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Donnerstag, 5. März 2015

Open Windows






Open Windows
(Open Windows)
mit Elijah Wood, Sasha Grey, Neil Maskell, Michelle Jenner, Julián Villagrán, Carlos Areces, Raúl Cimas, Miguel Noguera, Nacho Vigalondo, Richard Diment, Eugenio Mira, Nancy Yao, Luis Sanchez-Cañete
Regie: Nacho Vigalondo
Drehbuch: Nacho Vigalondo
Kamera: Jon D. Domínguez
Musik: Jorge Magaz
FSK 16
Frankreich / Spanien / USA / 2013

Filmfan Nick hat online ein Date mit der eingebildeten Schauspielerin Jill gewonnen und fiebert dem exklusiven Abendessen in seinem Hotelzimmer entgegen, als ihm ein gewisser Chord, der sich als Jills Manager ausgibt, ihm im Chat eröffnet, die Diva verweigere ihm die Audienz. Als Kompensation bietet ihm der mysteriöse Mann, der sich auf Nicks Laptop hackt, den Stream einer Webcam an, wo er sein Idol nackt sehen könne. Gekränkt und neugierig lässt sich Nick darauf ein - und befindet sich im diabolischen Spiel eines Maniacs, der ihn und den Star in der Hand hält.


Gerade in der heutigen Zeit beschwert man sich als Zuschauer relativ oft über mangelnde Kreativität bei Regisseuren, denn eher selten hat mal einer den Mut wirklich innovative Ideen in einer Geschichte unter zu bringen. Diesen Vorwurf kann man Nacho Vigalondo (V/H/S: Viral) definitiv nicht machen, denn sein Cyber-Thriller "Open Windows" dürfte von der Aufmachung her so ziemlich einmalig sein und bietet zudem ein Höchstmaß an Innovation, was der Erzählung von der ersten Minute an sehr zu gute kommt. Zugegebenermaßen erscheint das Ganze zu beginn in optischer Hinsicht ein wenig gewöhnungsbedürftig, offenbart sich dem Betrachter doch ein Spielfilm, der sich über die gesamte Laufzeit auf einem Laptopbildschirm abspielt, auf dem man lediglich zwischen den verschiedenen geöffneten Fenstern hin und her switcht. Das mag im ersten Moment sehr befremdlich klingen, sorgt aber durchgehend für eine extrem spannende Erzählung, die zudem auch noch über ein teilweise immenses Tempo verfügt. Phasenweise beinhaltet das Geschehen starke Anleihen zum Hitchcock Klassiker "Das Fenster zum Hof" und gleichzeitig kommt man auch nicht umher, ganz zwangsläufig an die Kult-Serie "24" zu denken, da sich die Abläufe bis auf kleinere Ausnahmen im Echtzeit-Format präsentieren. 

Schon diese Mixtur sorgt beim Betrachter für großes Interesse und die Umsetzung der einzelnen Elemente ist vom Spannungsaufbau her als absolut gelungen zu bezeichnen. Stellenweise kann man in dieser Erzählung so richtig schön mitfiebern und wird gleichzeitig mit immer neuen Wendungen konfrontiert, so das in keiner einzigen Phase so etwas wie Langeweile aufkommen kann. Lediglich im letzten Drittel der Geschichte meint es Nacho Vigalondo dann etwas zu gut mit überraschenden Momenten, wodurch die Erzählung dann auch ein wenig an Glaubwürdigkeit verliert. Meiner Meinung nach schmälert das den ansonsten tollen Gesamteindruck nur geringfügig, da die positiven Komponenten des Filmes ganz klar überwiegen. Dennoch wäre an dieser Stelle ein leichter Tritt auf die Bremse angeraten gewesen, denn gerade zum Schluss hin nimmt das Szenario leicht abstruse Züge an, was man durchaus hätte vermeiden können. Nichtsdestotrotz versteht es "Open Windows" aber durchgehend zu unterhalten und man kann über diesen einzigen Kritikpunkt auch großzügig hinwegsehen, denn in allen anderen Belangen bekommt man äußerst innovative Filmkost geboten, die in der hier an den Tag gelegten Umsetzung bisher wohl ziemlich einmalig sein dürfte und so auch wirklich viel frischen Wind beinhaltet.

Desweiteren kann auch Elijah Wood in der Hauptrolle gut punkten, denn seine Performance ist wirklich nicht von schlechten Eltern. Dabei kann man ganz generell anmerken, das die gesamte Chose sehr stark auf seine darstellerische Leistung fokussiert ist und streckenweise eine regelrechte One Man Show darstellt. Neben ihm ist zwar auch des Öfteren die bildhübsche Sasha Grey im Bild zu sehen, doch die gute Frau stellt in der Gesamtbetrachtung lediglich hübsches und nötiges Beiwerk dar. Auch die anderen Darsteller kommen nicht über den Stellenwert der notwendigen Staffage dar, sind aber in der Summe dennoch wichtige Puzzle-Teilchen in einer stimmigen Story, in der die Omnipräsenz eines Elijah Wood jedoch so übermächtig ist, das sich kein anderer erwähnenswert in den Vordergrund spielen kann. Wie dem aber auch sei, bis auf das im Bezug auf die Glaubwürdigkeit etwas abfallende letzte Drittel des Filmes kann man sich keinesfalls beschweren, denn "Open Windows" ist ein äußerst mutiges Projekt, das aufgrund seiner Inszenierung eventuell auch nicht jeden Geschmack treffen wird. Wer jedoch seine Freude an neuen Ideen und deren gelungener Umsetzung hat der kommt hier voll auf seine Kosten und dürfte vielleicht sogar richtiggehend begeistert sein. Eine packende Story, gute Darsteller und etliche überraschende Wendungen sind in Verbindung mit der innovativen Sichtweise auf die Ereignisse Grund genug, diesem außergewöhnlichen Werk eine Chance zu geben.

Vigalondo hat Vieles richtig gemacht und lediglich in den letzten Minuten seiner Erzählung ein wenig den Sinn für plausible Abläufe aus den Augen verloren. Mich persönlich stört das nicht sonderlich, doch manch einer wird das Werk eventuell aufgrund dieser Tatsache viel schlechter bewerten als es ihm gerecht wird. Letztendlich präsentiert sich nämlich ein nicht alltägliches Szenario voller Überraschungen, das mit einem vollkommen neuen Blickwinkel auf die Ereignisse aufwarten kann. Wenn man sich schon einmal die Frage gestellt hat ob ein Film solcher Machart funktionieren kann, dann muss die Antwort eindeutig ja lauten, denn "Open Windows" ist ein Paradebeispiel dafür, das man mit einer ordentlichen Portion Mut und genügend Ideen ein echtes filmisches Highlight auf den Weg bringen kann, das fast restlos zu überzeugen weiß.


Fazit:


Spannend, temporeich und extrem innovativ präsentiert sich mit "Open Windows" ein Cyber-Thriller der neuen Generation, der dem Zuschauer durch seinen Echtzeit-Look das Gefühl vermittelt, ganz automatisch ein Teil des Geschehens zu sein. Wer einen solchen Film zu schätzen weiß sollte an dieser Stelle unbedingt zugreifen, denn auch die im letzten Teil etwas fehlende Glaubwürdigkeit darf definitiv nicht als Grund dafür her halten, das man sich dieses tolle Filmerlebnis entgehen lässt.


8/10

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