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Dienstag, 23. Juni 2015

Mädchen hinter Gittern






Mädchen hinter Gittern
(Mädchen hinter Gittern)
mit Heidelinde Weis, Harald Leipnitz, Harry Riebauer, Sabine Bethmann, Adelheid Seeck, Ursula Herking, Ellen Umlauf, Helga Marlo, Uta Levka, Carsta Löck, Hans W. Hamacher, Brigitte Freyer, Marianne Hoffmann
Regie: Rudolf Zehetgruber
Drehbuch: Rudolf Zehetgruber
Kamera: Hans Jura
Musik: Raimund Rosenberger
FSK 12
Deutschland / 1965

Eine Fürsorgeanstalt für Mädchen in Berlin: Wer hier gelandet ist, hat ein bewegtes Leben hinter sich. Zu den Vergehen der jungen Damen zählen Diebstahl, Kuppelei oder Prostitution. Eine von ihnen ist Karin (Heidelinde Weis), eine widerspenstige Frau Anfang 20, die ein besonderes Geheimnis birgt. Wegen ihr soll sogar der letzte Geistliche der Anstalt das Weite gesucht haben. Bevor der neue Seelsorger Skornia (Harald Leipnitz) eintrifft, wird die Rebellin gar in eine Zelle gesperrt, um von Beginn an Komplikationen zu vermeiden. Doch das Charisma des Gottesmannes ist es schließlich, das Karin dazu bewegt, ihm ihre traurige Vergangenheit zu offenbaren. Darin spielte ein zwielichtiger Modefotograf (Harry Riebauer) eine entscheidende Rolle. Kann die junge Frau dank der Hilfe des sympathischen Pfarrers einen Neustart wagen?


"Mädchen hinter Gittern" ist ein weiterer Klassiker aus der berühmten Artur Brauner Produktionsschmiede und entstand 1965 unter der Regie von Rudolf Zehetgruber, der auch gleichzeitig für das Drehbuch verantwortlich zeichnete. Schauplatz ist eine Fürsorgeanstalt in Berlin in der mehrere straffällige Frauen untergebracht sind, von denen die junge Karin (Heidelinde Weis) mit ihrer noch jungen Lebensgeschichte im Mittelpunkt des Geschehens steht. Phasenweise ist die Geschichte schwerlich einem bestimmten Genre zuzuordnen, denn obwohl es sich im eigentlichen Sinne um ein echtes Drama handelt, sind auch durchaus die Züge einer sozialkritischen Millieustudie zu erkennen, gleichzeitig offenbaren die Ereignisse jedoch auch eine teils unfreiwillig komische Note, die in mehreren Passagen fast schon den Hauch einer Komödie erkennen lassen. Dieser Umstand scheint aber wirklich keineswegs absichtlich aufzutreten, dennoch wirken insbesondere die Stellen die sich mit der Thematik eines Drogenentzugs beschäftigen nur mit einer zur damaligen Zeit vorhandenen Unwissenheit schwer nachvollziehbar. So werden dem Zuschauer ganz normale Filter Zigaretten als Marihuana Glimmstengel verkauft und der Genuss eben dieser Zigaretten führt dann auch noch zu solch körperlichen Entzugserscheinungen, wie man sie eigentlich nur von einem kaltem Entzug von Heroin her kennt. Trotz dieser eher unfreiwillig komischen Note wird das Ganze jedoch erstklassig dargestellt, wobei die junge Heidelinde Weis ganz generell durch eine absolut überzeugende Performance ins Auge fällt.

Ihr gegenüber steht aber mit einem glänzend aufgelegten Harald Leipnitz ein jederzeit ebenbürtiger Gegenpart, denn auch sein Charakter des Pfarrers wird durchaus glaubhaft in Szene gesetzt. Alle anderen Figuren dienen dann viel eher der nötigen Staffage und kommen zu keiner Zeit über den Status einer Nebenrolle hinaus. Das ist aber auch gar nicht notwendig, fokussiert sich die Erzählung doch in erster Linie auf die beiden Hauptfiguren und beleuchtet dabei ganz besonders die Bemühungen des Pfarrers, die raue Schale von Karin zu durchbrechen, um sie wieder auf den richtigen Weg zu führen. Zehetgruber geht dabei teilweise einen recht mutigen Weg und verbindet die damals üblichen Erziehungsmaßnahmen mit neuen Impulsen die von dem jungen Geistlichen ausgehen. Im Gegensatz zu den Aufsichtspersonen der Anstalt nimmt er sich nämlich wirklich der Probleme des Mädchens an und versucht ihr mit für die damalige Zeit eher unkonventionellen Methoden zu helfen. 

Durch den Aufbau eines Vertrauensverhältnisses soll ihm das schließlich auch gelingen, doch der Weg dahin ist mit etlichen Steinen gepflastert die zuerst einmal aus dem Weg geräumt werden müssen. Wie dem aber auch sei, "Mädchen hinter Gittern" ist trotz der größtenteils ernsten Thematik ein äußerst unterhaltsamer Film und in der Rückbetrachtung kann man so auch den manchmal vorhandenen Humor etwas besser nachvollziehen. Dient er doch in der Hauptsache dazu, eine fast schon tragische Lebensgeschichte einer jungen Frau ein wenig aufzulockern. Das gelingt auch sehr gut und auch wenn manche Szenen auf den ersten Blick ein wenig überzogen erscheinen, so tragen diese doch letztendlich nicht unerheblich zu einem richtig guten Gesamteindruck bei. Das die Erzählung natürlich aus der heutigen Sichtweise ein wenig altbacken und antiquiert darstellt kann man dabei vollkommen vernachlässigen, denn immerhin hat das Szenario schon ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel.

Zudem kommt hier die Stimmung der 60er Jahre äußerst gut zur Geltung, so das sich insbesondere für Nostalgiker ein absolut sehenswerter Filmgenuss offenbart. Ich persönlich liebe diese alten Klassiker und "Mädchen hinter Gittern" fällt ganz eindeutig in diese Kategorie. Es ist immer wieder erfreulich, welch kleine Perlen der deutsche Film doch zu bieten hat und das diese auch zu einer Veröffentlichung auf DVD gelangen. 


Fazit:


Im eigentlichen Sinne als echtes Drama gekennzeichnet, beinhaltet "Mädchen hinter Gittern" jedoch auch einige sehr humorige Momente. Gut agierende Schauspieler und eine interessant vorgetragene Story sind weitere Stärken eines nostalgischen Filmgenusses, den sich kein Liebhaber entgehen lassen sollte.


8/10

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