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Montag, 1. Juni 2015

Black Swan






Black Swan
(Black Swan)
mit Natalie Portman, Mila Kunis, Vincent Cassel, Barbara Hershey, Winona Ryder, Benjamin Millepied, Ksenia Solo, Kristina Anapau, Janet Montgomery, Sebastian Stan, Toby Hemingway, Sergio Torrado, Mark Margolis
Regie: Darren Aronofsky
Drehbuch: Mark Heyman / Andres Heinz / John J. McLaughlin
Kamera: Matthew Libatique
Musik: Clint Mansell
FSK 16
USA / 2010

Primaballerina Nina will unbedingt die Doppelrolle als weißer und schwarzer Schwan in der neuen "Schwanensee"-Produktion. Der Konkurrenzkampf mit ihrer Mutter, die ihre eigene Tänzerinnenkarriere wegen der Schwangerschaft mit Nina aufgeben musste, schürt noch Ninas eigenen Ehrgeiz. Doch Kolleginnen und Chef werfen Nina einen Mangel an Sex-Appeal vor. Nach einem Biss beim Kuss vom Chef bekommt sie die Traumrolle unerwartet doch. Ihre Freude ist nur kurz, glaubt sie ihre Position als Star der Truppe gefährdet - insbesondere durch das neu engagierte Talent Lilly, die viel lockerer als sie selbst ist und sie verführt.


In regelmäßigen Abständen trifft man immer wieder auf Filme, deren Klasse sich einem erst nach einer wiederholten Sichtung zu erkennen gibt. Für mich persönlich gehört Darren Aronofsky's "Black Swan" zu diesen Werken, konnte ich doch bei der Erstsichtung vor einigen Jahren so gut wie gar nichts mit diesem Werk anfangen. Wahrscheinlich lag das am eigenen persönlichen Schubladendenken, hatte ich die Geschichte doch schon im Vorfeld als höchstens mittelmäßiges Tanzfilmchen abgetan. Mittlerweile sieht das Urteil dann aber doch erheblich anders aus, denn was der Regisseur hier aus einer zugegebenermaßen recht dünnen Geschichte heraus geholt hat ist schon bewundernswert, denn was im ersten Moment wirklich wie ein normaler Ballettfilm beginnt, entwickelt sich mit zunehmender Laufzeit immer mehr zu einem packenden Paranoia Thriller mit leichten Mystery Elementen, in dem die Obsession seiner Hauptfigur einfach nur grandios in den Mittelpunkt gerückt wird. In der Hauptsache lebt die Erzählung dabei von den erstklassigen schauspielerischen Leistungen, die von einer durch die Bank überzeugenden Darsteller-Riege zum Besten gegeben werden. Besonders hervorheben muss man jedoch Hauptdarstellerin Natalie Portman die für ihre Performance der Primaballerina Nina vollkommen berechtigt den Oscar als beste Hauptdarstellerin erhalten hat. In Sachen Ausdruck und Authentizität kaum zu überbieten spielt sie perfekt eine junge Frau, die ganz offensichtlich Probleme damit hat ihre wahren Emotionen zu zeigen und dadurch auch nicht die in sie gesetzten Hoffnungen erfüllen kann. Aronofsky legt den Fokus des Geschehens auch vollkommen bewusst auf seine Hauptfigur und verleiht ihr so auch gleichzeitig eine Omnipräsenz, die man in vorliegendem Fall als nahezu genialen Schachzug ansehen muss. Bekommt der Zuschauer doch nur so einen tiefen Einblick in das Seelenleben der zerbrechlich wirkenden Frau und kann so viel intensiver die Wandlung wahrnehmen, die mit zunehmender Laufzeit von der Hauptfigur förmlich Besitz ergreift.

