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Samstag, 7. März 2015

28 Days later






28 Days Later
(28 Days Later...)
mit Alex Palmer, Cillian Murphy, David Schneider, Toby Sedgwick, Naomie Harris, Noah Huntley, Christopher Dunne, Emma Hitching, Alexander Delamere, Kim McGarrity, Brendan Gleeson, Megan Burns, Justin Hackney
Regie: Danny Boyle
Drehbuch: Alex Garland
Kamera: Anthony Dod Mantle
Musik: John Murphy
FSK 18
Großbritannien / 2002

Der junge Jim erwacht in einem menschenleeren Krankenhaus aus dem Koma, nur um verstört festzustellen, dass die gesamte Bevölkerung Londons verschwunden scheint. Einzig mordlüsterne Gestalten, die ihm nach dem Leben trachten, machen die Straßen unsicher. Eine Epidemie, so erfährt er, die die Infizierten innerhalb von Sekunden in blutrünstige Bestien verwandelt, hat ganz England entvölkert. Da stößt Jim auf einen kleinen Trupp Überlebender, mit denen er sich zu einer - scheinbar - sicheren Militärbasis im Norden durchschlägt.


Das Genre des Zombiefilms hat eigentlich jahrelang mit den immer gleichen Szenarien aufgewartet, bis Danny Boyle 2002 mit seinem "28 Days Later" etwas frischen Wind aufkommen ließ. Zwar sind die Geschehnisse den ansonsten üblichen Vertretern recht ähnlich , doch die Ursache für die apokalyptischen Ereignisse hob sich doch gewaltig von davor erschienenen Filmen ab. Wenn man es ganz genau nimmt handelt es sich noch nicht einmal um eine Schwemme von Untoten, denn die Betroffenen wurden durch einen sogenannten Wut-Virus infiziert, der von Versuchsaffen aus einem Labor übertragen wurde. Somit handelt es sich also um keinen Oldschool-Zombiefilm und mittlerweile sind so wie hier dargestellte Szenarien ja Gang und Gebe. 2002 handelte es sich jedoch noch um eine ziemliche Neuerung, weswegen vorliegender Beitrag auch längst nicht bei allen Fans Anklang fand. Dabei handelt es sich um eine wirklich interessante Geschichte, die in erster Linie durch ihre post-apokalyptische Atmosphäre zu überzeugen weiß.

Diese kommt schon in den ersten Minuten nahezu grandios zum Vorschein, als man Hauptfigur Jim durch das menschenleere London gehen sieht. Nicht selten werden da Erinnerungen an einen Klassiker wie "The last Man on Earth" auf, denn diese Grundstimmung der Story versetzt den Zuschauer schon in eine äußerst beklemmende Grundhaltung, die sich mit zunehmender Laufzeit noch immer weiter verstärken soll. Doyle hat es genau richtig gemacht und seine Erzählung lediglich mit einer überschaubaren Darsteller-Riege besetzt, denn nur so konnte man auch die herausragende Endzeitstimmung einfangen, die hier durchgehend zu verspüren ist. Gleichzeitig lässt der britische Regisseur auch moralische Aspekte in den Vordergrund rücken, was insbesondere im letzten Drittel des Filmes zu bemerken ist, als Jim und seine beiden Gefährtinnen sich im scheinbaren Schutz einiger Soldaten befinden. Die dortige Sicherheit ist nämlich eher trügerisch und immer mehr schält sich dabei heraus, das gerade die beiden weiblichen Figuren für ganz andere Dinge gedacht sind. An dieser Stelle fragt man sich dann auch unwillkürlich, zu welchen Dingen Menschen bereit wären, wenn sie sich in einer scheinbar hoffnungslosen Situation befinden, die fast ausschließlich von Tristesse und Hoffnungslosigkeit geprägt ist.

"28 Days Later" geht also stellenweise auch ein wenig tiefer, wobei insbesondere der pure Egoismus und die niederen Instinkte des Menschen zur Schau gestellt werden. Gleichzeitig hat Boyle jedoch auch nicht auf den nötigen Härtegrad verzichtet, um seine Geschichte authentisch erscheinen zu lassen. Man bekommt einige durchaus blutige Momente geboten, ohne das die Abläufe sich zu irgendeiner Zeit lediglich auf Gewaltdarstellungen reduzieren würden. Dafür ist das Werk viel zu gut umgesetzt worden, zudem werden auch keinerlei Grenzen gesprengt, indem man ein visuelles Splatter-und Gore Festival präsentiert, das den üblichen Rahmen sprengen würde. Vielleicht ist aber gerade dieser Umstand manchem Fan ein Dorn im Auge, denn ein sinnloses Gewalt-Spektakelt wird an dieser Stelle definitiv nicht geboten. Aber genau weil das so ist nimmt dieser Film meiner Meinung nach eine ganz besondere Stellung ein und etliche Regisseure haben sich danach an ihm orientiert. Mittlerweile scheinen sich auch die meisten der damaligen Gegner mit den Virus-Infizierten arrangiert, denn anders ist es ansonsten kaum zu erklären, das es in der heutigen Zeit unzählige Filme gibt, die sich mit dieser Thematik beschäftigen. Es ist natürlich Geschmackssache, aber Boyle hat 2002 endgültig eine Tür geöffnet, durch die nach ihm etliche Filme-Macher geschritten sind und seine Art "Zombiefilm" kopiert haben.

Für mich persönlich handelt es sich hier um eine echte Genre-Perle, die einer leicht angestaubten Filmart etwas neues Leben eingehaucht hat und auch nach mittlerweile 12 Jahren hat "28 Days Later" nicht ansatzweise etwas von seinem Reiz und seiner grandiosen Grundstimmung verloren. Einige härtere Passagen, gut gezeichnete Charaktere und eine durchweg spannende Story sorgen jederzeit dafür, das man hier mit einem erstklassigen Film bedient wird den man sich immer wieder anschauen kann. 


Fazit:


Bei seinem Erscheinen traf das Werk von Boyle auf verhältnismäßig viel Widerstand, doch mittlerweile hat sich die Geschichte von Jim und seinen Mitstreitern wohl ihren festen Platz im Genre erkämpft. Zu verdanken ist dies hauptsächlich dem Regisseur, der sich anscheinend einfach mal ein paar Gedanken gemacht hat und durch kleine-aber keinesfalls unwichtige Ideen etwas frischen Wind in den Zombiefilm geblasen hat, auch wenn man es genau genommen ja nicht mit echten Untoten zu tun hat.


9/10

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