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Montag, 15. Juni 2015

Die Mühle der Jungrauen






Die Mühle der Jungfrauen
(Yellow: le cugine)
mit Lisa Seagram, Maurizio Bonuglia, Caterina Barbero, Franco Ricci, Renato De Carmine, Attilio Dottesio, Luigi Ida
Regie: Gianfranco Baldanello
Drehbuch: Augusto Finocchi / Vittorio Metz
Kamera: Luciano Trasatti
Musik: Coriolano Gori
ungeprüft
Italien / 1969

Anlässlich der Beerdigung ihres Großvaters treffen die unterschiedlichen Cousinen Valentina und Marta aufeinander. Während Valentina sich gerne öffentlich mit ihrem Gatten Pierre vergnügt, Drogen-und Sexparties feiert und mit Vorliebe Miniröcke trägt, gibt sich Marta äußerst steif und zugeknöpft, um nicht zu sagen:lustfeindlich. Dennoch scheint Pierre von der prüden Cousine fasziniert zu sein und testet seine Verführungskünste an ihr. Dies bleibt Valentina nicht verborgen und es kommt zum Streit zwischen den Eheleuten. Am nächsten Tag wird Valentinas Leiche auf dem Familiengut gefunden...


Und wieder einmal kann man sich über eine deutsche Erstveröffentlichung freuen, denn Gianfranco Baldanello's "Die Mühle der Jungfrauen" gehört zu den frühen Beiträgen des Gialli, denen bisher noch nicht einmal eine VHS Veröffentlichung zuteil wurde. Umso schöner erscheint darum für den Genre Liebhaber die Tatsache, das der Film nun in einem Double Feature zusammen mit "Die Falle" auf DVD und Blu-ray erschienen ist und zudem auch noch einen durchaus sehenswerten Vertreter seiner Art darstellt. Es fehlt zwar die obligatorische Mordserie und der mit schwarzen Handschuhen bestückte Mörder, doch das man selbst aus einem einzigen Todesfall eine interessante Geschichte stricken kann stellt Baldanello hier eindrucksvoll unter Beweis. Zwar zählt das Werk ganz eindeutig zu den ruhigeren des Sub Genres, doch sollte man diesen Punkt keinesfalls als negativen Kritikpunkt ansehen. Die eher bedächtig vorgetragene Erzählung baut sich dann auch erst mit zunehmender Laufzeit genretypisch auf, denn zu Beginn ist erst einmal wenig von der üblichen Grundstimmung zu spüren, die andere Beiträge so sehr auszeichnet. Bist hier nämlich die nötige Bedrohlichkeit in den Vordergrund tritt und der Mord überhaupt stattfindet vergeht erst einmal eine geraume Zeit. Dennoch fällt die Einführung in das Szenario keinesfalls langweilig aus, bekommt man doch eine recht gute Beleuchtung der für die Story wichtigen Figuren geboten. Dabei fällt es jedoch relativ schwer, wirkliche Sympathie für eine der drei Hauptfiguren aufzubringen, denn auf eine kaum zu definierende Art und Weise will sich keiner der Charaktere die Gunst des Zuschauers verdienen. 

Ehrlich gesagt sehe ich diesen Aspekt allerdings als echten Vorteil an, kann man doch so vollkommen unbefangen und neutral die Ereignisse verfolgen die ohne jegliche Härte in Szene gesetzt wurden. Es gibt also keine Mengen an Kunstblut und ganz generell hat man wohl bedacht darauf verzichtet, die Ereignisse mit expliziten Gewaltdarstellungen anzureichern. Für manch einen mag sich das jetzt äußerst harmlos anhören, aber dennoch zieht "Die Mühle der Jungfrauen" einen auf eine ganz spezielle Weise in ihren Bann. Es dauert lediglich eine geraume Weile bis sich ein echter Spannungsbogen aufbaut, aber Baldanello ist es dennoch gut gelungen den Zuschauer mit dem Gefühl auszustatten, das jeden Moment etwas Unvorhergesehenes passieren könnte. Und auch wenn die Fakten nach dem Mord dann in der zweiten Filmhälfte scheinbar offensichtlich auf der Hand liegen, bekommt der Film zum Ende noch einmal eine Wendung verpasst, die man nicht zwangsläufig vorhersehen konnte. So kann man sich dann auch auf gut 90 Minuten interessante Krimikost einstellen die zwar nicht zu den absoluten Größen des Sub Genres zu zählen ist, aber dennoch durchgehend zu unterhalten weiß.

Zudem sollte man nicht vergessen das es sich hier um ein absolutes Frühwerk aus der Zeit handelt, in der der italienische Gialli noch in seinen Kinderfüßen steckte. Dafür kann sich die Geschichte dann wirklich sehen lassen und auch schon zur damaligen Zeit war erkennbar, das die fast schon obligatorische Prise Erotik keinesfalls fehlen durfte. Einige Nacktszenen schmücken das Ganze nämlich aus, wobei die einzelnen Szenen einen jederzeit ästhetischen Eindruck hinterlassen und auch in ihrer Anzahl absolut angemessen sind. Zum Ende hin fließt dann sogar noch ein Hauch von Tragik in die Erzählung ein, so das insgesamt gesehen eine absolut sehenswerte Mischung entsteht. Dennoch wird sich manch einer eventuell an zu wenig vorhandenem Aktionismus stören, denn wirklich viel passiert in "Die Mühle der Jungfrauen" im Prinzip nicht. Trotz dieses zu verkraftenden Aspektes wirkt die Story aber zu keiner Zeit langatmig oder gar uninteressant, was sicherlich auch den gut agierenden Darstellern zu verdanken ist.

An dieser Stelle sollte man dann noch einmal die drei Hauptfiguren erwähnen, die diesem Film ganz bestimmt ihren persönlichen Stempel aufdrücken. So könnten beispielsweise die beiden Cousinen Valentina und Marta kaum unterschiedlicher sein und sowohl Caterina Barbero wie auch Lisa Seagram rücken diesen Punkt immer wieder durch ihr gelungenes Schauspiel in den Vordergrund. Auch Maurizio Bonuglia in der Rolle des Lebemannes Pierre ist eine echte Augenweide und selbst die ansonsten in kleineren Nebenrollen auftretenden Akteure liefern einen guten Job ab. Letztendlich kann man also von einem sehr stimmigen Gesamtbild sprechen und macht auf keinen Fall einen Fehler, wenn man dieser Produktion eine Sichtung angedeihen lässt.


Fazit:


"Die Mühle der Jungfrauen" ist ganz bestimmt kein Überflieger, doch hat man sicherlich schon etliche Gialli gesehen, die weitaus schlechter zu unterhalten wussten. Mir persönlich hat diese eher ruhig präsentierte Geschichte jedenfalls sehr gut gefallen, so das ich Genre Liebhabern nur dazu raten kann, diesem Werk eine faire Chance zu geben.


7/10

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