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Donnerstag, 13. November 2014

Coldwater






Coldwater - Nur das Überleben zählt
(Coldwater)
mit P.J. Boudousqué, James C. Burns, Chris Petrovski, Octavius J. Johnson, Nicholas Bateman, Stephanie Simbari, Mackenzie Sidwell Graff, Clayton LaDue, Tommy Nash, Scott MacArthur, Zach Selwyn, Raquel Gardner
Regie: Vincent Grashaw
Drehbuch: Vincent Grashaw / Mark Penney
Kamera: Jayson Crothers
Musik: Chris Chatham / Mark Miserocchi
FSK 16
USA / 2013

Abgeschottet von der Außenwelt werden jugendliche Straftäter im Bootcamp "Coldwater" von Colonel Reichert (James C. Burns) zu "nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft" gedrillt. Der Alltag ist grausam und Schwäche oder Widerwille werden drastisch bestraft. Für den charismatischen, kampferprobten Neuankömmling Brad (P.J. Boudousqué) wird die Situation bald unerträglich. Er wagt einen Fluchtversuch. Doch dann wird alles noch schlimmer - Angst, Gewalt und Gegengewalt steigern sich zu einem höllischen Finale, das nur mit einem Knall enden kann ...


Sicherlich hat jeder schon einmal etwas von den privaten Erziehungs-Camps gehört, in denen jugendliche Straftäter wieder auf den richtigen Weg gebracht werden sollen. "Bootcamp" ist dabei der einschlägige Begriff der allerdings keinesfalls das ausdrückt, was innerhalb eines eingezäunten Geländes vor sich geht. Regisseur Vincent Grashaw hat sich mit "Coldwater" dieser Thematik angenommen und damit endlich seinen Film realisieren können, zu dem er schon 1999 das Drehbuch geschrieben hat. Entstanden ist dabei ein erstklassiges-und sehr intensives Drama in dessen Mittelpunkt die Hauptfigur Brad Lunders steht, der von einem herausragend agierenden P.J. Boudousqué dargestellt wird. Für Boudousqué ist es die erste Hauptrolle in einem Spielfilm und auf den ersten Blick kann man durchaus zu der Meinung gelangen, hier einen jünger gewordenen Ryan Gosling bei seiner Arbeit zu sehen. Die Ähnlichkeit ist wirklich verblüffend, wobei diese sich längst nicht nur auf die Optik des Darstellers bezieht, sondern gleichzeitig auch auf die offensichtlich vorhandenen Fähigkeiten. Obwohl die Geschichte an sich schon eine ganze Menge an Qualität beinhaltet, drückt ihr das Schauspiel der Hauptfigur ganz eindeutig ihr wahres Gütesiegel auf. Die eindringliche Performance versetzt dabei den Zuschauer in die glückliche Lage, sich jederzeit mit den Ereignissen wie auch deren Figuren auseinanderzusetzen und man bekommt so ein äußerst intensives Gefühl für die teilweise menschenunwürdigen Verhältnisse, die in der Erziehungseinrichtung herrschen. 

Straffällig gewordene Jugendliche wieder auf den richtigen Weg zu führen ist sicherlich ein sehr löblicher Gedanke, ob man allerdings zu den hier dargestellten Mitteln greifen muss um das zu bewerkstelligen, dürfte mehr als fraglich sein. Natürlich vermag man die Zustände eines Bootcamps nicht wirklich zu beurteilen, doch ist es Grashaw absolut grandios gelungen, einen durchaus glaubwürdigen Anstrich einer solchen Einrichtung zu zeichnen. Die Zustände als Schikanen zu bezeichnen wäre dabei maßlos untertrieben, denn hier soll unter Mithilfe von Demütigungen, Erniedrigungen und bewusst zugefügten Verletzungen der Willen der Insassen gebrochen werden, die den täglichen Maßnahmen vollkommen hilflos ausgeliefert sind. Die Methoden des herrschenden Colonels sind mehr als fragwürdig und auch sein gut gedrilltes Hilfs-Team steht dem augenscheinlich knallharten Chefs in nichts nach. Das dabei sämtliche Grenzen des Erlaubten überschritten werden scheint fast wie selbstverständlich, denn außer einigen unregelmäßigen Kontrollen von Behörden gibt es nichts, was die Willkür der Aufseher einschränken könnte. Das Schauspiel sämtlicher Akteure ist absolut glänzend und obwohl ein brillanter P.J. Boudousqué sicherlich das absolute Highlight in dieser Beziehung darstellt, ist das Szenario bis in die kleinsten Nebenrollen nahezu perfekt besetzt. So erscheint ein James C. Burns als genau die richtige Besetzung für den militanten Colonel, der anscheinend regelrechte Freude am Leid der Insassen hat und die ihm verliehene Machtstellung mehr als deutlich genießt.

