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Sonntag, 19. Oktober 2014

Der Killer mit der Bohrmaschine






Der Killer mit der Bohrmaschine
(The Toolbox Murders)
mit Cameron Mitchell, Pamelyn Ferdin, Wesley Eure, Nicolas Beauvy, Tim Donnelly, Aneta Corsaut, Faith McSwain, Marciee Drake, Evelyn Guerrero, Victoria Perry, Robert Bartlett, John Hawker, Don Diamond
Regie: Dennis Donnelly
Drehbuch: Neva Friedenn / Robert Easter / Ann Kindberg
Kamera: Gary Graver
Musik: George Deaton
ungeprüft
USA / 1978

Auf brutale Weise werden in einem Apartment vier Frauen umgebracht, splitternackt und blutüberströmt. Die Tatwerkzeuge sind handelsüblich Werkzeuge wie Hammer, Bohrmaschine oder Nagelpistole. Der Mörder entführt die 15jährige Laurie und fesselt sie an sein Bett. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Was plant der Mörder in seinem kranken Gehirn als Nächstes?


Im gleichen Jahr wie John Carpenter's "Halloween" erschien mit "Der Killer mit der Bohrmaschine" ein weiterer Früh-Slasher, der allerdings nicht annähernd die gleiche Qualität an den Tag legt wie Carpenter's Meisterwerk. Dennoch ist der Film keinesfalls so schlecht wie es an diversen Stellen behauptet wird, denn die Geschichte um einen offensichtlich geistesgestörten Killer hat durchaus ihre starken Momente. Und diese bekommt der Zuschauer im Prinzip auch gleich zu Beginn präsentiert, beginnt das Geschehen doch mit diversen reißerisch in Szene gesetzten Morden, die im Prinzip das Grundgerüst für die darauf folgende Story legen. Leider verflacht das Szenario jedoch nach starken 20 Minuten zusehends im Mittelmaß und man bekommt es mit einem Mittelteil zu tun, der sich doch streckenweise ein wenig in die Länge zieht. Es werden einem diverse Charaktere etwas näher gebracht und man bekommt einen oberflächlichen Einblick in die Ermittlungsarbeit der Polizei, die sichtlich keinerlei Ahnung hat, um wen es sich bei dem psychopathischen Killer handelt, der zu allem Überfluss auch noch die junge Laurie entführt hat. Die Gründe für diese letzte Tat werden dann auch relativ schnell thematisiert und wenn man auch schon vorher durchaus auf die Identität des Mörders stoßen könnte, bekommt man diese-wie auch seine Beweggründe nach gerade einmal gut 50 Minuten serviert. War bis zu diesem Zeitpunkt zumindest ein solider Spannungsaufbau zu erkennen, so fällt dieser von nun an fast selbstverständlich in sich zusammen, aber dennoch versteht es Regisseur Dennis Donnelly ziemlich souverän, dieses Manko durch einige eingebaute Wendungen größtenteils zu überspielen. Übrigens ist vorliegendes Werk auch der einzige Spielfim Donnelly's, der ansonsten nur als Regisseur diverser TV-Serien (A-Team, Drei Engel für Charlie) in Erscheinung getreten ist.

Vielleicht liegt es auch in diesem Punkt begründet das "Der Killer mit der Bohrmaschine" nicht gänzlich zu überzeugen weiß und an mehreren Stellen etwas unausgegoren daher kommt. So erscheint die Geschichte in einigen Phasen auch etwas arg konstruiert und insbesondere das Verhalten einiger Akteure ist nicht immer logisch nachzuvollziehen. Hauptsächlich trifft das auf die Opfer des Killers zu, wobei an dieser Stelle die letzte junge Frau die vom Mörder in ihrer Wohnung heimgesucht wird nahezu ein Paradebeispiel ist. Nach einem Akt der Selbstbefriedigung in der heimischen Badewanne soll diese nämlich mit einer Nagel-Pistole getötet werden und legt dabei ein Verhaltensmuster an den Tag, das wirklich auf keine Kuhhaut geht. Ein einziger-kaum zu vernehmender Hilfeschrei und der hoffnungslose Versuch einer Diskussion mit dem Killer werden als unglaubwürdige Mittel dargestellt, damit die junge Frau ihr Leben nicht verliert. An diesem Punkt schlägt man wirklich die Hände über dem Kopf zusammen und fragt sich nicht unbegründet, welcher normale Mensch in einer solchen Situation so dermaßen albern reagiert. Durch solche Passagen nimmt sich der Film dann auch Einiges von seiner durchaus vorhandenen Stärke, was selbstverständlich auch den gewonnenen Gesamteindruck der Geschichte ein wenig trübt.

Zum Ende hin nehmen die Ereignisse dann zumindest noch einmal ein wenig an Fahrt auf, wobei sich die kaum nachvollziehbaren Handlungen gewisser Figuren keinesfalls bessern. Dennoch baut sich im letzten Teil noch einmal ein wenig Spannung auf und auch die zu Beginn sehr dichte Atmosphäre des Filmes kommt noch einmal verstärkt zum Vorschein. Phasenweise herrscht dabei sogar eine recht kranke-und bizarre Grundstimmung vor, was man der Chose wiederum als positiven Aspekt zugestehen muss. So handelt es sich also um ein Werk der 70er Jahre, das beim Betrachter äußerst zwiespältige Gefühle auslöst. Einerseits immer wieder vorkommende und sehr starke Momente wechseln sich mit in die Länge gezogenen Passagen ab, in denen die Akteure nicht sonderlich glaubwürdig agieren und streckenweise den Hauch von Theatralik verströmen.

Letztendlich mag ein jeder das anders beurteilen, aber ein Meisterwerk ist "Der Killer mit der Bohrmaschine" sicherlich nicht. Der Film ist bestimmt nicht mit den Größen des Genres zu messen und wenn man einmal ganz ehrlich ist, dürfte das 2003 erschienene Remake "The Toolbox Murders" von Tobe Hooper auch die bessere Wahl sein. Dennoch geht vom Geschehen eine gewisse Faszination aus der man sich schwerlich entziehen kann und so beinhaltet das Werk auf jeden Fall seinen ganz eigenen Reiz, das es definitiv sehenswert erscheinen lässt. Man sollte nur keine allzu großen Erwartungen an logische Abläufe und erstklassiges Schauspiel hegen, sondern sich vielmehr mit einem Film arrangieren, der sich etwas oberhalb des normalen Durchschnitts ansiedeln kann. Mit etwas mehr Fantasie und ein bisschen Fingerspitzengefühl hätte man weitaus mehr aus dieser Geschichte heraus holen können, doch auch in vorliegender Form sollte man durchaus mal einen Blick riskieren.


Fazit:


Es gibt unzählige bessere Genre-Vertreter, doch auch ein Film wie "Der Killer mit der Bohrmaschine" hat auf jeden Fall seine Daseins-Berechtigung. Mir persönlich hat dieses manchmal leicht trashig erscheinende Werk jedenfalls ganz gut gefallen, so das ich die aufgeführten Mankos verkraften kann. 


6,5/10

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