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Dienstag, 2. Juni 2015

Honeymoon






Honeymoon
(Honeymoon)
mit Rose Leslie, Harry Treadaway, Ben Huber, Hanna Brown
Regie: Leigh Janiak
Drehbuch: Leigh Janiak / Phil Graziadei
Kamera: Kyle Klutz
Musik: Heather McIntosh
FSK 16
USA / 2014

Bea und Paul sind frisch verheiratet und gedenken ihre Flitterwochen in der Berghütte von Beas Familie irgendwo hinter den sieben Bergen zu verbringen. Vor Ort lässt sich erst mal alles vielversprechend an. Doch dann zeigt Bea plötzlich merkwürdige Verhaltensauffälligkeiten, kann sich scheinbar nichts mehr merken, vergisst Selbstverständliches. Auch stellt Paul fest, dass Bea nachts schlafwandelt. Könnten die Veränderungen etwas zu tun haben mit Beas altem besten Freund, den sie unlängst traf? Oder haben höhere Mächte ihre Klauen im Spiel?


Wieder einmal bringt das Label Mad Dimension einen Titel heraus der ganz sicher nicht jedem gefallen wird, denn die vorliegende Geschichte ist hauptsächlich für die Freunde der ruhigeren Töne gedacht und wird keinesfalls die Erwartungen an einen harten Horrorfilm erfüllen. Doch gerade aufgrund dieser Tatsache ist "Honeymoon" in meinen Augen fast schon ein kleines Juwel, denn das Erstlingswerk von Leigh Janiak konfrontiert den Zuschauer mit einem äußerst beklemmenden Kammerspiel, das trotz der eher ruhigen Erzählweise ein Höchstmaß an Intensität freisetzt. Gerade einmal mit vier Darstellern besetzt von denen zwei auch noch eine untergeordnete Nebenrolle zukommt bezieht die Geschichte ihre Kraft aus den erstklassigen Leistungen seiner beiden Haupt-Charaktere. Rose Leslie und Harry Treadaway verleihen den von ihnen dargestellten Figuren Bea und Paul sehr viel Glaubwürdigkeit und brillieren in diesem perfiden Psycho-Spielchen das sich mit der Zeit immer mehr verdichtet, ohne dabei die Lösung des Ganzen vorweg zu nehmen.

Das Geschehen beginnt aber zunächst eher heiter und vermittelt einem das typische Glücksgefühl eines frisch vermählten Pärchens das seine Flitterwochen in einer abgelegenen Hütte an einem See verbringen will. Erst nach gut 30 Minuten kommt dann immer mehr der subtil aufsteigende Horror ins Spiel, denn nachdem Paul seine Frau in der Nacht beim Schlafwandeln verstört im Wald aufgefunden hat geht eine merkwürdige Veränderung in Bea vor. Seine Spannung beziehen die Ereignisse dann hauptsächlich aus der Tatsache, das Janiak zu keiner Zeit das große Ganze erkennen lässt und selbst am Ende des Filmes bleibt Vieles der Interpretation des Betrachters überlassen. Zugegebenermaßen werden immer wieder kleinere Indizien eingestreut die in eine bestimmte Richtung weisen, doch den bildlichen Beweis für die dadurch entstehenden Vermutungen bekommt man im Prinzip nie geliefert.

Manch einem mag das nun viel eher etwas störend erscheinen, doch ehrlich gesagt ist es ein ziemlich gelungener Schachzug in vorliegendem Fall nicht jedes Detail zu erklären. So ist dann auch die eigene Fantasie gefragt und das verleiht dem Gesehenen meiner persönlichen Meinung nach noch einmal eine ganz besondere Würze. Dennoch wird wohl insbesondere dieser Punkt die Meinungen extrem spalten, gibt es doch genügend Leute die lieber eine deutliche Erklärung für die Vorkommnisse vorziehen würden, als durch die schwammigen Andeutungen ein wenig darüber im Unklaren gelassen zu werden, wie sich die Abläufe denn nun wirklich zueinander verhalten. Wenn man jedoch nicht vollkommen auf den Kopf gefallen ist müsste man durchaus die Lösung erkennen die hinter der Veränderung von Bea steckt, denn letztendlich verhält es sich keinesfalls so, als wenn Leigh Janiak keine deutlichen Hinweise hinterlassen würde. Wie dem aber auch sei, die große Stärke von "Honeymoon" ist definitiv das glänzende Zusammenspiel seiner beiden Hauptfiguren, die durch äußerst gelungene Mimik und Gestik zu überzeugen wissen und den Film so fast im Alleingang tragen.

Weiterhin kann das Szenario aber auch durch seine immer dichter und bedrohlicher werdende Grundstimmung punkten, die vor allem nach der eher heiteren Einführung verstärkt in den Vordergrund rückt. Härtere Passagen sollte man hier auf keinen Fall erwarten, dafür gibt es jedoch einige Momente, die über einen gewissen Ekelfaktor verfügen und einem etwas auf den Magen schlagen können. Letztendlich sollte man bei "Honeymoon" zu einem überdurchschnittlich guten Eindruck gelangen, denn für ein Regiedebüt ist dieser Film wirklich erstklassig gelungen. Das wird selbstverständlich nicht jeder so sehen, doch für mich handelt es sich auf jeden Fall um eine kleine, aber sehr feine Genre-Perle die man gesehen haben sollte.


Fazit:


Die Fans explizit dargestellter Härte werden hier nicht bedient, dafür sollten die Freunde intensiver Kammerspiele durchgehend auf ihre Kosten kommen. Eine faire Chance sollte man diesem Werk auf jeden Fall geben, das mich in allen Belangen sehr positiv überrascht hat.


8/10

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