Follower

Sonntag, 5. Oktober 2014

Mephisto-Effekt






Mephisto-Effekt
(Mephisto-Effekt)
mit Nora Huetz, Tobias Licht, Arndt Schwering-Sohnrey, Aenne Schwarz
Regie: Igor Zaritzky
Drehbuch: Igor Zaritzky
Kamera: Christoph Wieczorek
Musik: Nikolaus Glowna
FSK 16
Deutschland / 2013

Lea, eine 23 jährige Studentin, lernt Ryan, einen geheimnisvollen und charmanten Mann kennen. Obwohl Lea einen Freund hat, lässt sie sich von Ryan verführen. Am nächsten Morgen kommt das böse Erwachen. Was zuerst wie ein Erpressungsversuch aussieht, wird zu einer spannenden Odyssee in die Abgründe der menschlichen Seele, bei der sich Lea und Ryan für ihre Handlungen verantworten müssen.


Volle 10 Jahre hat es gedauert bevor Regisseur Igor Zaritzky nach dem erstaunlich guten "Devot" nun mit "Mephisto-Effekt" sein neues Werk vorgelegt hat, das sicherlich die Meinungen der Filmfreunde wieder einmal in zwei Lager spalten wird. Die Geschichte an sich ist dabei relativ simpel und nach einer gewissen Zeitspanne auch durchaus leicht zu durchschauen, aber dennoch gelingt es Zaritzky fast spielerisch, das Interesse des Zuschauers für seine kammerspielartige Inszenierung zu gewinnen. Mit gerade einmal drei Personen besetzt und räumlich gesehen fast durchgehend auf einen einzelnen Raum beschränkt offenbart sich eine Geschichte, in der Macht, Manipulation und unerfüllte Sehnsüchte im Fokus des Geschehens stehen, wobei diese Dinge insbesondere durch die enthaltenen Dialoge immer wieder verstärkt in den Mittelpunkt gerückt werden. Ganz generell ist die Handlung extrem dialoglastig gestaltet und bei diesem Aspekt werden sich dann auch die Geister scheiden, denn nicht jedem wird die dargestellte Szenerie zusagen, in der bis auf die ständigen Wortwechsel ansonsten nicht sehr viel geschieht. Dafür bekommt man dann aber qualitativ hoch angesiedelte verbale Auseinandersetzungen der drei Hauptfiguren geboten, in denen es größtenteils vor philosophischen Ansätzen nur so wimmelt.

Dieser Punkt ist es dann auch, der dem Ganzen einen äußerst künstlerischen Anstrich verleiht und so stellt sich fast schon zwangsläufig die Frage, ob es sich bei "Mephisto-Effekt eher um ein pseudo-intellektuelles Werk oder aber um eine brillant umgesetzte Geschichte handelt, in der mit minimalistischen Mitteln der Sinn des Lebens hinterfragt wird. Sicherlich liegt das im Auge des Betrachters und es ist durchaus verständlich, wenn dieses intensive Kammerspiel längst nicht jeden Geschmack trifft. Man muss sich definitiv auf die Ereignisse einlassen können, denn ansonsten wird man wohl eher ein Gefühl der Langatmigkeit verspüren. Mir persönlich hat die Umsetzung der Geschichte aber sehr gut gefallen, was insbesondere an den wirklich überzeugenden Darstellern liegt. Nora Huetz, Tobias Licht und vor allem Arndt Schwering-Sohnrey liefern erstklassige Leistungen ab und wirken in ihren jeweiligen Rollen durchgehend authentisch. Dabei verschwimmen in einigen Phasen die Grenzen zwischen Gut und Böse, denn Zaritzky streut immer wieder diverse Momente ein, in denen das Offensichtliche durch psychologische Kniffe umgedreht werden soll. Durch die Macht des Wortes und pure Überzeugungskraft wird mit allen Mitteln versucht den anderen zu manipulieren, was sehr stark in einer Sequenz zum Vorschein kommt, in der sich der gefangene Ryan allein mit Lea in dem Raum befindet, in dem sich der Großteil des Geschehens abspielt.

Tobias Licht glänzt in der Figur des manipulativen Womanizer und legt dabei gleichzeitig eine Eiseskälte an den Tag die einem manchmal recht schwer zu schaffen macht. Von der absoluten Gleichgültigkeit bis hin zur extremsten Provokation reicht dabei die Palette des Darstellers der hier wirklich alles dafür tut, damit der Betrachter noch nicht einmal Ansätze von Sympathie für ihn aufbringen kann. Ganz anders sieht es in dieser Beziehung bei Arndt Schwering-Sohnrey aus, der in der Rolle des Daniel trotz-oder gerade wegen seiner Handlungen auf menschliches Verständnis und Mitgefühl hoffen kann, denn seine Beweggründe sind doch relativ nachvollziehbar. Etwas gespalten gestaltet sich dann die Figur der Lea, zu der ich selbst nie den richtigen Zugang gefunden habe denn die gute Frau hinterlässt doch einen eher zwiespältigen Eindruck, so das man sie rein gefühlsmäßig schwerlich einordnen kann. 

Im Endeffekt ist "Mephisto-Effekt" ein wirklich sehenswertes Kammerspiel das streckenweise bedrohliche Züge beinhaltet, durch die dem Szenario auch jede Menge Intensität verliehen wird. Einerseits mit Thriller-Elementen angereichert würde ich den Film aber dennoch vielmehr als lohnenswertes Drama einstufen, bei dem man sich von Beginn an darüber im Klaren sein sollte das man hauptsächlich mit philosophisch angehauchten Dialogen konfrontiert wird. Wem das nichts ausmacht der sollte an dieser Stelle definitiv zugreifen, bekommt er doch sehr interessante-und künstlerisch gestaltete Filmkost aus deutschen Landen präsentiert, die 80 Minuten spannende Unterhaltung beinhaltet.


Fazit:


Drei überzeugende Darsteller, jede Menge Dialoge, Macht und Manipulation sind die Zutaten für dieses Kammerspiel, das trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit jede Menge Klasse beinhaltet. Wem "Devot" gefallen hat dürfte auch hier auf seine Kosten kommen und ich selbst kann nur eine unbedingte Empfehlung für dieses Werk aussprechen.


7,5/10

Keine Kommentare: