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Samstag, 24. Januar 2015

Dracula 3D






Dario Argentos Dracula
(Dracula 3D)
mit Thomas Kretschmann, Marta Gastini, Asia Argento, Unax Ugalde, Miriam Giovanelli, Rutger Hauer, Maria Cristina Heller, Augusto Zucchi, Franco Ravera, Francesco Rossini, Giovanni Franzoni, Giuseppe Lo Console
Regie: Dario Argento
Drehbuch: Dario Argento / Enrique Cerezo / Stefano Piani / Antonio Tentori
Kamera: Luciano Tovoli
Musik: Claudio Simonetti
keine Jugendfreigabe
Frankreich / Italien / Spanien / 2012

Im späten 19. Jahrhundert reist der Brite Jonathan Harker nach Transsylvanien, um auf einem Schloss in den Bergen einen gewissen Graf Dracula bei der Katalogisierung der umfangreichen Schlossbibliothek zu unterstützen. Der Graf empfängt Harker freundlich, doch dem dämmert bald, dass es in der Gegend ganz und gar nicht geheuer ist. Tatsächlich wartet der Graf nur darauf, seine untoten Reißzähne in den Hals von Harkers Frau zu schlagen, die zufällig seiner Verblichenen erstaunlich ähnlich sieht.


Der Stoff des klassischen Vampirfilms ist im Prinzip schon seit etlichen Jahren ausgestorben und längst haben moderne Blutsauger wie beispielsweise "Blade" das Genre übernommen. Umso erfreulicher erscheint da die Tatsache das Regie-Legende Dario Argento sich der klassischen Stilmittel bemächtigt hat und mit seinem "Dracula 3D" seine eigene Variante um eine der berühmtesten Figuren der Filmgeschichte vorlegt. Nichtsdestotrotz teilt diese Neuauflage der alten Thematik die Meinungen der Fans und es stellt sich wohl ganz generell die Frage, ob es überhaupt eines neuerlichen Aufgusses bedurfte, da es ja nun wirklich schon unzählige Verfilmungen über den größten aller Vampire gibt. Ich persönlich kann diese Frage nur mit einem klaren ja beantworten, denn Argentos Version ist beileibe nicht so schlecht wie manche Kritiken es eventuell vermuten lassen. Es tritt viel eher das Gegenteil ein, offenbart sich dem Zuschauer doch eine altbekannte Geschichte die insbesondere in atmosphärischer Hinsicht als richtig gelungen bezeichnet werden kann. Stimmige Locations, eine äußerst düstere Grundstimmung und eine tolle musikalische Untermalung versetzen einen dabei von der ersten Minute an in die genau richtige Stimmung, um endlich einmal wieder einen Vampirfilm der alten Schule zu genießen, der zugegebenermaßen natürlich auch mit einigen Elementen der Neuzeit versehen ist. Dabei denke ich in erster Linie an die vorhandenen CGI-Effekte die ja bei den meisten Leuten auf die größte Kritik stoßen. Hier handelt es sich dann auch wirklich um eine der wenigen Schwächen eines Filmes der ansonsten jedoch in allen Belangen zu überzeugen weiß. Die Effekte hinterlassen schon einen recht billigen und auch trashigen Eindruck wobei sich ja hartnäckig die Gerüchte halten, das an dieser Stelle ganz bewusst darauf hingearbeitet wurde, diesen Eindruck beim Zuschauer entstehen zu lassen.

Wie dem aber auch sei, man sollte doch zuerst die Umsetzung der Geschichte an sich bewerten und diese ist auf jeden Fall sehr gelungen. Gleichzeitig handelt es sich wohl auch ganz eindeutig um die härteste aller Dracula-Verfilmungen, denn an manchen Stellen hat Argento äußerst deftige Momente einfließen lassen, in denen es derbe zur Sache geht. Die Alterseinstufung ist dadurch vollkommen gerechtfertigt und in diversen Passagen gelangt man sogar zu der Ansicht, das die FSK anscheinend einen wirklich guten Tag hatte. Kommen wir aber lieber zum zweiten negativen Kritikpunkt der Geschichte, der jedenfalls nach meiner Meinung als solcher anzusehen ist. Dabei handelt es sich um die Hauptfigur, denn die Besetzung durch Thomas Kretschmann möchte ich einmal diplomatisch als ziemlich gewöhnungsbedürftig beschreiben. Es gibt einfach diverse Figuren oder auch Film-Reihen, die man fast zwangsläufig mit gewissen Darstellern verbindet und im Falle des Grafen Dracula denkt man nun einmal an Darsteller wie Bela Lugosi oder Christopher Lee. Kretschmann ist zwar durchaus bemüht, verfügt aber keinesfalls über die Präsenz oder das Charisma der genannten Schauspieler und wirkt so phasenweise schon eher wie ein Fremdkörper mit dem man sich nie so richtig anfreunden kann.

Hier handelt es sich jedoch um meine ganz eigene Empfindung und ich kann mir sehr gut vorstellen das es genügend Leute gibt, die diesen Aspekt vollkommen anders sehen. Ganz generell gesehen kann man die Leistungen der Darsteller-Riege als gut bezeichnen, wobei sich aber niemand sonderlich in den Vordergrund spielt und dadurch besonders auffallen würde. Der Film an sich ist also insgesamt gesehen wirklich gelungen und eventuell sollte man endlich einmal von der Erwartungshaltung abrücken, das Dario Argentos neue Filme an die Klasse solcher Meisterwerke wie "Suspiria" heranreichen sollen. Hier liegt nämlich das wohl größte Problem vieler Leute und langsam sollte man sich dann endlich einmal mit der Tatsache abfinden, das der Regisseur sicherlich den Zenit seines Könnens schon längst überschritten hat. Die Genialität seiner Klassiker ist wohl unbestritten, doch in der heutigen Zeit unterliegt man ganz einfach auch diversen Auflagen der Film-Studios, so das Werke wie zur damaligen Zeit kaum noch zu bewerkstelligen sind. Die Zeiten haben sich leider geändert, zudem sollte man "Dracula 3D" auch als vollkommen eigenständiges Werk betrachten und nicht immer wieder jede neue Produktion des Italieners an seinen großen Erfolgen messen. Eine objektive Sichtweise sollte einen eigentlich zu einem überraschend guten Gesamteindruck kommen lassen, der nach unzähligen vernichtenden Kritiken nicht unbedingt zu erwarten war. 

Natürlich muss sich jeder seine ganz eigene Meinung bilden, doch neben dem genialen Original aus dem Jahr 1931 und dem brillanten Remake aus den berühmten Hammer Studios zählt Argentos "Dracula" für mich zu den besten Verfilmungen über den König aller Blutsauger. Eine atmosphärisch erstklassig in Szene gesetzte Geschichte und ein ordentlicher Härtegrad sorgen dabei für ein herrliches Horror-Feeling und die richtige musikalische Untermalung tut ihr Übriges, um endlich mal wieder einen Oldschool-Vampirfilm genießen zu können. Bis auf die beiden angesprochenen negativen Kritikpunkte gibt es nichts zu bemängeln, so das diverse eher vernichtende Meinungen schwerlich nachzuvollziehen sind.


Fazit:


"Dracula 3D" ist längst nicht so schlecht wie sein Ruf, vielmehr präsentiert sich ein wirklich stimmiger Film der die klassischen Motive sehr gut in Szene setzt. Mit kleineren Abstrichen handelt es sich daher um eine der besten Verfilmungen die man sich keinesfalls entgehen lassen sollte. Argento hat unter Beweis gestellt das er immer noch eine Menge drauf hat, auch wenn das Werk sicherlich nicht an seine ganz großen Klassiker heranreichen kann.


7,5/10

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