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Donnerstag, 30. Juli 2015

Perfect Sisters






Perfect Sisters
(Perfect Sisters)
mit Abigail Breslin, Georgie Henley, Mira Sorvino, James Russo, Rusty Schwimmer, Zoë Belkin, Jeffrey Ballard, Jonathan Malen, Stephan James, Zak Santiago, Caleb Pederson, Braden Pederson, Sarah Constible, Ed Sutton
Regie: Stanley M. Brooks
Drehbuch: Fab Filippo / Adam Till
Kamera: Stéphanie Anne Weber Biron
Musik: Carmen Rizzo
FSK 12
Kanada / 2014

Die Schwestern Sandra und Beth sind unzertrennlich. Mitten in der Pubertät zeigen sie ihr unterschiedliches Temperament: Extrovertiert und immer im Mittelpunkt der Jungs die eine, die andere introvertiert und mit dem Kopf lieber in einem Buch. Ihre Mutter Linda hat immer stärker mit der Alkoholsucht zu kämpfen und lacht sich einen gewalttätigen Liebhaber an. Nachdem alle ihre Hilferufe ungehört bleiben, haben die Schwestern es satt und fassen einen Entschluss: Mit Hilfe ihrer engsten Freunde hecken sie einen Plan aus, um ihre Mutter zu ermorden und es wie einen Unfall aussehen zu lassen. Nach einem wahren Kriminalfall!


Filme die auf wahren Mordfällen beruhen haben schon immer ihren ganz besonderen Reiz entfaltet, so das man auch im Fall von "Perfect Sisters" auf ein gelungenes Werk hoffen darf. Die Geschichte beruht auf dem Mordfall Linda Andersen, die im Jahr 2003 von ihren Töchtern in Kanada ermordet wurde. Der Spielfilm von Stanley M. Brooks versucht dabei in erster Linie, die Beweggründe der beiden Teenager Sandra und Beth darzustellen, die letztendlich zu der folgenschweren Entscheidung führten ihrer Mutter das Leben zu nehmen. Dies gelingt dem Regisseur auch verhältnismäßig gut und die sehr gut aufspielenden Hauptdarsteller sind dabei ein enorm wichtiger Bestandteil dafür, die Ereignisse nachvollziehbar darzustellen. Als äußerst gelungenen Schachzug muss man an dieser Stelle den Aspekt ansehen, das die beiden Mädchen innerhalb des Geschehens prinzipiell sehr sympathisch dargestellt werden und "Perfect Sisters" auch keinerlei Wertung vornimmt, ob es sich nun um Täter oder Opfer handelt. So muss sich auch der Betrachter mit einem innerlichen Zwiespalt herum schlagen, denn gibt es einerseits keinerlei Rechtfertigung für die begangene Tat, so ist sie doch zumindest aus menschlicher Sicht teilweise nachvollziehbar, was einen somit fast schon an seine moralischen Grenzen bringt.

Die Wahl der Mittel für die filmische Umsetzung ist dabei stellenweise recht außergewöhnlich, eröffnet sich doch überraschenderweise ein Mix verschiedener Genres, was das Ganze jedoch nur zusätzlich würzt und letztendlich ein überdurchschnittlich gutes Gesamtbild entstehen lässt. So beginnt das Szenario eigentlich im Stil einer Teenager Komödie und lässt zu Beginn noch keinerlei Anzeichen dafür erkennen, in welche Richtung die Ereignisse später tendieren sollen. Gemischt mit diversen Thriller Elementen und einem gehörigen Schuss Drama gelingt es Brooks allerdings eindrucksvoll, spätestens nach dem ersten Drittel des Filmes eine Richtungsänderung einzuschlagen, die sämtliche am Anfang aufkommende Heiterkeit mit einem Mal verschwinden zu lassen. Die Grundstimmung ändert sich vollends und es entsteht phasenweise sogar ein echtes Gefühl der Beklemmung, zudem wird mit dem gewalttätigen neuen Freund der Mutter (James Russo) ein Charakter eingefügt, der beim Zuschauer wahre Ekelgefühle aufsteigen lässt.

Auch die Wesensänderung der beiden Mädchen kommt immer stärker zum Vorschein und nichts ist mehr zu sehen von den zu Beginn eher fröhlichen Teenagern. Tristesse, Hoffnungslosigkeit und absolute Hilflosigkeit prägen von nun an die Szenerie und die unbeantworteten Hilferufe der Mädchen tun ihr Übriges, um an dieser Stelle schon eine leicht depressive Stimmung aufkommen zu lassen. All diese Punkte wurden von Brooks wirklich äußerst gut eingefangen, so das man sich ohne Weiteres einen guten Eindruck über die innere Zerrissenheit der Schwestern machen kann. Dieser Aspekt verschwindet auch nach der ausgeführten Tat nicht, wobei es nun in erster Linie die etwas ältere Beth ist, die ganz explizit mit den seelischen Folgen ihrer Tat zu kämpfen hat. Das sie dabei in den Lebensstil ihrer toten Mutter verfällt ist dabei schon als extrem makaber anzusehen, immer mehr flüchtet sich das Mädchen in ausschweifende Partys und frönt dabei mächtig dem Genuss von Alkohol. Andererseits lassen aber auch beide Hauptfiguren eine gewisse Abgeklärtheit und Kälte erkennen, was insbesondere in diversen Passagen nach dem Mutter Mord zum tragen kommt.

Sicherlich wird diese außergewöhnliche filmische Kombination längst nicht alle Geschmäcker treffen, doch gerade dadurch hebt sich "Perfect Sisters" meiner Meinung nach von anderen ähnlich gelagerten True Crime Geschichten ab. Durch seine sehr gut agierenden Darsteller und die nicht gerade alltägliche Mixtur schält sich dieses Werk so aus dem üblichen Einheitsbrei heraus und dürfte somit als gelungene Independent Produktion angesehen werden. Stanley M. Brooks hat jedenfalls eine ganze Menge richtig gemacht und eine Geschichte präsentiert, die den Zuschauer äußerst nachdenklich stimmt und auch noch nachhaltig beschäftigen dürfte.


Fazit:


Einmal mehr bekommt man es in vorliegendem Fall mit einem Film zu tun der auf den ersten Blick eher unscheinbar erscheinen mag, letztendlich aber eine ganze Menge an Intensität und Qualität freisetzt. Die fast komplett wertfreie Darstellung der beiden jugendlichen Hauptdarstellerinnen ist dabei für mich das Highlight einer gut erzählten Geschichte, denn nur dadurch ist es möglich den Betrachter in einem moralischen Zwiespalt zu versetzen, der auch lange nach Beendigung der Sichtung noch ziemlich nachhaltig auf einen einwirkt.


7,5/10

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