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Sonntag, 28. Dezember 2014

Mall - Wrong Time, Wrong Place






Mall - Wrong Time, Wrong Place
(Mall)
mit James Frecheville, Cameron Monaghan, Ron Yuan, India Menuez, B.K. Cannon, Vincent D'Onofrio, Morgana Wise, Shannon Freyer, Jamie Noel, Gina Gershon, Adam Findley, Gbenga Akinnagbe, Bracha Krueger, Peter Stormare
Regie: Joseph Hahn
Drehbuch: Sam Bisbee / Eric Bogosian / Vincent D'Onofrio / Joe Vinciguerra
Kamera: Richard Henkels
Musik: Alec Puro
FSK 16
USA / 2014

Malcom ist fertig mit seinem Leben. Einzig der Rausch von Chrystal Meth gibt ihm einen Grund weiterzumachen - alles andere ist ihm längst egal. Ausgerüstet mit einer Tasche voller Waffen und selbstgebauter Bomben macht er sich auf den Weg in die nahe gelegene Vorstadtmall, um diese mal so richtig aufzumischen. Auf seinem persönlichen Kriegsfeldzug verändert er nicht nur sein Leben grundlegend, sondern auch das Schicksal weiterer Menschen, die zur selben Zeit am falschen Ort sind: Einen Teenager, dessen Lieblingsbeschäftigung in seinem tristen Dasein das Kiffen ist, eine Hausfrau, die ihre besten Tage bereits weit hinter sich gelassen hat, einen geldgieriger Geschäftsmann, dessen einziges Bestreben es ist, seinen Wohlstand zu mehren und einen depressiven Voyeuristen. Menschen, denen das Schicksal die falschen Karten zugespielt hat...


Auf den ersten Blick erscheint dieser Film wie ein weiterer Beitrag der sich mit der Thematik eines Amoklaufes befasst, doch relativ schnell wird dem Zuschauer klar, das Joseph Hahn mit seinem Regie-Debüt einen eher ungewöhnlichen Weg einschlägt. So dient dann auch das Szenario des Amoklaufes lediglich als Grundgerüst dafür die Verstrickung mehrere Personen in die Geschehnisse einzubauen, deren Leben durch die Ereignisse stark beeinflusst wird. Das Ganze geschieht allerdings auf eine Art und Weise die ganz sicher nicht jeden Geschmack treffen wird, kristallisieren sich doch mehrere Episoden aus der Geschichte heraus, in denen die Folgen und die Auswirkung auf die einzelnen Figuren näher beleuchtet wird. Im Prinzip gestalten sich die Abläufe genau gegenteilig zum eigentlichen amerikanischen Traum, denn "Mall" ist ein Film in dem jede Menge Wut, zerplatzte Träume und Tristesse zum Ausdruck kommen, wobei die Visualisierung dieser Dinge stellenweise recht gewöhnungsbedürftig erscheint. Phasenweise wirkt das Ganze nämlich wie ein wirrer und fiebriger Drogenrausch der von einem teils wuchtigen Sound untermalt ist und als Betrachter hat man es manchmal wirklich nicht leicht, die enthaltene Botschaft des Regisseurs auch gänzlich zu verstehen.

Das liegt ganz einfach in der Tatsache begründet, das die einzelnen Episoden an sich sehr gut gefilmt sind, das man am Ende aber dennoch das Gefühl hat das kein echter Zusammenhang dargestellt wurde. Zu sehr rückt die eigentliche Tat des Amokläufers in den Hintergrund und man konzentriert sich zu sehr auf die diversen Nebenschauplätze, die durch die Ereignisse in der Mall ausgelöst werden. So bekommt man zwar eine wirklich gelungene Beleuchtung der für die Geschichte wichtigen Charaktere, doch fällt es nicht gerade leicht diese mit dem gewonnenen Gesamtbild gänzlich in Einklang zu bringen. Dafür kann der Film jedoch mit wirklich erstklassigem Schauspiel aufwarten, denn die gesamte Darsteller-Riege liefert hier absolut gelungene Performances ab. Im Mittelpunkt steht dabei ganz eindeutig der junge Jeff, der von Cameron Monaghan absolut grandios dargestellt wird. In seinem tristen Dasein brilliert der junge Mann mit fast schon philosophischen Gedankengängen und kristallisiert sich immer mehr zur eigentlichen Hauptfigur heraus. Aber auch Gina Gershon oder auch Vincent D'Onofrio können in ihren Rollen überzeugen, wobei die meisten Spielanteile ganz klar bei Monaghan liegen.

"Mall - Wrong Time, Wrong Place" fällt in die Kategorie der Filme, bei denen es wohl stärker als sonst auf den persönlichen Geschmack ankommt. Die Geschichte siedelt sich allein schon aufgrund ihrer Erzählweise jenseits des üblichen Mainstreams an und wird aufgrund dessen wohl auch nur eine bestimmte Zielgruppe ansprechen. Streckenweise offenbart sich dabei äußerst sperrige-und unbequeme Filmkost, die die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers benötigt, um letztendlich ihre ganze Wucht entfalten zu können. Joseph Hahn präsentiert hier im Endeffekt ein zweischneidiges Schwert, denn einerseits bekommt man ein sehr eindrucksvolles Drama mit tollen Darstellern geboten, andererseits verlaufen die einzelnen Episoden ein wenig im Sande, so das sich das Gesamturteil am Ende gar nicht einmal so leicht beschreiben lässt. Während der gesamten Laufzeit ist man hin-und her gerissen zwischen Genialität und mangelnder Substanz im Endergebnis, denn gänzlich befriedigt wird man zum Schluss keinesfalls zurückgelassen.

Man sollte sich selbst ein Bild von diesem auf jeden Fall außergewöhnlichen Film machen, der die Meinungen ganz bestimmt extrem spalten wird. Extrem gute Ansätze werden streckenweise leider nicht konsequent ausgearbeitet und die gewöhnungsbedürftige Erzähl-Struktur tut ihr Übriges, um den Betrachter mit diversen Fragezeichen zurückzulassen. Dennoch handelt es sich definitiv um einen sehenswerten Film, der meiner persönlichen Meinung nach bestimmt seine Fan-Gruppe finden wird. Denn auch wenn man die enthaltene Botschaft des Regisseurs eventuell nicht gänzlich erkennen kann, sorgen allein schon die erstklassig agierenden Darsteller dafür, das man es mit einem ziemlich hochwertigen Beitrag zu tun bekommt.


Fazit:


Einerseits bietet "Mall" wirklich tolle und intensive Momente, kann am Ende aber dennoch nicht vollkommen überzeugen. Vielleicht wollte Joseph Hahn ein wenig zu viel und hat aus dieser Intension heraus einige gravierende Fehler gemacht, indem er sich in zu vielen Nebensächlichkeiten verheddert hat. Trotz diverser Schwächen und einer nicht ganz klaren Botschaft sollte man sich dennoch diesem Werk widmen, das auf jeden Fall aus dem normalen Einheitsbrei hervor sticht.


7/10

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