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Samstag, 6. Dezember 2014

Böse Saat






Böse Saat
(The Bad Seed)
mit Nancy Kelly, Patty McCormack, Henry Jones, Eileen Heckart, Evelyn Varden, William Hopper, Paul Fix, Jesse White, Gage Clarke, Joan Croydon, Frank Cady, Frances Bavier, Violet Cane, Vivian Clermont
Regie: Mervyn LeRoy
Drehbuch: John Lee Mahin / Maxwell Anderson / William March
Kamera: Harold Rosson
Musik: Alex North
FSK 18
USA / 1956

Rhoda Penmark ist für ihre acht Jahre ein sehr wohlerzogenes Mädchen - aber auch eine sehr effiziente und kaltblütige Mörderin. In dieser faszinierenden Chronik bekommt die skrupellose Rhoda einfach alles, was sie will. Nun widerstrebend nimmt Mutter Christine zur Kenntnis, dass ihre Kleine für normale Moralvorstellungen nicht empfänglich scheint: Es ist herzzerreißend mit anzusehen, wie Christine zwischen ihrer Mutterliebe und der Trauer um Rhodas Opfer hin- und her gerissen wird.


Filme in denen böse und mordende Kinder im Mittelpunkt stehen gibt es wirklich zur Genüge, doch mit "Böse Saat" aus dem Jahr 1956 dürfte hier wohl der Klassiker dieser Filmart vorliegen, der komischerweise anscheinend zu den eher unbekannten Filmperlen zu zählen ist. Eher sträflich vernachlässigt fristet dieses kleine Meisterwerk nämlich ein bescheidenes Schatten-Dasein, obwohl die Geschichte eine Menge an Klasse und Qualität beinhaltet und zudem auch noch mit erstklassig agierenden Darstellern aufwartet. Hervorheben muss man an dieser Stelle wohl die junge Patty McCormack, die in der Rolle der mordlüsternen Rhoda eine grandiose Performance an den Tag legt, die beim Zuschauer einen wahren Zwiespalt der Gefühle hervorruft. Rein vom Optischen her hegt man dabei sofort große Sympathien für das kleine Mädchen, merkt aber schon nach einer relativ kurzen Zeitspanne, das hinter der niedlichen Fassade ganz offensichtlich eine echte Soziopathin steckt die zu keinen wirklichen Gefühlen in der Lage ist. Gerade dieser Aspekt ist es dann auch, der durch den leichten Hauch der Theatralik innerhalb des Schauspiels extrem gut zur Geltung kommt, denn man muss nicht gerade das Abitur haben um zu erkennen, das die kleine Rhoda lediglich im Bezug auf sich selbst zu echten Gefühlen in der Lage ist. Alle anderen Menschen in ihrer Umgebung werden nämlich lediglich benutzt und wenn das kleine Mädchen etwas haben will, dann schreckt sie sogar nicht vor einem mord zurück, um das Gewünschte in ihren Besitz zu bringen. Hört sich alles nicht sonderlich neu an, doch dieser Film stammt immerhin aus dem Jahr 1956 und ist so als Vorreiter für Werke wie beispielsweise "Fall 39" oder auch "Orphan - Das Waisenkind" anzusehen, in denen durchaus gewisse Ähnlichkeiten zu diesem Klassiker zu erkennen sind.

