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Montag, 5. Januar 2015

Grand Piano






Grand Piano - Symphonie der Angst
(Grand Piano)
mit Elijah Wood, John Cusack, Kerry Bishé, Tamsin Egerton, Allen Leech, Don McManus, Alex Winter, Dee Wallace, Jim Arnold, Jack Taylor, Beth Trollan, Ricardo Alexander, Rachel Arieff, Chris Bobrowski, Angie Arieu
Regie: Eugenio Mira
Drehbuch: Damien Chazelle
Kamera: Unax Mendía
Musik: Víctor Reyes
FSK 16
Spanien / 2013

Fünf Jahre, nachdem er unter dem Druck des Lampenfiebers öffentlichkeitswirksam zusammenbrach, versucht der introvertierte und immer noch ziemlich ängstliche Pianist Tom Selznick ein Comeback auf der großen Konzertbühne. Auf dem Programm steht dasselbe Stück, an dem er damals scheiterte, und seine Frau drückt Daumen im Publikum. Doch als er das Notenheft aufschlägt, liest er eine Drohung. Nur ein Fehler, oder gar ein Abbruch, und er sowie seine Frau werden sterben. Tom zögert, doch die Show muss weitergehen.


Gute und spannende Thriller sind immer wieder eine Sichtung wert und wenn man eine visuelle Inszenierung im besten Argento-Stil geboten bekommt die wirklich an die großen Zeiten der Regie-Legende erinnert, dann hegt man schon gewisse Erwartungen an einen Film wie "Grand Piano", der unter der Regie von Eugenio Mira entstanden ist. Zugegebenermaßen hat die vorliegende Geschichte dann auch ihre starken Momente, kommt jedoch zu keiner Zeit mit überraschenden Wendungen daher, so das man am Ende dann doch ein wenig enttäuscht von dem Gesehenen ist, von dem man sich ehrlich gesagt eine ganze Menge mehr erwartet hat. Dabei verspricht doch die Inhaltsangabe eine ganze Menge an Suspense und bedrohlich anmutenden Passagen die aber leider größtenteils ausbleiben. Sicherlich, der Film bezieht seine ganz eigene Spannung aus der unglaublichen Situation in der sich die Hauptfigur befindet und man kann sich jederzeit ein sehr gutes Bild davon machen, in welcher Ausnahmesituation sich Elijah Wood befindet, dessen überzeugendes Schauspiel in der Rolle des genialen Pianisten Tom Selznick wohl zu den wenigen Höhepunkten zu zählen ist, die diese spanische Produktion aufbieten kann. Dabei versucht doch der Regisseur relativ gekonnt die Neugier des Zuschauers immer mehr zu schüren, indem er ein recht mysteriöses Szenario auf den Plan ruft, das die durchaus vorhandenen Ansätze zum Hochspannungs-Thriller aber leider in keinster Weise erfüllen kann. 

So ist es nicht lange ein Geheimnis wer sich hinter der Stimme am Telefon verbirgt, denn wenn man einmal die Besetzungsliste durchgeht dann fällt einem doch sehr schnell auf, das im Prinzip nur ein Darsteller der Mann im Hintergrund sein kann. Auch dessen Motive liegen nicht allzu lange im Dunkeln, so das auch dieser Aspekt verhältnismäßig schnell abgehandelt werden kann und man schlussendlich nur noch die bedrohliche Situation an sich vor sich hat, die einem noch ein wenig an Potential entgegen bringt. Wer Filme in der Art wie beispielsweise "Nicht auflegen" gut findet wird hier sicherlich auf seine Kosten kommen, denn Eugenio Mira wendet praktisch das gleiche Strickmuster an um den Betrachter bei Laune zu halten. Meiner persönlichen Meinung nach ist das aber viel zu wenig, um für ganzzeitig gute Unterhaltung zu garantieren. Dennoch schafft es der Regisseur irgendwie das Gefühl zu vermitteln, das diese Story noch einen echten Höhepunkt parat hält und aus dieser Erwartung heraus bleibt man dann auch äußerst geduldig vor dem heimischen Bildschirm sitzen und lässt einen Film über sich ergehen, der eigentlich zu 50% aus klassischer Musik besteht, die einem vom Hauptdarsteller auf dem Piano entgegen gebracht wird. Umso enttäuschender fällt dann jedoch das Ende der Geschichte aus, denn von dem erwarteten Highlight ist leider weit und breit nichts zu sehen. Dem Zuschauer wird praktisch den ganzen Film über vorgegaukelt, das es am Ende auf eine gekonnte Wendung oder gar einen überraschenden Twist hinaus läuft, doch was sich dann letztendlich offenbart ist nichts anderes als die pure Enttäuschung.

Steht innerhalb der Story ein ominöses und angeblich nicht spielbares Musikstück im Vordergrund so kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, das man hier mit einem unvollständigem Film konfrontiert wird. Bei einer Netto-Laufzeit von gerade einmal knapp über 70 Minuten stellt man das Geschehen nämlich unvermittelt ein und lässt einem mit dem Gedanken zurück, ob das dann jetzt wirklich schon alles war, oder ob die Ereignisse eventuell nach dem Abspann noch einmal einsetzen, um das Ganze zumindest einigermaßen stimmig abzurunden. Natürlich kommt danach nichts mehr und so bleibt man lediglich mit der offenen Frage zurück, warum man eine gut aufgebaute Story so dermaßen unbefriedigend abschließen muss und nichts von dem konsequent heraus arbeitet, was man innerhalb der Laufzeit so offensichtlich andeutet. Fragen über Fragen, auf die im Endeffekt nur der Regisseur eine Antwort weiß, die er uns jedoch leider gänzlich vorenthält. "Grand Piano" hätte ein wirklich überragender Genre-Beitrag werden können, wenn man die geschürten Erwartungen zumindest einigermaßen befriedigt hätte, in vorliegender Form bleibt allerdings nichts anderes übrig als ein etwas längerer Kurzfilm, der viel mehr verspricht als er letztendlich einhalten kann.

Einziger Lichtblick ist neben der guten visuellen Inszenierung ein absolut überzeugender Elijah Wood, denn sämtliche anderen Darsteller kommen über den Status der nötigen Staffage leider nicht hinaus. Vor allem die Spielanteile eines John Cusack sind überhaupt nicht der Rede wert, hat der gute Mann doch gerade einmal einen Kurzeinsatz von gut 5 Minuten. So bleibt "Grand Piano" im Endeffekt sehr Vieles schuldig, wobei manch einer in diesem Film sicherlich ein Meisterwerk an Spannung und Suspense sehen wird. Diese Atribute kann man aber nur teilweise erkennen, denn man hätte viel mehr aus der Geschichte herausholen können, als es Mira letztendlich getan hat. So aber versinkt das Werk im absoluten Mittelmaß und eignet sich nur zur einmaligen Sichtung, einen nachhaltigeren Eindruck beim Zuschauer hat man jedoch dadurch verschenkt, das man die immer wieder eingestreuten Andeutungen auf diverse Höhepunkte zu keiner Zeit umgesetzt hat, was diese Geschichte tragischerweise in die Kategorie 08/15 Thriller einordnet.


Fazit:


Eines muss man Eugenio Mira lassen, der gute Mann versteht es ziemlich geschickt bestimmte Hoffnungen beim Betrachter aufkommen zu lassen, weigert sich aber im Endeffekt fast schon störrisch diese auch zu erfüllen. Das Endergebnis ist dann ein Film der leider unvollständig erscheint und längst nicht das halten kann, was man sich von ihm verspricht.


5,5/10

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