Dabei handelt es sich allerdings nicht wie so oft um eine dezente Wesensänderung der Protagonistin, in vorliegendem Fall wird die Person von einer wahren Besessenheit ergriffen, ihre inneren Gefühle im wahrsten Sinne des Wortes nach Außen zu kehren und dabei mit der von ihr selbst verlangten Perfektion in Einklang zu bringen. Die visuelle Umsetzung des Ganzen ist dabei eine absolute Stärke dieses Filmes und wird durch die grandiose darstellerische Leistung von Portman noch zusätzlich intensiviert. So entwickelt sich mit zunehmender Laufzeit ein Szenario, das sich von einem zu Beginn scheinbar normalen Tanzfilm in ein herausragendes Psycho Drama verwandelt, das durch den Zusatz diverser Mystery Anleihen und manchmal schon surreal erscheinender Passagen seine volle Kraft entfalten kann. Steht man der Geschichte am Anfang noch eher neutral gegenüber, so macht sich immer stärker eine sogartige Wirkung breit, die den Betrachter immer tiefer in die Ereignisse hinein zieht und gleichzeitig mit einer kaum in Worte zu fassenden Faszination belegt. Streckenweise entfaltet "Black Swan" fast schon eine hypnotische Wirkung und selbst die als Mittel zum Zweck vorhandenen Tanzszenen lösen regelrechte Begeisterung aus, die musikalische Untermalung durch den grandiosen Klassik-Score tut dann ihr Übriges dafür, das man zwangsläufig selbst ein Teil dieser Geschichte wird und dabei immer tiefer in die Abgründe der menschlichen Seele eintaucht.

Der Aufbau des Szenarios ist als nahezu perfekt zu bezeichnen, denn nach dem anfänglich eher banalen Beginn wird der vorhandene Spannungsbogen kontinuierlich gesteigert und in atmosphärischer Hinsicht stellt sich das Werk immer mehr als eine wahre Granate heraus. Die immer stärker ansteigende Paranoia der Hauptfigur sorgt phasenweise für jede Menge Suspense und gleichzeitig präsentiert sich auch für jeden ersichtlich ein menschliches Drama, das zum Ende hin im Prinzip nur in einer Tragödie enden kann. Ein weiterer Pluspunkt der Story ist sicherlich die glaubwürdige Darstellung darüber wie es in der Welt eines Berufstänzers zugehen muss, denn neid, Missgunst und ständige Intrigen werden von Aronofsky wirklich authentisch ins Bild gesetzt. Natürlich werden damit einerseits sämtliche von diesem Berufszweig vorhandenen Klischees bedient, doch auf der anderen Seite wird keinerlei Zweifel daran gelassen, das in diesem Job wirklich nur die Harten und Skrupellosen dieser Welt eine echte Karriere ins Auge fassen können. Man kann darüber denken wie man will, aber "Black Swan" bietet in meinen Augen einen absolut glaubwürdigen Einblick in ein Metier, das man ansonsten wohl eher nur als perfekte und sehenswerte Inszenierung kennt und dabei noch nicht einmal den Schweiß und die Entbehrungen erahnen kann die hinter der nach Außen hin glamourösen Welt auf sich genommen werden müssen, um Besuchern eine perfekte Aufführung zu bieten.

Letztendlich kann ich durchaus nachvollziehen, das ein Film wie "Black Swan" die Meinungen spaltet, denn was für den einen ein stinklangweiliger Tanzfilm ist, offenbart sich dem anderen als genial aufgebauter Psycho Thriller, der die Obsession seiner Hauptfigur brillant darstellt. Überdurchschnittlich gutes Schauspiel der Protagonisten und eine alles überragende Natalie Portman machen diesen Film zu einem echten Erlebnis, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Und selbst wenn man so wie ich bei der ersten Sichtung keinen sonderlichen Gefallen an dem Werk finden sollte ist ein neuerliches Einlegen der Scheibe durchaus ratsam, denn vielleicht entdeckt man dann die unzähligen Qualitäten eines Szenarios, das nahe der Perfektion angesiedelt ist und eine unglaubliche Faszination auf den Zuschauer ausübt.


Fazit:


Manchmal ist es wirklich ratsam einen Film nicht schon im Vorfeld in eine bestimmte Schublade zu stecken, denn eine vollkommen falsche Erwartungshaltung und diverse Vorurteile lassen keinen wirklich objektiven Blick auf einen Film zu, der diese Sichtweise aber auf jeden Fall verdient hat. "Black Swan" bietet jedenfalls viel mehr als man auf den ersten Blick vermuten mag und bietet ein Filmerlebnis, das man sicherlich nicht so schnell vergessen wird.


9/10

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