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Freitag, 8. Mai 2015

Let Us Prey






Let Us Prey
(Let Us Prey)
mit Liam Cunningham, Pollyanna McIntosh, Bryan Larkin, Hanna Stanbridge, Douglas Russell, Niall Greig Fulton, Jonathan Watson, Brian Vernel, James McCreadie, Sophie Stephanie Farmer, Andrew Parker
Regie: Brian O'Malley
Drehbuch: David Cairns / Fiona Watson
Kamera: Piers McGrail
Musik: Steve Lynch
SPIO/JK
Großbritannien / Irland / 2014

Die junge Polizistin Rachel ist gerade auf dem Weg zu ihrer ersten Nachtschicht in einem gottverlassenen Kaff in Schottland. In den gespenstisch leeren Gassen wird sie Zeugin eines Autounfalls, dessen Opfer scheinbar spurlos verschwindet. Im Revier angekommen, muss sich Rachel gegenüber den Sticheleien ihrer misstrauischen und zwielichtigen Kollegen erwehren, als plötzlich das Unfallopfer auftaucht. Die Herkunft des charismatischen und schweigsamen Mannes ist völlig rätselhaft, doch übt der Fremde einen dunklen Einfluss auf die inhaftierten Sträflinge aus. Schon bald scheint die Hölle auf Erden auszubrechen und ein tödlicher Albtraum beginnt.


"Let Us Prey" ist die mittlerweile vierte Veröffentlichung des Labels Pierrot Le Fou und stellt gleichzeitig auch das Erstlingswerk von Regisseur Brian O'Malley dar. Wie nicht anders zu erwarten kommt auch dieses Mal ein relativ harter Film auf den Zuschauer zu, wobei sich die visuellen und teilweise expliziten Gewaltdarstellungen erst in der zweiten Hälfte des Szenarios zu erkennen geben. Zuvor setzt O'Malley erst einmal sein Hauptaugenmerk darauf eine wirklich düstere Atmosphäre aufzubauen und dieser Schachzug ist auch als absolut gelungen anzusehen. Von der Ausgangslage und der Location her wird man fast schon zwangsweise an John Carpenter's Klassiker "Assault on Precint 13" erinnert, denn auch hier spielt sich die gesamte Geschichte räumlich sehr begrenzt in einem kleinen Polizeirevier ab und zudem tendiert auch der Aufbau der Geschichte in diese Richtung. Ziemlich schnell kehrt dann jedoch auch eine stark mysteriöse und übernatürliche Note in das Geschehen ein, was in erster Linie durch den unbekannten Fremden (Liam Cunningham) der Fall ist, der hier nämlich ganz offensichtlich etliche böse Geheimnisse der restlichen Akteure kennt. Durch diesen Punkt erscheinen dann auch unübersehbare Ähnlichkeiten zu einem anderen und eher unbekannten Film auf, denn im weiteren Verlauf ergeben sich doch mehr als deutliche Parallelen zum 2010 veröffentlichten "The Traveller - Nobody Will Survive", in dem Val Kilmer die Hauptrolle spielte.

Näher sollte man auch keinesfalls darauf eingehen, denn ansonsten würde man anderen ganz eindeutig jegliche Spannung vorweg nehmen. Allerdings muss man auch nicht gerade das Abitur haben um frühzeitig zu erkennen, in welche Richtung die ganze Chose letztendlich hinaus läuft und was es mit dem geheimnisvollen Fremden auf sich hat. Großartig innovative Ansätze sollte man also nicht unbedingt erwarten doch dafür ist "Let Us Prey" im Prinzip auch überhaupt nicht ausgelegt worden. Vielmehr wurde sich an dieser Stelle augenscheinlich bei den genannten Werken bedient, um eine letztendlich jederzeit interessante Geschichte zu erzählen, dessen auffälligstes Merkmal ganz sicher die zwei vollkommen unterschiedlichen Filmhälften darstellen dürften. Während man im ersten Teil nämlich fast ausschließlich mit der dichten und streckenweise fast apokalyptisch anmutenden Grundstimmung um die Gunst des Zuschauers buhlt, serviert man im zweiten Teil ein stetig ansteigendes Tempo und jede Menge härterer Passagen. Das wird dann in erster Linie den geneigten Gorehound erfreuen, der mit ein wenig Geduld ausgestattet definitiv auf seine Kosten kommen wird. 

