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Dienstag, 28. Juli 2015

Found - Mein Bruder ist ein Serienkiller






Found - Mein Bruder ist ein Serienkiller
(Found)
mit Gavin Brown, Ethan Philbeck, Phyllis Munro, Louie Lawless, Alex Kogin, Andy Alphonse, Shane Beasley, Angela Denton, Kitsie Duncan, Kate Braun, Edward Jackson, Adrian Cox-Thurmond, Brigid Macaulay, Dane Irwin
Regie: Scott Schirmer
Drehbuch: Scott Schirmer / Todd Rigney
Kamera: Leya Taylor
Musik: keine Informationen
keine Jugendfreigabe (cut)
USA / 2012

Der zwölfjährige Marty (Gavin Brown) führt ein tristes Leben als einsamer Außenseiter. Er hat nur einen einzigen Freund, wird von seinen Eltern vernachlässigt und sein älterer Bruder Steve (Ethan Philbeck) lässt sich viel zu selten blicken. Zurückgezogen malt er in seinem Zimmer Superhelden-Comics und schaut Horrorfilme. Eines Tages entdeckt er schockiert, dass Steve ein blutiges Geheimnis vor ihm verbirgt. Ein abgetrennter Kopf im Wandschrank seines Bruders ist der traumatische Beweis für dessen abgründiges Doppelleben. Doch schon bald erfährt Steve von Martys Entdeckung - mit grausamen Konsequenzen für den kleinen Bruder und die gesamte Familie.


Im Normalfall kann man sich Rezensionen zu geschnittenen Filmen durchaus verkneifen, aber im Fall von "Found - Mein Bruder ist ein Serienkiller kann man ohne Weiteres eine Ausnahme machen. Die fehlenden knapp vier Minuten sind nämlich für den Film an sich eher unerheblich und dienen lediglich dazu, um einmal mehr ein teures Mediabook über unsere österreichischen Nachbarn an den Mann zu bringen. Da es jedoch in meinen Augen einzig und allein um die hier erzählte Geschichte geht reicht die deutsche Veröffentlichung vollkommen aus, denn der Erstling von Scott Schirmer kann auch in der vorliegenden Form seine volle Wucht entfalten, da die Story doch in der Hauptsache auf der psychischen Ebene ein Höchstmaß an Intensität erzeugt, die dem Zuschauer spürbar zu schaffen macht. Ganz generell tendiert diese Independent Produktion vielmehr in die Richtung eines waschechten Dramas mit diversen Anleihen an den Horrorfilm, als das man sich auf eine blutige Schlachteplatte einstellen sollte. Dabei ist es mehr als nur erstaunlich, was Schirmer an dieser Stelle mit einem Budget von gerade einmal 8.000 $ auf die Beine gestellt hat. Zwar merkt man der eher ruhig aufgebauten Geschichte an diversen Stellen durchaus die minimalen Kosten an, wobei die visuelle Präsentation des Ganzen davon am wenigsten betroffen ist.

Zwar zeigt sich das Szenario durchgehend im Home Video Stil, doch dieser Aspekt kommt zu keiner Zeit wirklich negativ zum Ausdruck. Im darstellerischen Bereich darf man selbstverständlich keinerlei Wunderdinge erwarten, wobei die meisten der Protagonisten sowieso nicht über den Status nötiger Staffage hinaus kommen und streckenweise auch dementsprechend agieren. Im Prinzip zählen jedoch auch nur die beiden Brüder und der junge Marty steht dabei unverrückbar im Mittelpunkt der Ereignisse, wohingegen sein älterer Bruder Steve erst mit zunehmender Laufzeit einen immer größer werdenden Stellenwert in der Story erlangt. Zwar agieren auch diese beiden Charaktere phasenweise ein wenig hölzern und unbedarft, doch insbesondere im Fall von Marty ist dies als absoluter Pluspunkt anzusehen, wird so doch auch die innere Unsicherheit des heran wachsenden Jungen erstklassig zum Ausdruck gebracht. Damit wäre man dann auch gleich bei der Thematik die sich in der Hauptsache zu erkennen gibt, handelt es sich bei "Found" doch viel eher um eine etwas andere Form des Erwachsenwerdens, als das der Film in erster Linie das Thema des Serienkillers behandeln würde. So entsteht dann auch eine äußerst düstere und gelungene Kombination, die dem Betrachter ganzzeitig schwer zu schaffen macht. Mit seinem Wissen über die "Nebenbeschäftigung" seines älteren Bruders löst Marty nämlich ungewollt eine Gewaltspirale aus, die auch ohne großartige und explizite Gewaltdarstellungen ihre Wirkung auf keinen Fall verfehlt und extrem intensiv nachhallt. Schirmer beleuchtet dabei die Wesensänderung seiner Hauptfigur mehr als gut und man gewinnt sehr gute Einblicke in die innere Zerrissenheit eines heranwachsenden Teenagers, der sich trotz der grausamen Taten zu seinem Bruder hingezogen fühlt.

Die Eltern hingegen nehmen eher einen nebensächlichen und nichtssagenden Stellenwert ein und ebenso ist auch das Verhältnis zu ihren beiden Kindern. In gewisser Art und Weise kann man dabei ohne Weiteres von einer dysfunktionalen Familie sprechen, was ganz besonders in den letzten Minuten immer stärker ersichtlich wird. Desinteresse scheint im Vordergrund zu stehen und Dinge wie Liebe und andere positive Gefühle scheint es hier nicht zu geben. Und so fristet Marty dann auch ein Dasein um das man ihn nicht unbedingt beneidet, der junge hat keine echten Freunde und wird zudem auch in der Schule ständig nur gehänselt und gepeinigt. Seine Verunsicherung ist dabei jederzeit förmlich zu greifen und so abartig sich das jetzt auch anhört, hilft im erst das gute Zureden des Bruders, damit er eine eigene Persönlichkeit entwickeln kann. Wie das von statten geht sollte man sich dann aber selbst anschauen, denn die dabei aufgezeigten kontroversen Ansätze in "Found" stimmen einen schon recht nachdenklich.

Zum Ende hin eskaliert die ganze Chose dann noch einmal recht ordentlich und auch wenn sich dies nicht durch visuelle Gewaltdarstellungen bemerkbar macht, kriecht einem die nachhaltige Wirkung merklich unter die eigene Haut. Normalerweise sollte man geschnittene Filme wirklich nicht loben, doch mir persönlich hat dieses Werk in der vorliegenden Form extrem gut gefallen. Hier wird die Fantasie des Zuschauers merklich in Gang gesetzt und die vorhandenen Ansätze sind vollkommen ausreichend um einen psychischen Härtegrad zu entfachen der es wirklich in sich hat. Zudem haben die fehlenden Szenen wie schon kurz erwähnt mit der Geschichte an sich herzlich wenig zu tun und berühren auch keinesfalls die inhaltliche Substanz des Ganzen.


Fazit:


Wer gesteigerten Wert auf einige explizite Einstellungen legt muss sich das teure Mediabook besorgen, wem es allerdings lediglich um eine gut und intensiv erzählte Geschichte geht, der kann auch bedenkenlos zur deutschen Veröffentlichung greifen. Hier präsentiert sich ein fieses kleines Filmchen das Kopf Kino per Excellence anbietet, das seine Wirkung keinesfalls verfehlt.


7/10

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