Ganz sicher bedient ein Film wie "Coldwater" auch mehrere Klischees, doch das Geschehen ist dabei so dermaßen realistisch umgesetzt worden, das man sich das gezeigte Schreckens-Szenario auch ohne Weiteres in der Wirklichkeit vorstellen kann. Obwohl die Geschichte nur relativ wenig visuelle Härte beinhaltet entfachen die Ereignisse eine ungemein starke Intensität, die sich ganz automatisch auch auf den Zuschauer überträgt. Phasenweise leidet man so richtig mit den Jugendlichen mit und wünscht sich auch an diversen Stellen, das die Grausamkeiten doch nun endlich ein Ende finden sollten. Doch wie es im Prinzip nicht anders sein kann muss die gesamte Situation erst vollständig eskalieren, die Gewaltspirale ist ab einem gewissen Zeitpunkt einfach nicht mehr unter Kontrolle zu halten und die von den Aufsehern eingesetzte Brutalität richtet sich nun gegen sie. Mehr soll an dieser Stelle aber nicht verraten werden, denn "Coldwater" hält so einige Überraschungen parat, die aber im nachhinein völlig logisch und auch nachvollziehbar erscheinen. Man sollte diese Produktion unbedingt gesehen haben, entpuppt sie sich doch schon nach relativ kurzer Zeit als ein erstklassig gespieltes Drama, in dem auch die Hackordnung in einer solchen Einrichtung thematisiert wird. Das diese nicht unbedingt förderlich für den Umgang der Insassen untereinander ist dürfte auf der Hand liegen und an dieser Stelle möchte ich auch lediglich den Begriff "Vertrauensmann" in die Runde werfen. Kenner des Filmes wissen wovon ich spreche und jeder andere sollte sich den Film selbst zu Gemüte führen um zu erkennen, das der Hass und die aufgestaute Wut der Inhaftierten mit voller Absicht geschürt wird, damit sie sich untereinander zerfleischen.

Auch ohne explizite Gewaltdarstellungen erzielt "Coldwater" die maximale Wirkung beim Zuschauer, der nach dessen Ansicht erst einmal eine geraume Zeit benötigt, um das Gesehene auch richtig sacken zu lassen. Selbst Straftäter sind Menschen und die Möglichkeiten gerade Jugendliche noch zu formen, sollten im Vorfeld auf ihre Tauglichkeit überprüft werden. Ob Erniedrigungen und brutalste Behandlung dabei als förderlich erscheinen kann man durchaus bezweifeln, denn mit solchen Methoden wird dann doch eher das gefördert was hier am Ende zum Ausdruck kommt, nämlich die Mutation menschlicher Wesen in gnadenlose und brutale Tiere, die nur den Gedanken der blutigen Vergeltung kennen. Man dürfte also erkennen, das dieser Film größtenteils so richtig unter die Haut geht und auch den Zuschauer phasenweise an die Grenzen der mentalen Grenzen führt.


Fazit:


"Coldwater" ist hart, kompromisslos und schonungslos realistisch und dürfte so einen äußerst nachhaltigen Eindruck beim Betrachter hinterlassen. Erstklassige Schauspieler und ein brillanter Hauptdarsteller lassen die Ereignisse dabei noch grausamer wirken, als sie von Haus aus schon sind. Im Endeffekt kann man an dieser Stelle nur eine dicke-und uneingeschränkte Empfehlung an all jene aussprechen, die ein tief gehendes und bewegendes Drama zu schätzen wissen.


9/10

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