Dennoch artet die Chose zu keiner Zeit in ein sinnloses Gekröse aus, denn O'Malley ist wohl darauf bedacht, den Betrachter nicht ausschließlich mit einer Schlachteplatte zu versorgen, sondern ihm auch die Abgründe der menschlichen Seele zu offenbaren, die bis auf eine Ausnahme bei allen Akteuren mehr als deutlich zum Vorschein gelangen. Somit wären wir dann auch bei den Charakteren angekommen, die bis auf die junge und neue Polizistin Rachel durch die Bank extrem unsympathisch daher kommen. Ausgenommen davon ist zusätzlich noch der scheinbar allwissende Fremde, der trotz seiner am Ende erklärten Bedeutung viel eher als Neutrum anzusehen ist. Was sich ansonsten sowohl von den Polizisten wie auch den Gefangenen präsentiert ist im Prinzip nur mit dem Begriff menschlicher Abfall zu bezeichnen, denn die zum Vorschein kommenden dunklen Geheimnisse offenbaren so manche grausame Tat, die dem Zuschauer das Blut in den Adern gefrieren lässt. So sind die Sympathiepunkte dann auch schnell vergeben und man kann sich den zwar recht vorhersehbaren, aber dennoch jederzeit spannenden Abläufen widmen, die einem phasenweise durch etliche kleine Flashbacks näher gebracht werden. Durch dieses Stilmittel erfährt man nämlich immer mehr von den einzelnen Figuren und kann sich so auch aufgrund dessen schon frühzeitig erklären, welche Rolle der Fremde in diesem teils blutigen Szenario einnimmt.

Das an dieser Stelle dann kein wirklich großer Überraschungseffekt zu Tage tritt ist durchaus zu verschmerzen, denn das Gesamtbild von "Let Us Prey" kann sich auf jeden Fall sehen lassen und stellt letztendlich ein absolut gelungenes Regie Debüt dar, zu dem man O'Malley nur gratulieren kann. Natürlich wird nicht jeder das so sehen, doch hier wurden die nötigen Zutaten für einen durchgehend interessanten und harten Genre Beitrag gekonnt zusammen gerührt, so das im Endeffekt ein überdurchschnittlich gutes Gesamtbild entstehen sollte. Wer "The Traveller - Nobody Will Survive" nicht kennen sollte könnte eventuell sogar den oft zitierten Aha-Effekt erleben, da sich etliche Dinge dann erst zu einem späteren Zeitpunkt endgültig erklären lassen. Wie dem aber auch sei, hier ist ein unterhaltsamer Genre Flick entstanden der den Horrorfilm zwar nicht neu erfindet, aber altbewährte Zutaten in einer tollen Verpackung präsentiert. Liebhaber des Genres sollten auf ihre Kosten kommen, denn "Let Us Prey" bietet sämtliche Elemente, die einen Horrorfilm absolut sehenswert erscheinen lassen und für durchgehend gute Unterhaltung sorgen.


Fazit:


Ein Meisterwerk ist diese Produktion sicherlich nicht, dafür offenbart sich jedoch ein äußerst stimmiger und atmosphärischer Beitrag, der insbesondere im zweiten teil auch mit etlichen gut in Szene gesetzten Gewaltspitzen aufwarten kann. Freunde der härteren Gangart müssen also lediglich ein wenig Geduld aufbringen und werden dafür letztendlich auch ausreichend belohnt.


7,5/10

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