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Freitag, 13. Februar 2015

Champagner für Zimmer 17






Champagner für Zimmer 17
(Champagner für Zimmer 17)
mit Renate Larsen, Tamara Baroni, Herbert Fux, Thomas Reiner, Uschi Moser, Alexander Allerson, Elio Crovetto, Helmut Früchtenicht, Lothar Blumhagen, Othella Dallas, Erwin C. Dietrich, Martina Domingo
Regie: Erwin C. Dietrich
Drehbuch: Erwin C. Dietrich / Heinz G. Konsalik
Kamera: Peter Baumgartner
Musik: Walter Baumgartner
keine Jugendfreigabe
Deutschland / Italien / Schweiz / 1969

Eher durch Zufall kommt die Münchner Kriminalpolizei auf das Schönheitsinstitut "Elisabeth", das von einer ehemaligen Prostituierten geführt wird. Die Nachforschungen ergeben, dass der Kosmetiksalon nur als äußerliche Kulisse für einen international agierenden Callgirlring dient. Eine der Angestellten ist Ursula Kossek, die Ehefrau eines der Ermittler, die aus Frustration dieses ausschweifende Leben führt und eines Tages verschwindet. Unterdessen versucht die Polizei die Mädchen zum Sprechen zu bringen. Doch wer sich der Polizei anvertraut, stirbt. Während die Ermittler weiter nach der verschwundenen Ursula suchen, beginnt auch eine Jagd auf den ominösen Hintermann. Die Spur führt in das italienische San Remo ...


Regisseur Erwin C. Dietrich genießt ja eher den Ruf des Schmuddel-Filmers, sind doch die meisten unter seiner Regie entstandenen Werke dem Erotik-Sektor zuzuordnen. Zugegebenermaßen beinhaltet auch der vorliegende-und auf einem Roman von Heinz G. Konsalik (Ein heißer Körper zu vermieten) beruhende Film diverse Nacktszenen, ist aber dennoch keinesfalls als Erotik-Filmchen abzustempeln. Vielmehr beinhaltet das Szenario die Strukturen eines waschechten Krimis, nur das dieser eben aufgrund der vorliegenden Thematik mit mehreren dazu passenden Einstellungen versehen wurde, die dem Gesamtbild sogar eine höchst authentische Note verleihen. Prostitution steht im Vordergrund der Story und als Tarnung für einen Callgirl-Ring dient hierbei ein Kosmetik-Studio, das schon längere Zeit die Aufmerksamkeit der Polizei auf sich gezogen hat. 

"Champagner für Zimmer 17" schafft es fast spielerisch, die Elemente des deutschen Krimis mit denen eines Dramas zu verbinden. Während man sich inhaltlich nämlich einerseits auf die Ermittlungsarbeit der Polizei konfrontiert, gerät mit der Zeit immer mehr die Figur des Kriminalbeamten Kossek in den Fokus, dessen Ehefrau nämlich auch zu den Prostituierten zählt. Gleichermaßen verdichtet sich das Geschehen immer mehr, denn mit zunehmender Laufzeit rückt immer mehr der Aspekt des ominösen Hintermannes des Instituts in den Vordergrund, was den Abläufen ganz automatisch einen gelungenen Spannungsaufbau beschert. Teilweise lassen sich sogar richtig bedrohliche Elemente erkennen, denn um die Ermittlungen der Polizei nicht mit Erfolg zu krönen wird auch vor Mord nicht zurück geschreckt. Prostituierte die zu einer Aussage bereit sind werden getötet, wobei dieser Punkt aber auch gleichzeitig eine kleine Schwäche darstellt, denn es ist nicht wirklich nachzuvollziehen, das Zeugen einen Tag vor der entscheidenden Aussage nicht unter Polizeischutz gestellt werden. Dabei wird zunehmends auf die Gefährlichkeit der Organisation hingewiesen, ebenso geht man immer wieder auf die Schwierigkeit ein, die nötigen Beweise zu beschaffen, um den Callgirl-Ring zu sprengen.

Umso erstaunlicher ist es aber dann das eine wichtige Zeugin in der Nacht vor ihrer Aussage allein in ihrer Wohnung gelassen wird und so ihrem Mörder schon fast auf dem Präsentierteller gereicht wird. Hier handelt es sich jedoch um eine lediglich kleine Schwäche in einem ansonsten sehr stimmigen Szenario, das größtenteils nämlich absolut glaubwürdig daher kommt. Dafür sorgen auch die gut agierenden Darsteller die in ihren Rollen einen äußerst glaubwürdigen Eindruck hinterlassen, zudem kann sich ganz generell der gesamte Aufbau der Story jederzeit sehen lassen. Besonders gut wird jedoch meiner Meinung nach der Punkt heraus gearbeitet, mit welchen Widerständen und Schwierigkeiten sich die Ermittler plagen müssen um eine Verbrecherorganisation zu Fall zu bringen. Diese Thematik kann man dann auch jederzeit auf die heutige Zeit anwenden, nur das man das Geschehen ganz sicher visuell härter in Szene setzen würde. Für einen Film, der aber immerhin schon über vier Jahrzehnte auf dem Buckel hat, kann "Champagner für Zimmer 17" aber mit einer erstaunlich hohen Intensität aufwarten, die sich aber nicht unbedingt in reißerischen Bildern zu erkennen gibt.

Für die jüngere Generation ist das Werk von Erwin C. Dietrich vielleicht nicht unbedingt geeignet, legt man doch heute weitaus mehr Wert auf Brutalität, Action und visuelle Gewaltdarstellungen. Wem diese Dinge aber nicht ganz so existenziell erscheinen der sollte definitiv mal einen Blick riskieren, denn die vorliegende Geschichte wurde nicht nur gut umgesetzt, sondern schildert auch durchaus glaubwürdig ein Szenario, das man von der Thematik her auch jederzeit in die Gegenwart verlegen könnte. Nostalgiker und Freunde des realistischen Krimis werden jedenfalls auf ihre Kosten kommen und durch mehrere Nacktbilder diverser Damen wird dem Ganzen auch noch ein Hauch Erotik eingehaucht. So ergibt sich letztendlich ein sehr stimmiges Gesamtbild, das man ohne Weiteres als gänzlich überzeugend beschreiben kann.


Fazit:


Auch wenn viele Leute einen Regisseur wie Dietrich lediglich auf Werke wie beispielsweise "Django Nudo und die lüsternen Mädchen von Porno Hill" reduzieren kann der gute Mann auch durchaus gute Filme unter seiner Regie entstehen lassen. Zwar kommt man auch in vorliegendem Fall nicht gänzlich ohne Erotik aus, was aber dieses Mal vielmehr in der Thematik verankert ist, als das man ein schlüpfriges Filmchen drehen wollte.


8/10

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