Das ist aber im Prinzip auch vollkommen egal, denn Regisseur Mervyn LeRoy hat mit seiner auf einem Roman von William March beruhenden Verfilmung wohl gerade zur damaligen Zeit einen wirklich schockierenden Film kreiert, der gleichzeitig auch ein erfolgreiches Broadway-Stück adaptiert. Selbst aus heutiger Sicht schafft es die Geschichte dabei fast spielerisch, dem Betrachter phasenweise kalte Schauer über den Rücken zu jagen, was einmal mehr in der ausdrucksstarken Performance der jungen Patty McCormack begründet ist. Ihr manipulatives Verhalten ist zwar relativ leicht durchschaubar, doch während im Film lediglich ihre Mutter einen konkreten Verdacht hegt und der geistig offenbar zurückgebliebene Hausmeister das durchtriebene Spiel des Mädchens durchschauen kann, sind alle anderen Menschen im Umfeld von der niedlichen Fassade eines Mädchens geblendet. Dieser Punkt wird ebenso gut herausgearbeitet wie der Aspekt, das hier die Vererbung schlechter Gene immer wieder in den Mittelpunkt gerückt wird und eigentlich das zentrale Thema des Geschehens darstellt. Um die Zusammenhänge besser zu erkennen sollte man sich den Film schon selbst anschauen, ansonsten würde man an dieser Stelle zu viel verraten und manch einem so eventuell die Spannung nehmen.

Warum "Böse Saat", was übrigens endlich einmal ein sehr treffender deutscher Titel ist allerdings eine 18er Freigabe erhalten hat ist aus meiner Sicht nicht nachvollziehbar, denn Härten oder gar blutige Passagen beinhaltet die Geschichte überhaupt nicht. Auch die Taten der kleinen Rhoda werden zu keiner Zeit im Bild gezeigt und offenbaren sich dem Zuschauer lediglich aus Dialogen zwischen ihr und ihrer Mutter. Es sind jedoch eben diese Dialoge die einem stellenweise das Blut in den Adern gefrieren lassen, denn wenn man hört mit welcher emotionalen Gleichgültigkeit das Mädchen seine Taten schildert fühlt man sich wie mit Eiswasser übergossen und kann die Eiseskälte des Kindes förmlich körperlich spüren. Echte Gefühlsregungen werden lediglich offenbart, wenn Rhoda über Dinge spricht die ihr persönlich wichtig sind und die sie entweder schon in ihrem Besitz hat-oder noch in diesen bringen will. In diesen Momenten nehmen auch ihre Augen ein fast gefährliches Glitzern an und man vermeint nicht selten, eine echte Art von Fanatismus und wilder Entschlossenheit in ihnen wieder zu erkennen. Ohne zu übertreiben möchte ich behaupten, das Patty McCormack in der Rolle der kleinen Rhoda eines der bedrohlichsten Kinder ist, die man je in einem Film präsentiert bekommen hat, denn denn selbst nach nunmehr fast sechs Jahrzehnten verursacht der Anblick der kleinen Mörderin beim Zuschauer immer noch ein unbehagliches Gefühl und man möchte der kleinen Göre auf keinen Fall den Rücken zuwenden.

Und so sollte man sich keinesfalls vom Alter dieses Werkes abschrecken lassen, denn "Böse Saat" bietet rund zwei Stunden einen exzellenten Mix aus Thriller-und Drama und lässt dabei auch dezente Horror-Elemente erkennen, die allerdings lediglich in der Thematik zu erkennen sind. Gleichzeitig wirft das Geschehen einige äußerst interessante Fragen auf, die insbesondere zur damaligen Zeit sicherlich nicht so leicht zu beantworten waren. Eine herausragend agierende Darsteller-Riege und eine omnipräsente Hauptdarstellerin runden das Ganze dann absolut perfekt ab und sorgen für einen Gesamteindruck, den man einfach nur als grandios bezeichnen kann. Wer Filme wie "Fall 39" oder "Orphan - Das Waisenkind" mag, sollte auch diesem Wegbereiter der " bösen Kind Thematik" eine faire Chance geben, denn eine Sichtung wird man ganz sicher nicht bereuen.


Fazit:


Ohne wenn und aber zählt "Böse Saat" für mich zu den echten Klassikern, auch wenn diese Perle eher ein unbeachtetes Schatten-Dasein führt. Warum das so ist kann man kaum erklären, denn Klasse und Qualität sind im Überfluss vorhanden. Dennoch scheint dieses Werk eher unbekannt zu sein und dieser Umstand müsste dringend einmal geändert werden.


9/10

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