zeitspanne wird dabei mit sentimentalem Gesülze ausgefüllt, ohne das von irgendwelchen Action-Passagen auch nur ein Hauch zu verspüren wäre. Schon im Vorfeld hatte man als Fan des Originals die übelsten Vorahnungen, denn eine 12er Freigabe deutet nun nicht unbedingt darauf hin, das in vorliegendem Fall auch nur annähernd ein Szenario wie im doch ziemlich brachial erscheinenden Original zu erwarten ist. Doch was Padilha an dieser Stelle fabriziert hat ist schon fast ein Schlag ins Gesicht, offenbart sich doch über 100 Minuten lang eine äußerst lahme-und zudem weich gespülte Neuauflage die ausschließlich für die breite Masse in Szene gesetzt wurde.

Wenn ich mich recht erinnere ist im gesamten Geschehen nicht ein einziger Tropfen Blut zu sehen und wenn man sich gedanklich einmal die 87er Variante vor Augen führt, wurde der Neuauflage eine ganze Menge von dem genommen, was das Original in den vergangenen Jahrzehnten zum absoluten Kultstatus verholfen hat. War es doch die mehr als gelungene Mixtur aus jeder Menge Action, teils rabiater Härte und jeder Menge sozialkritischer Elemente, die so wunderbar sarkastisch in Szene gesetzt wurden, das man seine helle Freude am Original hatte. Hier jedoch ist davon kaum noch etwas zu spüren und wenn Samuel L. Jackson nicht in einer absolut brillanten aber viel zu kleinen Nebenrolle zu sehen wäre, würde man hier überhaupt keine politischen Spitzen erkennen. Ganz generell beinhaltet "RoboCop" seine Stärken lediglich im Schauspiel einiger sehr bekannter Akteure, denn neben Jackson gibt es auch ein Wiedersehen mit Michael Keaton oder auch Gary Oldman. Hauptdarsteller Joel Kinnaman wirkt hingegen eher etwas befremdlich in der Rolle des "RoboCops" und kann nicht ansatzweise an die Ausstrahlung eines Peter Weller heranreichen. Mit diesem Manko könnte man ja noch einigermaßen leben, doch die Fokussierung des Geschehens auf Murphy's Familie lässt den gesamten Film zu fast schon elendigem Kitsch verkommen und die eigentlichen Hauptelemente viel zu kurz kommen, was den eh schon nicht besonders guten Eindruck noch zusätzlich nach unten korrigiert.

Ich habe wirklich nichts gegen Filme, in denen die emotionale Ebene in den Vordergrund gerückt wird, wenn dies jedoch beim Remake eines Genre-Highlights der 80er Jahre passiert, dann ist bei der Herstellung dieses Werkes irgend etwas ganz tierisch in die Hose gegangen. Die relativ wenig vorhandenen Action-Elemente kann man sich an beiden Händen abzählen, zudem fallen diese für die heutige Zeit noch nicht einmal sonderlich spektakulär aus, so das im Prinzip in sämtlichen Belangen die Vorlage von Verhoeven mehr als deutlich die Nase vorn hat. Da hilft es dann auch recht wenig, der Hauptfigur ein farblich anderes Aussehen zu verpassen, denn selbst diese als Neuerung gedachte Variante stellt sich doch letztendlich als weitere Peinlichkeit heraus, die sich somit nahtlos zu den unzähligen Defiziten gesellt, die diese unnütze-und vollkommen überflüssige Neuauflage beinhaltet. Bei einem geschätzten Budget von 100.000.000 $ hätte man als geneigter Fan wohl etwas mehr erwarten dürfen, doch in vorliegender Form kann man lediglich bescheinigen, das die ausgegebene Summe wohl ziemlich unnütz aus dem Fenster geschmissen wurde. 

Zwangsläufig wurde ich hier schon ein wenig an "Total Recall" erinnert, denn auch dort wurde das Remake viel zu sehr auf den heutigen Mainstream gebürstet, um eine möglichst große Zielgruppe bedienen zu können. Wenn einem Film aber aus solchen Gründen fast der gesamte Charakter wie auch die Faszination genommen wird dann sollte man in Hollywood doch lieber ganz auf die Remakes solch wunderbarer Klassiker verzichten, da diese Weichspüler-Neuauflagen doch wirklich niemand braucht. Denn selbst wenn man mit äußerst niedrigen Erwartungen an vorliegenden Film herangeht, werden diese noch einmal unterboten und auch wenn das Szenario sicherlich in technischer Hinsicht auf einem guten Niveau daher kommt, verbietet sich doch fast ein direkter Vergleich mit dem brillanten Original, das ganz eindeutig die Nase um mehrere Längen voraus hat.


Fazit:


Sorry Mr. Padilha, aber dieses extrem lahme Remake ist eigentlich schon eine faustdicke Beleidigung für die Vorlage von Paul Verhoeven, die selbst nach nunmehr fast schon drei Jahrzehnten ganz klar die bessere Variante darstellt und dabei all das beinhaltet, was die neue Version so schmerzhaft vermissen lässt. Hoffentlich kommt niemand auf die Idee, diesen langweiligen Blockbuster-Mist auch noch fortzusetzen, doch hier wird wohl nur der Wunsch der Vater des Gedankens bleiben. Hollywood wird die Kuh sicherlich melken so lange auch noch ein einzelner Dollar aus dem Euter zu quetschen ist.


4/10

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