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Mittwoch, 15. April 2015

Coherence






Coherence
(Coherence)
mit Emily Baldoni, Maury Sterling, Nicholas Brendon, Lorene Scafaria, Elizabeth Gracen, Hugo Armstrong, Alex Manugian, Lauren Maher
Regie: James Ward Byrkit
Drehbuch: James Ward Byrkit / Alex Manugian
Kamera: Nic Sadler
Musik: Kristin Øhrn Dyrud
FSK 16
USA / 2013

Acht Freunde treffen sich nach längerer Zeit mal wieder zum Essen. Dass am selben Abend ein Komet nahe der Erde vorbeifliegt, findet zunächst nur am Rande Beachtung. Als aber die Mobiltelefone plötzlich verrückt spielen und im ganzen Viertel der Strom ausfällt, werden erste Zweifel wach, ob es sich tatsächlich nur um ein harmloses Himmelsphänomen handelt. Doch ein Notstromgenerator sorgt für Abhilfe und die Zweifel sind schnell zerstreut. Bis jemandem ein paar Straßen weiter ein zweites Haus auffällt, das offensichtlich als einziges im Viertel ebenfalls noch Strom hat. Und dann das Klopfen an der Tür und dann diese seltsame Nachricht in vertrauter Handschrift und dann… Wie gut kennst du eigentlich deine Freunde?


Filmische Experimente sind immer wieder sehr reizvoll, was Regisseur James Ward Byrkit mit seinem Werk "Coherence" äußerst eindrucksvoll unter Beweis stellt. 8 Darsteller, ein geringes Budget und ein räumlich extrem eingeschränkter Schauplatz sind dabei die wohl wichtigsten Eckpfeiler einer Geschichte, die einzig aus unendlichen Dialogen besteht und zudem mit einer unruhigen Handkamera gefilmt wurde. Das mag jetzt manch einen vielleicht abschrecken und zugegebenermaßen wird das Geschehen die Meinungen auch ziemlich weit auseinander gehen lassen, denn während der Film für viele Leute ein kleines Juwel darstellen wird, dürften andere von einem langatmigen Experimentalfilm sprechen, in dem so gut wie nichts passiert. Rein inhaltlich bietet die Rahmenhandlung zunächst nichts Außergewöhnliches, doch die fast schon improvisiert anmutende Umsetzung des Ganzen zieht einen mit zunehmender Laufzeit immer stärker in seinen Bann und wirft dabei jede Menge Fragen auf, von denen am Ende längst nicht alle beantwortet werden. So offenbart sich zu Beginn auch ein eher banales Zusammentreffen einiger Freunde die lediglich einen schönen Abend miteinander verbringen wollen, um jedoch in der Folge mit höchst mysteriösen Phänomenen konfrontiert zu werden, für die es anscheinend keinerlei Erklärung gibt.

Byrkit fügt seinem Szenario dabei jede Menge SCI/FI Elemente bei, verzichtet dabei gänzlich auf den Einsatz diverser Effekte und lässt lediglich seine Darsteller agieren, die sich immer tiefer in philosophischen Ansätzen ergehen, um sich die höchst merkwürdigen Ereignisse zu erklären. Die Grenzen zwischen Realität und unzähligen surrealen Momenten verschwinden dabei im Laufe der Story fast vollends und der Zuschauer muss wirklich höllisch aufpassen, damit er während der auftretenden Verwirrungen nicht gänzlich die Übersicht verliert. Das ist einerseits phasenweise recht anstrengend, macht aber auf der anderen Seite den ganz besonderen Reiz von "Coherence" aus. Mit zunehmender Laufzeit taucht man dann auch immer tiefer in die Abläufe ein und lauscht dabei aufmerksam den unendlichen Dialogen, die einem das Ganze zumindest ansatzweise erklären sollen. Immer mehr tritt dabei die Frage in den Vordergrund, wie viele verschiedene Realitäten es eigentlich gibt und ehrlich gesagt findet man darauf auch bis zum Ende keine wirkliche Antwort. Das ist jedoch auch überhaupt nicht nötig, denn Byrkit will die Fantasie des Betrachters anregen und ihm unzählige Interpretationsmöglichkeiten des Geschehens zur Seite stellen und diesen Schachzug kann man auch ohne Weiteres als absolut gelungen ansehen. Im Grunde genommen handelt es sich einmal mehr um einen dieser Filme, die man nur allzu gern als sogenannte "Hirnverbieger" bezeichnet und so dürfte schon einmal ziemlich klar sein, das "Coherence" längst nicht jeden ansprechen wird.

Neben der hauptsächlichen SCI/FI Thematik rückt aber auch ein zweiter Schwerpunkt immer mehr in den Fokus, denn nicht nur die fast vollständige Zerstörung der Realität wird thematisiert, es entstehen nämlich auch immer größere Spannungen im zwischenmenschlichen Bereich. Handelt es sich am Anfang noch um eine gesellige Runde von anscheinend guten Freunden, so geben sich innerhalb der Geschichte immer größere Lebenslügen zu erkennen und die Protagonisten sehen sich unvermeidlich mit ihren eigenen dunklen Seiten konfrontiert. Geheimnisse kommen ans Tageslicht und die zu Beginn so tolle Fassade bröckelt immer mehr. Diese Kombination macht "Coherence" so besonders und lässt das Werk in meinen Augen zu einem kleinen Juwel aufsteigen, das trotz einer absolut minimalistischen Umsetzung ein Maximum an Spannung und Thrill garantiert. Natürlich liegt dies im Auge des jeweiligen Betrachters und nicht jeder wird diese Meinung teilen, aber James Ward Byrkit hat hier einen Film auf den Weg gebracht den man sich unbedingt anschauen sollte, um sich selbst sein eigenes Urteil zu bilden.

"Coherence" wirft unzählige Fragen auf und spekuliert dabei auf die Interpretation des Zuschauers, der sich nur allzu gern von den mysteriösen Ereignissen gefangen nehmen lässt. Obwohl die Geschichte eigentlich nur aus Dialogen besteht entwickelt sich eine immer dichter und bedrohlich erscheinende Grundstimmung, die bis zur letzten Sekunde einen spannenden Filmgenuss beschert. Gleichzeitig wird das Szenario die Lager spalten und manch einer wird eventuell sogar vollkommen enttäuscht von diesem filmischen Experiment sein, das mir persönlich aber sehr viel Freude bereitet hat.


Fazit:


Gut agierende Darsteller, eine gelungene Mixtur aus SCI/FI und menschlichen Gefühlen und eine immer stärker schwindende Realität sind die Zutaten, die diesen Film zu einem absoluten Erlebnis machen. Einmal mehr hat Bildstörung eindrucksvoll unter Beweis gestellt wirklich außergewöhnliche Werke zu präsentieren, denn "Coherence" bietet wirklich alles, nur nicht den handelsüblichen Mainstream der die große Masse anspricht.


9/10

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