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Freitag, 31. Oktober 2014

Crazies






Crazies
(The Crazies)
mit Lane Carroll, Will MacMillan, Harold Wayne Jones, Lloyd Hollar, Lynn Lowry, Richard Liberty, Richard France, Harry Spillman, Will Disney, Edith Bell, Bill Thunhurst, Leland Starnes, A.C. McDonald, Robert J. McCully
Regie: George A. Romero
Drehbuch: George A. Romero / Paul McCollough
Kamera: S. William Hinzman
Musik: Bruce Roberts
FSK 16
USA / 1973

Nachdem eine Militär-Flugzeug, welches biologische Waffen transportiert, in der Nähe des Ortes Evans City/Pennsylvania abstürzt, verseucht der an Bord befindliche Virenstamm das Trinkwasser der Umgebung - was Folgen für die Betroffenen hat: Tod oder irreparable Schädigung des Gehirns. Die Regierung lässt durch die U.S. Army das Gelände abriegeln, um die Situation unter Kontrolle zu bekommen. Doch die mangelnde Informationspolitik und das brutale Vorgehen der Soldaten schürt Misstrauen und Panik unter den Einwohnern. Als es dann auch noch brutalen Gewaltausbrüchen durch die Infizierten kommt, die auch Todesopfer unter den Soldaten fordern, gerät die Lage komplett außer Kontrolle. Insbesondere, da das hoch ansteckende Virus auch die Soldaten infiziert. Das Ende lässt sich nicht mehr aufhalten...


Regie-Legende George A. Romero ist in erster Linie durch seine Zombie-Filme weltberühmt geworden, wobei so manches Mal einige seiner brillanten Frühwerke fast sträflich vernachlässigt werden. Auch "Crazies" aus dem Jahr 1973 ist so ein Fall, obwohl die hier erzählte Geschichte doch gerade den typischen Romero-Stempel trägt. Mittlerweile ist diesem unterschätzten Klassiker ja sogar ein ganz gut gelungenes Remake zu Teil geworden, das aber insgesamt gesehen nicht gänzlich an die hohe Qualität des Originals heran reichen kann. Erzählt wird hier ein Plot der ganz eindeutig die pessimistische Grundstimmung erkennen lässt, die der Regisseur so vielen seiner Filme einverleibt hat und somit ein absolutes Markenzeichen geschaffen hat. Ohne große Einleitung geht das Szenario auch sofort in die Vollen und präsentiert dem Zuschauer erst nach und nach die Hintergründe dafür, das mehrere Bewohner einer Kleinstadt scheinbar ohne sichtlichen Grund dem Wahnsinn verfallen. Das sorgt von der ersten Minute an für eine wunderbar düstere-und gleichzeitig auch trostlose Atmosphäre, die sich mit zunehmender Laufzeit sogar noch zusehends verdichten soll und dem Betrachter so durchgehend ein Gefühl der Unbehaglichkeit beschert, das sich wie ein bleierner Mantel über die eigenen Schultern legt.

Soziale Kritik und militärische Willkür sind zwei Schwerpunkte in einem Szenario, das einem selbst nach heutigen Maßstäben immer noch kalte Schauer über den Rücken jagt. Das Militär soll hier einerseits als Retter auftreten, ist aber auf der anderen Seite mit verantwortlich dafür, das die gegebene Situation überhaupt eintreten konnte. So fällt es einem dann auch sichtlich schwer, wirkliche Sympathien für die vermummten Soldaten aufzubringen, die hier die Kleinstadt und ihre Bewohner unter Kontrolle bringen sollen. Natürlich verhält es sich auch wie eigentlich immer in so einem Fall, die normalen Bürger werden über ihre Situation im Unklaren gelassen und nur einige wenige Stadtbewohner können durch eigens unternommene Aktionen gewisse Informationen in Erfahrung bringen. Romero stellt es einmal mehr sehr geschickt an, den Betrachter emotional gesehen einmal mehr in einen regelrechten Zwiespalt zu versetzen, denn obwohl man ganz klar Partei für Menschen in der Kleinstadt ergreift, hat man gleichzeitig dennoch auch Verständnis für das Agieren der Soldaten, die schließlich auch nur ihre Befehle ausführen müssen, damit die Epidemie sich nicht weiter ausbreitet.

Komischerweise wird "Crazies" nicht gerade selten von vielen Leuten zu den Zombie-Filmen gezählt, obwohl eigentlich nichts in der Geschichte darauf hindeutet. Vielmehr erschafft Romero hier eine äußerst düstere Vision eines Viren-Ausbruchs und verpackt diese in eine ungemein realistisch anmutende Verpackung, die beklemmend in Szene gesetzt wurde. Ein wichtiger Bestandteil dieses Aspektes ist ganz sicher auch das glaubwürdige-und sehr überzeugende Schauspiel der Darsteller, die allesamt mit wirklich erstklassigen Performances überzeugen können. Keinerlei Theatralik, sondern der Situation angemessene Mimik und Gestik stehen hier im Vordergrund, zudem kristallisiert sich auch nicht ein einzelner Held heraus, auf den der Fokus des Geschehens gerichtet wäre. Stattdessen bekommt man es mit fast schon als nüchtern zu bezeichnenden Leistungen zu tun, die aber gerade für einen Film dieser Art unablässig und notwendig sind. Selbst die Spielanteile der einzelnen Charaktere sind gleichmäßig verteilt und die Tatsache, das die zumeist vermummten Soldaten eher anonym bleiben, verleiht der ganzen Chose einen ganz speziellen Blickwinkel. 

Letztendlich wird ein jeder das anders beurteilen, aber "Crazies" ist in meinen Augen ein oftmals vollkommen zu Unrecht unterschätzter Klassiker, der so manchen thematisch ähnlich gelagerten Genre-Vertreter der heutigen Zeit weit überlegen ist. Die pessimistische Grundstimmung und die immer stärker aufkommende Beklemmung des Szenarios versetzen den Zuschauer in eine Lage, in der man sich eher hoffnungslos einer Situation ausgesetzt sieht, die auch jederzeit in der Realität passieren könnte. Dieser Punkt unterstreicht nachdrücklich die Fähigkeit Romero's, absolut herausragende Filme mit sozialer Kritik, Tristesse und wenig Hoffnung auf ein glückliches Ende zu kreieren, die einem auch sehr nachhaltig im Gedächtnis haften bleiben. Und so sollte man sich unbedingt diesen düsteren Klassiker zu Gemüte führen, der seiner durchaus gelungenen Neuauflage um Längen voraus ist.


Fazit:


Eher selten wird der Titel "Crazies" genannt wenn es darum geht, die besten Filme eines George A. Romero in Erfahrung zu bringen. Dabei hätte es dieses Werk auf jeden Fall verdient, denn eher selten bekommt man eine Geschichte präsentiert, die einem auch nach mittlerweile über vier Jahrzehnten immer noch kalte Schauer über den Rücken jagt.


9/10

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