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Donnerstag, 2. April 2015

The Second Coming






The Second Coming - Die Wiederkehr
(Chong Sheng)
mit Joey Leong, Donald Li, Yat Long Don Li, Maggie Siu, Kenny Wong, Tak-Bun Wong
Regie: Tin Chi Ng / Herman Yau / Tin Chi Ng
Drehbuch: Tin Chi Ng
Kamera: Kwong-Hung Chan / Man Yin Ngai
Musik: Brother Hung
keine Jugendfreigabe
Hongkong / 2014

Eigentlich sollte es Lucy gar nicht geben - ihre Mutter wollte sie abtreiben und wäre bei dem Versuch fast gestorben. 14 Jahre später lebt die Familie ein harmonisches, fast perfektes Leben in einer Vorstadtsiedlung. Doch Lucys Leben ändert sich, als sie ein leuchtendes Gefäß im Garten findet. Sie wird plötzlich von schockierenden Visionen heimgesucht und ihr immer bizarreres Verhalten steigert sich schließlich in bestialische Gräueltaten. Ihre Eltern glauben, dass ein Dämon von ihr Besitz ergriffen hat und die Familie brutal vernichten will. Sie rufen eine Exorzistin zur Hilfe, die den Kampf gegen die bösartige Macht aufnehmen soll…


Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie sehr die Meinungen zu manchen Filmen auseinander gehen. Während viele Leute bei Herman Yau's Werk "The Second Coming - Die Wiederkehr" von einem eher langweiligen bis maximal durchschnittlichen Werk berichten, konnte mich die Erzählung vollends überzeugen. In einer äußerst gelungenen Kombination vermischt der bekannte Regisseur (Ip Man - The Final Fight, Ebola Syndrom) hier die Elemente eines asiatischen Geisterfilmes mit denen eines Dramas und lässt dabei an einigen Stellen sogar ein wunderbares CAT III Feeling aufkommen, indem er die Ereignisse mit kleineren expliziten Gewaltdarstellungen anreichert. Das Ergebnis ist eine von Beginn an äußerst spannende Story, die gerade zu Beginn zwar einige Fragen aufwirft, diese jedoch mit zunehmender Laufzeit durch immer wieder eingestreute Rückblenden beantwortet. So lösen sich dann auch sämtliche Verwirrungen auf die gerade in der ersten Filmhälfte auftreten könnten, so das sich letztendlich ein sehr stimmiges Gesamtbild ergibt. Natürlich sollte man das Szenario schon unter dem Aspekt der asiatischen Glaubenswelt betrachten, denn für unsere Verhältnisse wirkt die Story doch eher so, als wenn sie dem Reich der Fantasie entsprungen ist. Wie dem aber auch sei, man bekommt hier ein erstklassige Grusel-Ambiente serviert das von gezielt eingesetzten Schockmomenten immer wieder für eine gepflegte Gänsehaut sorgt.

Gleichzeitig kann der Film durch ständige Tempowechsel überzeugen, denn während man in diversen Passagen mit eher ruhigen Tönen konfrontiert wird, streut Yau immer wieder erhebliche Rhytmuswechsel in die Abläufe ein und die ständigen Wendungen innerhalb des Szenarios sorgen für einen konstant ansteigenden Spannungsbogen, was dem Gesamtbild extrem zu Gute kommt. In atmosphärischer Hinsicht bekommt der Zuschauer meiner Meinung nach eine ganze Menge geboten und wird mit einem typisch asiatischen Oldschool-Grusler bedient, der Liebhabern dieser Filmgattung eine Menge Freude bereiten sollte. Auch die typische blasse Farbgebung ist vorhanden und die bleichen Geistergestalten sorgen für so manch kalten Schauer der einem über den Rücken läuft. Nun mag das sicherlich jeder anders empfinden, aber nach mehreren eher schwachen Vertretern in den letzten Jahren kann "The Second Coming" in meinen Augen an die erfolgreichen 90er Jahre anknüpfen, in denen der asiatische Gruselfilm ja eine wahre Hochkonjunktur erlebte.

Auch die Darsteller-Riege überzeugt überzeugt durch sehr gutes Schauspiel, wobei insbesondere Hauptdarstellerin Joey Leong in der Rolle der Lucy eine glänzende Performance an den Tag legt. Absoluter Höhepunkt dieses Filmes ist jedoch der zum Ende hin eingestreute Plot Twist, denn mit diesem stellt Herman Yau die Geschehnisse noch einmal vollkommen auf den Kopf und lässt den Zuschauer die Geschichte noch einmal aus einem völlig anderen Blickwinkel betrachten. Ich weiß ja nicht wie es anderen geht, aber bei mir selbst kamen hier doch Erinnerungen an Filme wie beispielsweise "Butterfly Effect" oder sogar "Silent Hill" auf, wobei gerade letztgenannter Titel durch die Schluss-Szene im Kopf herum spukt. 

Wie immer ist es Geschmackssache, aber mich konnte "The Second Coming" völlig überzeugen und ich kann nur eine dicke Empfehlung für diesen gelungenen Film aussprechen. Die hier gefundene Mixtur aus Geisterfilm, Horror und Drama ist einfach toll und garantiert eigentlich für durchgehend faszinierende und spannende Unterhaltung. Einige etwas härtere Szenen würzen das Ganze zusätzlich, so das sich am Ende ein gelungenes Gesamtpaket präsentiert, von dem sich jeder sein eigenes Bild machen sollte.


Fazit:


Endlich ist mal wieder ein asiatischer Gruselfilm erschienen bei dem man wieder dieses Feeling verspüren kann, das Werke wie "Ring - Das Original" Ende der 90er Jahre vermittelt haben. Wie mehrere Kritiken schon andeuten wird nicht jeder das so sehen, doch in meinem Fall hat die Geschichte von der ersten Minute an gezündet und einen überdurchschnittlich guten Gesamteindruck hinterlassen.


8/10

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